Kohle

„Europa bleibt eine große Quelle von Quecksilber, das sich in anderen Kontinenten und in der Arktis ablagert. Eine Hauptquelle für Freisetzungen von Quecksilber ist die Verbrennung von Kohle.“
EU-Kommission: Gemeinschaftsstrategie für Quecksilber (PDF)

Kohlekraftwerke sind die größten Quecksilberschleudern der Welt. In Deutschland sind sie für zwei Drittel der Quecksilberemissionen verantwortlich. Quecksilber und andere Schadstoffe wurde vor Jahrmillionen von Pflanzen gebunden. Heute sind sie in der Kohle konzentriert und werden beim Verbrennen freigesetzt. Der Anteil reicht je nach Herkunft von 0,01 bis etwa 1 Milligramm pro Kilogramm (ppm). Bei der Verbrennung von einer Million Tonnen Kohle (ca. Bedarf eines neuen 800 MW-Kraftwerks im Jahr), wird also bis zu einer Tonne Quecksilber freigesetzt, von dem nur ein Teil gefiltert werden kann.

Gesetzliche Regelungen

In der 13. Bundes-Immissionsschutzverordnung (13. BImSchV) ist ein Grenzwert für den Quecksilbergehalt der Abgase festgelegt. Der Tagesmittelwert von Großfeuerungsanlagen darf 30 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter Abgas nicht übersteigen (§3 Abs. 1 Nr. 1.b). Dieser Grenzwert macht klar: je mehr verbrannt wird, desto mehr Quecksilber darf auch ausgestoßen werden. Es gibt keine absolute Höchstgrenze. Große Kraftwerke geben mehrere hundert Kilogramm im Jahr in die Umwelt ab.

Filterung

Es gibt kein einzelnes Filterverfahren, dass als beste verfügbare Technik (BVT) gilt. In dem EU-weit gültigen Referenzdokument für Großfeuerungsanlagen sind verschiedene Verfahren beschrieben. Wichtig ist in jedem Fall eine niedrige Temperatur der Abgase, um Quecksilber effektiv zu filtern. Aber auch mehrstufige Filtersysteme können Quecksilber nicht vollständig aus den Abgasen entfernen. Neue Anlagen sollten aber die Höchstgrenze von 30 Mikrogramm/m3 Abgas deutlich unterschreiten.

Neubauten und Widerstand

Trotz der Gefahr fürs Klima und der Luftverschmutzung durch Feinstaub, Quecksilber und andere Schadstoffe, werden in Deutschland zahlreiche neue Kohlekraftwerke gebaut, geplant oder erweitert. Und überall gibt es dagegen Widerstand. Die unten stehende Übersicht und Links werden regelmäßig aktualisiert. Alle Angaben ohne Gewähr!

Pixelio - Kohlekraftwerk Rostock
Bild: Pixelio.de

Allgemein

Umweltverbände (zu Kohle): BUND, BUND NRW, Greenpeace, DUH
Bündnisse: Klima-Allianz, Zukunft statt Braunkohle
Ökostrom: Atomausstieg selber machen
Sonstige: Antikohlekraftbewegung, Grünes Klima

Im Norden:

10 neue Kraftwerksblöcke an 4 Standorten mit 8.440 MW geplant

Bremen
von Stadtwerke Bremen, 800-910 MW, Infos: Grünes Klima
Planungen eingestellt!

Brunsbüttel (Schleswig-Holstein)
von GDF Suez, 800 MW ab 2012 (genehmigt)
von SüdWestStrom, 2 mal 900 MW ab 2012 (genehmigt)
von GETEC, 800 MW ab 2013,
Infos: BI Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe

Dörpen (Niedersachsen)
von EnBW und BKW Energie AG (Schweiz), 900 MW
Infos: BI Saubere Energie Dörpen, ad-hoc-news.de

Emden (Niedersachsen)
von DONG Energy, 800 MW
Infos: BI Saubere Luft Ostfriesland, Die Welt, taz

Hamburg „Moorburg“ (im Bau)
von Vattenfall, 2 mal 820 MW ab 2011/12
Infos: Kohle killt Klima, Greenpeace vs. Vattenfall, Wilhelmsburger Ärzteschaft, Genehmigungsverfahren

Kiel (Schleswig-Holstein)
von Stadtwerken Kiel und E.ON, 800 MW
Planungen bis 2011 gestoppt!

Nordenham / Blexen (Niedersachsen)
von BKW Energie AG (Schweiz), 800 MW
Infos: Nordwestradio

Stade (Niedersachsen)
von GDF Suez, 800 MW ab 2012
von E.ON, 1.100 MW ab 2012
von Dow, 1000 MW
Infos: BI Stade – Altes Land, BI Bützfleth, BUND Stade

Wilhelmshaven (Niedersachsen)
von GDF Suez (67%) und BKW (33%), 800 MW ab 2012 (im Bau)
von E.ON, 500 MW ab 2014,
+ Option auf je einen weiteren Block
Infos: BI Wilhelmshaven, Ärzteinitiative WHV, Gegenwind

Im Osten:

4 neue Kraftwerksblöcke an 3 Standorten mit 2.935 MW geplant

Arneburg
von RWE, 2 mal 800 MW
Infos: BI gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg, Wir Klimaretter

Berlin
von Vattenfall, 800 MW
Infos: Kohle nur noch zum grillen, BI Nein zum Kohlekraftwerk

Boxberg (Sachsen) (im Bau)
von Vattenfall, 675 MW (Braunkohle) ab 2011
Infos: Greenpeace

Lubmin / Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
von DONG Energy, 2 mal 810 MW
Infos: BI Kein Kohlekraftwerk Lubmin, BI Zukunft Lubminer Heide, Appell von Wissenschaftlern, ORF
Planungen gestoppt!

Profen (Sachsen-Anhalt)
von Mibrag, 660 MW (Braunkohle) ab 2012/13
Infos: Mitteldeutsche Zeitung, Umweltruf, Newsropa

Im Westen (NRW):

12 neue Kraftwerksblöcke an 8 Standorten mit 10.300 MW geplant
Ausführliche Infos zu allen Kraftwerken: BUND NRW

Bergheim-Niederaußem
von RWE, 2 mal 1000 MW (Braunkohle) ab 2015/16, Infos: BI Big BEN

Datteln (im Bau)
von E.ON, 1100 MW ab 2011,
Infos: Aktion „Bürger informieren Bürger“, MegA Waltrop

Duisburg-Walsum (im Bau)
von Steag (Evonik), 750 MW ab 2010,
Infos: BI gegen Umweltgifte Duisburg-Nord

Düsseldorf
von den Stadtwerken Düsseldorf (EnBW), 400 MW ab 2012
Infos: BUND, ASTR(H)EIN – Aktionsbündnis Sauberer Strom am Rhein

Grevenbroich „Neurath“ (im Bau)
von RWE, 2 mal 1100 MW (Braunkohle) ab 2010
nfos: BI Big BEN, Greenpeace

Hamm / Westfalen (im Bau)
von RWE + Stadtwerke Hamm, 2 mal 800 MW ab 2011/2012
Infos: RP Online

Herne
von Steag (Evonik) + 28 Stadtwerke, 750 MW ab 2011,
Planungen derzeit gestoppt! Infos:  Greenpeace

Köln
von RheinEnergie, 800 MW,
Infos: KölnAgenda, Kölner Stadtanzeiger
Planungen eingestellt!

Krefeld-Uerdingen
von Trianel, 750 MW ab 2012,
Infos: Uerdinger Kohlekraftwerk, Coordination gegen Bayer-Gefahren, BI Saubere Luft

Lünen (im Bau)
von Trianel, 750 MW ab 2012,
von Steag (Evonik), 750 MW ab 2012,
Infos: BI Kontra Kohle Kraftwerk, Strom-Wende, Ruhrnachrichten

Im Süden:

3 neue Kraftwerksblöcke mit 2.912 MW geplant

Ensdorf (Saarland)
von RWE, 2 mal 800 MW
Infos: BI für Klima und Umweltschutz, private Infoseite, Aktionsbündnis Kein Klimakiller Ensdorf, NGO Online, Greenpeace
Planungen eingestellt!

Großkrotzenburg (Hessen) „Staudinger“
von E.ON + Stadtwerke Hannover (25%), 1100 MW ab 2013
Infos: BI Stopp Staudinger

Karlsruhe (Baden-Württemberg)
von EnBW, 912 MW ab 2011
Infos: Aktionsbündnis Saubere Luft, Greenpeace Karlsruhe, Robin Wood, ka-news

Mainz (Rheinland-Pfalz)
von Kraftwerke Mainz-Wiesbaden, 800 MW
Infos: Genehmigungsverfahren (Behörde), Einspruch (Gegner), BI KoMa – Kohlefreies Mainz, Mainzer Ärzte, Wiesbadener Ärzte, Arbeitskreis Umwelt Wiesbaden, KeKoWi
Planungen gestoppt!

Mannheim (Baden-Württemberg)
von GKM (RWE, EnBW, MVV), 900 MW ab 2012
Infos: Nein zu Block 9!

Quierschied (Saarland)
von Steag, 1600 MW, Infos: PR-inside.com, Grünes Klima
Planungen eingestellt!

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13 Responses to Kohle

  1. […] gegen das Steinkohlekraftwerk Appell der Wissenschaftler (20 KB) Unterschriftsliste (36 KB) Quecksilber? Nein Danke! .:.täglich.:.flüssig.:.metallisch.:.giftig.:. * „Jubeldemo“ für Steinkohlekraftwerk […]

  2. Eckhard Freese, Krummhörn sagt:

    In Emden / Ostfrsld. hat der dän. Konzern DONG Anfang Febr.08 den Bau eines Kohlegroßkraftwerkes angekündigt. Die wollen hier bauen, was sie zuhause nicht mehr genehmigt bekommen. Emden ist auf dem besten Wege, sich als „Haptstadt der regenerativen Energieen“ zu erarbeiten.Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet.
    Gruß
    E. Freese

  3. quecksilber sagt:

    Emden habe ich schon drin. Trotzdem Danke für die Info. Hat die BI eine Website? Ich würde sie gerne verlinken, habe aber noch nichts gefunden.

  4. […] Klimaschutzielen der Bundesregierung weiterhin mit Strom zu versorgen. Dazu müssen auch keine 25 (oder mehr) neue Kohlekraftwerke in Deutschland errichtet werden. Die Uni Kassel zeigt, wie es geht. Dort wird ein Versuch mit einem […]

  5. ulrich hemke sagt:

    guten tag,
    in stade sind geplant gleich drei kohlekraftwerke
    electrabel, enbw/dow chemical, und eon
    die electrabel-unterlagen liegen zur zeit aus,
    gelten die quecksilber-warnungen auch für die electrabel-planungen für stade ?
    gruß
    ulrich hemke

  6. Quecksilbergegner sagt:

    Dörpen und Lubmin können jetzt auch gestrichen werden!

  7. Quecksilbergegner sagt:

    Düsseldorf kann ebenfalls durchgestrichen werden.

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