Kommt jetzt der Lampenkontrolleur?

Glühbirnen sind gut geeignet um ein Zimmer zu heizen, aber kaum um Licht zu spenden. Deswegen ist ihr Verkauf in vielen Ländern schon verboten. Nun ist es auch bei uns so weit, zumindest wenn man der Rheinischen Post glauben darf. Die schreibt: „EU will Glühbirnen 2009 verbieten„. BILD und Spiegel Online ziehen nicht minder resolut nach. Muss man sich bald vor unangemeldeten Lampenkontrollen fürchten? Unsinn. Zunächst einmal ist nicht jeder Vorschlag von der EU-Kommission schon beschlossene Sache. Im Gegenteil, der Verfahrensweg ist lang. Bis die Umweltminister der Länder und das Europaparlament sich geeinigt haben, vergehen meist Monate. Der Kommissionsvorschlag sieht zudem lange Übergangszeiten vor. Möglicherweise wird im nächsten Jahr der Verkauf der verschwenderischsten Lampen verboten, bis schließlich 2015 stufenweise alle ineffizienten Produkte vom Markt genommen werden.

Und wer soll das bezahlen? Die Stromkonzerne, denn die werden weniger verdienen. Alle Stromkunden können sich über die Zwangsbeglückung freuen:

Die Kommission geht von Einsparungen für die Verbraucher in Europa von 5 bis 8 Milliarden Euro aus. Wenn alle Haushalte auf Energiesparlampen umstellten, spart dies allein in Deutschland 7,5 Milliarden Kilowattstunden Strom – das entspricht 4,5 Millionen Tonnen weniger an klimaschädlichem Kohlendioxid.

Der Vorschlag ist sicher sinnvoll, aber nicht ohne Einschränkungen. Zum einen existieren noch immer hohe Zölle auf Energiesparlampen aus China. Es ist absurd, die effizientesten Lampen zu besteuern und und gleichzeitig Energiefresser zu bekämpfen. Zölle weg, dann kann auch das Verbot kommen!

Der zweite Kritikpunkt ist grundsätzlicher: Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber und dürfen nicht in den Hausmüll geworfen werden – 90 Prozent landen trotzdem dort. Nicht einmal ausgewiesene „Mülltrenner und -sammler“ wie die Deutschen geben ihre Energiesparlampen zum Recycling. Zwar sind die sparsamen Lämpchen insgesamt ökologisch vorteilhaft. Aber der Klimaschutz sollte nicht gegen andere Umweltprobleme aufgewogen werden und das Lampenrecycling muss europaweit energisch vorangetrieben werden.

Die EU-Kommission ist übrigens grade auch dabei die Elektroschrott-Richtlinie zu überarbeiten. Es gab 113 Stellungnahmen, darunter auch von meinem Verband, dem Europäischen Umweltbüro.

Bild: CC matzzz300 / flickr.com

9 Antworten zu Kommt jetzt der Lampenkontrolleur?

  1. walter_h sagt:

    Rechnen wir doch mal nach: die 7,5 Mrd. gesparten kWh kosten bei 20 Cent pro kWh 1,5 Mrd. Euro.

    Neuen Teppichboden verlegen oder einen Teppich wegzuwerfen (von den Entsorgungskosten mal ganz abgesehen) kosten pro Schadensfall gut und gerne 500 Euro.

    Für 1,5 Mrd. Euro kann man 3 Mio. Schadensfälle bezahlen.

    Rechnen wir mal mit 30 Mio. Haushalten in Deutschland, so dürfen nur in 10% der Haushalte jährlich eine einzige Energiesparleuchte zerbrechen.

    Sind es mehr, die zerbrechen, und entsorgen die Leute dann den Teppich, zahlen die Verbraucher insgesamt mehr für die Beleuchtung als bei der alten Glühbirne!

    Natürlich zahlen nur diejenigen Haushalte die 500 Euro, in denen auch wirklcih eine Leuchte zerbricht – oder sie atmen das Gift einfach ein. Auch eine Lösung.

    Die Energiesparleuchten ohne Pfandpflicht einzuführen wird sich als Bumerang bei der Behandlung von quecksilbergeschädigten Personen erweisen.

  2. Florian sagt:

    Warum sollten die Leute so tollpatschig sein, haufenweise Lampen zu zerbrechen? Ich habe mich z.B. dafür eingesetzt, dass quecksilberhaltige Fieberthermometer aus Haushalten entfernt werden. Die enthalten aber auch 200 Mal so viel Quecksilber wie eine Energiesparlampe und hängen nicht ruhig an der Decke, sondern werden rausgekramt wenn man total matschig in der Birne ist.

    Wenn eine Lampe zerbricht, sollte man zuerst 15-30 Minuten gut lüften. Von glatten Böden (Fliesen, Laminat, PVC) kann man die Scherben mit einem Handfeger und Kehrschaufel weg machen. Beim Teppich oder Ritzen im Parkett kann man die groben Teile auch mit der Kehrschaufel entfernen und ganz kleine Scherben dann mit einem Stück Klebeband aufnehmen. Ganz zum Schluss, wenn nichts mehr zu sehen ist, kann man saugen. Wichtig ist natürlich, dass Zeug dann nicht tagelang im Mülleimer in der Wohnung zu behalten.

    Ein Hersteller (Megaman) bietet Lampen an, in denen kein reines Quecksilber, sondern gebundenes Amalgam enthalten ist. Amalgam verdampft kaum. Wenn man es allerdings ständig im Mund mit sich herumträgt, ist das wesentlich schädlicher als einmal im Jahrzehnt eine Lampe zu zerbrechen.

  3. walter_h sagt:

    Saugen wäre der Supergau.
    Kontrovers 26.08.09

    Zumindest Prof. Gustav Drasch, Institut für Rechtsmedizin LMU München, sagt folgendes zum Saugen:

    „Das Quecksilber, das zunächst in flüssiger Form im Boden drin liegt, wird in den Staubsauger hineingerissen, wird damit zerrissen, zu ganz kleinen Tröpfchen. Diese ganz kleinen Tröpfchen gehen durch den Staubsaugerbeutel voll durch. Mit anderen Worten: Sie kommen hinten wieder raus, man bläst sie richtiggehend in die Luft. Das ist der Supergau.“

    Nachzulesen bei br-online

    Der Hinweis auf die Megaman-Leuchten mit dem zusätzlichen Mantel ist gut. Noch besser wäre aus meiner Sicht ein Pfand, ähnlich wie bei den Autobatterien. Bisher werden wohl nur 10% richtig „entsorgt“, der Rest wie bisher in den Hausmüll geworfen.

    Und bei den Annahmestellen der Stadt oder beim Obi sieht es auch nicht toll aus: Scherben alltenhalben! Da man die 3 mg Hg nicht sieht (ich wenigstens nicht), vergiften sich die Leute dort mit Sicherheit, da die dort 8 Stunden pro Tag sind und jeden Tag neue Leuchten zerworfen werden.

    Mir ist unverständlich, wie die EU-Kommission hier so nachlässig ist, auf der anderen Seite die Hersteller von Photo-Objektiven, die Bleiglas verwenden, darum kämpfen mussten, dass in Kameralinsen weiterhin Blei enthalten sein darf (welches dort wohl kaum herauskommen dürfte, außer die Linse schmilzt).

  4. walter_h sagt:

    Ohne jetzt gegen das Energiesparen sein zu wollen, noch folgende Anmerkungen:

    1. Für Beleuchtung werden lt. Vattenfall nur rund 9% der el. Energie verwendet. Das meiste geht ins Kühlen und Kochen und Kleingeräte.

    2. Das Argument, die Glühleuchten erzeugen hauptsächlich Wärme, zerfällt natürlich zu Staub, wenn eine Wohnung im Winter ohnehin mit Strom geheizt wird. In einem elektrisch beheizten Raum Energiesparleuchten einzusetzen ist so wie wenn man beim Baden statt Wasser H2O verwendet.

  5. Florian sagt:

    Natürlich ist saugen verkehrt! Deswegen sollte man erst alles gründlich mit einem Besen wegmachen, auf unebenem Boden mit einem Klebeband. Bei glatten Flächen kann man auch noch drüberwischen. Aber dann darf man auch wieder saugen, die Wohnung muss in Zukunft nicht dreckig bleiben. Wer zuerst gesaugt hat und dann hier gelandet ist, sollte den Staubsaugerbeutel sofort wegschmeißen und den Filter austauschen. Den Staubsauger und den Teppich wegzuschmeißen halte ich eher für nicht nötig. Die Menge von Quecksilber in Energiesparlampen ist vergleichbar mit der in einigen Kilogramm Thunfisch und nur 0,5% der Menge einer Zahnfüllung oder eines Fieberthermometers.

    Die Recyclingquote ist natürlich viel zu niedrig. Durch die Diskussion in den letzten Wochen, wird sich das hoffentlich verbessern. Es muss den Leuten aber auch leicht gemacht werden die Lampen abzugeben, z.B. sollte jeder größere Händler sie zurücknehmen. Die Sammelstellen müssen natürlich ordentlich geführt werden, damit die Leute die dort arbeiten sich nicht vergiften. Es gibt z.B. Sammelbehälter mit gefederten Böden, die sich mit steigendem Druck absenken. Man muss die Lampe also nirgendwo reinschmeißen oder fallen lassen, sondern kann sie immer vorsichtig oben drauf legen.

  6. walter_h sagt:

    Lieber Florian,
    beim Quecksilber sind die Dämpfe gefährlich. Bei der Frage, wie viel Quecksilberdampf entsteht, ist die Oberfläche des Quecksilbers maßgeblich (so wie Handtücher ja auch schneller trocknen, wenn man sie ausbreitet).

    Wenn beim Herunterfallen also viele kleine Kügelchen entstehen, dann ist trotz der kleinen Masse deren Oberfläche riesig (nano läßt grüßen). Und so versaut auch eine kleine Menge Hg einem die Wohnung.

    Doch was ganz anderes: Heute kam im NDR die Sendung „Rettet die Glühbirne“.

    Die Sendung wird im auf Eins Extra (nur digital zu empfangen) am 25.9.09 um 22:02 Uhr wiederholt.

    In der Sendung wurde nachgesehen, wie denn die Entsorgung der Lampen aussieht. Was dort zu sehen war, hatte einen ziemlichen Gänsehautfaktor.

    Die normalen, langen Leuchtstoffröhren konnten wenigstens recht gut in Containern gestapelt werden. Doch die „Energiespar-Birnen“ wurden zum Teil zerbrochen angeliefert. Doch was schlimmer war, beim Entsorgen selber wurden Drahtkörbe, gehäuft!!! voll mit solchen Birnen, mit dem Gabelstapler übereinandergestellt.

    Da hörte man das Glas dann nur so krachen – und dies alles ohne Absaugvorrichtung oder ähnliches.

    Die Sendung ist wirklich sehenswert – ich denke nun deutlich anders über die Energiesparbirnen.

    Zumal es auch keine Ökobilanz gibt, in der z. B. die ewig langen Transportwege beim Recyclen, die Aufarbeitung der Elektronik (die ja immer mit weggeworfen wird) etc. betrachtet wird.

    Auf lange Sicht werden wohl nur Halogeneinsätze (werden aber auch verboten) oder dann LED eine Zukunft haben.

    Also, die Sendung war der Hammer, bitte ansehen!

  7. walter_h sagt:

    Hier ein Link zu einer Ökobilanz von LED-Lampen:

    http://www.bayern-photonics.de/inhalte/news/09_q3/oekobilanz-led/

    Gruß
    walter_h

    p.s. klar, ist auch von einer Firma – doch lesenswert ist es allemal.

  8. Florian sagt:

    Die Ökobilanz von LEDs ist gut und die Einsatzbereiche werden in kurzer Zeit sicherlich noch stark erweitert. Durch das Glühlampenverbot nimmt ja die Nachfrage auch zu. Aber es ist auch zu sehen, dass die Energiebilanz von Energiesparlampen genau so gut ist wie die von LEDs. Das Bild ist hier noch einmal besser zu sehen: http://www.baulinks.de/webplugin/2009/i/1477-osram2.gif

    Für mich neu ist, dass nur 2% der Energie in der Produktion aufgewendet wird. Das ist ja ein wetieres Vorurteil, dass Energiesparlampen so aufwändig zu produzieren wären.

  9. walter_h sagt:

    Hallo!
    Es soll auch noch eine interne Studie von Osram geben, welches dann auch die Entsorgung der Energiesparlampen (= Kompaktleuchtstofflampen) betrachtet. Doch, wie die Sendung (s.o.) betont, wird diese Studie nicht rausgerückt. Klar, die quecksilberhaltigen Lampen verkaufen sich ja auch noch gut.

    Ich hoffe, dass sich die LEDs bald durchsetzen werden. Die verkleinerten Leuchtstoffröhrenlampen sind für mich eine reine Übergangstechnologie.

    Im Übrigen setze ich bei mir auch normale Leuchtstoffröhren der Farbklasse 965 ein (Biolux von Osram), die mit einem elektronischen Vorschaltgerät dimmbar geschaltet sind.
    Hier ist die Farbwiedergabe erste Sahne und die Elektronik hält sehr wahrscheinlich fast ewig.

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