Quecksilber: Energiesparlampe vs. Kohlestrom

30. September 2009

Inzwischen weiß es jeder und vor allem die Leuten die sich sonst kaum für Umweltschutz interessieren: Ja, in Energiesparlampen ist Quecksilber enthalten. Darum darf man sie nicht einfach in den Müll schmeißen, sondern muss sie recyceln lassen (Sammelstelle finden). Energiesparlampen sind vermutlich nur eine Übergangstechnologie und es ist gut, dass Lampenhersteller jetzt unter Druck stehen, energiesparende und quecksilberfreie Lampen weiterzuentwickeln. Wer sich jetzt eine gute Energiesparlampe mit langer Lebensdauer anschafft, braucht in 10 Jahren vielleicht keine neue mehr zu kaufen. Für manche Zwecke gibt es bereits jetzt LEDs oder Halogenstrahler, die viel weniger Energie als normale Glühbirnen benötigen.

Es ist aber auch klar, dass unser Strom nicht ohne Umweltschäden produziert wird. Wenn weniger Energie verbraucht wird, reduziert sich diese Umweltbelastung. Kernenergie verursacht Atommüll und Kohleverbrennung schadet nicht nur dem Klima, sondern dabei werden auch viele Gifte freigesetzt. Neben Quecksilber zählen dazu unter anderem Schwefeloxide, Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub, Kupfer, Blei, Arsen. Auch wer Ökostrom bezieht, hängt technisch am ganz normalen Stromnetz. Und Windräder, Wasserkraftwerke und Solarzellen sind auch ein Eingriff in die Natur.

Bisher habe ich es nur behauptet, jetzt mal nachgerechnet. Wird die Menge Quecksilber in Energiesparlampen wirklich durch die Energieeinsparung ausgeglichen?

Daten hierfür liefert das europäische Schadstoff-Register EPER. Demnach wurden im Jahr 2004 insgesamt 5,35 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen ausgestoßen. Darin sind allerdings nur Großkraftwerke enthalten. Einzelne Großkraftwerke sind alleine für mehrere hundert Kilogramm Quecksilber verantwortlich. In Jahr 2004 wurden insgesamt 615,3 TWh Strom erzeugt (XLS-Datei). Dies ergibt 0,0087 Milligramm Quecksilber pro Kilowattstunde (5.350.000.000 Milligramm / 615.300.000.000 kWh). Das Öko-Institut kommt gar auf 0,0147 mg.

Eine Energiesparlampe mit 20 Watt (0,02 kW) ist ungefähr so hell wie eine Glübhirne mit 100 Watt (0,1 kW). Die Energiesparlampe hat eine angegebene Brenndauer von etwa 6.000 Stunden und darf maximal 5 Milligramm Quecksilber enthalten. Man rechnet also:

Energiesparlampe:
5 mg Hg + 0,02 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 5 mg Hg + 1,04 mg Hg = 6,0 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh = 5,2 mg Hg

In diesem Vergleich schneiden die Energiesparlampe und die Glühlampe nach sechs Jahren etwa gleich ab. Bei der Stromerzeugung fallen neben Quecksilber aber noch andere Schadstoffe an, nicht zuletzt Atommüll. Und das Quecksilber in der Energiesparlampe ist nicht in der Umwelt verteilt, sondern kann recycelt werden. An den Quecksilberemissionen aus der Kohleverbrennung lässt sich kurzfristig wenig ändern. Gute Energiesparlampen halten nach meiner Erfahrung sogar länger als 6.000 Stunden. In einer Langzeituntersuchung von Stiftung Warentest haben Lampen von Osram, Philips, Megaman und GE über 19.000 Stunden ausgehalten. Auch der Grenzwert von 5 Milligramm Quecksilber wird von vielen Herstellern weit unterschritten. Die Osram Dulux EL Longlife enthält 2,5 mg, Megaman Energiesparlampen enthalten im Durchschnitt weniger als 2 Milligramm Quecksilber. Damit ergibt sich:

Energiesparlampe:
2 mg Hg + 0,02 kW * 10.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 2 mg Hg + 1,74 mg Hg = 3,7 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 10.000 h * 0,00869 mg Hg/kWh = 8,7 mg Hg

Eine gute Energiesparlampe verursacht also weniger als die Hälfte Quecksilber einer vergleichbaren Glühlampe!

CC-BY-NC: Wolfgang Staudt (flickr)
Foto CC-BY-NC: Wolfgang Staudt, flickr


Recherche

28. Mai 2009

Kein Problem, nirgends. Bei allen Krankenhäusern mit denen ich telefoniert habe die selbe Auskunft: wir verwenden schon seit Jahren keine Quecksilber-Blutdruckmessgeräte mehr. Die Dinger sind unhandlich, können zerbrechen, müssen regelmäßig kalibriert werden und es gibt gute Alternativen. Die Umstellung erfolgte schon in den 1990ern, häufig wussten nur noch langjährige Mitarbeiter, dass überhaupt Mal Quecksilbergeräte verwendet wurden. Entweder nehmen die Schwestern und Pfleger heute aneroide Geräte oder elektronische, die noch zusätzliche Informationen liefern. Meine Kollegin in Frankreich hat ähnliche Erfahrungen gesammelt. Doch in anderen Ländern sind Quecksilber-Blutdruckmesser wohl noch immer gebräuchlich. Bin gespannt auf den Bericht und die Konferenz „EU Mercury phase out in measuring and control equipment“ am 18. Juni in Brüssel.


Studie zur Quecksilberbelastung in Fisch

10. Februar 2009

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat heute als Mitveröffentlicher der internationalen Studie „Mercury In Fish – A Global Health Hazard“ Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner aufgefordert, die Öffentlichkeit vor dem Verzehr von mit Quecksilber belasteten Raubfischen wie Schwertfisch, Hai und Thunfisch zu warnen. „Nur so können besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Kinder oder Schwangere geschützt werden“, sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl.

Für die Studie wurden 26 Fischproben aus Deutschland und fünf weiteren EU-Staaten getestet. Auf den Philippinen wurden außerdem zehn und im indischen Bundesstaat Westbengalen 56 Produkte untersucht. Die Proben aus Deutschland stammen von Fischmärkten und Feinkostgeschäften in Berlin. Bei den Labortests wurden Überschreitungen der jeweiligen gesetzlichen Grenzwerte sowohl in der EU als auch auf den Philippinen und in Westbengalen festgestellt. In Deutschland wurde in einem Fall der Grenzwert gerade noch eingehalten.

Die Studie wurde im Vorfeld des Treffens von Umweltministern der Vereinten Nationen vom 16.-20. Februar in Nairobi (Kenia) veröffentlicht. Der Deutsche Naturschutzring und die globale Kampagne „Zero Mercury“ rufen die Vereinten Nationen auf, ein verbindliches Abkommen gegen Quecksilber zu beschließen und den Quecksilberausstoß an Land drastisch zu reduzieren.

Der Verzehr quecksilberhaltiger Fische kann zu Gesundheitsschäden führen. Quecksilber wird von Fischen über die Nahrungskette aufgenommen. Bereits im September 2008 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung schwangeren und stillenden Frauen empfohlen, den Verzehr von Thunfisch einzuschränken. „Diese gut gemeinten Warnungen erreichen bislang nicht die betroffenen Verbraucherinnen“, urteilt DNR-Präsident Weinzierl. Zudem müssten die Lebensmittelkontrollen verstärkt werden, damit belastete Ware gar nicht erst auf den Markt gelange.

Mercury In Fish – A Global Health Hazard (PDF, 12 MB)


Haie schützen

16. Dezember 2008
Ostsee, ©L Michael Klockmann 2003

Ostsee, ©L Michael Klockmann 2003

Am Freitag war ich bei einem Fachgespräch der Bundestagsabgeordneten Undine Kurth zum Thema Haie eingeladen. Teilgenommen haben Vertreter von Sharkproject, GSM, Deepwave, der Shark Alliance und D.E.G. Ich war überrascht, dass diese Vereine zum Schutz der Meere im Gegensatz zu den großen Umwelt- und Naturschutzverbänden fast ausschließlich ehrenamtlich arbeiten.

Abgeordnete der Grünen hatten im Vorfeld eine sogenannte kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt (PDF). Die Antworten sind ernüchternd und machen den Eindruck, als hätten einige Beamte einfach keine Lust, Zeit mit dem Thema zu „verschwenden“. In internationalen Verträgen wie HELCOM zählen zur Ostsee auch die angrenzenden Meeresgebiete Kategatt und Skagerrak. Dort gibt es (noch) Haie, in der eigentlichen Ostsee nicht. Die Bundesregierung macht es sich einfach und lässt die Fragesteller vielfach ins Leere laufen, indem sie die Antworten strickt auf die Hai-freie Ostsee beziehen. Keine Haie = keine Probleme.

Eine Frage bezieht sich auch auf die Quecksilberbelastung der Haie. Die Antwort ist relativ ausführlich. Von 2000 bis 2008 wurden insgesamt „109 Proben Hai- fischzuschnitte bzw. – teilstücke, 43 Proben Schillerlocken (Bauchlappen des Dornhais), neun Proben geräucherter Seeaal (Fleisch des Dornhais) sowie fünf Proben Haifisch“ von der amtlichen Lebensmittelüberwachung untersucht. In dem Fleisch wurden so unangenehme Stoffe wie Organochlor- und Nitromoschusverbindungen, PCB 138, 153 und 180, DDT und Endosulfan, Pflanzenschutzmittel, Arsen, Quecksilber, Selen, Zink, Cadmium, Kupfer und Blei gefunden, zum Teil über den gesetzlichen Grenzwerten. Die Belastung mit Quecksilber war in etwa einem Drittel der Hai-Proben über dem erlaubten Limit!

Im Februar 2008 wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Methylquecksilber in Fischen“ im Auftrag des Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht. Hierbei wurden etwa 1000 Fischproben analysiert, darunter auch 23 Haie (Publikationen des BfR zu Methylquecksilber). Im Durchschnitt lag die Belastung der Haie bei 0,8 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch. Der Grenzwert von 1 mg/kg wurde damit zu 80 Prozent ausgeschöpft, was sehr viel ist. Auch hier lag etwa ein Drittel der Proben über dem gesetzlichen erlaubten Höchstwert! Der höchste gemessene Wert betrug über 4 mg/kg.

Aus medizinischer Sicht gilt eine Aufnahme von 0,7 Mikrogramm Methylquecksilber pro Woche und Kilogramm Körpergewicht für einen erwachsenen Menschen als maximal tolerabel. Eine 70 kg schwere Person erreicht diese Belastung durch den Verzehr von nur 50 Gramm Fisch, sofern der zulössige Grenzwert eingehalten wird. Experten kritisieren, dass die Grenzwerte für eine wöchentliche Verzehrmenge ausgelegt sind und keien Tagesdosis festgelegt ist. Man kann sich leicht ausrechnen, dass bei Kindern schon wenige Gramm übermäßig stark belasteter Fisch zu einer Vergiftung führen können! Der Schutz der Haie und ebenso von Schwert- und Thunfischen ist somit nicht nur eine Aufgabe des Artenschutzes, sondern auch für den Schutz der Gesundheit dringend geboten.


Fluch oder Segen?

30. November 2008

Zum Abschluss noch ein kurzer Text von mir selber, der nicht fehlen darf:

Fluch oder Segen?
Der Streit um Quecksilber in der Medizin ist auch nach Jahrhunderten noch nicht entschieden

In einem sind sich die Mediziner des 21. Jahrhunderts einig: als Salbe gegen Syphilis bewirkt Quecksilber mehr Schaden als Nutzen. Noch vor 100 Jahren wurden Patienten großflächig mit dem Schwermetall eingerieben. Viele starben schneller an der Behandlung als an der Krankheit. Bei weiteren Anwendungsgebieten in der Medizin dauert der wissenschaftliche Streit an, berichtet FLORIAN NOTO vom DEUTSCHEN NATURSCHUTZRING (DNR).

Artikel als PDF lesen: Florian Noto: Quecksilber in der Medizin


Methylquecksilber auf dem Teller

25. November 2008

Teil 2 der Quecksilber-Publikation. Wie gesagt, wer das gedruckte Heft haben will, bitte Kommentar hinterlassen.

Methylquecksilber auf dem Teller
Begegnungen mit Haien können ungesund sein, auch wenn sie tot und verzehrfertig zubereitet sind

Fisch gilt als gesund. Durch die Verschmutzung der Meere sammeln sich jedoch in den Meerestieren Schadstoffe in hoher Konzentration. Besonders belastet sind Haie und andere Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen. Schärfere und international gültige Grenzwerte für Methylquecksilber, die Haie und Menschen schützen, fordert ANDREAS KEPPELER von SHARKPROJECT.

Artikel als PDF lesen: Dr. Andreas Keppeler: Methylquecksilber in Fisch


Giftiges Gemüse und verpestete Früchte

14. Oktober 2008
Lebensmittel Monitoring 2007

Lebensmittel Monitoring 2007

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft in Stichproben, ob die zulässigen Grenzwerte für Pestizide, Schadstoffe, Umweltgifte und ähnliche unangenehme Zutaten in Lebensmitteln eingehalten werden. Es geht hier um ganz normale Lebensmittel die man im Supermarkt kaufen kann. Und es geht nicht um irgendwelche Geschmacksfragen, sondern um Giftstoffe, die in höherer Konzentration nachweislich die Gesundheit schädigen. Manche Grenzwerte haben sicher noch einen „Puffer“ und sind eher vorsichtig festgelegt, andere sind dafür bereits über dem medizinisch verträglichen – einfach weil es keine unbelastete Ware gibt. Überhaupt nicht berücksichtigt wird, wenn verschiedene Gifte an den Lebensmitteln kleben. Für jeden einzelnen gilt ein Grenzwert, die Kombinationswirkung eines „Giftcocktails“ spielt bei den rechtlichen Vorgaben (noch) keine Rolle.

Ein gesunder Erwachsener sollte keine Probleme bekommen wenn die Grenzwerte eingehalten sind. Kinder, Alte und besonders sensible Menschen kaufen natürlich auch im Supermarkt ein und sind besonders bedroht, wenn Grenzwerte überschritten werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden einmal im Jahr im Lebensmittel-Monitoring veröffentlicht. Jetzt war es wieder so weit und die Ergebnisse sind alarmierend. In der Pressemitteilung zum Lebensmittel Monitoring 2007 heißt es:

In Kopfsalat, Äpfeln, Zuchtchampignons sowie Grün- und Wirsingkohl wurden 2007 häufig die gesetzlichen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittelrückstände überschritten. Bei einigen Proben von Kopfsalat, Grünkohl, Austernseitlingen und Tomaten lag die Belastung so hoch, dass bei einmaligem Verzehr gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen sind. „Die Anstrengungen des Handels und der Erzeuger zur Reduzierung der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln reichen bei einigen Obst- und Gemüsearten offenbar nicht aus“, kritisierte der Leiter des BVL, Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg.

Wohlgemerkt, dies schreibt nicht vermeintliche Panikmacher von Verbraucherorganisationen, sondern eine staatliche Behörde. Eine „gesundheitliche Beeinträchtigung bei einmaligem Verzehr“ bedeutet: einmal gegessen, gleich geht es dir dreckig.

Im vergangenen Jahr war ein Schwerpunkt der Untersuchung Schwermetalle in Schwertfisch, Thunfisch und Hai. Die Ergebnisse haben wirklich den Appetit verdorben: bei jeder dritten Haifischprobe (35 %) und bei jedem vierten Schwertfisch (27 %) wurde einen Quecksilbergehalt über dem zulässigen Höchstwert von 1 mg/kg gefunden. Auch der Grenzwert für Cadmium war bei 43% der Schwertfisch-Proben über dem zulässigen Grenzwert.

Quecksilber und andere Schwermetalle wurden diesmal auch untersucht, allerdings nicht in Fisch. In Rindfleisch, Wildschwein und getrocknetem Schinken konnte zwar in bis zu einem Drittel der Proben Quecksilber nachgewiesen werden. Die Mengen waren jedoch jeweils sehr gering und betrugen selten mehr als ein Prozent der Menge in Fisch.