Dorschpolitik

Nicht nur Thunfisch im Mittelmeer ist vom Aussterben bedroht, auch dem Dorsch in der Ostsee (= Kabeljau) geht es sehr schlecht. Obwohl Dorschleber häufig mit Schwermetallen belastet ist, obwohl einige Bestände als vom Aussterben bedroht gelten, obwohl die Fischer immer weniger in den Netzen haben und obwohl Wissenschaftler und Umweltschützer seit Jahren Fangverbote fordern, hat die EU-Kommission jetzt wieder zu hohe Quoten beschlossen. Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn spricht von einem „Versagen“  von Europas Fischereiministern. „Kein seriöses Unternehmen würde an einer Unternehmensführung festhalten, die ein derart armseliges Management abgeliefert hat. Wenn wir die Zukunft unserer Meere den Fischereiministern überlassen, ist die Katastrophe vorprogrammiert.“ Sogar die EU-Kommission hatte zuvor eine Absenkung von 23 bzw. 33 Prozent für bestimmte Bereiche in der Ostsee gefordert und sich dabei auf  den Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) berufen. Die Lobbyvertreter Fischereiminister haben sich nur auf eine Senkung um 5 bzw. 28 Prozent geeinigt. Vor allem Deutschland und Dänemark haben sich für hohe Quoten eingesetzt, Polens Kontrollbehörden halten sich ohnehin nicht an die Vorgaben aus Brüssel. Der WWF meint, die Minister hätten die Chance verspielt, Fischen und Fischern zugleich eine langfristige Perspektive zu sichern. „Das ist, als würde einem Schwerverletzten die Erste Hilfe versagt.“

Unter die Räder kommen nun vor allem kleine Fischer, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen. Für diese habe ich sogar Verständnis. Aber das kurzsichtige Gemecker der Fischereiverbände verschärft die Probleme seit Jahrzehnten jedes Jahr. Europas Fischereipolitik ist ein globaler Alptraum – und wahrscheinlich eines der wenigen Felder auf denen die USA eine bessere Umweltpolitik haben als die EU.

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