Neues aus dem Kohleland

31. März 2008

Was gibt’s neues im Lande der x-und-zwanzig neuen Kohlekraftwerke? Es wird Zeit, dass ich mal wieder ein Update schreibe:


Kingklip

31. März 2008

Schon mal was von Kingklip gehört? Dieser Schlangenfisch ist wohl eine der Arten, die jetzt auf den Tisch kommen, weil die üblichen Speisefisch-Spezies hoffnungslos überfischt sind. Bei Wikipedia spekuliert man noch, ob es sich um eine oder zwei Arten handelt. Tunfisch, Kabeljau und andere Spezies stehen vor der Ausrottung, dann darf es auch etwas ausgefallener sein. Fischfabrikanten loben den „einzigartigen Geschmack“ des hässlichen Wesens – soll heißen er schmeckt irgendwie seltsam, was man sich dann schön reden kann. Noch ist er ein „Geheimtipp auf den Menükarten“, aber in Spanien wird Kingklip schon „seit Jahren“ angeboten. Einige Jahre reichen, um eine“Tradition“ daraus zu machen. Das Fischsterben geht schnell voran.

Die EU leistet dem jetzt Vorschub. Bisher gilt für Kingklip der allgemeine Grenzwert für Quecksilber in Fisch. Dieser liegt bei 0,5 Milligramm Methylquecksilber pro Kilogramm Muskelfleisch. Jetzt soll eine Änderung des Anhangs der Verordnung 1881/2006 über Schadstoffe in Lebensmitteln den Kingklip in die Liste der Ausnahmen aufnehmen. Damit wäre ein doppelt so hoher Quecksilbergehalt zulässig. Dieser gilt bereits für Tunfisch und Bonito, Hai, Hecht und Heilbutt, Barsche und Aale, Rochen, Störe, Makrelen, Schwertfische und eine Reihe anderer Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen.

Neben dem Kingklip geht es auch um einen viel bekannteren Fisch. Der Cadmium-Grenzwert für Sardellen (Anchovies) soll verdreifacht werden. Ist Cadmium plötzlich weniger schädlich? Oder gibt es einfach keine unbelasteten Sardellen mehr?

Deutschland will den Entwurf dem Kommission nicht zustimmen, aber vermutlich werden die Fischereinationen die Erhöhung der Grenzwerte trotzdem durchsetzen können.


Schnee zu Ostern

26. März 2008

„Schnee zu Ostern“ war nicht nur verwirrende Realität der letzten Tage, sondern ist auch ein Titel eines 80er-Jahre Politsongs. Cochise haben es nie zu großem kommerziellen Erfolg geschafft – oder anders herum – sie haben es geschafft, sich nicht kommerziell ausnutzen zu lassen, währen Lieder von Ton Steine Scherben oder Rio Reiser noch heute als Werbemelodien gedudelt werden. Viele Texte von Cochise handeln von ökologischen Themen, so auch „Schnee zu Ostern“ vom 1984er Album „Die Erde war nicht immer so“. Ein Video oder mp3 habe ich leider nicht gefunden, nur den Text:

Der erste Tag dieser Reise
führte mich in die Vergangenheit
mit Bildern und Schildern
und toten Gesichtern
Zeichen der Vergessenheit
Der Sturm war kalt und der Regen nervte
ich warf einen letzten Blick
in die Runde einer längst vergangenen Zeit
Ich wußte, ich komm nie mehr zurück

Am zweiten Tag wars wies immer war
mit Dreck und Beton und Abgasen
Meine neue Heimat auf der Autobahn
kein Blick zurück und nur rasen
Die unendliche Schnur durch ein sterbendes Land
das emsig sein eigenes Grab aushebt
Über tote Flüsse und durch tote Wälder
wo der Modergeruch längst herweht

Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern
Panzer rollen durch ein Dorf
Kinder am Straßenrand winken
Häuser scheinen zu erzittern
Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern

Der dritte Tag führte ins Reservat
wo man glaubt, dass die Welt noch heil ist
wir schweben übers Wasser und leben den Traum
der Idylle, die längst nicht mehr da ist
Bussarde kreisen zwischen Bäumen und Himmel
ein Reiher steht einsam und wartet
wir atmen leicht im Rhythmus der Zeit
eine Ewigkeit, bis er dann startet.

Am vierten Tag
zur Startbahnmauer aus Beton
mit Steinen der Ohnmacht in den Händen
Ein verwüsteter Wald, ein zerrissenes Land,
mit Steckbrief und Parolen an den Wänden
Die Sonne schien heiß
und die Augen verbrannten
die Luft viel zu schwer von dem Giftgas
ein ätzender Nebel auf unserm Rückweg
weit weg fielen wir müde ins Gras

Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern
Wasserwerfer hinter der Mauer
Kinder heulen vom Tränengas
Bäume scheinen zu erzittern
Schnee zu Ostern, Schnee zu Ostern

Bei Youtube habe ich aber das Lied „Rauchzeichen“ gefunden, einen anderen 80er Öko-Hit von Cochise. Ich weiß, modern ist was anderes, das haut heute wahrscheinlich nur noch wenige Leute vom Hocker. Es ist halt ein Zeitdokument, bittesehr:


Goldrausch

20. März 2008

no dirty goldÜber Umweltschäden bei der Goldgewinnung habe ich schon mehrfach berichtet. Jetzt wankt die Weltwirtschaft, der Goldpreis steigt und alle Medien sind im Goldrausch. Der Spiegel hat das Edelmetall sogar zum Titelthema erhoben. Hier einige interessante Artikel der letzten Zeit:


Großbrand bei INEOS in Köln

18. März 2008

Gestern herrschte der Ausnahmezustand in Köln. 1200 Feuerwehrleute waren beteiligt, um den Großbrand im Ineos-Chemiewerk in Köln-Worringen zu löschen. Die WAZ berichtet vom „größte Brandeinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg„. Außer drei Personen, die wegen Hautreizungen ärztlich behandelt wurden, habe es keine Verletzten gegeben. Vorsorglich sollen in der Region Türen und Fenster weiterhin geschlossen bleiben, die Anwohner sich möglichst wenig im Freien aufhalten. Während des Brands wurden mehrere Wohngebäude evakuiert. Die Autobahn und der S-Bahn-Verkehr wurden kurzfristig gesperrt. Ursprünglich wurde gemeldet, dass der Brand im BAYER-Werk im angrenzenden Dormagen ausgebrochen sei.

Ursache des Brandes war eine undichte Ethylen-Pipeline. Die Stichflamme hat einen 3000-Kubikmeter-Tank mit Acrylnitril entzündet, das zur Kunststoffherstellung verwendet wird. Die Boulevardzeitung Express erinnert daran, dass es schon vorher eine Explosion gegeben haben soll: „Es knallte schon letzten Monat„. 


Masterplan der Energieversorgung

17. März 2008

Vor „tagelangen Stromausfällen“ warnt der RWE-Chef in der BILD, weil „Großkraftwerke fehlen“. Und der prominenteste Lobbyist des Konzerns, Wolfgang Clement, fällt seiner ehemaligen Partei mitten im hessischen Wahlkampf in den Rücken, weil sie Atom- und Kohlekraftwerke kritisiert. Die „industrielle Substanz“ sei gefährdet, so Clement. Weil sich überall Bürger für die Zukunft der Energieversorgung interessieren und mitreden wollen, spricht manch einer gar vom „Schweizer Bazillus“ der direkten Demokratie.

Typische Betonkopfrhetorik von überbezahlten Lobbyisten, könnte man meine. Dass der Energiekonzern RWE finanzielle Interesse und nicht das Gemeinwohl im Auge hat, ist kaum zu bestreiten. Aber ist die Frage nicht wenigstens ein bisschen berechtigt? Hat eigentlich mal jemand durchgerechnet, ob „wir“ nicht doch AKWs und Kohlekraftwerke brauchen? Ja hat. Der Masterplan für nachhaltige Energieversorgung wurde mehrfach durchdacht. Einige Links zu Studien mit konkreten Maßnahmen zur vollständigen Energiewende:

    Greenpeace meint: „Versorgungslücke? Nicht wenn man’s richtig macht!„und wirbt für den Klimaschutz Plan B – nationales Energiekonzept bis 2020.

    Eurosolar hat für eine Landesstudie für eine vollständige Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien in Hessen vorgelegt. Eckpunkte: 65% erneuerbare Energie in Hessen bis 2013, 100% bis 2025 durch Effizienzsteigerung, Speicherkapazitäten (Druckluft), dezentrale Energiegewinnung zum Erzeugerpreis von durchschnittlich 9 ct/kWh.

    Die Forschungsstelle für Umweltfragen (FU Berlin) hat im Dezember 2007 eine Studie zum zukünftigen Ausbau erneuerbarer Energieträger unter besonderer Berücksichtigung der Bundesländer im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt. Hier bietet sich noch großes Potential.

    Wer es ganz wissenschaftlich mag, kann Gregor Czisch Dissertation lesen: „Szenarien zur zukünftigen Stromversorgung, kostenoptimierte Variationen zur Versorgung Europas und seiner Nachbarn mit Strom aus erneuerbaren Energien.“

    Kürzlich in Spektrum der Wissenschaft: Amerikas Weg ins solare Zeitalter und dazu der Kommentar von Lars Fischer: Das soll ein großer Plan sein?


    Grüne erinnern – Moorburg stoppen

    17. März 2008

    Moorburg stoppen - BUNDDer BUND will die Grünen in Hamburg daran erinnern, bei den anstehenden Koalitionsgesprächen mit der CDU darauf zu bestehen, dass das Kohlekraftwerk Moorburg nicht gebaut werden darf. Wer Aufruf „Erinnern Sie die Grünen: Wort halten – Kohlekraftwerk stoppen!“ unterstützen will, kann von der Internetseite des BUND eine E-Mail an die Grüne Spitzenkandidatin Christa Goetsch schicken.

    Ich habe neulich beim Infotelefon von Vattenfall angerufen, um mich nach den beantragten Quecksilber-Emissionswerten zu erkundigen. Die hörten sich wirklich nicht übermäßig glücklich an.