„Die Verblödung schreitet voran“

Warum ist Quecksilber eigentlich gefährlich? Im schlimmsten Fall kann man davon sterben, in der Regel sind die Folgen nicht so drastisch. Quecksilber kommt in drei chemischen Formen vor: als elementares Quecksilber (flüssig und dampfförmig, Hg0), als anorganische Salze (Hg2+, Hg22+) und als organische Verbindungen (vor allem Methylquecksilber).

Das Umweltbundesamt beschreibt im Umwelt-Survey 1998 die Aufnahme von Quecksilber im Körper (S. 80 ff.). Demnach wird flüssiges, metallisches Hg fast nicht vom Körper aufgenommen. Metallische Dämpfe (die schon bei Raumtemperatur entstehen), aber werden zu 80% resorbiert, im Blut gelöst und im Körper verteilt. Es oxidiert im Körper innerhalb weniger Minuten zu Hg2+. Zuvor kann das metallische Hg sowohl die Blut-Hirn-Schranke als auch die Blut-Plazenta-Schranke überwinden. Kritische Zielorgane sind die Nieren und das zentrale Nervensystem. Nach einer einmaligen Inhalation von Quecksilberdampf wird die Hälfte nach ca. 2 bis 4 Tagen aus dem Blut entfernt. Die Hauptausscheidung von metallischem Hg erfolgt über die Nieren, ein geringerer Teil wird über die Galle eliminiert und z.T. auch über die Atemluft abgedampft […]

Neben unspezifischen neurologischen Symptomen werden bei Quecksilberdampfexposition z.B. Erregbarkeit, Zittern, Depressionen und Zahnfleischentzündung, bei organischem Quecksilber Missempfindungen, Taubheitsgefühle, Koordinationsstörungen und Sprachstörungen angegeben. Methylquecksilber wird hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen und fast vollständig resorbiert. Es wird über die Blutbahn innerhalb von 4 Tagen gleichmäßig im Körper verteilt. Die biologische Halbwertzeit im Blut beträgt 30-70 Tage, die Halbwertszeit im kritischen Organ, dem Gehirn, soll 1-18 Jahre betragen.

Die Hauptbelastung der Allgemeinbevölkerung wird durch Freisetzung von Quecksilberdampf aus Amalgamfüllungen und den Konsum von Fisch hervorgerufen.

Die „unspezifischen neurologischen Symptome“ bedeuten auch: man wird dümmer. Kinder die im Mutterleib Quecksilber abbekommen (Überwindung der Blut-Plazenta-Schranke) sind sehr empfindlich und werden in ihrer Entwicklung gestört. Welche gesellschaftlichen Folgen die „Verblödung“ durch Schwermetalle und Chemikalien hat, steht in diesem Telepolis-Artikel.

6 Antworten zu „Die Verblödung schreitet voran“

  1. Fischer sagt:

    Na, der Telepolis-Artikel ist denn doch ein bisschen sehr unseriös. Die böse, böse Chemie. Wie innovativ…
    Albern wird es an dem Punkt an dem sie behaupten, dass „in kontaminierten Laboren keine präzisen Messungen mehr möglich“ seien. Blanker Quatsch!

    Allerdings sind neurologische Probleme durch chronische Schwermetallexposition durchaus ein Problem, das man im Auge behalten muss, zum Thema Blei gab’s da vor ner Weile ne interessante (und besorgniserregende) Publikation von einem Herrn DiIulio:

    http://fisch-blog.blog.de/?s=bleivergiftung

  2. quecksilber sagt:

    Hm, ich muss zugeben, dass ich den ganzen Artikel gar nicht mehr gelesen habe. Er war mir vor vier Jahren schon aufgefallen und ich habe ihn insgesamt als „gut“ in Erinnerung behalten. Vor allem die verschobene Gauss-Kurve ist ein interessanter Aspekt, den ich dort zum ersten Mal gelesen habe. Wenn ich mich recht erinnere war damals schon REACH in Vorbereitung. Ein Gesetzt um das es eine Lobby-Schlacht gab, wie sie Brüssel selten erlebt hat. Da waren nicht immer alle Argumente ganz sachlich und nicht alle Journalisten immer gut informiert.

    Bei Telepolis (wie auch bei „seriösen“ Medien: BBC, NY Times, Spiegel etc.) tauchen leider häufig Detailfehler auf, egal um was es geht. Ganz vor so etwas gefeit sind ja nicht mal Fachzeitschriften mit peer review. Insgesamt finde ich wirft TP aber doch häufig einen interessanten und halbwegs sachlichen Blick auf viele Probleme. Oder nicht?

  3. Fischer sagt:

    Ja, REACH war echt ein heißer Tanz. Teile der Industrie haben das bis heute nicht verwunden…

    Naja, stimmt schon dass Telepolis ganz brauchbar ist. Ich habe eben nur meine Probleme mit diesem spezifischen Artikel. Es ist ja gar nicht so, dass ich die Grundthese für abwegig halte. Ganz und gar nicht.

    Nur: Da werden Fakten und Spekulation wild durcheinandergeschmissen, neurotoxische, hormonartige, radioaktive Substanzen landen pauschal in einem Topf… Kurz: Man merkt, dass die Autoren des Telepolis-Berichtes einfach alles zusammengekratzt haben, was zu der These passen könnte. Offenbar ohne wirklichwas von Analytik, Neurologie oder Umweltmedizin zu verstehen.

    Und das kann man einfach nicht machen.

  4. quecksilber sagt:

    *g* Zumindest findet man dieses Blog jetzt auch unter dem Begriff „Verblödung“. Telepolis steht dort auf Platz 1, ich unter den ersten 40. Ich finde in dem Artikel die These, dass die Menschheit sich so lange „verblödet“, bis sie zu dumm ist dieses zu tun und die „Beharrlichkeit“ verliert, nicht sonderlich einleuchtend. Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander, aber sind es wirklich die (Hoch-)intelligenten, die dafür die Verantwortung dafür tragen? Oder der Mittelmaß, die Imitateure, die folgenden Massen, die Prozesse aufgreifen, die sie nicht richtig verstanden haben?
    Sogar wenn es klappen sollte und wir alle ein dummes aber friedliches Dasein fristen, dürften viele Prozesse weiterlaufen, die sich nicht einfach aufhalten lassen.

  5. Ich (Jahrgang 1945) habe die „Ent-Blödung“ erleben dürfen und genieße diesen Zustand immer noch. 1986 habe ich mir – trotzdem ich gewarnt war – alle alten Amalgamfüllungen gegen neue Amalgamfüllungen austauschen lassen. Oft konnte ich mich am Telefon nicht melden, weil mir mein Name nicht einfiel.
    1989 kam ich über einen Bericht in „Natur 4/89“ zu dem Internisten und habilitierten klinischen Toxikologen Dr. Max Daunderer, München. http://www.toxcenter.de.

    Jetzt ist lediglich unangenehm, daß ich die Verblödung bei anderen schmerzlich erleben muß.

    Ellen Carl
    Beratungsstelle für Amalgamvergiftete e.V.
    – seit 1989 aus eigener Betroffenheit –

  6. Wolfgang sagt:

    Auch hier sollte man doch der Vollständigkeit halber erwähnen, daß die Menschheit schon immer diesen Giften ausgesetzt war und trotzdem eine ganz passable Entwicklung hingelegt hat.

    So entsteht z.B. Dioxin bei jeder Verbrennung in geringen Mengen, auch wenn die Verbrennung natürliche Ursachen hat. So emittieren Vulkane einen ganzen Zoo an giftigen Substanzen, die sich allmählich über die gesamte Erde verbreiten. Manche Giftstoffe sind überall vorhanden, wenn man nur die analytische Nachweisgrenze tief genug ansetzt (z.B. Uran im Trinkwasser). In Indien gibt es Quellen, die schon immer einen erhöhten Arsengehalt aufgewiesen haben und die auch schon immer als Trinkwasser genutzt wurden. Was radioaktive Stoffe betrifft, so findet man das radioaktive Edelgas Radon auch überall dort, wo es Klüfte im Boden gibt und radioaktive Elemente zerfallen, die z.B. in Form von Pechblende als Mineral vorkommen.

    Ich will damit nicht die zum Teil gravierenden Fälle der vorsätzlichen Vergiftung der Umwelt durch den Menschen leugnen oder verharmlosen, aber zu einer sachlichen Diskussion gehört es, Risiken auf Grundlage aller Fakten einzuschätzen. Auch des Faktums, daß wie Paracelsus wusste „allein die Dosis das Gift macht“.

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