Haie schützen

16. Dezember 2008
Ostsee, ©L Michael Klockmann 2003

Ostsee, ©L Michael Klockmann 2003

Am Freitag war ich bei einem Fachgespräch der Bundestagsabgeordneten Undine Kurth zum Thema Haie eingeladen. Teilgenommen haben Vertreter von Sharkproject, GSM, Deepwave, der Shark Alliance und D.E.G. Ich war überrascht, dass diese Vereine zum Schutz der Meere im Gegensatz zu den großen Umwelt- und Naturschutzverbänden fast ausschließlich ehrenamtlich arbeiten.

Abgeordnete der Grünen hatten im Vorfeld eine sogenannte kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt (PDF). Die Antworten sind ernüchternd und machen den Eindruck, als hätten einige Beamte einfach keine Lust, Zeit mit dem Thema zu „verschwenden“. In internationalen Verträgen wie HELCOM zählen zur Ostsee auch die angrenzenden Meeresgebiete Kategatt und Skagerrak. Dort gibt es (noch) Haie, in der eigentlichen Ostsee nicht. Die Bundesregierung macht es sich einfach und lässt die Fragesteller vielfach ins Leere laufen, indem sie die Antworten strickt auf die Hai-freie Ostsee beziehen. Keine Haie = keine Probleme.

Eine Frage bezieht sich auch auf die Quecksilberbelastung der Haie. Die Antwort ist relativ ausführlich. Von 2000 bis 2008 wurden insgesamt „109 Proben Hai- fischzuschnitte bzw. – teilstücke, 43 Proben Schillerlocken (Bauchlappen des Dornhais), neun Proben geräucherter Seeaal (Fleisch des Dornhais) sowie fünf Proben Haifisch“ von der amtlichen Lebensmittelüberwachung untersucht. In dem Fleisch wurden so unangenehme Stoffe wie Organochlor- und Nitromoschusverbindungen, PCB 138, 153 und 180, DDT und Endosulfan, Pflanzenschutzmittel, Arsen, Quecksilber, Selen, Zink, Cadmium, Kupfer und Blei gefunden, zum Teil über den gesetzlichen Grenzwerten. Die Belastung mit Quecksilber war in etwa einem Drittel der Hai-Proben über dem erlaubten Limit!

Im Februar 2008 wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Methylquecksilber in Fischen“ im Auftrag des Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht. Hierbei wurden etwa 1000 Fischproben analysiert, darunter auch 23 Haie (Publikationen des BfR zu Methylquecksilber). Im Durchschnitt lag die Belastung der Haie bei 0,8 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch. Der Grenzwert von 1 mg/kg wurde damit zu 80 Prozent ausgeschöpft, was sehr viel ist. Auch hier lag etwa ein Drittel der Proben über dem gesetzlichen erlaubten Höchstwert! Der höchste gemessene Wert betrug über 4 mg/kg.

Aus medizinischer Sicht gilt eine Aufnahme von 0,7 Mikrogramm Methylquecksilber pro Woche und Kilogramm Körpergewicht für einen erwachsenen Menschen als maximal tolerabel. Eine 70 kg schwere Person erreicht diese Belastung durch den Verzehr von nur 50 Gramm Fisch, sofern der zulössige Grenzwert eingehalten wird. Experten kritisieren, dass die Grenzwerte für eine wöchentliche Verzehrmenge ausgelegt sind und keien Tagesdosis festgelegt ist. Man kann sich leicht ausrechnen, dass bei Kindern schon wenige Gramm übermäßig stark belasteter Fisch zu einer Vergiftung führen können! Der Schutz der Haie und ebenso von Schwert- und Thunfischen ist somit nicht nur eine Aufgabe des Artenschutzes, sondern auch für den Schutz der Gesundheit dringend geboten.

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Aus für die Leuchtheizung

10. Dezember 2008
Glühbirne

CC by beatkueng / flickr.com

Glühbirnen sind eine fantastische Erfindung! Man leitet Strom durch einen dünnen Draht, der sich sehr stark erhitzt und anfängt zu glühen. Wenn man richtig viel Energie reinsteckt und die Temperatur auf über 2000 °C steigt, glüht der Draht auch einigermaßen hell, so dass man damit ein Zimmer beleuchten kann. Über Jahrzehnte war dies die einzige Alternative zu Kerzen, Öllampen oder schlafen gehen nach Sonnenuntergang. 95 Prozent der eingesetzten Energie in Glühbirnen wird jedoch als Wärme abgegeben, nur 5 Prozent in Form von sichtbarem Licht. Die meiste Zeit des Jahres benötigt man keine Heizung an der Decke, zudem ist heizen mit Strom sehr unwirtschaftlich – schon im Kraftwerk gehen 60-70 Prozent der Energie verloren. Die besonders ineffizienten Mini-Heizungen mit Leuchtfunktion sollen jetzt in der EU schrittweise aus dem Verkehr gezogen werden.

Denn längst gibt es Halogenlampen, Energiesparlampen oder LEDs, die kaum Wärme produzieren, dafür um so mehr Licht pro eingesetzter Energie. In Fachgeschäften (Baumarkt, Elektro-Ketten etc.) findet man viele unterschiedliche Farben und Formen. Meistens lohnt sich bei Energiesparlampen der Griff zur Markenware, rät die Stiftung Warentest. Es lohnt sich in jedem Fall sich kurz zu informieren. Die Ergebnisse von 2006 kann man kostenlos herunterladen, die von diesem Jahr sind für einen Euro zu haben. Mit „stinkenden“ Birnen und solchen zum dimmen hat sich TEST im letzten Monat beschäftigt.

Und das Quecksilber?

Aufmerksame LeserInnen wissen es längst: in den Energiesparlampen ist zwar Quecksilber drin, aber bei der Energiegewinnung durch Kohleverbrennung wird das Schwermetall auch freigesetzt – neben vielen anderen Schadstoffe und klimaschädlichem Kohlendioxid. Energieverschwendung verursacht somit mehr Quecksilber in der Umwelt als die sparsamen, quecksilberhaltigen Lampen. Dennoch ist es wichtig, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren nicht einfach in den Hausmüll zu schmeißen, sondern getrennt zu entsorgen. Die Deutsche Umwelthilfe beschäftigt sich intensiv damit und fordert: Dem EU-Glühbirnenverbot muss eine umweltgerechte Entsorgung von Energiesparlampen folgen.

Nachtrag: Norbert Lossau macht in einem Kommentar in der WELT einen ganz interessanten Vorschlag: Pfand auf Energiesparlampen. Wer sich gruseln will, kann auch die Kommentare lesen.