So viel Müll

Wisst ihr eigentlich wieviel Müll es gibt? Die Abfallverzeichnisverordnung listet 839 verschiedene Abfallarten nach Herkunft und Entstehungsprozess auf. Einige davon sind „gefährliche Abfälle“ im Sinne von §41 des Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetzes. Das bedeutet, dass an ihre Entsorgung und Überwachung besondere Anforderungen gestellt werden. Einige Beispiele:

05 ist die Klasse für Abfalle aus der Erdölraffination, Erdgasreinigung und Kohlepyrolyse
05 07 steht für Abfälle aus Erdgasreinigung und -transport
05 07 01* sind quecksilberhaltige Abfälle. Und das Sternchen zeigt an, dass sie gefährlich sind. Alle quecksilberhaltigen Abfälle sind gefährlich und tragen ein Sternchen:

06 04 04* quecksilberhaltige Abfälle aus anorganisch-chemischen Prozessen
06 07 03* quecksilberhaltige Bariumsulfatschlämme aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb und Anwendung (HZVA) von Halogenen und aus der Halogenchemie
10 14 01* quecksilberhaltige Abfälle aus der Gasreinigung von Krematorien (sofern diese überhaupt gefiltert werden)
16 01 08* quecksilberhaltige Bestandteile von Altfahrzeugen
16 06 03* quecksilber enthaltende Batterien
17 09 01* Bau- und Abbruchabfälle, die Quecksilber enthalten
20 01 21* Leuchtstoffröhren und andere quecksilberhaltige Siedlungsabfälle

Gefährlich sind Stoffe die leicht entflammbar sind, giftig oder gesundheitsschädlich, ätzend, reizend, krebserregend, fortpflanzungsgefährdend oder erbgutschädigend. Die Begriffe sind in der EU-Richtlinie 91/689/EWG definiert. „Giftig“ (Anhang III, H6) sind zum Beispiel Stoffe und Zubereitungen, die „bei Einatmung, Einnahme oder Hautdurchdringung schwere, akute oder chronische Gefahren oder sogar den Tod verursachen können“. Zudem gehört Quecksilber und Quecksilberverbindungen (Anhang II, C16) zu den Bestandteilen, die andere Abfälle zu gefährlichen Abfällen machen.

Zurück zum Abfallwirtschaftsgesetz. Was sind die „besondere Anforderungen“, die an die Entsorgung von gefährlichem Abfall gestellt werden? Art, Menge und Ursprung müssen registriert und die ordnungsgemäße Entsorgung nachgewiesen werden. Dies betrifft die „Erzeuger, Besitzer, Einsammler, Beförderer und Entsorger“. Die Entsorgung darf nur durch einen anerkannten Fachbetrieb vorgenommen werden. Diese Betriebe müssen Fachkenntnisse, persönliche Zuverlässigkeit, und eine ausreichende Haftpflichtversicherung vorweisen.

Im Anhang des AbfG steht, welche Beseitigungs- und Verwertungsverfahren angewandt werden können. Für Quecksilber kommt wahrscheinlich die Dauerlagerung (Anhang II A, D12) zum Beispiel in Bergwerken oder die Verwertung/Rückgewinnung von Metallen und Metallverbindungen (Anhang II B, R4) in Frage. Das Problem ist: ich will gar nicht, dass das Quecksilber wieder verwendet wird. Es gibt fast keine sinnvolle Verwendung mehr für das Schwermetall. Die existierenden Bestände müssen also irgendwie möglichst gefahrlos gelagert werden. Kommt das Problem jemandem bekannt vor? Genau, Atommüll ist auch nutzlos und gefährlich, eine Belastung für die Nachwelt. Nur – das Problem ist da und verschwindet nicht einfach. Ich versuche mich noch schlau zu machen, was der beste Umgang mit überschüssigem Quecksilber ist und was derzeit praktiziert wird.

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