Aus für die Leuchtheizung

10. Dezember 2008
Glühbirne

CC by beatkueng / flickr.com

Glühbirnen sind eine fantastische Erfindung! Man leitet Strom durch einen dünnen Draht, der sich sehr stark erhitzt und anfängt zu glühen. Wenn man richtig viel Energie reinsteckt und die Temperatur auf über 2000 °C steigt, glüht der Draht auch einigermaßen hell, so dass man damit ein Zimmer beleuchten kann. Über Jahrzehnte war dies die einzige Alternative zu Kerzen, Öllampen oder schlafen gehen nach Sonnenuntergang. 95 Prozent der eingesetzten Energie in Glühbirnen wird jedoch als Wärme abgegeben, nur 5 Prozent in Form von sichtbarem Licht. Die meiste Zeit des Jahres benötigt man keine Heizung an der Decke, zudem ist heizen mit Strom sehr unwirtschaftlich – schon im Kraftwerk gehen 60-70 Prozent der Energie verloren. Die besonders ineffizienten Mini-Heizungen mit Leuchtfunktion sollen jetzt in der EU schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden.

Denn längst gibt es Halogenlampen, Energiesparlampen oder LEDs, die kaum Wärme produzieren, dafür um so mehr Licht pro eingesetzter Energie. In Fachgeschäften (Baumarkt, Elektro-Ketten etc.) findet man viele unterschiedliche Farben und Formen. Meistens lohnt sich bei Energiesparlampen der Griff zur Markenware, rät die Stiftung Warentest. Es lohnt sich in jedem Fall sich kurz zu informieren. Die Ergebnisse von 2006 kann man kostenlos herunterladen, die von diesem Jahr sind für einen Euro zu haben. Mit „stinkenden“ Birnen und solchen zum dimmen hat sich TEST im letzten Monat beschäftigt.

Und das Quecksilber?

Aufmerksame LeserInnen wissen es längst: in den Energiesparlampen ist zwar Quecksilber drin, aber bei der Energiegewinnung durch Kohleverbrennung wird das Schwermetall auch freigesetzt – neben vielen anderen Schadstoffe und klimaschädlichem Kohlendioxid. Energieverschwendung verursacht somit mehr Quecksilber in der Umwelt als die sparsamen, quecksilberhaltigen Lampen. Dennoch ist es wichtig, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren nicht einfach in den Hausmüll zu schmeißen, sondern getrennt zu entsorgen. Die Deutsche Umwelthilfe beschäftigt sich intensiv damit und fordert: Dem EU-Glühbirnenverbot muss eine umweltgerechte Entsorgung von Energiesparlampen folgen.

Nachtrag: Norbert Lossau macht in einem Kommentar in der WELT einen ganz interessanten Vorschlag: Pfand auf Energiesparlampen. Wer sich gruseln will, kann auch die Kommentare lesen.


Wenn Klimaschutz weh tut

25. August 2008

Heute beim Klimacamp:

Na gut, man kann wohl davon ausgehen, dass die Demonstranten geahnt haben, was ihnen blüht und zumindest bereit waren sich z.B. wegtragen zu lassen. Aber dabei blieb es nicht, wie der NDR schon andeutet. Die Bilder eines Journalistes von graswurzel.tv auf Seiten der Demonstrationsteilnehmer sehen noch brutaler aus. Er wurde selber von vermummten Polizisten angegriffen.


Klima schützen – Quecksilber stoppen!

27. Juli 2008

In letzter Zeit komme ich nicht mehr regelmäßig dazu, die Diskussion um neue Kohlekraftwerke hier intensiv zu kommentieren. Mittlerweile dürfte meine Message aber wohl angekommen sein: Kohlekraftwerke sind, in Deutschland und weltweit, die größte Quelle von Quecksilber. Der (notwendige!) Klimaschutz hat nun den positiven Nebeneffekt, dass der Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland nicht mehr einfach so hingenommen wird, sondern an fast jedem geplanten Standort Bürgerinitiativen und Umweltverbände die Pläne der Energiekonzerne kritisch hinterfragen. In den nächsten Monaten sind gleich drei Demonstrationen an Kohlekraftwerken geplant, zu denen bundesweit mobilisiert wird:

Vom 15. bis 24. August findet in Hamburg das Klimacamp statt. Am 23. August in Hamburg wollen einige TeilnehmerInnen des Camps die Baustelle des Kraftwerks Moorburg besetzen.

Am 13. September plant die Klima-Allianz (ein Bündnis von 100 Umwelt-, Sozial- und kirchlichen Gruppen) gleich zwei Demos. Am Kraftwerk Jänschwalde bei Cottbus in Brandenburg und am Kraftwerke Staudinger bei Hanau in Hessen.


Angebot und Nachfrage

17. Juli 2008

Womit verdient eigentlich Toshiba sein Geld? Auf der einen Seite verkaufen sie zum Beispiel DVD-Spieler, die immer auf Stand-By stehen müssen. Ansonsten passiert, was Konrad Lischka im Spiegel beschreibt:

Mein HD-DVD-Player protestiert gegen Umweltschutz. Wenn der Toshiba-Abspieler ein paar Stunden vom Stromnetz getrennt war (Energie sparen!), motzt er beim Start immer so: Ein verärgertes Piepsen, ein blauer Startbildschirm mit dem Kommando „Uhr einstellen“. Dann braucht man mindestens fünf Klicks mit der Fernbedienung, um sich durch das eingeblendete Einstellungsmenü für Zeitzone, Jahr, Monat, Tag und Zeit bis zum OK-Knopf zu hangeln.

… Seit 1923 gibt es auf diesem Planeten Automatikuhren – da kann man doch erwarten, dass eine immer funktionierende Uhr in einem 300 Euro teuren HD-DVD-Player steckt. Aber nein – wer seinen Toshiba HD-EP10 nicht ständig laufen lässt, wird bei jedem Start aufgefordert, die Zeit neu einzustellen. Der Hersteller hat sich offensichtlich den Miniakku für die Zeitpufferung gespart.

Gespart? Wohl kaum, denn Toshiba verdient auch im Kraftwerksgeschäft. Sie sind vor Areva-Siemens „die Nummer Eins“ im Bau von Atomkraftwerken. Irgendwo muss der Strom für ihren Elektroschrott ja herkommen – das Angebot schafft seine Nachfrage, und der Stromkunde darf die Rechnung zahlen. Da hilft wirklich nur Atomausstieg selber machen.


132 Fragen zu Kohlekraftwerken

14. Mai 2008

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat eine Kleine Anfrage über die Zukunft der Kohleverstromung an die Bundesregierung gestellt. „Klein“ ist der Katalog nur dem Namen nach, immerhin enthält er 132 Fragen zu acht Themenfeldern, vom Bau neuer Kohlekraftwerke über Schadstoffe und Kohlendioxid, den Kohleabbau, Emissionshandel und Kohleverflüssigung. Mich interessieren natürlich am meisten die Fragen zu Quecksilber. Die Antworten wurden vom Ministerium für Wirtschafts- und Technologie erstellt.

Frage 9. Welche Gesamtfrachten an den Schadstoffen wie SO2, NOx, Staub, Schwermetallen, Dioxinen und weiteren organischen Verbindungen werden jährlich in Deutschland durch die Kohleverstromung emittiert?

Antwort: Die Kohlekraftwerke emittierten im Jahre 2006 jeweils ca. 235 000 t SO2, 211 000 t NOx, 10.600 t Staub, 2,18 t Quecksilber und 4 g PCDD/F.

Dem Europäischen Schadstoff-Emissionsregister (EPER) zufolge wurden in Deutschland im Jahr 2004 über 5,3 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen emittiert. Alleine die größten fünf Kohlekraftwerke geben über zwei Tonnen Quecksilber im Jahr an die Umwelt ab:

  1. Kohlekraftwerke Scholven (E.ON); 610 Kilogramm (2004)
  2. Kohlekraftwerke Weisweiler (RWE); 520 Kilogramm (2004)
  3. Kohlekraftwerke Schkopau (E.ON); 440 Kilogramm (2004)
  4. Kohlekraftwerke Boxberg (Vattenfall); 290 Kilogramm (2004)
  5. Kohlekraftwerke Lippendorf (Vattenfall); 290 Kilogramm (2004)

Die Emissionen von Dioxinen / Furanen (PCDD/PCDF) betragen laut EPER übrigens 43 Gramm, also mehr als das Zehnfache des angegebenen Wertes! Auch die recht lückenhafte „Trendtabelle für die Berichterstattung atmosphärischer Emissionen“ für das „Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverschmutzung“ (LRTAP) enthält höhere Werte als die Antwort des Wirtschaftsministeriums, nämlich 2,48 Tonnen Quecksilber im Jahr 2006

Frage 10. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung einführen, um die Quecksilber-Emissionen durch Kohlekraftwerke deutlich zu reduzieren (Kohlekraftwerke gehören zu den größten Emissionsquellen von Quecksilber)?

Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen durch Einführung eines Grenzwertes für Quecksilber (Hg) im Zuge der Novelle der 13. BImSchV (Verordnung über Großfeuerungs- und Gasturbinenanlagen) vom Juli 2004 ergriffen. Mit der Begrenzung der Hg-Emissionen gem. § 3 Abs. 1 Nr. 1 b und § 3 Abs. 4 ergibt sich für den Betreiber die Pflicht, die Emissionen an Quecksilber kontinuierlich zu ermitteln (§ 15 Abs. 1). Somit ist sicher gestellt, dass die anspruchsvollen Emissionsbegrenzungen jederzeit während des Betriebes beurteilt werden können und Überschreitungen auszuschließen sind.

Messen und Ermitteln ist gut. Reduzieren ist besser. Zwar sind die Grenzwerte für Kohlekraftwerke in Deutschland im internationalen Vergleich tatsächlich recht niedrig. Aber dieser Grenzwert gilt für alle Anlagen, auch für die bestehenden. Neu gebaute, „moderne“ Kraftwerke sollten nur Genehmigungen für Emissionen deutlich unterhalb des Grenzwertes von 30 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter Abgas im Jahresmittel erhalten.

Frage 16. Welche aktuellen Studien sind der Bundesregierung bekannt, die die Umwelt- und Gesundheitsbelastung in der Nähe von Kohlekraftwerken untersucht haben?

Antwort: Der Bundesregierung sind keine aktuellen Studien bekannt.

Wer’s nicht weiß, braucht sich auch keine Sorgen zu machen …


Symbolik (8) – Klimawandel-Barometer

10. April 2008

Quecksilber ist mehr als ein schnödes Element mit der Ordnungszahl 80. Das flüssige Metall umgibt in mancher Hinsicht eine gradezu mystische Aura. Es wird für vielerlei Sinnbilder verwendet, häufig dann, wenn ein Vergleich besonders literarisch sein soll. Pressetext Schweiz berichtet darüber, dass der Klimawandel indigene Völker (Ureinwohner) am stärksten trifft. Sie zitieren einen Wissenschaftler mit den Worten:

„Tatsächlich sehen sich auch die indigenen Völker selbst als das Quecksilber im Klimawandel-Barometer“

Aber Quecksilber-Barometer sind ja glücklicherweise in Zukunft verboten – ein kleiner Beitrag für die Reduzierung der globalen Quecksilber-Belastung und der Gesundheit (nicht nur) der indigenen Völker.


Masterplan der Energieversorgung

17. März 2008

Vor „tagelangen Stromausfällen“ warnt der RWE-Chef in der BILD, weil „Großkraftwerke fehlen“. Und der prominenteste Lobbyist des Konzerns, Wolfgang Clement, fällt seiner ehemaligen Partei mitten im hessischen Wahlkampf in den Rücken, weil sie Atom- und Kohlekraftwerke kritisiert. Die „industrielle Substanz“ sei gefährdet, so Clement. Weil sich überall Bürger für die Zukunft der Energieversorgung interessieren und mitreden wollen, spricht manch einer gar vom „Schweizer Bazillus“ der direkten Demokratie.

Typische Betonkopfrhetorik von überbezahlten Lobbyisten, könnte man meine. Dass der Energiekonzern RWE finanzielle Interesse und nicht das Gemeinwohl im Auge hat, ist kaum zu bestreiten. Aber ist die Frage nicht wenigstens ein bisschen berechtigt? Hat eigentlich mal jemand durchgerechnet, ob „wir“ nicht doch AKWs und Kohlekraftwerke brauchen? Ja hat. Der Masterplan für nachhaltige Energieversorgung wurde mehrfach durchdacht. Einige Links zu Studien mit konkreten Maßnahmen zur vollständigen Energiewende:

    Greenpeace meint: „Versorgungslücke? Nicht wenn man’s richtig macht!„und wirbt für den Klimaschutz Plan B – nationales Energiekonzept bis 2020.

    Eurosolar hat für eine Landesstudie für eine vollständige Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien in Hessen vorgelegt. Eckpunkte: 65% erneuerbare Energie in Hessen bis 2013, 100% bis 2025 durch Effizienzsteigerung, Speicherkapazitäten (Druckluft), dezentrale Energiegewinnung zum Erzeugerpreis von durchschnittlich 9 ct/kWh.

    Die Forschungsstelle für Umweltfragen (FU Berlin) hat im Dezember 2007 eine Studie zum zukünftigen Ausbau erneuerbarer Energieträger unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt. Hier bietet sich noch großes Potential.

    Wer es ganz wissenschaftlich mag, kann Gregor Czisch Dissertation lesen: „Szenarien zur zukünftigen Stromversorgung, kostenoptimierte Variationen zur Versorgung Europas und seiner Nachbarn mit Strom aus erneuerbaren Energien.“

    Kürzlich in Spektrum der Wissenschaft: Amerikas Weg ins solare Zeitalter und dazu der Kommentar von Lars Fischer: Das soll ein großer Plan sein?