Kohlekraftwerk Mainz: 58.000 Einwendungen

Gegen das geplante Kohlekraftwerk Mainz sind 58.000 Einwendungen im offiziellen Genehmigungsverfahren eingegangen, darunter auch meine. Ich habe die Argumentation ganz auf Quecksilber-Emissionen aufgebaut (PDF, 4 Seiten). Die Begründung in Kurzfassung: 

Berichte und Handlungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene lassen keinen Zweifel daran, dass die Freisetzung von Quecksilber in die Umwelt drastisch reduziert werden muss. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen hat in dem Bericht „Global Mercury Assessment“ festgestellt, dass menschliche Aktivitäten den globalen Quecksilberpool in der Umwelt bereits verdreifacht haben. Der Großteil stammt aus der Kohleverbrennung.

Die EU-Kommission stellt in der „Gemeinschaftsstrategie für Quecksilber“ fest: „Quecksilberverschmutzung gilt als globales, weit verbreitetes und chronisches Problem. […] Relativ niedrige Mengen können bereits ernsthafte Entwicklungsstörungen des Nervensystems verursachen und wurden vor kurzem mit schädlichen Auswirkungen auf die Herzgefäße, das Immunsystem und den Fortpflanzungszyklus in Verbindung gebracht. […] Freisetzungen der Vergangenheit haben zu einem „globalen Quecksilberpool“ in der Umwelt geführt, von dem ein Teil ständig mobilisiert, abgelagert und wieder mobilisiert wird. Dieser globale Pool vergrößert sich durch neue Emissionen.“

Behörden der EU, Deutschlands und anderer Länder warnen bereits vor dem Verzehr von bestimmten Fischarten, die stark mit Quecksilber belastet sind.

Ich lehne den Bau des Kohlekraftwerks in Mainz ab, da es den globalen Quecksilberpool vergrößern und zu negativen Folgen für meine Gesundheit beitragen würde. Die Genehmigung zum Bau der Anlage sollte keinesfalls erteilt werden, ohne dass folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Ein Kraftwerk, dass nach Aussage des Antragstellers mit „modernsten Umweltschutzeinrichtungen ausgerüstet“ ist und „besonders fortschrittliche Verfahren“ zur Rauchgasreinigung verwendet, muss die Mindestgrenzwerte für Quecksilber deutlich unterschreiten.
  • Nachweislicher Einsatz hoch qualitativer Kohlesorten mit niedrigem Quecksilbergehalt
  • Anwendung der besten verfügbaren Technik, insbesondere eine niedrige Temperatur im Abscheidungssystem (<150 °C)

3 Antworten zu Kohlekraftwerk Mainz: 58.000 Einwendungen

  1. Fischer sagt:

    Ich hab in letzter Zeit gehört, dass einige der geplanten Kohlekraftwerke inzwischen wegen der Bürgerproteste auf Eis liegen. Weißt du da mehr?

    Im Moment gibt es übrigens einen schönen Beitrag im neuen Spektrum über einen ambitionierten Plan dreier Wissenschaftler, die Amerika innerhalb von 50 Jahren solar machen wollen. In den Spektrum-Blogs-gibt’s auch schon einen Beitrag dazu:
    http://www.wissenslogs.de/solargrandplan

  2. quecksilber sagt:

    Toller Plan! Solarenergie ist heute noch recht teuer (Kosten pro kWh). So weit ich weiß ist einer der größten Engpässe die mangelnden Herstellungskapazitäten – es gibt zu wenige große Firmen, die die Solaranlagen herstellen. Wenn dann noch technischer Fortschritt hinzu kommt, werden die Preise weiter sinken – und die von Kohle, Gas, Öl und Uran steigen.

    Zu den Protesten:
    – In Ensdorf (Saarland) hatte RWE ein 1600 MW Kraftwerk geplant, dass bei einer Volksabstimmung zu 70% abgelehnt wurde. RWE hat angekündigt ganz auf den Bau zu verzichten und auch nach keinem anderen Standort zu suchen.
    – Ein weiteres Projekt im Saarland von Steag / Evonik wurde ohne Angabe von Gründen gestoppt, auch hier gab es Proteste.
    – In Köln, Herne und Bremen wurden die Pläne für neue Kraftwerke aus ökonomischen Gründen begraben oder auf Eis gelegt. Auch hier gab es Bürgerproteste.
    – In Kiel wurde die Entscheidung über ein neues Kohlekraftwerk bis 2011 aufgeschoben – bis dahin soll die „dezentrale Energieversorgung“ (kleine Anlagen, Solar, Biomasse, Gas, Wind …) ausgebaut werden.

  3. quecksilber sagt:

    Eine Übersicht steht im Menüpunkt Kohle

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