Kiel macht Schluss

Grade habe ich eine Mail bekommen: die Pläne für ein Kohlekraftwerk in Kiel wurden gestoppt! Frühestens in drei Jahren wollen die Stadtwerke Kiel über die Investition entscheiden. Sie folgen damit einer Empfehlung aus unabhängigen Untersuchungen. Statt des Kohlekraftwerks sollen nun Anlagen zur dezentralen Energie- und Fernwärmeversorgung gebaut werden: Offshore-Windenergie, Solarthermie, Biomasse und kleine Gaskraftwerke. Zudem verspricht das Unternehmen: „Wir stehen zu unserer Aussage, das Energiekonzept für Kiel nur mit und nicht gegen die Bürger zu entwickeln.“ Einmischen lohnt sich also!

Ganz vom Tisch ist das Kohlekraftwerk noch nicht. Die Stadtwerke wollen abwarten, um bei einem Neubau mit „modernster CO2-Abscheidungstechnologie“ die Emissionen zu reduzieren. Derzeit ist diese Technik noch nicht entwickelt, die erste Versuchsanlage in Sachsen wird erst in diesem Jahr in Betrieb gehen. Die Energieunternehmen gehen von einer Marktreife etwa 2020 aus. Ob die CO2-Abscheidung überhaupt jemals wirtschaftlich rentabel wird, ist ungewiss. Wolfgang Pomrehn rechnet in der Telepolis-Energiewochenschau vor:

„Wolle man nur zehn Prozent der derzeitigen jährlichen CO2-Emissionen aller Kraftwerke abtrennen und einlagern, so wäre die Menge flüssigen CO2, die bewegt werden müsste, größer als die gesamte jährliche Erdölförderung. […] Fünf Millionen Tonnen [CO2 pro Jahr, die das geplante 800 MW-Kraftwerk in Kiel emittieren würde], würden je nach Temperatur etwa fünf bis 6,5 Millionen Kubikmeter flüssiges CO2 ergeben.“

Nachtrag
Die jungen Welt schreibt heute:

„Der Bau sollte ein […] laufendes Kraftwerk ersetzen. Mit einer Leistung von 354 MW ist das alte Werk jedoch deutlich kleiner. […] Ein 800-MW-Block wäre für den Kieler Bedarf viel zu groß. Das gilt insbesondere für die Fernwärme, die bisher vom alten Kraftwerk eingespeist wird. Für die Abwärme des neuen Kraftwerks gäbe es überhaupt keinen Bedarf. Sie müßte größtenteils an die Umwelt abgegeben werden, was für die Fisch- und Pflanzenwelt in der Kieler Förde heikel sein dürfte. […] Hinzu kommt ein ganzer Cocktail anderer Emissionen: Bei Vollastbetrieb wäre pro Jahr mit je 3000 Tonnen Stickoxiden und Schwefeldioxid, 300 Tonnen Feinstäuben, 2,4 Tonnen Blei, 0,4 Tonnen Arsen und je etwa einer halben Tonne Quecksilber und Cadmium zu rechnen.“

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