Stabilisierung von Quecksilber

17. November 2009

In europäischen Chemiefabriken werden noch einige tausend Tonnen Quecksilber zur Chlorproduktion verwendet. Diese Werke sollen in den kommenden Jahren umgerüstet oder abgeschaltet werden, das Quecksilber bleibt übrig. Doch was tun mit dem giftigen Metall? Am sichersten wäre es, Quecksilber mit Schwefel in eine stabile Verbindung zu bringen, wie es auch in der Natur vorkommt. Quecksilber verbindet sich sehr schnell mit allen möglichen Metallen zu einem Amalgam, verdampft dann aber wieder. In der Umwelt kommt es meist als stabiles Zinnober vor.

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit hat einen Bericht über die Stabilisierungsverfahren veröffentlich. Leider nur auf englisch (und wohl eher für Fachdiskussion interessant): Technologies for the stabilization of elemental mercury and mercury-containing wastes (PDF)

Vor kurzem habe ich mir die Anlage von DELA in Essen angesehen, die in dem Bericht auf S. 12 f. beschrieben ist. Hier ein Bild von mir und Elena von Zero Mercury mit schicken Schutzbrillen :-).


Coordination gegen BAYER-Gefahren

21. August 2009

Coordination gegen BAYER-GefahrenDem Chemiekonzern Bayer kommt eine besondere „Ehre“ zuteil. Eine eigene Umweltorganisation beschäftigt sich nur mit den Missetaten dieses Konzerns. So viel Aufmerksamkeit dürften den wenigsten Konzernen zu Teil werden, auch wenn viele sicher nicht immer mit sauberen Mitteln ihr Geld verdienen. Die kleine Coordination gegen BAYER-Gefahren setzt den Weltkonzern seit nunmehr dreißig Jahren erfolgreich unter Druck und hakt nach, wo es etwas nachzuhaken gibt.

Da Bayer in Krefeld-Uerdingen auch ein Chlorwerk mit Quecksilbertechnik betreibt, schreibe ich einen Artikel für die Zeitschrift Stichwort Bayer.


Vinnolit steigt um

31. Juli 2009

Das mittelständische Chemieunternehmen Vinnolit betreibt zwei Chlor-Alkali-Werke, die bisher mit Quecksilber betrieben wurden. Jetzt ist die Umrüstung auf Membrantechnik abgeschlossen. Die Anlagen stehen in Gendorf (Bayern) und Hürth-Knapsack (NRW). Das Werk in Knapsack hatte ich 2007 besucht und Quecksilberwerte in der Umgebung gemessen, aber an diesem Tag keine Erhöhung festgestellt.

Die neue Membrantechnik kommt nicht nur völlig ohne Quecksilber aus, sondern spart auch noch viel Energie und gilt europaweit als „beste verfügbare Technik“. Die Chlorindustrie ist der größte Anwender von Quecksilber in Europa und hat den höchsten Energiebedarf der Chemiebranche. Jetzt gibt es noch sechs Chlor-Alkali-Werke mit Quecksilbertechnik in Deutschland. Diese gehören alle zu internationalen Konzernen: Akzo Nobel (2), Bayer, BASF, Evonik-Degussa und INEOS. Laut einem Abkommen zum Schutz der Nordsee sollen alle Anlagen bis 2010 ohne Quecksilber auskommen, doch die Konzerne wollen die komplette Umrüstung auf Membrantechnik erst 2020 abschließen.

Zur Sonderseite Chlor


Akzo Nobel übernimmt LII Europe

17. Februar 2009

Die Meldung ist schon einige Tage alt und auch nicht so waaahnsinnig spannend, aber ich möchte sie trotzdem hier notieren: Akzo Nobel hat LII Europe übernommen. Was hat das zu bedeuten? Beides sind Chemieunternehmen, die in Deutschland jeweils ein Chlor-Alkali-Werk betreiben das mit veralteter Quecksilber-Technik arbeitet. LII will das Werk in Frankfurt am Main schon lange umrüsten, hatte bisher aber nicht das notwendige Kapital. Akzo Nobel ist ein multinationaler Konzern. Ihnen fehlt nicht das Geld sondern der Wille, die Anlage in Ibbenbüren zu erneuern. Die FAZ meldet nun, dass Akzo Nobel zumindest die Quecksilberschleuder von LII für 100 Millionen Euro umrüsten will. Vielleicht können sie sich dann ja auch schneller entscheiden, was mit der Fabrik in Ibbenbüren passieren soll.


Schweden: Quecksilber „tot und beerdigt“

22. Januar 2009
Da freut sich der Elch

Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Ab 1. Juni wird es in Schweden ein nahezu vollständiges Verbot von Quecksilber geben. Quecksilber ist „tot und beerdigt“ sagte Umweltminister Andreas Carlgren. Die schwedischen Pläne gehen weiter als die bisherigen Maßnahmen der EU. Statt einzelne Produkte oder Anwendungen zu verbieten, wird das skandinavische Land eine „Weiße Liste“ für den zulässigen Einsatz von Quecksilber veröffentlichen. Ab 2013 dürfen dann Produkte, die nicht auf der Weißen Liste stehen, nicht mehr produziert oder verkauft werden. Bereits Anfang 2008 hatte Norwegen (das nicht zur EU gehört) ein weitreichendes Verbot von Quecksilber umgesetzt. Auch Dänemark und die Niederlande haben strengere Regeln erlassen, als von der EU gefordert.

Die Europäische Kommission hatte im Dezember eine Studie vorgestellt (PDF), wonach ein Verbot von quecksilberhaltigen Blutdruckmessgeräten im professionellen medizinischen Bereich keine höheren Kosten für Hersteller oder Kunden hätte. Bereits heute werden in den meisten Krankenhäusern zum größten Teil quecksilberfreie Alternativen verwendet. Die Autoren der Studie empfehlen zudem ein weitreichendes Verbot von quecksilberhaltigen Zahnfüllungen. Ein Amalgamverbot würde eine „signifikante Umweltverbesserung“ bringen, allerdings auch höhere Kosten nach sich ziehen. Die Verwendung von Zahnamalgam ist neben der Produktion von Chlor die größte Quelle von ursächlich verwendetem Quecksilber in der Umwelt. In der Europäischen Union ist der Verkauf von quecksilberhaltigen Thermometern und anderen Messgeräten ab dem 3. April 2009 verboten.


Globales Problem – globale Lösung?

24. November 2008

Wie versprochen, hier die Texte des Quecksilber-Themenheftes. Es fängt an mit einem Hintergrundartikel, den ich selber verfasst habe.

Globales Problem – globale Lösung?
Menschliche Aktivitäten haben den weltweiten Quecksilberpool bereits verdreifacht

Quecksilber gelangt in die entlegensten Winkel der Welt, auch dorthin, wo das Gift nie freigesetzt wurde. Siebzig Prozent der durch Menschen verursachten Quecksilberemissionen stammen aus der Kohleverbrennung. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union fangen erst an, das Problem zu begreifen und zu bekämpfen berichtet FLORIAN NOTO vom DEUTSCHEN NATURSCHUTZRING (DNR).

Artikel als PDF lesen: Florian Noto: Quecksilber global


Lieber spät als nie

23. Juni 2008

Es war im September letzten Jahres, als das Blacksmith Institute und Green Cross Schweiz eine Liste der zehn schmutzigsten Orte der Welt veröffentlicht hat. Darunter befinden sich einige Orte in denen Chlorfabriken reichlich Quecksilber abgeben, deswegen habe ich ausführlich berichtet. GMX und WEB.de (was ja bekanntlich fast das selbe ist) haben die Liste jetzt noch mal mit einigen Grusel-Bildern versehen und neben skurrilen Geschichten über Baummänner und siamesische Zwillinge auf die Startseite gestellt. Ich finde es nach wie vor lesenswert.