Energiesparlampen: Grenzwerte für Quecksilber senken!

12. November 2009

Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen haben ein Problem, zumal neun von zehn falsch entsorgt werden: giftiges Quecksilber. Soll die EU die Grenzwerte senken?

fragt Bernward Janzing heute in der taz. Ein guter Artikel! Darüber wird zur Zeit auf EU-Ebene verhandelt, der DNR hatte vor kurzem dazu eine Pressemitteilung verschickt. Klar ist aber auch, dass Energiesparlampen insgesamt die Umwelt von Quecksilber entlasten können, weil weniger Strom aus Kohle produziert werden muss.

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Deutscher Naturschutzring fordert weniger Quecksilber in Energiesparlampen

27. Oktober 2009

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat heute in Berlin die Bundesregierung aufgefordert, sich in der EU für niedrigere Quecksilber-Grenzwerte in Energiesparlampen und Leuchtröhren einzusetzen. Dies sei für einen massenhaften Einsatz der Energiesparlampen wichtig, die in geringem Umfang Quecksilber enthalten.

„Der bisherige Grenzwert von 5 Milligramm Quecksilber pro Energiesparlampe muss mindestens halbiert werden“, forderte DNR-Generalsekretär Dr. Helmut Röscheisen. Viele Hersteller kämen bereits mit weniger als 2 Milligramm pro Lampe aus. Dieser Wert solle verbindlich für Energiesparlampen bis 25 Watt festgelegt werden. „Die Bundesregierung muss sich bei der EU für die Einhaltung des technisch Möglichen einsetzen“, sagte Röscheisen.

Der DNR verwies darauf, dass die große Anzahl falsch entsorgter Lampen eine Belastung für die Umwelt darstelle. Ausgediente Energiesparlampen und -röhren müssen bei einer Recyclingstelle oder einem Händler abgegeben werden. Nach offiziellen Daten der EU kämen europaweit jährlich bis zu 15 Tonnen Quecksilber für die Beleuchtung zum Einsatz, die Hälfte davon in Energiesparlampen und Leuchtröhren. Etwa 90 Prozent der Energiesparlampen aus Privat-haushalten würden falsch entsorgt. Durch die Absenkung des Grenzwertes von 5 auf 2 Milligramm würde die Umwelt um einige Tonnen Quecksilber entlastet.

Die größte Menge Quecksilber gelangt in Deutschland durch Kohle-verbrennung in die Umwelt. Wird der Anfall von Quecksilber bei der Energieerzeugung auf den Stromverbrauch einer bisherigen 100Watt-Glühbirne umgerechnet, fallen in einem Jahr etwa ein Milligramm Quecksilber an. Bei einem niedrigeren Grenzwert von Quecksilber in Energiesparlampen und der richtigen Entsorgung sei die Quecksilberbelastung dort deutlich geringer.

In unbeschädigten Energiesparlampen ist das Quecksilber fest eingeschlossen und stellt keine Gesundheitsgefahr dar. Zudem befänden sich in alten Fieberthermometern einige hundert Mal so viel Quecksilber wie in einer Lampe. Für den Einzelnen besteht auch durch zerbrochene Energiesparlampen keine akute Gefahr, sofern die Scherben sofort gründlich beseitigt werden. Hierfür sollte man keinen Staubsauger, sondern sondern einen Handfeger verwenden und sehr gut lüften.

Zero Mercury: NGO’s Comments on the classification of CFLs and their mercury content (PDF)


Händler nehmen Energiesparlampen nicht zurück

25. September 2008

Schlechten Service attestiert die Verbraucherzentrale NRW den meisten Verkäufern von Energiesparlampen. Sie hat 37 namhafte Handelsketten gefragt, ob in den Filialen ausgedienten Energiesparlampen der Kunden zurückgenommen werden. 16 Ketten haben überhaupt nicht geantwortet. Vorbildlich verhalten sich Edeka Rhein/Ruhr, Hornbach, Karstadt, Obi, Praktiker und Toom. Sie nehmen in allen Filialen Energiesparlampen zurück, zum Teil allerdings nur beim Neukauf einer Lampe. Manche Händler weisen Kunden schon beim Kauf der Lampen mit Plakaten und Flugblättern auf die Recycling-Pflicht hin. Bei vier weiteren Unternehmen kann man zumindest in einigen Filialen die quecksilberhaltigen Lampen abgeben.

„Die zurückhaltende Reaktion auf unsere Anfrage und das mangelnde Engagement zeigen, der politische Appell an die Händler, alte Energiesparlampen freiwillig zurückzunehmen, ist gescheitert „, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Als Konsequenz fordert sie vom Gesetzgeber, „neben den Verbrauchern zumindest auch Handelsstätten mit Verkaufsflächen über 1000 Quadratmeter in punkto Rücknahme und Rückgabe von Energiesparlampen gleichermaßen in die Pflicht zu nehmen“.

Umfrage zur Rücknahme von Energiesparlampen im Handel und zur Information der Verbraucher (PDF)


Kampf um Energiesparlampen mit harten Bandagen

22. Oktober 2007

Der Kampf um Zölle auf Energiesparlampen geht in die nächste Runde. Vor einem Monat hat Osram Deutschland sich noch einmal durchsetzen können und die Zölle wurden um ein Jahr verlängert (ja genau, die klimafreundliche Bundesregierung wollte es so!). Damit will sich der italienische Lampenfabrikant Targetti Sankey nicht abfinden und die EU-Kommission verklagen. Ein Rücknahmesystem für quecksilberhaltige Energiesparlampen ist EU-weit nicht in Sicht.


WDR: Energiesparlampen im Hausmüll

4. August 2007

Westpol – Das Politikmagazin für Nordrhein-Westfalen / WDR Fernsehen / Sonntag, 5. August 2007 / 19.30 bis 20.00 Uhr (Wiederholung am Montag 11.45 bis 12.15 Uhr)

Mit einem Beitrag zu „Umweltsünde Energiesparlampe: Quecksilber landet im Hausmüll“

Wer Energiesparlampen kauft, handelt umweltbewusst. Wer sie wegwirft, dagegen nicht. Die allermeisten dieser Lampen landen nämlich im Hausmüll – doch da gehören sie nicht hin. Denn die Energieleuchten enthalten Quecksilber und müssen in den Sondermüll. Das wissen allerdings die meisten Bürger nicht. Und wer es weiß, gehtmeist vergeblich auf die Suche nach einer Sammelstation. Es gibt vielzu wenige.


Streit um Energiesparlampen (2)

1. August 2007

Das österreichische Wirtschaftsblatt widmet sich heute dem Streit zwischen Osram Deutschland und Philips den Niederlanden um Anti-Dumping-Zölle für Energiesparlampen. EU-Handelskomissar Mandelson will die Zölle für chinesische Lampen wie berichtet streichen. Osram argumentiert mit der angeblich minderwertigen Qualität von China-Lampen: hoher Quecksilbergehalt, kurze Lebensdauer, Dumpingpreise.

Das wäre natürlich ein Argument. Hört sich für mich aber auch etwas polemisch an. Natürlich dürfen nur Produkte eingeführt werden, die auch die gesetzlichen Vorschriften einhalten und das wird hoffentlich überprüft. Ich werde mich mal erkundigen, wie die Grenzkontrollen ablaufen. Energiesparlampen bedeuten jedenfalls weniger Energieverbrauch, weniger Kohleausstoß und damit auch weniger Quecksilber in der Atmosphäre. Aber bitte nicht vergessen sie ordentlich zu recyceln!


Energiesparlampen

26. Juli 2007

Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, die Anti-Dumping Zölle gegen (chinesische) Energiesparlampen aufzuheben. Bisher werden die fernöstlichen Leuchten mit bis zu 66% des Produktpreises Importzoll belegt, um die heimischen Hersteller zu schützen. Diese sind jetzt zwiegespalten. Während die Siemens-Tochter Osram aus Deutschland die Zölle am liebsten noch erhöhen würde und dabei von der ach so klimafreundlichen Bundesregierung unterstützt wird, freut sich der holländische Hersteller Philips auf die Absenkung der Zölle – Philips hat schon Fabriken in China aufgebaut.

Der Vorschlag von Handelskommissar Peter Mandelson ist Teil einer Initiative, die Zölle für ökologisch vorteilhafte Produkte generell zu streichen. Auch der WWF unterstützt daher die Vorschläge. Der relativ hohe Einkaufspreis gilt als ein Hinderungsgrund, warum die sparsamen Lampen von einigen Menschen gemieden werden.

Für importierte Ware gilt natürlich auch die Obergrenze von 5mg Quecksilber pro Lampe. Und zum recyceln muss auch niemand nach China fahren, sondern weiterhin nur bis zur nächsten Sammelstelle.


Was, wenn sie nicht auf meine Anmache reagiert?

29. Oktober 2009

Energiesparlampen richtig entsorgenDie Berliner Stadtreinigung (BSR) ist bekannt für ihre witzige Werbung. Mit der neuesten Kampagne werben die „Men in Orange“ dafür, durchgebrannte Energiesparlampen nicht in den Hausmüll zu werfen. Wenn „sie“ auf die Anmache nicht mehr reagiert, muss sie zu einem der 15 Recyclinghöfe in Berlin oder einer anderen Sammelstelle gebracht werden. Das gilt natürlich auch in anderen Städten! Zu der BSR-Kampagne gibt es eine Website (www.energiesparlampen-richtig-entsorgen.de), Gratis-Postkarten und einen Flyer mit Foto-Love-Story.


Quecksilber: Energiesparlampe vs. Kohlestrom

30. September 2009

Inzwischen weiß es jeder und vor allem die Leuten die sich sonst kaum für Umweltschutz interessieren: Ja, in Energiesparlampen ist Quecksilber enthalten. Darum darf man sie nicht einfach in den Müll schmeißen, sondern muss sie recyceln lassen (Sammelstelle finden). Energiesparlampen sind vermutlich nur eine Übergangstechnologie und es ist gut, dass Lampenhersteller jetzt unter Druck stehen, energiesparende und quecksilberfreie Lampen weiterzuentwickeln. Wer sich jetzt eine gute Energiesparlampe mit langer Lebensdauer anschafft, braucht in 10 Jahren vielleicht keine neue mehr zu kaufen. Für manche Zwecke gibt es bereits jetzt LEDs oder Halogenstrahler, die viel weniger Energie als normale Glühbirnen benötigen.

Es ist aber auch klar, dass unser Strom nicht ohne Umweltschäden produziert wird. Wenn weniger Energie verbraucht wird, reduziert sich diese Umweltbelastung. Kernenergie verursacht Atommüll und Kohleverbrennung schadet nicht nur dem Klima, sondern dabei werden auch viele Gifte freigesetzt. Neben Quecksilber zählen dazu unter anderem Schwefeloxide, Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub, Kupfer, Blei, Arsen. Auch wer Ökostrom bezieht, hängt technisch am ganz normalen Stromnetz. Und Windräder, Wasserkraftwerke und Solarzellen sind auch ein Eingriff in die Natur.

Bisher habe ich es nur behauptet, jetzt mal nachgerechnet. Wird die Menge Quecksilber in Energiesparlampen wirklich durch die Energieeinsparung ausgeglichen?

Daten hierfür liefert das europäische Schadstoff-Register EPER. Demnach wurden im Jahr 2004 insgesamt 5,35 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen ausgestoßen. Darin sind allerdings nur Großkraftwerke enthalten. Einzelne Großkraftwerke sind alleine für mehrere hundert Kilogramm Quecksilber verantwortlich. In Jahr 2004 wurden insgesamt 615,3 TWh Strom erzeugt (XLS-Datei). Dies ergibt 0,0087 Milligramm Quecksilber pro Kilowattstunde (5.350.000.000 Milligramm / 615.300.000.000 kWh). Das Öko-Institut kommt gar auf 0,0147 mg.

Eine Energiesparlampe mit 20 Watt (0,02 kW) ist ungefähr so hell wie eine Glübhirne mit 100 Watt (0,1 kW). Die Energiesparlampe hat eine angegebene Brenndauer von etwa 6.000 Stunden und darf maximal 5 Milligramm Quecksilber enthalten. Man rechnet also:

Energiesparlampe:
5 mg Hg + 0,02 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 5 mg Hg + 1,04 mg Hg = 6,0 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh = 5,2 mg Hg

In diesem Vergleich schneiden die Energiesparlampe und die Glühlampe nach sechs Jahren etwa gleich ab. Bei der Stromerzeugung fallen neben Quecksilber aber noch andere Schadstoffe an, nicht zuletzt Atommüll. Und das Quecksilber in der Energiesparlampe ist nicht in der Umwelt verteilt, sondern kann recycelt werden. An den Quecksilberemissionen aus der Kohleverbrennung lässt sich kurzfristig wenig ändern. Gute Energiesparlampen halten nach meiner Erfahrung sogar länger als 6.000 Stunden. In einer Langzeituntersuchung von Stiftung Warentest haben Lampen von Osram, Philips, Megaman und GE über 19.000 Stunden ausgehalten. Auch der Grenzwert von 5 Milligramm Quecksilber wird von vielen Herstellern weit unterschritten. Die Osram Dulux EL Longlife enthält 2,5 mg, Megaman Energiesparlampen enthalten im Durchschnitt weniger als 2 Milligramm Quecksilber. Damit ergibt sich:

Energiesparlampe:
2 mg Hg + 0,02 kW * 10.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 2 mg Hg + 1,74 mg Hg = 3,7 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 10.000 h * 0,00869 mg Hg/kWh = 8,7 mg Hg

Eine gute Energiesparlampe verursacht also weniger als die Hälfte Quecksilber einer vergleichbaren Glühlampe!

CC-BY-NC: Wolfgang Staudt (flickr)
Foto CC-BY-NC: Wolfgang Staudt, flickr


Klimawandel wird schrecklich

31. August 2009

Die Schrecken des Klimawandels:

  • Dürren in Afrika
  • Orkane in den USA
  • Überschwemmungen in Asien
  • Abschmelzen der Gletscher und der Pole
  • Glühbirnenverbot in Europa

Creative Commons BY-NC-SA: burnt out Impurities

Ach ja, die Welt ist wirklich ungerecht. Damit die Trennung von der Glühbirne nicht so schwer fällt, hier einige Links mit guten Infos über Energiesparlampen und ihre fachgerechte Entsorgung:

Nabu: Gerüchte um die giftige Birne. Was Sie über Energiesparlampen wissen sollten

Stiftung Warentest: Energiesparlampen-Test 2006 (abruf kostenlos, neuerer Test erhältlich) Testsieger: Osram Dulux EL Longlife

Lichtzeichen: Energiesparlampen nutzen und richtig entsorgen (nicht wegwerfen, sondern beim Recyclinghof oder Händler abgeben)

Ökostrom: Atomausstieg selber machen (ob mit oder ohne Energiesparlampe)

Foto: burnt out Impurities (Creative Commons BY-NC-SA)