Stabilisierung von Quecksilber

17. November 2009

In europäischen Chemiefabriken werden noch einige tausend Tonnen Quecksilber zur Chlorproduktion verwendet. Diese Werke sollen in den kommenden Jahren umgerüstet oder abgeschaltet werden, das Quecksilber bleibt übrig. Doch was tun mit dem giftigen Metall? Am sichersten wäre es, Quecksilber mit Schwefel in eine stabile Verbindung zu bringen, wie es auch in der Natur vorkommt. Quecksilber verbindet sich sehr schnell mit allen möglichen Metallen zu einem Amalgam, verdampft dann aber wieder. In der Umwelt kommt es meist als stabiles Zinnober vor.

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit hat einen Bericht über die Stabilisierungsverfahren veröffentlich. Leider nur auf englisch (und wohl eher für Fachdiskussion interessant): Technologies for the stabilization of elemental mercury and mercury-containing wastes (PDF)

Vor kurzem habe ich mir die Anlage von DELA in Essen angesehen, die in dem Bericht auf S. 12 f. beschrieben ist. Hier ein Bild von mir und Elena von Zero Mercury mit schicken Schutzbrillen :-).

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Quecksilber: Energiesparlampe vs. Kohlestrom

30. September 2009

Inzwischen weiß es jeder und vor allem die Leuten die sich sonst kaum für Umweltschutz interessieren: Ja, in Energiesparlampen ist Quecksilber enthalten. Darum darf man sie nicht einfach in den Müll schmeißen, sondern muss sie recyceln lassen (Sammelstelle finden). Energiesparlampen sind vermutlich nur eine Übergangstechnologie und es ist gut, dass Lampenhersteller jetzt unter Druck stehen, energiesparende und quecksilberfreie Lampen weiterzuentwickeln. Wer sich jetzt eine gute Energiesparlampe mit langer Lebensdauer anschafft, braucht in 10 Jahren vielleicht keine neue mehr zu kaufen. Für manche Zwecke gibt es bereits jetzt LEDs oder Halogenstrahler, die viel weniger Energie als normale Glühbirnen benötigen.

Es ist aber auch klar, dass unser Strom nicht ohne Umweltschäden produziert wird. Wenn weniger Energie verbraucht wird, reduziert sich diese Umweltbelastung. Kernenergie verursacht Atommüll und Kohleverbrennung schadet nicht nur dem Klima, sondern dabei werden auch viele Gifte freigesetzt. Neben Quecksilber zählen dazu unter anderem Schwefeloxide, Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub, Kupfer, Blei, Arsen. Auch wer Ökostrom bezieht, hängt technisch am ganz normalen Stromnetz. Und Windräder, Wasserkraftwerke und Solarzellen sind auch ein Eingriff in die Natur.

Bisher habe ich es nur behauptet, jetzt mal nachgerechnet. Wird die Menge Quecksilber in Energiesparlampen wirklich durch die Energieeinsparung ausgeglichen?

Daten hierfür liefert das europäische Schadstoff-Register EPER. Demnach wurden im Jahr 2004 insgesamt 5,35 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen ausgestoßen. Darin sind allerdings nur Großkraftwerke enthalten. Einzelne Großkraftwerke sind alleine für mehrere hundert Kilogramm Quecksilber verantwortlich. In Jahr 2004 wurden insgesamt 615,3 TWh Strom erzeugt (XLS-Datei). Dies ergibt 0,0087 Milligramm Quecksilber pro Kilowattstunde (5.350.000.000 Milligramm / 615.300.000.000 kWh). Das Öko-Institut kommt gar auf 0,0147 mg.

Eine Energiesparlampe mit 20 Watt (0,02 kW) ist ungefähr so hell wie eine Glübhirne mit 100 Watt (0,1 kW). Die Energiesparlampe hat eine angegebene Brenndauer von etwa 6.000 Stunden und darf maximal 5 Milligramm Quecksilber enthalten. Man rechnet also:

Energiesparlampe:
5 mg Hg + 0,02 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 5 mg Hg + 1,04 mg Hg = 6,0 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh = 5,2 mg Hg

In diesem Vergleich schneiden die Energiesparlampe und die Glühlampe nach sechs Jahren etwa gleich ab. Bei der Stromerzeugung fallen neben Quecksilber aber noch andere Schadstoffe an, nicht zuletzt Atommüll. Und das Quecksilber in der Energiesparlampe ist nicht in der Umwelt verteilt, sondern kann recycelt werden. An den Quecksilberemissionen aus der Kohleverbrennung lässt sich kurzfristig wenig ändern. Gute Energiesparlampen halten nach meiner Erfahrung sogar länger als 6.000 Stunden. In einer Langzeituntersuchung von Stiftung Warentest haben Lampen von Osram, Philips, Megaman und GE über 19.000 Stunden ausgehalten. Auch der Grenzwert von 5 Milligramm Quecksilber wird von vielen Herstellern weit unterschritten. Die Osram Dulux EL Longlife enthält 2,5 mg, Megaman Energiesparlampen enthalten im Durchschnitt weniger als 2 Milligramm Quecksilber. Damit ergibt sich:

Energiesparlampe:
2 mg Hg + 0,02 kW * 10.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 2 mg Hg + 1,74 mg Hg = 3,7 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 10.000 h * 0,00869 mg Hg/kWh = 8,7 mg Hg

Eine gute Energiesparlampe verursacht also weniger als die Hälfte Quecksilber einer vergleichbaren Glühlampe!

CC-BY-NC: Wolfgang Staudt (flickr)
Foto CC-BY-NC: Wolfgang Staudt, flickr


Schweden: Quecksilber „tot und beerdigt“

22. Januar 2009
Da freut sich der Elch

Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Ab 1. Juni wird es in Schweden ein nahezu vollständiges Verbot von Quecksilber geben. Quecksilber ist „tot und beerdigt“ sagte Umweltminister Andreas Carlgren. Die schwedischen Pläne gehen weiter als die bisherigen Maßnahmen der EU. Statt einzelne Produkte oder Anwendungen zu verbieten, wird das skandinavische Land eine „Weiße Liste“ für den zulässigen Einsatz von Quecksilber veröffentlichen. Ab 2013 dürfen dann Produkte, die nicht auf der Weißen Liste stehen, nicht mehr produziert oder verkauft werden. Bereits Anfang 2008 hatte Norwegen (das nicht zur EU gehört) ein weitreichendes Verbot von Quecksilber umgesetzt. Auch Dänemark und die Niederlande haben strengere Regeln erlassen, als von der EU gefordert.

Die Europäische Kommission hatte im Dezember eine Studie vorgestellt (PDF), wonach ein Verbot von quecksilberhaltigen Blutdruckmessgeräten im professionellen medizinischen Bereich keine höheren Kosten für Hersteller oder Kunden hätte. Bereits heute werden in den meisten Krankenhäusern zum größten Teil quecksilberfreie Alternativen verwendet. Die Autoren der Studie empfehlen zudem ein weitreichendes Verbot von quecksilberhaltigen Zahnfüllungen. Ein Amalgamverbot würde eine „signifikante Umweltverbesserung“ bringen, allerdings auch höhere Kosten nach sich ziehen. Die Verwendung von Zahnamalgam ist neben der Produktion von Chlor die größte Quelle von ursächlich verwendetem Quecksilber in der Umwelt. In der Europäischen Union ist der Verkauf von quecksilberhaltigen Thermometern und anderen Messgeräten ab dem 3. April 2009 verboten.


Fluch oder Segen?

30. November 2008

Zum Abschluss noch ein kurzer Text von mir selber, der nicht fehlen darf:

Fluch oder Segen?
Der Streit um Quecksilber in der Medizin ist auch nach Jahrhunderten noch nicht entschieden

In einem sind sich die Mediziner des 21. Jahrhunderts einig: als Salbe gegen Syphilis bewirkt Quecksilber mehr Schaden als Nutzen. Noch vor 100 Jahren wurden Patienten großflächig mit dem Schwermetall eingerieben. Viele starben schneller an der Behandlung als an der Krankheit. Bei weiteren Anwendungsgebieten in der Medizin dauert der wissenschaftliche Streit an, berichtet FLORIAN NOTO vom DEUTSCHEN NATURSCHUTZRING (DNR).

Artikel als PDF lesen: Florian Noto: Quecksilber in der Medizin


Van Gogh und das Quecksilber

14. August 2008

Woran erkennt man ein echtes Van-Gogh-Gemälde? Am Quecksilber! Materialwissenschaftler aus Belgien und Deutschland haben unter dem Bild „Grasgrond“ ein Portrait von einer Landfrau entdeckt. Welt der Physik berichtet:

Sogenannte Punktmessungen rastern das Bild ohne es zu beschädigen Punkt für Punkt ab. So wurden Art und Menge verschiedener Elemente analysiert, wodurch die Verteilung der Pigmente sichtbar wurde. Zwei chemische Elemente spielten dabei eine große Rolle: Antimon und Quecksilber. Obwohl nur in geringer Konzentration messbar, enthüllt die intensive Fluoreszenzlinie des Antimons die hellen Stellen von Nase oder Kinn. Quecksilberhaltiges Pigment wurde für die rötlichen Lippen und Wangen verwendet.

[Die Experten] identifizierten ein für Van Gogh typisches Pigment: Neapelgelb (Bleiantimonat). Bei der Quecksilberverbindung handelt es sich um Zinnoberrot bzw. Quecksilbersulfid. Diese Analysen führten zu einer detaillierten, farbigen Rekonstruktion des unterliegenden Bildes.

Bild: Vincent Van Gogh – Selbstbildnis (1887)


Sozialforschung

15. Mai 2008

Ich habe schon häufiger über die Belastung bestimmter Fischarten mit Quecksilber geschrieben. Es gibt verschiedene amtliche Warnungen, keine großen Mengen bestimmter Fische zu essen. In der Verordnung 1881/2006 der EU-Kommission zur Festsetzung der Höchstgehalte von Schadstoffen in Lebensmitteln sind über 20 Arten aufgeführt, bei denen eine höhere Quecksilberbelastung zulässig ist. Als ehrlicher Umweltschützer ist es natürlich mein Anliegen umfassend zu informieren. Somit warne ich dann auch schon mal vor dem Verzehr von beispielsweise Grenadierfisch und Zwergdorsch, Degenfisch und Steinbeißer. Wer weiß, was manche Leute so auf dem Teller haben.

Nun gab es eine französische Studie mit der Fragestellung: „Wie beeinflussen Empfehlungen das Verbraucherverhalten? Beispiel des Methylquecksilbers im Fisch.“ Die Gesundheitswarnungen richten sich vor allem an Frauen im gebärfähigen Alter. Die Ergebnisse sind ernüchternd:

Es wurde festgestellt, dass nur wenige Frauen in der Lage waren, sich die Arten zu merken, die in der Empfehlung genannt wurden […] Die gegebene Empfehlung beschrieb die Risiken des Methylquecksilbers und die gesundheitlichen Vorteile des Fischverzehrs. Einen Monat nachdem sie diese Information bekommen hatten, waren 50 % der Frauen der Meinung, dass Quecksilber erhebliche Risiken für ihre Gesundheit birgt. Drei Monate später waren es nur noch 39 % […]

Werden Frauen über die negativen Wirkungen des Fischverzehrs informiert, tendieren sie jedoch dazu, die Risiken zu unterschätzen. Die Ergebnisse dieser Studie lassen auf einen eher geringen Einfluss solcher Empfehlungen auf das Konsumverhalten schließen.

Quecksilber-Thunfisch Die Vorteile des Fischverzehrs blieben dagegen länger in Erinnerung. Dies schieben die Studienleiter auf die starke Prägung durch „die in den letzten Jahren durchgeführten Kampagnen für [vermeintlich] gesunde Ernährung“. „Fisch = Gesund“ hat sich tief ins Gedächtnis eingebrannt. Nun denn, dann versuche ich es auch mal mit einer simplen Botschaft:

Frauen und Kinder: Hai, Tunfisch und Schwertfisch zu essen ist gefährlich!


Kaum entdeckt, schon verreckt

14. April 2008

Wir atmen nicht nur über die Lungen, sondern auch über die Haut. In Indonesien haben Forscher aus Singapur jetzt ein Frosch entdeckt, der seinen Sauerstoffbedarf komplett über die Haut gewinnt und gar keine Lunge hat. Der Borneo-Barbourfrosch hat allerdings ein Problem und das ist golden. Goldgewinnung mit Quecksilber bedroht seinen Lebensraum und hat ihn gleich nach Anerkennung der Art auf einen der vordersten Plätze der Roten Liste gebracht. Der Artbestand gilt als „stark gefährdet“.