Genie und Wahnsinn

Die Pianistin Susanne Duch blogt über Fragen zur klassischen Musik. Viele der Meister litten an der selben Krankheit: Syphilis. Schubert, Schumann, Hugo Wolf und Smetana, vielleicht auch Beethoven. „Junge Künstler, für die der Heiratsmarkt nur wenig Chancen bot, fielen der Syphilis reihenweise zum Opfer und gingen mit ihr den langen Weg in die Nacht.“ Die Behandlung der Syphilis brachte schließlich weitere Qualen, statt Heilung oder Linderung. Die Patienten wurden am ganzen Körper mit hohen Dosen von Quecksilber eingerieben. So sehr die Herren darunter litten, so sehr mag es erst die Krankheit gewesen sein, die sie zu Höchstleistungen beflügelt hat. Knochenschmerzen, eine ausgetrocknete Kehle und rasende Kopfschmerzen machten Schubert aggressiv und mündeten in einen „unbändigen Schaffensrausch“. „Wundervolle und gräßliche Lieder“ singen die „himmlischen Heerscharen“ in Robert Schumanns Kopf, „bis in die finale Dunkelheit hinein.“ Susanne Duch schreibt, dass nach modernen Untersuchungen Infektionskrankheiten zu neuronalen Verknüpfungen führen könnten, die weit über unserem gewohnten Level liegen. Die Wahrnehmung werde dadurch „durchlässiger“. „Verdanken wir unsere großen Werke also dem Gift der Dunkelheit?“

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