Frostblumen

Die Katastrophe ist global: nicht nur dort, wo viel Quecksilber ausgestoßen wird, lässt sich das Schwermetall nieder. Wind, Wasser, belastete Vögel, Fische und andere wandernde Tierarten verteilen das Gift auf dem ganzen Planeten, bis in die entlegensten Winkeln der Welt.

Doch woher kommen die sehr hohen Quecksilber-Konzentrationen im arktischen Eis? Zum Teil sind die Böden hier stärker belastet als rund um Kohlekraftwerke. Offenbar unabhängig voneinander sind amerikanische Militärfoscher und ein deutsch-französisches Forscherteam der Sache nachgegangen. Während bei uns Schneeglöckchen als Frühlingsboten fungieren, bilden sich auf dem zart schmelzenden Frühlingseis in der Arktis sogenannte Frostblumen. Die Berliner Zeitung erklärt es recht anschaulich:

„Frostblumen entstehen auf gefrierendem Meereis. Das Salz gefriert nicht mit, sondern sammelt sich als konzentriertes Salzwasser unter anderem am Rande der jungen Eisschollen. Obenauf bildet es eine Pfütze. An Unebenheiten der Eisscholle kondensiert Wasserdampf aus der Luft und bildet Kristalle.“

Diese wenige Zentimeter großen Kristalle enthalten mehr als drei mal so viel Salz wie das Meerwasser, unter anderem Brom. Die Frostblumen verströmen keinen betörenden Duft, sondern Brom. Gegenüber der Welt erklärt ein deutscher Polarforscher:

„Im jeweiligen Frühjahr haben wir in der Arktis und Antarktis genau jene Sonnenintensität, die vermehrt etwa Brom- und Natriumsalze aus den Blumen heraus in die Atmosphäre befördert.“

Die Bromverbindungen zerstören bodennahes Ozon und verbindet sich mit Quecksilber zu stark giftigem Quecksilberbromid. Klar ist, dass das Quecksilber nicht ursprünglich aus dem Meer stammt. Das Metall kommt hier nicht natürlich vor. Es stammt aus Müll- und Kohleverbrennung, Chlorproduktion, Krematorien und anderen Industrieanlagen. Die amerikanischen Forscher fordern laut Spektrum der Wissenschaft, den Quecksilber-Ausstoß aus Kohlekraftwerken zu verringern. Ein Gesetz dafür ist in Arbeit: die Bush-Regierung hatte ein Handelssystem vorgeschlagen, nachdem jedes Kraftwerk Quecksilber-Zertifikate bekommen hätte. Ein Gericht hat dieses System Anfang Februar gekippt und strengere Maßnahmen gefordert.

(Danke für den Hinweis an Lars Fischer)

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