Symbolik (4)

Quecksilber ist mehr als ein schnödes Element mit der Ordnungszahl 80. Sehr häufig steht es als Synonym für Temperaturänderungen. „Das Quecksilber fällt“ bedeutet: es wird kälter. Mit diesen Worten leitet Reinhard Mey das Lied „Narrenschiff“ ein, das erstmals 1998 auf dem Album Flaschenpost veröffentlicht wurde.

(via: Womblog)

„Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm“

Im Wahlkampfjahr 1998 handelt dieser Text nicht vom Wetter sondern ist mehr als nur symbolisch politisch zu verstehen. Die zweite Strophe lautet:

Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
[…]
In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

Das hört sich an, als wäre es auf einen konkreten Fall bezogen. Aber ich erinnere mich nicht mehr. Gab es 1998 einen Skandal um Steuerhinterziehung?

Die dritte Strophe wird bei youtube erklärt. Der „große Rebelle“ Bob Dylan hatte 1997 bei dem Internationalen Eucharistischen Kongresses „lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom“ gesungen. Papst Johannes Paul II. war Bob Dylan Fan und Dylan ist ein bekennender Christ. Mey textete dazu: „Fürwahr: es ändern sich die Zeiten! Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm“ und zitiert damit Dylans eigene Worte: „The times they are a-changing“.

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