Quecksilber: Energiesparlampe vs. Kohlestrom

Inzwischen weiß es jeder und vor allem die Leuten die sich sonst kaum für Umweltschutz interessieren: Ja, in Energiesparlampen ist Quecksilber enthalten. Darum darf man sie nicht einfach in den Müll schmeißen, sondern muss sie recyceln lassen (Sammelstelle finden). Energiesparlampen sind vermutlich nur eine Übergangstechnologie und es ist gut, dass Lampenhersteller jetzt unter Druck stehen, energiesparende und quecksilberfreie Lampen weiterzuentwickeln. Wer sich jetzt eine gute Energiesparlampe mit langer Lebensdauer anschafft, braucht in 10 Jahren vielleicht keine neue mehr zu kaufen. Für manche Zwecke gibt es bereits jetzt LEDs oder Halogenstrahler, die viel weniger Energie als normale Glühbirnen benötigen.

Es ist aber auch klar, dass unser Strom nicht ohne Umweltschäden produziert wird. Wenn weniger Energie verbraucht wird, reduziert sich diese Umweltbelastung. Kernenergie verursacht Atommüll und Kohleverbrennung schadet nicht nur dem Klima, sondern dabei werden auch viele Gifte freigesetzt. Neben Quecksilber zählen dazu unter anderem Schwefeloxide, Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub, Kupfer, Blei, Arsen. Auch wer Ökostrom bezieht, hängt technisch am ganz normalen Stromnetz. Und Windräder, Wasserkraftwerke und Solarzellen sind auch ein Eingriff in die Natur.

Bisher habe ich es nur behauptet, jetzt mal nachgerechnet. Wird die Menge Quecksilber in Energiesparlampen wirklich durch die Energieeinsparung ausgeglichen?

Daten hierfür liefert das europäische Schadstoff-Register EPER. Demnach wurden im Jahr 2004 insgesamt 5,35 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen ausgestoßen. Darin sind allerdings nur Großkraftwerke enthalten. Einzelne Großkraftwerke sind alleine für mehrere hundert Kilogramm Quecksilber verantwortlich. In Jahr 2004 wurden insgesamt 615,3 TWh Strom erzeugt (XLS-Datei). Dies ergibt 0,0087 Milligramm Quecksilber pro Kilowattstunde (5.350.000.000 Milligramm / 615.300.000.000 kWh). Das Öko-Institut kommt gar auf 0,0147 mg.

Eine Energiesparlampe mit 20 Watt (0,02 kW) ist ungefähr so hell wie eine Glübhirne mit 100 Watt (0,1 kW). Die Energiesparlampe hat eine angegebene Brenndauer von etwa 6.000 Stunden und darf maximal 5 Milligramm Quecksilber enthalten. Man rechnet also:

Energiesparlampe:
5 mg Hg + 0,02 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 5 mg Hg + 1,04 mg Hg = 6,0 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh = 5,2 mg Hg

In diesem Vergleich schneiden die Energiesparlampe und die Glühlampe nach sechs Jahren etwa gleich ab. Bei der Stromerzeugung fallen neben Quecksilber aber noch andere Schadstoffe an, nicht zuletzt Atommüll. Und das Quecksilber in der Energiesparlampe ist nicht in der Umwelt verteilt, sondern kann recycelt werden. An den Quecksilberemissionen aus der Kohleverbrennung lässt sich kurzfristig wenig ändern. Gute Energiesparlampen halten nach meiner Erfahrung sogar länger als 6.000 Stunden. In einer Langzeituntersuchung von Stiftung Warentest haben Lampen von Osram, Philips, Megaman und GE über 19.000 Stunden ausgehalten. Auch der Grenzwert von 5 Milligramm Quecksilber wird von vielen Herstellern weit unterschritten. Die Osram Dulux EL Longlife enthält 2,5 mg, Megaman Energiesparlampen enthalten im Durchschnitt weniger als 2 Milligramm Quecksilber. Damit ergibt sich:

Energiesparlampe:
2 mg Hg + 0,02 kW * 10.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 2 mg Hg + 1,74 mg Hg = 3,7 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 10.000 h * 0,00869 mg Hg/kWh = 8,7 mg Hg

Eine gute Energiesparlampe verursacht also weniger als die Hälfte Quecksilber einer vergleichbaren Glühlampe!

CC-BY-NC: Wolfgang Staudt (flickr)
Foto CC-BY-NC: Wolfgang Staudt, flickr

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8 Antworten zu Quecksilber: Energiesparlampe vs. Kohlestrom

  1. Roger sagt:

    Ein sehr schöner Block. Bietet fast alle Infos, nach denen ich gesucht habe. Aber um einen „wahren“ Energievergleich machen zu können, müssten auch noch folgende Daten berücksichtigt werden:
    – Energiekosten Gewinnung/Recycling von Quecksilber
    – Herstellung und Verarbeitung der elektronischen Bauteile der Energiesparlampe
    – Transportaufwand (ES sind deutlich schwerer und grösser)
    Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass die Bilanz einer Energiesparlampe schlussendlich schlechter abschneidet, als eine herkömmliche Glühbirne.

  2. Florian sagt:

    Stimmt, Energiesparlampen sind aufwändiger zu produzieren als Glühlampen. Allerdings braucht man davon auch viel mehr, weil sie schneller kaputt gehen. Ich kann grade leider keine genaue Zahl dafür finden, aber meines Wissens ist der Energieaufwand bei der Lampenherstellung (egal ob Sparlampe oder nicht) winzig im Vergleich zu dem, was während der Laufzeit an Energie benötigt wird.

  3. Andy sagt:

    He Leute ! Warum so ein Aufwand? Angeblich sollen die Megaman Energiesparlampen,kein Quecksilber erhalten. Mehr unter http://www.megaman.de Gruß

    • Megaman Presse sagt:

      Hallo Andy, unsere Energiesparlampen enthalten im Durchschnitt 1,63 mg Quecksilber (2010), das in einem Sicherheitsamalgam gebunden ist. Wie alle Elektroprodukte sind auch unsere Energiesparlampen bei Recycling abzugeben.
      Beste Grüße Christoph Seidel (Megaman Pressestelle)

  4. Florian sagt:

    Auch in Megaman-Lampen ist Quecksilber enthalten. Zwar kein flüssiges, sondern mit einem anderen Metall gebunden (Amalgam), aber man muss sie trotzdem vernünftig entsorgen.

  5. ultragoof sagt:

    Bei der Berechnung wird so getan als wenn jedes kW für die Glühbirne oder die Energiesparlampe aus einem Kohlekraftwerk kommt, was so nicht korrekt ist.
    D. h. für beide Leuchtmittel reduziert sich der Hg-Wert entsprechend; dennoch ist eine weitere Reduzierung der Emissionen in den Kradftwerken oder der Hg-Gehalte in den Lampen erstrebenswert.
    Leider gibt es sehr wenig Literatur zu den Hg-Gehalten von Stein- oder Braunkohle.

    • Megaman Presse sagt:

      Der Wert von 0,0087 Milligramm Quecksilber pro Kilowattstunde bezieht sich auf den EU-Strommix. Für Deutschland sind ungünstigere Werte zu erwarten.

  6. voeren sagt:

    Hier und anderswo wird die ganze Zeit über Mengen von Quecksilber gesprochen bzw. über Emissionen. Das ist dann also eher die globale Sicht, das betrachtete System ist also die weitere Umgebung, ein Stück Erde mit Atmosphäre. Es ist aber was ganz anderes, wenn
    1. eine „brennende“ ESL in der Wohnung zerbricht, weil da hast dann ganz wesentlich mehr Quecksilber vor Ort als du über Immission aufgrund eines Kraftwerks bekommen würdest.
    2. Solche Lampen dann bei der Entsorgung zu Tausenden einfach wo hineingeschmissen werden, ohne sich einer Gefahr bewusst zu sein.

    DIe Einbringung von Quecksilber in den Umweltkreislauf gegen die Gefahr für einzelne Menschen auszuspielen ist unsachlich!

    Ein bewusster Umgang mit der Gefahr wird wohl zugunsten der Akzeptanz der ESL unterlassen. Man scheint sich aber inzwischen einig zu sein, dass sich zumindest Kinder und Schwangere nicht dem Quecksilberdampf einer zerbrochenen ESL aussetzen sollten.
    Eine effektive Warnung auf den Lampen oder der Verpackung gibt es aber nicht. Zumindest aber werden die Lampen langsam sicherer (Aussenhülle).

    Ok, ein paar kleine statistische Verluste, dafür hatten wir eine schöne Übergangslösung…wenn wirklich Übergangslösung, dann hat sie sich aber wohl für den Energiehaushalt und die Umwelt nicht wirklich ausgezahlt.

    Ein bewusster Umgang mit dem Abfall scheint zudem teurer und bedarf zumindest einer gewissen Organisation. Das spart man sich wohl derzeit noch ziemlich. Statt einer einigermaßen gleichmäßigen Verteilung über die Luft (Kraftwerke) haben wir dann halt vorallem Sammelpunkte wie die Müllsammelinfrastruktur und Deponien, an denen sich das Quecksilber anreichert.

    Man könnte ja meinen, die EU, welche sich über so viele Dinge teure Gedanken macht, könnte hier Überlegungen zumindest in dieser Tiefe angestellt haben und damit auch argumentieren. Scheint mir aber nicht der Fall zu sein. War wohl auch nicht notwendig. Ideocracy lässt grüßen.

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