Recherche

28. Mai 2009

Kein Problem, nirgends. Bei allen Krankenhäusern mit denen ich telefoniert habe die selbe Auskunft: wir verwenden schon seit Jahren keine Quecksilber-Blutdruckmessgeräte mehr. Die Dinger sind unhandlich, können zerbrechen, müssen regelmäßig kalibriert werden und es gibt gute Alternativen. Die Umstellung erfolgte schon in den 1990ern, häufig wussten nur noch langjährige Mitarbeiter, dass überhaupt Mal Quecksilbergeräte verwendet wurden. Entweder nehmen die Schwestern und Pfleger heute aneroide Geräte oder elektronische, die noch zusätzliche Informationen liefern. Meine Kollegin in Frankreich hat ähnliche Erfahrungen gesammelt. Doch in anderen Ländern sind Quecksilber-Blutdruckmesser wohl noch immer gebräuchlich. Bin gespannt auf den Bericht und die Konferenz „EU Mercury phase out in measuring and control equipment“ am 18. Juni in Brüssel.

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Thermometertausch gestartet!!!

6. Oktober 2008

Ab heute, noch die ganze Woche, kann man in vielen Apotheken in ganz Deutschland sein Quecksilber-Thermometer abgeben und bekommt als Anreiz günstig ein digitales neues. Macht mit!


Van Gogh und das Quecksilber

14. August 2008

Woran erkennt man ein echtes Van-Gogh-Gemälde? Am Quecksilber! Materialwissenschaftler aus Belgien und Deutschland haben unter dem Bild „Grasgrond“ ein Portrait von einer Landfrau entdeckt. Welt der Physik berichtet:

Sogenannte Punktmessungen rastern das Bild ohne es zu beschädigen Punkt für Punkt ab. So wurden Art und Menge verschiedener Elemente analysiert, wodurch die Verteilung der Pigmente sichtbar wurde. Zwei chemische Elemente spielten dabei eine große Rolle: Antimon und Quecksilber. Obwohl nur in geringer Konzentration messbar, enthüllt die intensive Fluoreszenzlinie des Antimons die hellen Stellen von Nase oder Kinn. Quecksilberhaltiges Pigment wurde für die rötlichen Lippen und Wangen verwendet.

[Die Experten] identifizierten ein für Van Gogh typisches Pigment: Neapelgelb (Bleiantimonat). Bei der Quecksilberverbindung handelt es sich um Zinnoberrot bzw. Quecksilbersulfid. Diese Analysen führten zu einer detaillierten, farbigen Rekonstruktion des unterliegenden Bildes.

Bild: Vincent Van Gogh – Selbstbildnis (1887)


Tödliche Farbstoffe

29. Juli 2008

Farbstoffe, Aromen, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel und ähnliche Dinge haben heute ja keinen besonders guten Ruf. In Hamburg informiert, durchaus kritisch, das Deutsche Zusatzstoff-Museum über all die Dinge, die unsere Lebensmittel „bereichern“. Das Hamburger Abendblatt berichtet darüber:

Das Thema hat die Menschheit schon immer begleitet. Zunächst ging es nur darum, Lebensmittel zu konservieren, um die Zeit zwischen den Ernten zu überbrücken. Doch schon bald wurden Fremdstoffe genutzt, um beispielsweise den Geschmack von Lebensmitteln zu verändern. So setzten die Römer dem Wein Bleizucker zu, ein Bleisalz der Essigsäure, das süß schmeckte und in Wasser gut löslich ist. „Die Folgen für den Adel könnten verheerend gewesen sein. Denn Blei zerstört das Nervensystem so langsam, dass ihre Vorkoster die Adeligen vor diesen Folgen nicht schützen konnten“, erzählt Friederike Ahlers. Mozart könnte – so er denn Pralinen verzehrte – einer künstlichen Verfeinerung von Schokolade seinen frühen Tod schulden. Zu seiner Zeit war es gerade in Mode, Pralinen mit Schwermetallen wie Arsen, Quecksilber oder Blei zu färben.


Quecksilber zur Schädlingsbekämpfung

29. April 2008

Quecksilber ist hochgiftig. Das wusste man auch schon früher – und hat es zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Heute gibt es glücklicherweise sanftere und zielgerichtetere Produkte, doch die Nachwirkungen sind noch spürbar. Die Welt berichtet über Quecksilber, das vor 80 Jahren vergessenen wurde und jetzt auf unangenehme Weise zum Vorschein kam:

Bei Renovierungsarbeiten […] tropfte plötzlich Quecksilber zwei Arbeitern auf Arme und Hände. Beide Männer kamen mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Feuerwehrleute holten etwa eineinhalb Kilo des giftigen, flüssigen Schwermetalls aus einer Gipsdecke. Vermutlich wurde laut Feuerwehr das Quecksilber in dem 1929 gebauten Haus zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Danach hatte man es offenbar einfach in der Decke vergessen.


Salzburg sieht Rot

26. Februar 2008

180px-le_brun.jpgIn der Salzburger Residenzgalerie wird ab 8. März die Ausstellung „Rot Red Rouge – Studien zu einer Farbe“ gezeigt. In der Ankündigung heißt es:

„Rot ist die auffälligste Farbe, die entwicklungsgeschichtlich schon sehr früh mit symbolischer Bedeutung und damit im archaischen Denken mit magischen Vorstellungen verknüpft wird. Die komplizierte Herstellung des roten Pigments Zinnoberrot (Quecksilbersulfid) aus Quecksilber und Schwefel war nicht nur den Künstlern vertraut, sondern stellte auch für die Alchimisten eine bedeutende rituelle Handlung dar. Rot ist in unserer Kultur und Wahrnehmung die Farbe des Lebens, der Freude, der Leidenschaft und der Liebe, aber ebenso der Aggression und damit verbunden der absoluten Demonstration von Macht. Die traditionelle europäische Malerei nutzt diese signifikante Vielschichtigkeit der Symbolik der Farbe Rot, die bereits in der Interpretation im klassischen Farbenkanon hin und her schwankt zwischen der Reduktion auf sinnlichen Reiz und reinen Dekor einerseits sowie komplexer ikonographischer Inhalte andererseits […] In der Ausstellung werden barocke Gemälde Werken der Gegenwartskunst gegenübergestellt.“

Bild: Charles Lebrun im Selbstporträt


Gesucht: Quecksilber

25. Februar 2008

Die Polizei Berlin sucht drei Kilogramm Quecksilber, die den Berliner Wasserbetrieben (BWB) gestohlen wurden. Die beiden Spezialbehälter (Plomben) waren in einem verschlossenen Lagerraum gelagert und sollten jetzt sicher entsorgt werden. „Das Quecksilber war beim technisch bedingten Austausch von Druckmessern und Relais gesammelt und dann in die Plomben umgefüllt worden“, sagte BWB-Sprecher Stephan Natz der Berliner Morgenpost. Der Einsatz von Quecksilber in viele Elektrogeräten ist seit 2002 in der EU verboten. Die Polizei warnt die Bevölkerung dringend vor dem Ankauf oder dem Öffnen der sogenannten Plomben und bittet um sofortige Benachrichtigung, falls die Behälter aufgefunden werden.

Der Preis von Quecksilber auf dem Weltmarkt beträgt meines Wissens etwa 20 Dollar pro Kilogramm. Viel ist mit dem Schwermetall also nicht zu verdienen. Im Gegenteil: da es nur noch wenige Anwendungsbereiche gibt und die Nachfrage in der EU sinkt, fallen teure Entsorgungskosten an. Das beste für die Diebe ist wahrscheinlich das Zeug reumütig zurück zu bringen.