Illegale Mülldeponien

Deutschland

Im Landkreis Northeim (Südniedersachsen) hat die Polizei in der vergangenen Woche „unsachgemäß gelagerte selbstentzündliche, brennbare und teilweise hoch giftige Stoffe“ entdeckt. In den ersten beiden Lagerhallen und unter freiem Himmel fanden die Beamten der Technischen Ermittlungsgruppe Umwelt (TEGU) aus Göttingen unter anderem hochkonzentrierte Schwefelsäure, Quecksilber, Formaldehyd, Essigsäure und Kalilauge. Die dritte Halle wird noch untersucht. Viele Gebinde waren nicht oder unzureichend beschriftet. Allein die Lagerung der schätzungsweise 300 Tonnen Sondermüll sei ein eklatanter Verstoß gegen das „Zusammenlagerungsverbot“ bestimmter Chemikalien und Abfälle, teilte die Polizei mit. Ob ein Teil der giftigen Substanzen auch ins Erdreich gelangt ist oder sich Schadstoffe in der Luft ausgebreitet haben, sei bisher noch unklar. Die Gebäude der Firma, der „Gesellschaft für Reststoff und Sonderabfallverwertung“ (GeReSo) aus Einbeck, wurden von der Polizei versiegelt und gegen den Geschäftsführer ein Strafverfahren eingeleitet. Eine Genehmigung zur Lagerung der Chemikalien an dem Ort gab es nicht. Die Hallen stehen in einem Wohngebiet, in 50 Metern Entfernung befindet sich ein Kindergarten. Unklar ist bisher auch, woher die Abfallstoffe stammen (Berichte: Neues Deutschland, PR-inside, Oberhessische Presse).

Kenia

Ungleich größer ist die Müllhalde von Kenias Hauptstadt Nairobi, berichtet die Baseler Zeitung. „Dandora“ wächst jeden Tag um 2000 Tonnen und bedeckt mittlerweile eine Fläche von 30 Hektar. Der Ort gehört zu den 30 schmutzigsten Plätzen der Welt. Die Gesundheit von hundertausenden Menschen ist beeinträchtigt. Auf der Deponie landet nicht nur Müll aus Kenia, sondern auch Elektroschrott aus Industrieländern, die Schwermetalle wie Blei und Quecksilber und viele andere Giftstoffe enthalten.

Kinder nehmen das Blei auf, indem sie die giftigen Dämpfe einatmen oder einfach Dinge vom Boden aufheben. Mit Sorge beobachten Umweltschützer, dass Elektroschrott aus den entwickelten Ländern nach Kenia und in andere afrikanische Länder «abgeschoben» wird – weil das billiger ist, als ihn zu verarbeiten. Richard Kiaka Dimba von der Umweltorganisation «Eco-Ethics International» kritisiert, dass Industriestaaten ihren Elektroschrott häufig sogar unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit entsorgten. Gebrauchte Computer würden als Spenden nach Afrika geschickt, bis zu 20 Prozent davon seien aber unbrauchbarer Schrott. (AFP)

Indien

Spiegel Online berichtete kürzlich über Elektroschrott in Indien, der als „Spende“ oder Gebrauchtware aus den USA und Europa illegal ins Land gebracht wird. Billige Arbeitskräfte zerlegen und verbrennen den Elektromüll, um wertvolle Metalle herauszulösen und bezahlen für einen Hungerlohn mit ihrer Gesundheit. Der internationale Handel von gefährlichen Abfällen ist durch die Baseler Konvention eigentlich verboten. Indien und die EU-Staaten haben das Übereinkommen ratifiziert, die USA noch nicht. SpOn schreibt:

Doch die Kontrolle ist sowieso schwierig. „Der Elektronikabfall kommt durch bewusst falsche Etikettierung ins Land“, sagt Priti Mahesh von Toxics Link. Die Organisation mit Sitz in Neu-Delhi kämpft seit zwölf Jahren gegen die PC-Entsorgung in Indien. Die defekten Computer würden als „neu“ deklariert, als „Gebrauchtware zum Weiterverkauf“ oder, besonders perfide, als Spenden an Hilfsorganisationen und Schulen geschickt, sagt Mahesh. Rund 200.000 Tonnen an Elektronikabfällen seien auf diese Weise im vergangenen Jahr nach Indien verschifft worden. „Mitarbeiter des Zolls haben uns erzählt, dass sie gar nicht die Kapazitäten haben, um die Tausende von Containern zu überprüfen, die täglich in den indischen Häfen ankommen.“

Meine Kontakte zu Toxics Link habe ich ja schon offen gelegt und Priti gleich mal angemailt. Sie schreibt, dass nach sehr groben Schätzungen etwa 30 Prozent des Elektroschrotts aus der EU kommen, 70 Prozent aus den USA. Als Rat für Verbraucher sagt sie:

I think the advice for the European consumers would be to dispose off their end of life equipments to authorised recyclers – regulators have to make sure that the waste collected by recyclers is accounted for and processed in proper way.

Also bitte: 1. nur Elektrogeräte kaufen die man wirklich braucht und 2. ausgediente Geräte zu einem Händler oder zur Stadtreinigung zum Recycling bringen. Und dann kann man nur hoffen, dass die Geräte nicht bei einem „authorisierten Recyler“ wie der GeReSo landen.

4 Antworten zu Illegale Mülldeponien

  1. daburna sagt:

    Das ganze ist doch echt bescheuert. Ist das Zeug im Müll nicht wertvoll genug, um recyclet zu werden? Gerade in den letzten Jahren mit den steigenden Rohstoffpreisen sollte es doch langsam ökonomisch interessant werden, die Rohstoffe aus dem Müll herauszuholen. Bei Stahl und Kupfer ist es ja schon so interessant für kriminelle Kreise geworden, daß Eisenbahnschienen und Kupferleitungen geklaut werden.

  2. quecksilber sagt:

    Das mit geklauten Schienen und Kabeln habe ich auch schon gehört. Ich denke mal, die Firma in Deutschland hat für die meisten Stoffe Geld bei der Anlieferung kassiert, um sie in Einzelteile zu zerlegen, nach Rohstoffen zu trennen und Fachgerecht zu entsorgen. Wie das geht, haben sie zumindest theoretisch begriffen und auf ihrer Homepage recht verständlich beschrieben. Es ist halt aufwändig und von billigen Arbeitskräften in Indien kostengünstiger zu erledigen. In Kenia wird wahrscheinlich Infrastruktur fehlen, um den ganzen Müll anders zu entsorgen.

    Ein gutes Beispiel für den Wert von „Müll“ finde ich Pfandflaschen. Auf Mülleimern in Berlin steht schon, dass man Bierflaschen nicht wegschmeißen soll, sondern daneben stellen. Es kommt sowieso eine arme Seele und sammelt sie ein.

  3. daburna sagt:

    Links:
    Schrottdiebstahl

    Altpapierklau (der sich noch nicht lohnt)

  4. […] Dadurch entstehen Berge von Müll und giftigem Abfall auf Deponien.” Oder sie werden nach Indien gebracht […]

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