Grundlagenforschung

„Eine praktische Anwendung gibt es dafür zwar noch nicht,“ schreibt der Chemiereport.at. Wäre ja auch zu schön gewesen. Aber die Entdeckung ist dazu geeignet „das Periodensystem ist künftig mit anderen Augen zu betrachten“.

Wissenschaftler hätten zum ersten Mal seit 20 Jahren „eine neue Oxidationsstufe für ein Element experimentell gefunden“ und das Element, um das es sich handelt, ist natürlich Quecksilber. Üblicherweise verbinde sich Quecksilber nur mit zwei weiteren Atomen. Schon 1993 vermutete ein Forscher der Uni Würzburg, dass auch die vierwertige Stufe in Form des Quecksilbertetrafluorids (HgF4) experimentell zugänglich sein sollte. Der Beweis wurde jetzt auch in der Praxis erbracht:

Das Experiment muss bei weniger als minus 260 °C ablaufen – in dieser Kälte werden Edelgase zu Feststoffen. Die Chemiker verwendeten Neon, das nicht gerne chemisch reagiert, und bestückten es mit Hg-Atomen und F-Molekülen. Dann erwärmten sie das Ganze um einige Grad und belichteten es. Das bewirkt den Zerfall der F-Moleküle in Atome, die sich dann wiederum mit dem Quecksilber verbinden. Heraus kamen zu 90 % die bekannte Verbindung aus 1 Hg- und 2 F-Atomen (HgF2), zu etwa 10 % aber auch das bisher nie dagewesene HgF4.

Für das Periodensystem aber haben die Experimente Folgen: Die Elemente in der Gruppe 12 (Zink, Cadmium und Quecksilber) wurden bisher als so genannte Postübergangsmetalle oder „repräsentative Elemente“ betrachtet. Nun aber kommt dem Quecksilber in dieser Gruppe eine Sonderposition zu, „es kann jetzt als Übergangsmetall aufgefasst werden, da es im HgF4 d-Orbitale verwendet, die nur Übergangsmetallen zur Verfügung stehen“, sagt Kaupp.

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