DONG – Kritik von allen Seiten

Die dänische Firma DONG-Energy will in Lubmin, in Mecklenburg-Vorpommern, ein Braunkohlekraftwerk mit 1600 MW Leistung errichten. Das Projekt wird von ganz oben unterstützt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich beim Landesparteitag der CDU für den Neubau ausgesprochen. Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) bietet ihr in dieser Frage seine „vollste Unterstützung“. Der Konzern hofft auf eine Teilgenehmigung in diesem Jahr und vergibt schon mal die ersten Aufträge.

Dabei gibt es Protest von allen Seiten. Mittlerweile engagieren sich in Lubmin, auf Rügen und auf Usedom drei Bürgerinitiativen gegen den Neubau, in Greifswald bildet sich die vierte. Der Landesverband für Camping- und Wohnmobiltourismus stimmte bei einer Verbandstagung einstimmig gegen das Projekt, welches nicht zum „Tourismus- und Gesundheitsland MV“ und den Zielen einer einer „nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung“ passe. Hochrangige Unterstützung kommt von der Europäischen Umweltagentur (EEA). Kohle solle „als allerletzte Ressource“  zur Stromgewinnung genutzt werden. EEA-Chefin McGlade sagte: „Ostdeutschland ist der in Europa am allerbesten geeignete Platz zur Anwendung von Biomasse. Alle anderen Lösungen wären besser für Dong.“ Zudem droht jurisitischer Ärger. Die Staatsanwaltschaft Stralsund hat ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Bestechung gegen den dänischen Energiekonzern eingeleitet. Ein Vertreter des Konzerns soll dem Lubminer Bürgermeister Geld für „klamme Gemeindekassen“ angeboten haben.

Ärger droht auch zu Hause, in Dänemark. Dort ist der Neubau von Kohlekraftwerken gesetzlich verboten. Oppositionsparteien fordern einen Rückzug des Staatskonzerns aus dem Projekt in Deutschland. „Solche Werke gelten in Dänemark als völlig veraltet,“ sagte ein sozialliberaler Politiker. Bei dem Mega-Kraftwerk soll die Abwärme nicht genutzt werden, sondern wird in den Greifswalder Bodden eingeleitet, ein ökologisch besonders sensibles Gebiet. Auch bei den Stadtwerken Lübeck, die zum Teil zu DONG gehören, demonstrierten die Grünen gegen die Beteiligung an zwei neuen Kohlekraftwerken in Lubim und in Lünen.

3 Antworten zu DONG – Kritik von allen Seiten

  1. daburna sagt:

    …die Sache mit dem Bodden ist nicht ganz durchdacht. Schliesslich war hier fast 20 Jahre ein KKW in Betrieb und hat das Wasser des Bodden zum Kühlen genutzt. Einen Bericht, ob es damals eine Beeinträchtigung der Umwelt gab, habe ich bisher nirgendwo gefunden. Auch beruft sich keiner auf so einen eventuell vorhandenen Bericht.

    Gerade nach der Verabschiedung des Klimaschutzprogrammes gestern im Bundeskabinet, ist diese Anlage nicht vereinbar mit den Zielen des Umweltschutzes und sendet ganz klar ein falsches Signal nach Bali.

  2. […] des WWF das Gutachten als PDF-Datei früherer Artikel zu dem Kraftwerk in diesem […]

  3. […] von einem dänischen Staatskonzern gebaut werden soll, hat in unserem Nachbarland schon für innenpolitischen Streit gesorgt. Dort ist der Neubau von Kohlekraftwerken nämlich verboten. Das hindert DONG Energy nicht […]

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