Wenn Klimaschutz weh tut

25. August 2008

Heute beim Klimacamp:

Na gut, man kann wohl davon ausgehen, dass die Demonstranten geahnt haben, was ihnen blüht und zumindest bereit waren sich z.B. wegtragen zu lassen. Aber dabei blieb es nicht, wie der NDR schon andeutet. Die Bilder eines Journalistes von graswurzel.tv auf Seiten der Demonstrationsteilnehmer sehen noch brutaler aus. Er wurde selber von vermummten Polizisten angegriffen.

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Stromlücke zwischen den Ohren

24. April 2008

Wird Wolfgang Clement aus der SPD geschmissen? Zunächst ist er mit einer Rüge davon gekommen, doch vielen Ortsverbänden reicht dies nicht, berichtet SpOn. Vor der Landtagswahl in Hessen hat der ehemalige Ministerpräsident von NRW und ehemalige Bundeswirtschaftsminister vor der Wahl seiner Partei gewarnt, weil sich die Hessen-SPD gegen Atom- und Kohlekraftwerke engagiert. Es ist kein Zufall, dass Clement sich um diese Kraftwerke sorgt macht, schließlich wird er jetzt vom Energieriesen RWE bezahlt. Oder war er schon immer ein Lobbyist, der sich als Politiker verkleidet hat? Seiner eigenen Aussage zufolge schon:

Ich vertrete die Interessen der deutschen Industrie und der deutschen Energiewirtschaft. Das tue ich übrigens schon seit 40, 45 Jahren.

War der Amtseid dann gelogen? Immerhin hat Clement als Bundesminister auf die Verfassung geschworen, dass er seine „Kraft zum Wohle des deutschen Volkes“ einsetzen werde – nicht zum Wohle der Energiewirtschaft. Das mag im Einzelfall zusammen passen, aber häufig eben auch nicht. Jetzt ist der Ruf ohnehin ruiniert, er hält Vorträge zum Thema „Atomkraft? Ja bitte!“ und erzählt von der „Stromlücke“, mit der der Bau zahlreicher neuer Kohlekraftwerke gerechtfertigt werden soll.

Zur Ehrenrettung der SPD muss ich aber sagen, dass nicht nur die Genossen in Hessen gute Vorsätze für die Energiewende haben. Eine ganze Reihe von Bundestagsabgeordneten der SPD, Wissenschaftler und einige Chefs von Umweltverbänden haben den Aufruf Handlungslücke statt Stromlücke unterzeichnet. Sie fordern eine „grundlegende Neuorientierung in Wirtschaft und Gesellschaft“, die Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik miteinander verbindet. Konkret solle bis 2020 der Stromverbrauch um 11% sinken sowie der Anteil von Kraft-Wärme-Kopplung auf 25% (jetzt 11,5%), der der erneuerbaren Energien auf 30% (jetzt 18%) der Stromproduktion steigen.

Fazit: Für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Stromnutzung und Stromversorgung in Deutschland fehlen nicht die technischen Möglichkeiten. Sie sind seit vielen Jahren bekannt. Was fehlt, sind der Mut und die Bereitschaft, sie auch im Interesse von Wirtschaft, Beschäftigung und Klimaschutz zu nutzen.

Die Zitate von Clement stammen aus Spiegel TV, gerne zeige ich das Video auch ganz:


Schnee zu Ostern

26. März 2008

„Schnee zu Ostern“ war nicht nur verwirrende Realität der letzten Tage, sondern ist auch ein Titel eines 80er-Jahre Politsongs. Cochise haben es nie zu großem kommerziellen Erfolg geschafft – oder anders herum – sie haben es geschafft, sich nicht kommerziell ausnutzen zu lassen, währen Lieder von Ton Steine Scherben oder Rio Reiser noch heute als Werbemelodien gedudelt werden. Viele Texte von Cochise handeln von ökologischen Themen, so auch „Schnee zu Ostern“ vom 1984er Album „Die Erde war nicht immer so“. Ein Video oder mp3 habe ich leider nicht gefunden, nur den Text:

Der erste Tag dieser Reise
führte mich in die Vergangenheit
mit Bildern und Schildern
und toten Gesichtern
Zeichen der Vergessenheit
Der Sturm war kalt und der Regen nervte
ich warf einen letzten Blick
in die Runde einer längst vergangenen Zeit
Ich wußte, ich komm nie mehr zurück

Am zweiten Tag wars wies immer war
mit Dreck und Beton und Abgasen
Meine neue Heimat auf der Autobahn
kein Blick zurück und nur rasen
Die unendliche Schnur durch ein sterbendes Land
das emsig sein eigenes Grab aushebt
Über tote Flüsse und durch tote Wälder
wo der Modergeruch längst herweht

Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern
Panzer rollen durch ein Dorf
Kinder am Straßenrand winken
Häuser scheinen zu erzittern
Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern

Der dritte Tag führte ins Reservat
wo man glaubt, dass die Welt noch heil ist
wir schweben übers Wasser und leben den Traum
der Idylle, die längst nicht mehr da ist
Bussarde kreisen zwischen Bäumen und Himmel
ein Reiher steht einsam und wartet
wir atmen leicht im Rhythmus der Zeit
eine Ewigkeit, bis er dann startet.

Am vierten Tag
zur Startbahnmauer aus Beton
mit Steinen der Ohnmacht in den Händen
Ein verwüsteter Wald, ein zerrissenes Land,
mit Steckbrief und Parolen an den Wänden
Die Sonne schien heiß
und die Augen verbrannten
die Luft viel zu schwer von dem Giftgas
ein ätzender Nebel auf unserm Rückweg
weit weg fielen wir müde ins Gras

Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern
Wasserwerfer hinter der Mauer
Kinder heulen vom Tränengas
Bäume scheinen zu erzittern
Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern

Bei Youtube habe ich aber das Lied „Rauchzeichen“ gefunden, einen anderen 80er Öko-Hit von Cochise. Ich weiß, modern ist was anderes, das haut heute wahrscheinlich nur noch wenige Leute vom Hocker. Es ist halt ein Zeitdokument, bittesehr:


Großbrand bei INEOS in Köln

18. März 2008

Gestern herrschte der Ausnahmezustand in Köln. 1200 Feuerwehrleute waren beteiligt, um den Großbrand im Ineos-Chemiewerk in Köln-Worringen zu löschen. Die WAZ berichtet vom „größte Brandeinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg„. Außer drei Personen, die wegen Hautreizungen ärztlich behandelt wurden, habe es keine Verletzten gegeben. Vorsorglich sollen in der Region Türen und Fenster weiterhin geschlossen bleiben, die Anwohner sich möglichst wenig im Freien aufhalten. Während des Brands wurden mehrere Wohngebäude evakuiert. Die Autobahn und der S-Bahn-Verkehr wurden kurzfristig gesperrt. Ursprünglich wurde gemeldet, dass der Brand im BAYER-Werk im angrenzenden Dormagen ausgebrochen sei.

Ursache des Brandes war eine undichte Ethylen-Pipeline. Die Stichflamme hat einen 3000-Kubikmeter-Tank mit Acrylnitril entzündet, das zur Kunststoffherstellung verwendet wird. Die Boulevardzeitung Express erinnert daran, dass es schon vorher eine Explosion gegeben haben soll: „Es knallte schon letzten Monat„. 


Ein Mann namens Heike

21. Februar 2008

Heike Kamerlingh OnnesOb Heike wohl in Holland ein gebräuchlicher Männername ist? Vielleicht wurde der Junge in der Schule immer gehänselt, hat sich zurückgezogen und früh auf die Wissenschaft konzentriert, wurde mit 29 Professor und später Physik-Nobelpreisträger. Heike Kamerlingh Onnes ist zumindest nicht wegen seines Namens in die Geschichtsbücher eingegangen.

Herr Kamerlingh Onnes war der coolste Typ seiner Zeit. Cooler geht es gar nicht, denn er hat knapp über dem absoluten Nullpunkt experimentiert und Gase verflüssigt: erst Sauerstoff (bei -183 °C / 90K), dann Stickstoff (-196°C / 77K) und schließlich Helium (-269°C / 4K). Dann hat er angefangen mit der elektrischen Leitfähigkeit bei tiefen Temperaturen zu experimentieren. 1911 entdeckte er, dass bei 4,15 K in Quecksilber der Widerstand für elektrischen Strom komplett verschwindet. Die erste Supraleitung war gefunden! „Für die Untersuchungen der Eigenschaften von Materie bei tiefen Temperaturen“ wurde ihm 1913 der Nobelpreis für Physik verliehen.

74 Jahre später haben der Deutsche Johannes Georg Bednorz und der Schweizer Karl Alex Müller „für ihre bahnbrechende Entdeckung von Supraleitung in keramischen Materialien“ den Physik-Nobelpreis erhalten. Die Forschungsergebnisse hatten sie erst im Jahr zuvor publiziert, aber die große Bedeutung der neuen Hochtemperatur-Supraleiter war offensichtlich. Ihnen reicht eine relativ günstige Stickstoff-Kühlung, also eine Temperatur von über 77K.

Das folgende Video von bionerd23 zeigt zwar noch nicht die Supraleitfähigkeit von Quecksilber (für ne Heliumkühlung reicht die Bastelstube wohl nicht aus ;-), aber immerhin, dass der Widerstand bei niedrigeren Temperaturen sinkt. Das mit dem Fön finde ich als Oberlehrer natürlich gar nicht gut – zu viel ungesundes Zeug, das verdampft.


Quecksilber in Kosmetik

12. Februar 2008

Über das RASFF habe ich schon mehrfach berichtet, ein EU-weites Schnellwarnsystem für Futter und Lebensmittel. Jede Woche werden in der EU bei Grenz- oder Marktkontrollen Fische mit erhöhtem Quecksilbergehalt gefunden. Das Schnellwarnsystem soll verhindern, dass die Waren einfach ins nächste Land gebracht wird. Ein solches System gibt es auch für Nicht-Lebensmittel, hier heißt es RAPEX (Suchbegriff: mercury). Quecksilber kommt gelegentlich in exotischen Hautcremes vor. Einige Beispiele:

  • 42 Gramm Quecksilber pro Kilogramm in Anti-Sommersprossen-Creme aus den USA (gefunden in der 29. Woche 2007 in Dänemark)
  • 6,6 und 7,1 g Hg/kg in Gesichtscreme unbekannter Herkunft (Deutschland, 48/206)
  • 5,0% Quecksilber in einer Haut-Aufheller-Creme aus den USA (Deutschland 31/2006)
  • „stark positiver“ Befund auf Quecksilber in Anti-Sommersprossen-Creme aus dem Libanon (Frankreich 24/2006)

Hautcremes werden nicht einmalig angewandt, sondern oft täglich. Es bestehe die „Gefahr einer chronischen Quecksilbervergiftung, wenn das Produkt über eine längere Zeit benutzt wird.“ Diese Cremes wurden alle vom Markt genommen. Es sind wohl eher Einzelfälle, von exotischen Artikeln unbekannter Hersteller (wer verwendet hierzulande schon Aufheller?). Andererseits werden die allermeisten Pflegeprodukte nicht getestet – und extrem hohe Gehälter von Quecksilber und anderen Giftstoffen bleiben unentdeckt. Zudem gibt es viele gesundheitsgefährdende Stoffe in Kosmetik, die (noch) nicht verboten sind.


Quecksilbertricks

5. Februar 2008

Auch wenn ich vor dem sorglosen Umgang mit Quecksilber nur warnen kann, möchte ich Euch dieses interessante Video nicht vorenthalten. Ich hoffe er sie weiß, was er sie tut, hält die Raumtemperatur niedrig (damit weniger verdampft), lüftet gut (damit die Dämpfe nicht im Zimmer bleiben), bewahrt das Quecksilber sicher abgeschlossen auf (dichter Glas- oder Eisenbehälter) und bringt es zum Sondermüll. Trotzdem: Bitte nicht nachmachen!

  • Reines Quecksilber dringt kaum durch die Haut. Wenn der Körper mehrfach großflächig eingeschmiert wird, wie früher bei Syphilis-Patienten, zeigt es aber auch auf diesem Weg seine Wirkung.
  • Da Quecksilber, wie im Video gezeigt, Strom leitet, wurde es früher in Schaltern eingesetzt.
  • Die Vorführung mit der Glaspipette ist ein guter Trick, wie man ausgelaufenes Quecksilber (z.B. aus einem zerbrochenen Fieberthermometer) aufnehmen kann: einfach einsaugen! Mit Glas und auch mit Eisen, aus dem wahrscheinlich die Kügelchen bestehen, verbindet es sich nämlich nicht zu Amalgam.