Blutrubine aus Birma

Eine Kommilitonin während des Studiums hat mir berichtet, dass Post nach „Birma“ mit dem Verweis „Land unbekannt“ zurückkommt. Das Regime hat dem Land den Namen Myanmar verpasst. Eigentlich sind beide Begriffe identisch und unterscheiden sich nur in der Transkiption in lateinische Buchstaben. Heute ist es jedoch eine politische Frage, welche Bezeichnung man verwendet. Das Militärregime benutzt den offiziellen Namen Myanmar, während die Opposition, NGOs und westliche Staaten den früheren Namen Birma oder Burma bevorzugen.

Die letzten Wochen haben noch einmal gezeigt, wie skrupellos die Militärregierung gegen die Bevölkerung vorgeht. Seit 1996 gibt es ein Einfuhrverbot in der EU, das jedoch nicht für alle Waren aus dem Land gilt. Die Gesellschaft für Bedrohte Völker (GfbV) fordert jetzt ein Einfuhrverbot von Edelsteinen und Edelmetallen.

„Das Edelstein-Embargo ist wichtig, da es der Junta eine der bedeutendsten Einnahmequellen nimmt“, erklärte der GfbV-Burmaexperte Ulrich Delius. Für Burmas Minderheiten sei der Raubbau an Edelmetallen zum Fluch geworden, da er ihre Umwelt und Gesundheit gefährde.

Nachdrücklich kritisierte die GfbV das Schweigen deutscher Juweliere zum Import von Edelsteinen aus Burma. „Es spricht nicht für ethisches Bewusstsein deutscher Juweliere, dass sie erst auf einen Beschluss der Politik warten, bevor sie den umstrittenen Burma-Handel einstellen“, erklärte Delius. In Großbritannien, Frankreich, Italien und den USA hätten hingegen führende Juweliere bereits zum Boykott des Burma-Geschäfts aufgerufen.

Der Handel mit Rubinen und anderen Edelsteinen habe nach offiziellen Angaben zwischen April 2006 und März 2007 dem Land Einnahmen in Höhe von 297 Millionen US-Dollars gebracht. Dreimal im Jahr lade Myanmar ausländische Händler zu Edelstein-Auktionen ein.  Damit sei die Ausfuhr von Edelsteinen neben dem Handel mit Teak-Holz sowie mit Erdöl und Erdgas, der bedeutendste Devisenbringer des Landes. Abgebaut würden die Edelmetalle und -steine auf dem Land ethnischer Minderheiten im Norden und Osten Burmas. Betroffen seien von den Folgen dieses Raubbaus vor allem die christlichen Kachin, die Shan und Mon. So seien bei den Kachin Flächen von der Größe Schleswig-Holsteins für den Goldabbau von der Junta freigegeben worden. Durch den Einsatz von Quecksilber und Zyanid beim Abbau des Goldes wurden zahlreiche Flüsse verseucht.

Laut taz stammen 90 Prozent aller weltweit gehandelten Rubine aus Birma. Auch der französische Ölkonzern Total macht mit der Junta Geschäfte. Eine Stellungnahme befindet sich auf deren Website.

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6 Responses to Blutrubine aus Birma

  1. daburna sagt:

    Schön wie sich unsere Firmen an der Armut und Unterdrückung Anderer bereichern! Immer wieder das gleiche Spiel. Aber wir sind ja selber schuld! Obwohl ich ehrlich gestehen muß, daß ich noch keinen Rubin besitze.

  2. quecksilber sagt:

    In meinem Geldspeicher ist auch kein Rubin! Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen gekauft (wenn auch nicht aus politischen Gründen). Es wäre nur schön, wenn die Händler sich für die Herkunft ihrer Produkte interessieren würden, sie haben es in der Hand. Mit Gold, Diamanten und sicherlich noch anderen Produkten dieser Branche gibt es ja auch Probleme.

  3. daburna sagt:

    Naja die Händler wird es nur dann kümmern, wenn auch die Kunden dafür sensibilisiert sind und gezielt nachfragen. Vielleicht würde hier ein Hollywood Blockbuster mit dem Titel Blood-Ruby helfen. Der Mensch ist halt zu gierig und zu herrschsüchtig. Sonst gäbe es diesen ganzen Mist garnicht.

  4. quecksilber sagt:

    Diese Frage stellt sich in der Politik genauso wie in der Wirtschaft: setzt man bei dem Angebot oder der Nachfrage an? Sollen sich die Kunden unabhängig informieren und „gewissenhaft“ einkaufen? Oder sollen die Händler, die ja Experten auf ihrem Gebiet sind, die Kunden aufklären, welche Waren „schädlich“ sind? Im besten Fall reagieren die Kunden dann verständnisvoll und freuen sich, dass sie derartige Informationen erhalten und dem Händler vertrauen können. Im schlechtesten Fall interessiert es sie nicht und sie kaufen wo anders ein. Es kommt halt auch auf die Vermittlung an.
    So wie derzeit das Militärregime von Birma in der deutschen Öffentlichkeit dasteht, hätten die Juweliere sicher wenig Schwierigkeiten ihren Kunden zu erklären, dass sie keine neuen Rubine mehr einkaufen.
    Den Film Blood Diamond (mit Leonardo di Caprio) fand ich hervorragend, informativ und spannend zugleich.

  5. quecksilber sagt:

    Bulgari, Cartier und Tiffany machen vor, wie es geht.

  6. […] Themen schreibt, hat häufig das Bedürfnis etwas in der Welt zu bewegen. An Aktionen wie “One-Post for Birma” oder dem Blog Action Day zum Thema Umwelt beteiligen sich Zehntausende weltweit, um ihre […]

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