Elektroschrott und Kinderschuhe

28. Dezember 2007

sondermuell.gifNa, zu Weihnachten einen neuen Flachbildschirm / Waschmaschine / Rasierer / MP3-Spieler bekommen? Wohin jetzt mit dem alten Gerät? Im Deutschlandfunk habe ich grade (mal wieder) etwas über die schlechten Recyclingquoten von Elektroschrott in der EU gehört. Den Beitrag „Recycling von Elektroschrott steckt noch in den Kinderschuhen“ gibt es auch zum Nachhören als mp3. Die in ganz Europa im Jahr verkauften 660 Millionen  Energiesparlampen enthalten 4,3 Tonnen Quecksilber. Alle LCD-Bildschirme bringen es auf eine Menge von 2,8 Tonnen. In anderen Geräten ist Quecksilber erst seit kurzem verboten, sie enthalten aber weiterhin jede Menge anderer Schadstoffe. Wer Elektrogeräte in die Mülltonne wirft statt sie recyceln zu lassen, begeht übrigens eine Ordnungswidrigkeit. Was im Restmüll landet wird verbrannt und die Giftstoffe freigesetzt. Private Müllsammler nehmen zwar manchmal alte Geräte vom Straßenrand mit, entnehmen aber nur die wertvollen und leicht erreichbaren Stoffe und kümmern sich nicht um den Rest. Und die Waschmaschine in den Wald zu bringen ist einfach hirnrissig, denn Recyclinghöfe nehmen allen Elektroschrott kostenlos entgegen.  Manche Händler bieten diesen Service freiwillig an. Beim Lampenrecycling werden Quecksilber, Lampenglas, Plastik und andere Stoffe vollständig zurückgewonnen. Bei manchen anderen Geräten funktioniert dies leider nicht:

„Es gibt kein automatisiertes Verfahren um Flachbildschirme zu zerlegen.“

heißt es in dem Beitrag. Sprich: viele Geräte sind so designt, dass man sie mit vorhandenen Mitteln gar nicht zu vernünftigen Kosten recyceln kann. Was ansonsten damit passiert, wurde in dem Beitrag nicht gesagt. Also am besten schon bei der Anschaffung fragen: brauche ich das wirklich?

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Gerechtigkeit

25. Dezember 2007

Weihnachten hat ja irgendwie auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun. Ich kann das nicht theologisch begründen, aber für mich ist es so und für viele andere Menschen sicher auch. In den letzten Wochen tobte eine Debatte über Managergehälter durch die Medien. Wendelin Wiedeking, der Vorstandsvorsitzende von Porsche, soll in diesem Jahr 60 Millionen Euro bekommen haben. Ist das viel, ist das zu viel? Oder ist es Neid, dieses Gehalt zu kritisieren? Porsche ist im Besitz der Familien Porsche und Piëch. Wenn die ihre Angestellten mit Gold überschütten wollen, ist es erstmal ihr eigenes Problem. Sie werden sicher selber genug haben. 60 Fantastillionen – das kann ich mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen. Im politischen oder wirtschaftlichen Bereich, okay, da geht es um Millionen oder Milliarden. Da gibt es Bezugspunkte und Vergleiche. Aber als privates Einkommen? In einem Jahr? Gerecht kann etwas auch immer nur zu einem Bezugspunkt sein. Wenn es allen gleich schlecht oder gut geht, ist das nicht ungerecht. Was sind also die Bezugspunkte für Herrn Wiedekings 60-Millionen-Jahresgehalt?

Porsche 911 Carrera: 81.128 Euro
1 Wiedeking (60 Millionen) = 740 Porsche 911 Carrera

Produzierte Porsche 2006/2007: 101.844 Fahrzeuge
1 Wiedeking = 590 Euro pro Fahrzeug

Porsche-Mitarbeiter: 11.571
1 Wiedeking = 5200 Euro pro Mitarbeiter

Jahresgehalt der Bundeskanzlerin: knapp 250.000 Euro
1 Wiedeking = 240 Bundeskanzler

Und das ganze in Worten: zwei mittlere Porsche am Tag sind für den Vorstandsvorsitzenden. Oder: jeder, der sich einen Porsche kauft, zahlt 590 Euro für den Mann an der Spitze. Oder: jeder Mitarbeiter bei dem Autobauer kann 5000 Euro zusätzliches Weihnachtsgeld bekommen, wenn die Nr. 1 mit „nur“ 2,3 Millionen auskommt. Oder: die Regierungschefin von Deutschland bekommt für diese Tätigkeit in 240 Jahren so viel wie der „Regierungschef“ von Porsche in einem. Wenn das Gerecht ist, dann weiß ich’s nicht.


Weiße Weihnachten

22. Dezember 2007

Von Problemen ganz ungeahnter Art mit Kohlekraftwerken berichtet Spiegel (Online) TV: Kraftwerke als Schneekanonen. Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen eine frohe Weihnachtszeit. Vielleicht schneit es ja sogar, aber dann hoffentlich auf natürliche Weise :-)


Liebe, Lichter und Geschenke (4)

13. Dezember 2007

Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Lichter und der Geschenke. In den ersten Teilen habe ich mich mit der Kontroverse um Weihnachten, Fragen der Beleuchtung und Geschenken beschäftigt.

Liebe

Ein Buch schafft den Zusammenhang zwischen giftigem Schwermetall und zarten Gefühlen. Ein Buch, ein Liebesthriller, von Amélie Nothomb mit dem Namen „Quecksilber“ (französisch: Mercure). Der Diogenes-Verlag fragt:

„Gibt es ein Thermometer für das Fieber der Leidenschaft? Wann ist man gesund? Wann krank vor Liebe? Amélie Nothomb zerbricht das Thermometer und hebt damit jedes Maß auf. Was bleibt, ist giftiges, verführerisch glänzendes Quecksilber.“

Ein französisches Literaturmagazin beschreibt den Roman als „glänzend wie Quecksilber. Ein Blendwerk, das uns in die Falle lockt mit seiner trügerischen Einfachheit. Fast eine Geschichte für Kinder, nur ein wenig grausamer.“

Das ist zugegeben eher literarisch als naturwissenschaftlich, aber auch zwischen dem körperlichen Teil der Liebe und Quecksilber gibt es eine Verbingung. Im allerersten Beitrag dieses Blogs habe ich ihn schon behandelt. Da ging es um Quecksilberkondomen, die in vergangegen Jahrhunderten zur Verhütung verwendet wurden. Nicht ganz so giftig, aber immer noch ungesund, sind Weichmacher in „Erwachsenenspielzeug“, die Greenpeace vor einem Jahr gefunden hat. PVC ist an sich hart und spröde (zum Beispiel bei Schallplatten), erst durch Phtalate wird es biegsam und geschmeidig. PVC an sich besteht, wie der Name Poly-Vinyl-Chlorid schon sagt, aus Chlor. Bei dessen Herstellung wird häufig Quecksilber freigesetzt, dass die Umwelt belastet und Gewässer verschmutzt (siehe Übersichtsseite Chlor). Hart-PVC ist im normalen Gebrauch gesundheitlich unbedenklich. Die Weichmacher sind es nicht.

Wenn das Weich-PVC „mechanisch belastet oder erwärmt wird, steigern sich die Phthalat-Emissionen [=Weichmacher] erheblich. Phtalate sind krebserregend, schädigen die Entwicklung heranwachsender Kinder und machen Männer unfruchtbar, da sie auf diese wie weibliche Hormone wirken. Leber- und Nierenschäden sowie Hodenkrebs sind die Folge,“ heißt es in dem verlinkten Telepolis-Artikel.

In Kinderspielzeug sind Phtalate seit einigen Jahren verboten. In „Erwachsenenspielzeug“ sind sie weiterhin erlaubt. Unbedenkliche Alternativen bestehen aus Silikon, Holz oder Glas.


Liebe, Lichter und Geschenke (3)

12. Dezember 2007

Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Lichter und der Geschenke. Die Kontroverse um Weihnachten und Fragen der Beleuchtung habe ich schon behandelt, heute geht es um das, was auf dem Gabentisch landet (falls man sich nicht doch dem Weihnachtsboykott anschließt).

Geschenke

Weihnachtsmann von Nils gezeichnet (flickr.com)Manches Spielzeug ist gefährlich. Auch wenn der verlinkte Comic die Gefahren etwas überzeichnet (Dank an Fischer), ist der Skandal um bleifarbene Barbiepuppen hoffentlich noch jedem sorgenden Elternteil in Erinnerung. Die Seite HealthyToys.org gibt eine erste Übersicht über verschiedene Schwermetalle, PVC-Weichmacher und andere Schadstoffe in Kinderspielzeug, zumindest für den amerikanischen Markt. Sie haben zum Beispiel in Vinyl-Rucksäcken und Badespielzeug Quecksilber gefunden. Außerdem könne Quecksilber in Klebstoffen und Tinte enthalten sein.

Aber was ist nun die sichere Alternative? Die wenigsten Kids dürften sich mit Holzspielzeug zufrieden geben. Der TÜV rät im Deutschlandfunk „Kuschelspielzeug“ vor dem ersten Gebrauch zu waschen. Denn wenn Produkte in Containern verschifft werden, dann werden sie häufig mit Mitteln gegen Ungeziefer eingesprüht. Spielzeug, das unangenehm riecht, könnte Blei oder Weichmacher enthalten. Auch „beduftetes“ Spielzeug ist nichts für Kinder, denn die Duftstoffe lösen häufig Allergien aus. Ein Redakteur von Ökotest meint im Interview, dass „Hersteller wie etwa Playmobil, Big oder Käte Kruse“ bewusst auf unbedenkliche Materialien setzen würden, wenn auch nicht auf Öko-Stoffe (via konsumo-Blog).

Wenn Spielekonsolen, MP3-Spieler und anderes Elektrogerät unterm Weihnachtsbaum (aus nachhaltiger Bewirtschaftung) stehen, müssen sie, wenn sie in einigen Jahren ausgedient haben, als Elektroschrott zum Sondermüll gebracht werden.

Eine Tolle Idee finde ich die „sinnvollen Geschenke“ von der Organisation Plan. Als 8-jähriger hätte ich mich darüber kein Stück gefreut, aber mittlerweile bin ich auch in dem Alter wo ich auch sage: ich habe doch fast alles. Statt Socken und Krawatte gibt es bei Plan für 12 Euro 200 Ziegelsteine, die für den Bau einer Schule in Uganda verwendet werden. Gartengeräte für eine Familie in Burkina Faso kosten 56 Euro und mit 205 Euro kann man einen Jugendclub in Sierra Leone finanzieren.

(Bild: „Weihnachtsmann von Nils gezeichnet“ von road2ruin auf flickr.com, Lizenz: Creative Commons mit Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen)


Liebe, Lichter und Geschenke (2)

11. Dezember 2007

Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Lichter und der Geschenke. Gestern habe ich mich mit der zum Teil wohl ironisch oder überspitzt gemeinten Kritik an Weihnachten beschäftigt. Heute geht es um Beleuchtung.

Lichter

KerzeKerzen sind schön. Zettels Raum schreibt jetzt erschreckenderweise: „Die meisten von uns ahnen nicht, welche potentiellen Gefahren in diesen Kerzen lauern.“ Amerikanische Forscher hätten herausgefunden, dass Kerzendochte Blei enthalten. Auch SecurityWorld.com, Fachseite für alle Gefahren die die Welt und das Leben so bieten, berichtet über gefährliche Emissionen von Blei, Quecksilber und vielen unaussprechlichen Schadstoffen durch Kerzen. Allerdings ist dabei von Kerzendochten mit einem sichtbaren Metallkern die Rede. So etwas habe ich noch nie gesehen, vielleicht ist es in Deutschland verboten? Verschiedene Bundesämter sehen Feinstaub als das größte Problem und geben Tipps zum „gesunden Wohnen“ (PDF-Broschüre, 1,7 MB).

Ich denke man sollte es nicht übertreiben – mit der Vorsicht und mit den Kerzen. Die größte Gefahr ist sicher, dass eine Kerze umkippt und der Weihachtsbaum Feuer fängt. Also gut aufpassen, vor allem wenn Kindern und Haustieren rumtoben! Ansonsten ist kräftiges Lüften immer gut, um die Luftqualität im Zimmer zu verbessern. Bitte erst nachdem alle Kerzen gelöscht sind, denn in der Zugluft brennen sie schneller ab oder können von einem Windstoß umgeworfen werden. „Duftkerzen“ sind zur Luftverbesserung jedenfalls nicht geeignet. Die Duftstoffe sind häufig ein ungesundes Chemikaliengemisch. Der Docht sollte möglichst kurz sein, damit die Kerze nicht zu schnell abbrennt und weniger rußt.

Ausgediente elektrische Lichterketten müssen übrigens als Sondermüll entsorgt werden. Schließlich sind sie Elektroschrott, der nicht einfach in den Hausmüll geworfen werden darf. Eine gute Tat zu Weihnachten ist sicherlich, die Weihnachtsbeleuchtung (und alle anderen Elektrogeräte) mit Ökostrom zu betreiben.

(Bild: Matthew Bowden, Wikipedia)


Liebe, Lichter und Geschenke (1)

10. Dezember 2007

Jetzt habe ich einen Weihnachts-Artikel geschrieben und er wurde immer länger und länger. Ich habe mich daher entschieden eine kleine Serie namens „Liebe, Lichter und Geschenke“ daraus zu machen, in den nächsten Tagen kommt mehr. Der erste Teil ist sehr kritisch, danach wirds harmonischer. Und es kommt natürlich auch noch Quecksilber vor. Versprochen! :-) Zum Einstieg aber erstmal:

Weihnachts-BoykottWeihnachten kontrovers

Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Lichter und der Geschenke. Die ganze Welt friedlich vereint in höchster Glückseligkeit. Oder doch nicht? Geschenke kaufen bedeutet für viele Stress und häufig findet man doch nichts brauchbares. Tagelang aufeinander zu hocken fördert in vielen Familien nicht grade die Harmonie. Radikale Kritik gibt es vom Christmas Resistant Movement.

Together, we boycott Christmas Shopping, Christmas decorations, Christmas cards, and every variety of Christmas Crap. We refuse to support the Holiday Industry. We show our love for friends and family by giving our time and care, not by purchasing consumer goods. We maintain the integrity of giving by giving spontaneously and from our hearts, rather than during a specified season. You are not alone. Together, we can RESIST CHRISTMAS!

Gemeinsam boykottieren wir die Weinachts-Einkäufe, Weinachts-Dekoration, Weihnachts-Karten und den ganzen anderen Weihnachts-Mist. Wir verweigern uns der Feiertags-Industrie. Wir zeigen unsere Liebe zu Freunden und Familie durch Zeit und Zuneigung, nicht durch Konsumgüter. Wir schenken spontan und mit Herz, nicht zu einem vorgegebenem Termin. Du bist nicht allein. Gemeinsam können wir WEIHNACHTEN WIDERSTEHEN!

Etwas weniger Radikal gehen die Adbusters die Sache an. Sie rufen zum Kauf-Nix-Weinachtsfest auf. Anfänger tauschen einen Geschenk-Verzichts-Gutschein aus. Ein Kompromiss für Kinder ist das Kauf-Weniger-Weihnachten oder das Öko-Geschenke-Weihnachten. Fortgeschrittene tragen ihren Protest nach außen und erinnern gestresste Menschen in Einkaufszentren daran, dass Weihnachten mehr bedeutet als Konsum. Ähnliche Vorschläge kommen auch von der christlichen Gruppe BuyNothingChristmas.org