Stromlücke zwischen den Ohren

Wird Wolfgang Clement aus der SPD geschmissen? Zunächst ist er mit einer Rüge davon gekommen, doch vielen Ortsverbänden reicht dies nicht, berichtet SpOn. Vor der Landtagswahl in Hessen hat der ehemalige Ministerpräsident von NRW und ehemalige Bundeswirtschaftsminister vor der Wahl seiner Partei gewarnt, weil sich die Hessen-SPD gegen Atom- und Kohlekraftwerke engagiert. Es ist kein Zufall, dass Clement sich um diese Kraftwerke sorgt macht, schließlich wird er jetzt vom Energieriesen RWE bezahlt. Oder war er schon immer ein Lobbyist, der sich als Politiker verkleidet hat? Seiner eigenen Aussage zufolge schon:

Ich vertrete die Interessen der deutschen Industrie und der deutschen Energiewirtschaft. Das tue ich übrigens schon seit 40, 45 Jahren.

War der Amtseid dann gelogen? Immerhin hat Clement als Bundesminister auf die Verfassung geschworen, dass er seine „Kraft zum Wohle des deutschen Volkes“ einsetzen werde – nicht zum Wohle der Energiewirtschaft. Das mag im Einzelfall zusammen passen, aber häufig eben auch nicht. Jetzt ist der Ruf ohnehin ruiniert, er hält Vorträge zum Thema „Atomkraft? Ja bitte!“ und erzählt von der „Stromlücke“, mit der der Bau zahlreicher neuer Kohlekraftwerke gerechtfertigt werden soll.

Zur Ehrenrettung der SPD muss ich aber sagen, dass nicht nur die Genossen in Hessen gute Vorsätze für die Energiewende haben. Eine ganze Reihe von Bundestagsabgeordneten der SPD, Wissenschaftler und einige Chefs von Umweltverbänden haben den Aufruf Handlungslücke statt Stromlücke unterzeichnet. Sie fordern eine „grundlegende Neuorientierung in Wirtschaft und Gesellschaft“, die Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik miteinander verbindet. Konkret solle bis 2020 der Stromverbrauch um 11% sinken sowie der Anteil von Kraft-Wärme-Kopplung auf 25% (jetzt 11,5%), der der erneuerbaren Energien auf 30% (jetzt 18%) der Stromproduktion steigen.

Fazit: Für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Stromnutzung und Stromversorgung in Deutschland fehlen nicht die technischen Möglichkeiten. Sie sind seit vielen Jahren bekannt. Was fehlt, sind der Mut und die Bereitschaft, sie auch im Interesse von Wirtschaft, Beschäftigung und Klimaschutz zu nutzen.

Die Zitate von Clement stammen aus Spiegel TV, gerne zeige ich das Video auch ganz:

Eine Antwort zu Stromlücke zwischen den Ohren

  1. daburna sagt:

    Du hast es sicherlich schon bei mir gelesen: der Atlas der Globalisierung mit Spezialisierung auf das Thema Klima von Le Monde diplomatique ist draussen. Da gibt es interessante Artikel zur Energiefrage.

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