Münchhausensyndrom

30. Mai 2008

Kampusch, Fritzl … in letzter Zeit kommen aus Österreich einige skurrile Kriminalgeschichte. Im sogenannten „Quecksilberprozess“ wurde jetzt ein Mann wegen Verleumdung verurteilt. Er hatte sich selbst mit Quecksilber vergiftet, um es seiner Frau anzulasten, meldet der ORF. Die Ehe der beiden scheint nicht die Glücklichste gewesen zu sein.


Die größte Goldmine der Welt

29. Mai 2008

Die Deutsche Bank lädt zur Jahreshauptversammlung und die Kritiker des Kreditinstituts kommen gerne. „Moral und Markt sind kein Gegensatz“, verkündet der Vorstandschef Josef Ackermann in einer Pressemitteilung und unterzeichnet reihenweise ökologische und soziale Erklärungen. So viel öffentlich verkündete Wohltaten machen stutzig. urgewald und die kritischen Aktionäre haben einige Missetaten des Konzerns in einem Bericht zusammengefasst. Und natürlich – wer hat es geahnt? – geht es darin auch um Quecksilber. Michael Schulze von Glaßer schreibt in der jungen Welt:

Das Bergbauunternehmen Freeport McMoRan betreibt im indonesischen Regenwald die Grasbergmine, die größte Gold- und drittgrößte Kupfermine weltweit. Der immense Abraum beinhalte giftige Schwermetalle wie Arsen, Kadmium und Quecksilber. Die ganze Landschaft um die Mine sei chemisch verseucht. Seit Juli 2006 sei die Deutsche Bank als Teil eines internationalen Bankenkonsortiums an der Finanzierung von Freeport McMoRan beteiligt. Das Fazit der »urgewald«-Aktivistin Heffa Schücking ist eindeutig: »Jeder muß sich fragen, ob er Kunde einer Bank sein will, die dreckige Deals in aller Welt finanziert.«


Quecksilber in Pakistan

27. Mai 2008

Die acht deutschen Chlorwerke, die noch mit der veralteten Quecksilbertechnik arbeiten, gehören zu den größten Quellen des Schadstoffs in Deutschland. Sie geben etwa 100 bis 300 Kilogramm Quecksilber im Jahr an die Umwelt ab. Das ist viel, denn der Schadstoff wird weit verteilt und ist schon in sehr kleinen Mengen sehr schädlich. Wahrlich mit den Knie geschlottert habe ich aber, als ich über ein Chlorwerk in Pakistan gelesen habe. „Fabriken emittieren täglich Tonnen von Quecksilber“ lautet die Überschrift in der Daily Times aus Pakistan. Der Ingenieur eines Chlorwerks antwortet dem Journalisten, dass in seiner Fabrik täglich 50 Kilogramm Quecksilber eingesetzt werden. 50 Kilogramm – das wären 18 Tonnen im Jahr! Die Zahlen sind (hoffentlich) etwas übertrieben, aber das Problem ist unbestritten. Gewässer und Ackerland, Fische, Wasservögel und andere Tiere und natürlich Menschen sind vergiftet und gefährdet. Die pakistanische Umweltbehörde hat mit Hilfe der Vereinten Nationen zumindest Messgeräte angeschafft, um den Quecksilbergehalt in Luft und Wasser zu bestimmen. Ein Offizieller sagte:

“Mercury pollution is a very serious matter and should be dealt with on war footing.”

Die Zeitung erhebt schwere Vorwürfe gegen die Umweltbehörde. Der Behördenmitarbeiter meint, die teuren Geräte stehen verschlossen rum und würden nicht genutzt. Die Behörde habe auch den Auftrag, ein Fortbildungsprogramm für Fabrikbesitzer und Mitarbeiter zu entwickeln, nicht umgesetzt.


Brüsseler 1×1

22. Mai 2008

Der werten Leserin und dem werten Leser, die sich ob meiner Berichte nun brennend für EU-Politik interessieren, empfehle ich ganz besonders die Lektüre des Brüsseler 1×1 des DNR (als HTML oder PDF, auch gedruckt zu bestellen). Sechsundneunzig Seiten über:

  • Die Struktur der Europäischen Union
  • Umweltschutz in den Europäischen Verträgen
  • Die Ziele der europäischen Umweltpolitik
  • Der Rat der Europäischen Union – Ministerrat
  • Der Europäische Rat
  • Die Europäische Kommission
  • Das Europäische Parlament
  • Gesetzgebungsverfahren
  • Gerichtliche Instanzen & Klagearten
  • Beiräte & weitere Institutionen
  • Umsetzungsmöglichkeiten der EU
  • Wie wird die Umsetzung des EU-Rechts kontrolliert?
  • Wie kann ich mich einmischen?

Stavros ist zufrieden

22. Mai 2008

„It is absolutely vital that this highly toxic chemical be banned for export and that the supply of mercury currently in circulation be safely stored. Let us set the example for other countries to follow in reducing emissions of this dangerous substance.“

(Ein Exportverbot für dieses hochgiftige Schwermetall ist absolut unerlässlich. Quecksilber, das bereits im Umlauf ist, muss sicher gelagert werden. Lasst uns ein Vorbild für andere Länder sein und die Emissionen dieses Schadstoffs reduzieren.)

EU-Umweltkomissar Stavros Dimas zum Exportverbot für Quecksilber (von euractiv.com, mit gutem Bericht und Links)


Exportverbot, schallalalala

21. Mai 2008

Heute hat das Europaparlament entschieden: ab dem 15. März 2011 darf kein Quecksilber mehr aus der EU ausgeführt werden! Meine Brüssler Kollegin Elena Lymberidi-Settimo ist begeistert:

„Reason reigned at the end, narrowly overturning the threat of a deal-breaker.“

In den letzten Tagen habe ich mit einigen deutschen EU-Parlamentariern telefoniert und Mails verschickt, um sie vom Kompromiss zu überzeugen. Schließlich kommt aus der EU ein Drittel des Angebots auf dem Weltmarkt. Da zudem in den USA schon ab 2010 ein Exportverbot gilt, ist ein Nachziehen der EU dringend erforderlich.

Es gab einige Änderungsanträge, die teilweise sogar strenger waren als das jetzige Ergebnis. Aber wenn sie angenommen worden wären, hätten die Umweltminister das ganze Paket blockiert – ein Ergebnis das niemandem geholfen hätte. Hier eine Übersicht der Positionen des Europa-Parlaments, des Umweltminister-Rats und dem jetzt gefundenen Kompromiss:

Termin für Exportverbot
Parlament: 1.12.2010
Minister: 1.6.2011
Kompromiss: 15.3.2011

Stoffe
Parlament: metallisches Quecksilber und alle Verbundstoffe
Minister: nur metallisches Quecksilber
Kompromiss: metallisches Hg, Kalomel, Zinnober, Quecksilberoxid und alle Verbundstoffe mit mehr als 95% Hg-Anteil

Importverbot von Quecksilber
Parlament: dafür
Minister: dagegen
Kompromiss: wird erst 2013 entschieden

Produkte, die Quecksilber enthalten und in der EU verboten sind (z.B. Thermometer)
Parlament: Exportverbot für solche Produkte
Minister: gegen ein Exportverbot
Kompromiss: wird erst 2013 entschieden

Endlagerung
Parlament: unterirdische Lagerung nur zulassen, wenn rückholbar
Minister: unterirdische Endlagerung generell zulassen
Kompromiss: unterirdische Lagerung zulässig, aber der technischer Fortschritt bei der Stabilisierung von flüssigem Quecksilber muss beachtet werden


Sozialforschung

15. Mai 2008

Ich habe schon häufiger über die Belastung bestimmter Fischarten mit Quecksilber geschrieben. Es gibt verschiedene amtliche Warnungen, keine großen Mengen bestimmter Fische zu essen. In der Verordnung 1881/2006 der EU-Kommission zur Festsetzung der Höchstgehalte von Schadstoffen in Lebensmitteln sind über 20 Arten aufgeführt, bei denen eine höhere Quecksilberbelastung zulässig ist. Als ehrlicher Umweltschützer ist es natürlich mein Anliegen umfassend zu informieren. Somit warne ich dann auch schon mal vor dem Verzehr von beispielsweise Grenadierfisch und Zwergdorsch, Degenfisch und Steinbeißer. Wer weiß, was manche Leute so auf dem Teller haben.

Nun gab es eine französische Studie mit der Fragestellung: „Wie beeinflussen Empfehlungen das Verbraucherverhalten? Beispiel des Methylquecksilbers im Fisch.“ Die Gesundheitswarnungen richten sich vor allem an Frauen im gebärfähigen Alter. Die Ergebnisse sind ernüchternd:

Es wurde festgestellt, dass nur wenige Frauen in der Lage waren, sich die Arten zu merken, die in der Empfehlung genannt wurden […] Die gegebene Empfehlung beschrieb die Risiken des Methylquecksilbers und die gesundheitlichen Vorteile des Fischverzehrs. Einen Monat nachdem sie diese Information bekommen hatten, waren 50 % der Frauen der Meinung, dass Quecksilber erhebliche Risiken für ihre Gesundheit birgt. Drei Monate später waren es nur noch 39 % […]

Werden Frauen über die negativen Wirkungen des Fischverzehrs informiert, tendieren sie jedoch dazu, die Risiken zu unterschätzen. Die Ergebnisse dieser Studie lassen auf einen eher geringen Einfluss solcher Empfehlungen auf das Konsumverhalten schließen.

Quecksilber-Thunfisch Die Vorteile des Fischverzehrs blieben dagegen länger in Erinnerung. Dies schieben die Studienleiter auf die starke Prägung durch „die in den letzten Jahren durchgeführten Kampagnen für [vermeintlich] gesunde Ernährung“. „Fisch = Gesund“ hat sich tief ins Gedächtnis eingebrannt. Nun denn, dann versuche ich es auch mal mit einer simplen Botschaft:

Frauen und Kinder: Hai, Tunfisch und Schwertfisch zu essen ist gefährlich!