Herfa-Neurode

Aus dem Bergwerk Herfa-Neurode in Nordhessen werden täglich 70.000 Tonnen Kalisalz gefördert, die beispielsweise als Düngemittel oder Rohstoff zur Chlorproduktion von Degussa und BASF verwendet werden. 600 Meter unter der Erde wurden so in den vergangenen 115 Jahren hunderte Kilometer Wege gebohrt. Auf dem Satellitenbild sieht man die riesige Abraumhalde Monte Kali.

Herfa-Neurode ist aber auch die größte unterirdische Mülldeponie der Welt. Schon 1981 berichtete der Spiegel über die „wichtigste Deponie für Giftmüll aus aller Welt“, die damals erst neun Jahre in Betrieb war. Heute lagern auf 18 Quadratkilometern zwei Millionen Tonnen „vom übelsten Dreck dieser Welt“ (Welt), darunter 220.000 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle (meist kontaminierte Böden) und genügend Arsen um die ganze Menschheit umzubringen. Kein schöner Gedanke, auch wenn es 800 Meter unter der Erde liegt. Es ist „die Kehrseite der Konsumgesellschaft“, meint die Süddeutsche Zeitung.

Auch hier unten gibt es Mülltrennung, damit die Stoffe keinesfalls miteinander reagieren. Flüssiger und radioaktiver Abfall darf nicht eingelagert werden. Gefüllte Hallen werden zugemauert, aber von jeder Ladung sind Proben archiviert. Die Betreiber sind gründlich. Denn manchmal wird auch etwas wieder hervorgeholt wird, wenn der technische Fortschritt es wertvoll macht. So lässt sich dreifach Geld verdienen: mit Kalisalz, mit dem Einbringen von Sondermüll und mit dem bergen. Die Lagerung ist kostenlos – für Jahrtausende (Welt 24.7.07, SZ 20.10.06, Spiegel 27.4.81).

Die Packbehältnisse werden nur einige Jahrzehnte halten. Im Laufe der Jahrhunderte wird sich der Berg den Raum zurückholen, der ihm genommen wurde. Der Giftmüll ist dann komplett von Salz umschlossen. Geowissenschaftler gehen davon aus, dass 10.000 Jahre lang alles sicher eingeschlossen ist, ungefährlich für alles, was auf der Erdoberfläche lebt. Was nach 10.000 Jahren passiert, kann heute niemand vorhersehen.

Hier oder in einer anderen Salzmine könnten sie also enden, meine Millionen Quecksilber-Thermometer. Ganz wohl ist mir dabei nicht. Aber Quecksilber verschwindet auch nicht einfach aus der Welt, wenn man es nicht mehr haben will. Ich werde mich mit meinen Anti-Quecksilber-Kollegen beraten, was sie davon halten.

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