Quecksilberverbot – und nun?

19. Februar 2009

Juchu, es gab einen Durchbruch in Nairobi! Die Umweltminister der Vereinten Nationen haben sich darauf geeinigt, Quecksilber weltweit aus dem Verkehr zu ziehen. Die Zahnärzte der Amedis Klinik in Hannover frohlocken schon, dass damit „das Thema der quecksilberhaltigen Amalgam Füllungen erledigt“ sei. Doch halt! Ich kenne zwar die genauen Beschlüsse noch nicht, doch sie werden sicher nicht unmittelbar in die deutsche Gesundheitspolitik eingreifen. Es geht viel mehr darum weltweit gemeinsam Schritte zu unternehmen, damit weniger Quecksilber in die Umwelt gelangt. Dafür werden verbindliche Reduktionsziele festgelegt und evt. konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, die jedes Land umsetzen soll. Die Grundlage ist jetzt gelegt, die Umsetzung wird (leider) noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Joachim Müller-Jung, FAZ: Quecksilber soll verboten werden
Marc Engelhardt, taz: Quecksilber verboten
Angelika Slavik, Süddeutsche Zeitung: Das gefährliche Element

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Akzo Nobel übernimmt LII Europe

17. Februar 2009

Die Meldung ist schon einige Tage alt und auch nicht so waaahnsinnig spannend, aber ich möchte sie trotzdem hier notieren: Akzo Nobel hat LII Europe übernommen. Was hat das zu bedeuten? Beides sind Chemieunternehmen, die in Deutschland jeweils ein Chlor-Alkali-Werk betreiben das mit veralteter Quecksilber-Technik arbeitet. LII will das Werk in Frankfurt am Main schon lange umrüsten, hatte bisher aber nicht das notwendige Kapital. Akzo Nobel ist ein multinationaler Konzern. Ihnen fehlt nicht das Geld sondern der Wille, die Anlage in Ibbenbüren zu erneuern. Die FAZ meldet nun, dass Akzo Nobel zumindest die Quecksilberschleuder von LII für 100 Millionen Euro umrüsten will. Vielleicht können sie sich dann ja auch schneller entscheiden, was mit der Fabrik in Ibbenbüren passieren soll.


Goldene Zeiten

16. Februar 2009

Heute beginnt in Nairobi, der Hauptstadt Kenias und Sitz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), das „Gouverning Council“, also ein Treffen von Umweltministern aus aller Welt. Einer der wichtigsten Punkte im Programm sind die Verhandlungen über ein globales Abkommen gegen Quecksilber. Der Direktor des UNEP, Achim Steiner, ist hoffnungsvoll, dass ein solches Abkommen zustande kommt und spricht schon von „goldenen Zeiten, um die giftige Quecksilberbelastung zurückzudrängen„. Weil Quecksilber so flüchtig ist und sich global ausbreite gebe es heute „keinen lebenden Menschen, der vollständig unbelastet von Quecksilber ist. “

Medienberichte über die Konferenz und die Hintergründe:
Ralph Ahrens, Deutschlandfunk: „Quecksilber-Verbot: Jedes Gramm zählt
Martin Kotynek, Süddeutsche Zeitung: „Kampf dem Quecksilber


Dear President Obama

11. Februar 2009

Open letter to:
President Barack Obama
The White House
1600 Pennsylvania Ave NW
Washington, DC 20500

Legally binding treaty to reduce mercury exposure

Dear President Obama,

We, the undersigned groups, strongly urge you to support an international agreement to control mercury pollution and reduce human exposure to mercury.

Mercury is a dangerous neurotoxin that can make its way up the food chain into humans, and poses an increased exposure risk to developing fetuses and young children, causing permanent learning disabilities. Mercury is also a persistent, bioaccumulative, transboundary pollutant. Emissions to and from the United States contaminate the earth’s air, soil, water and fish. Because of this global contamination, mercury pollution requires a coordinated international response.

Of high concern is mercury emissions from coal-fired power plants and other sources of unintentional emissions of mercury, and indeed these are important sources of mercury pollution in the United States and throughout the world. However, there are also intentional uses of mercury that can pollute the environment. As you know, mercury is also a commodity metal (like iron or copper), traded on the global market, and is used for many industrial and commercial purposes including over 1,000 tons per year in small scale gold mining.

As a result, the continued trade in mercury also contributes to global mercury pollution. Because of its toxic nature and increasingly available alternatives to its use, we have a unique opportunity and responsibility to address this contaminate through international regulation or ban of its trade. Since 2001, countries around the world have been discussing options to control mercury pollution and in 2003 agreed that enough was known to warrant immediate action to reduce global mercury pollution. Most countries now favor the negotiation of a legally binding international agreement as the most viable approach to deal with this problem. However, over the past six years, the Bush administration consistently opposed this position.

In mid-February, the world will take up this question again at the 25th meeting of the United Nations Environment Program Governing Council. At this meeting, the United States must change its current position on mercury and come prepared to support a legally binding agreement to reduce mercury exposure. The UNEP Governing Council meeting will provide your administration with its first opportunity on the world stage to demonstrate a real change in approach to international environmental issues, an approach that embraces cooperation and leadership, rather than obstruction and inaction. Therefore, we urge you to seize this opportunity for leadership, and support an international agreement to control this dangerous pollutant.

We welcome any questions or comments on our letter. Thank you.

Sincerely,

Unterzeichnet von 50 Organisationen aus den USA und weiteren 40 aus der ganzen Welt.


Studie zur Quecksilberbelastung in Fisch

10. Februar 2009

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat heute als Mitveröffentlicher der internationalen Studie „Mercury In Fish – A Global Health Hazard“ Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner aufgefordert, die Öffentlichkeit vor dem Verzehr von mit Quecksilber belasteten Raubfischen wie Schwertfisch, Hai und Thunfisch zu warnen. „Nur so können besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Kinder oder Schwangere geschützt werden“, sagte DNR-Präsident Hubert Weinzierl.

Für die Studie wurden 26 Fischproben aus Deutschland und fünf weiteren EU-Staaten getestet. Auf den Philippinen wurden außerdem zehn und im indischen Bundesstaat Westbengalen 56 Produkte untersucht. Die Proben aus Deutschland stammen von Fischmärkten und Feinkostgeschäften in Berlin. Bei den Labortests wurden Überschreitungen der jeweiligen gesetzlichen Grenzwerte sowohl in der EU als auch auf den Philippinen und in Westbengalen festgestellt. In Deutschland wurde in einem Fall der Grenzwert gerade noch eingehalten.

Die Studie wurde im Vorfeld des Treffens von Umweltministern der Vereinten Nationen vom 16.-20. Februar in Nairobi (Kenia) veröffentlicht. Der Deutsche Naturschutzring und die globale Kampagne „Zero Mercury“ rufen die Vereinten Nationen auf, ein verbindliches Abkommen gegen Quecksilber zu beschließen und den Quecksilberausstoß an Land drastisch zu reduzieren.

Der Verzehr quecksilberhaltiger Fische kann zu Gesundheitsschäden führen. Quecksilber wird von Fischen über die Nahrungskette aufgenommen. Bereits im September 2008 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung schwangeren und stillenden Frauen empfohlen, den Verzehr von Thunfisch einzuschränken. „Diese gut gemeinten Warnungen erreichen bislang nicht die betroffenen Verbraucherinnen“, urteilt DNR-Präsident Weinzierl. Zudem müssten die Lebensmittelkontrollen verstärkt werden, damit belastete Ware gar nicht erst auf den Markt gelange.

Mercury In Fish – A Global Health Hazard (PDF, 12 MB)


Mercury Rising

9. Februar 2009

Ban Toxics! (Philippinen)

Die Zero-Mercury-Partnerorganisationen Ban Toxics! und GAIA haben am 5. Februar in Manila / Philippinen zur Veröffentlichung einer Studie über Quecksilber diese kreative Aktion durchgeführt. Die Studie behandelt globale Quecksilberbelastung aus Müllverbrennung. Quecksilber ist in Elektroschrott, Energiesparlampen, medizinischen Produkten, Batterien und alten Messgeräten enthalten.

Studie: Mercury Rising. Reducing Global Emissions From Burning Mercury-added Products (PDF 6,2 MB).

Foto: (C) Lean John Pasion


Bunker oder Kooperation? Erster Test für neue US-Regierung

6. Februar 2009

Vom 16. bis 20. Februar findet in Nairobi der UNEP Governing Council statt. Der GC ist ein Treffen der Umweltminister aller Regierungen beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Auf der Tagesordnung steht ein Beschluss über ein Abkommen gegen Quecksilber.

Umwelt- und Gesundheitsverbände aus aller Welt fordern, dass es ein verbindliches Abkommen gibt, das wirksame Maßnahmen für jedes Land vorschreibt. Die Bush-Regierung stand solchen Abkommen bekanntermaßen sehr skeptisch gegenüber. Nicht nur beim Klimaschutz haben sie blockiert, wo es nur geht. Jetzt ist zwar Obama gewählter Präsident und es gibt einen neuen Umweltminister. Doch in der Verwaltung und auf der Verhandlungsebene sitzen noch immer die Bush-Leute mit der Bunkermentalität. Der UNEP GC  ist somit auch ein erster Test, ob die neue Regierung wirklich internationalen Kooperationen interessiert ist – und ob sie es schafft, diese Vorgaben schnell innerhalb der eigenen Administration durchzusetzen.

Nächste Woche werde ich einen offenenen Brief an Obama veröffentlichen, der vom Mercury Policy Project angeregt und von Organisationen aus aller Welt unterzeichnet wurde.