Unbelasteter Thunfisch?

Immer wieder berichte ich hier über Fisch, der sehr stark mit Quecksilber belastetet ist. Vor allem betroffen sind große Raubfische aus dem Meer, die am Ende der Nahrungskette stehen und ein relativ langes Leben haben – also genug Zeit um ordentlich viel Schwermetall aufzunehmen. Im September wurde in der EU beispielsweise 45 mal hoch belasteter Fisch gefunden. Das gleiche gilt für Delfin und Walfleisch, das natürlich kein Fisch ist und bei uns glücklicherweise nicht auf dem Teller landet. Umweltorganisationen kämpfen zudem gegen eine Überfischung der Meere, in der Zeit stand vor kurzem ein sehr lesenswertes Dossier darüber.

Jetzt sind mir im Bioladen Thunfischkonserven von der Firma Fontaine aufgefallen. Sie werben für ihr Produkt:

Der von uns verwendete Thunfisch stammt aus dem Nord-Ost-Atlantik. Der weiße Thunfisch ist ein ca. 40 kg großer Fisch, der mit der Schleppangel gefangen wird. Der helle Thunfisch ist kleiner, er wiegt nur ca. 15 kg und wird mit Netzen gefangen.

Das Besondere an den Fontaine Thunfischen ist, daß hier nur Thunfische aus kontrolliertem Fang verwendet werden. Die Fänge werden kontrolliert durch Earth Island Institut, in Deutschland vertreten durch die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. in München. Völlig ausgeschlossen beim Fang der Thunfische sind jedoch Ringwadennetze und Treibnetze.

Wir verwenden nur Fisch aus dem Atlantik. Wir verwenden garantiert keinen Fisch aus der Nordsee, Ostsee oder aus dem Mittelmeer, da sich das Wasser in diesen Meeresteilen kaum austauschen kann und die Wasserqualität dementsprechend schlecht ist. Auch ist der Atlantik wesentlich tiefer wie [sic!] Ostsee, Nordsee und Mittelmeer. Der Atlantik wird durch gewaltige Meeresströmungen (bekannt ist der Golfstrom) mit Tiefenwasser gemischt, d.h., daß er zu den o. g. Meeren eine wesentlich bessere Wasserqualität aufweist. Die Schwermetall-Analysen unserer Fischprodukte weisen in der Regel Werte auf, die unterhalb der Nachweisgrenze liegen.

Kann man dem trauen? Fontaine steht tatsächlich auf der Liste der GRD, auf der Marken und Händler verzeichnet sind, die delfinfreundlichen Thunfisch anbieten. Laut Label-Online, einem sehr guten Ratgeber in solchen Fragen, ist diese Liste die einzige zuverlässige Informationsquelle in dieser Frage überhaupt. Der Begriff „delfinfreundlich“ ist ansonsten nicht geschützt.

Um die Delfine braucht man sich beim Fontaine-Tunfisch wahrscheinlich weniger Sorgen zu machen. Aber was ist mit dem Thunfisch selber? Stammt er aus überfischten Beständen? Fontaine äußert sich gar nicht dazu. Greenpeace schreibt in dem Ratgeber Fisch & Facts: „Nicht überfischt sind nur Gelbflossentun aus dem Pazifik und Weißer Tun aus dem Ostpazifik. Der atlantische Rote Tun ist stärker befischt denn je, obwohl einige Bestände auf der Roten Liste stehen.“ Fontaine bietet zwar „Weißen Thunfisch“ in Dosen an, der stammt allerdings aus dem Atlantik, nicht aus dem Pazifik. Sicherheit könnte hier das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei bietet – welches die Fontaine-Fische leider nicht haben. Der Thunfischsalat stammt vom „hellen Thunfisch“, was keine korrekte Bezeichnung für eine Art ist. Möglicherweise ist damit Unechter Bonito gemeint. Bonito aus dem Pazifik sieht der WWF als bedenklich an, um den Atlantik-Fisch steht es vemutlich noch schlechter. Greenpeace bezeichnet die Lage als „katastrophal“.

Delfine glücklich, Thunfische tot, aber wie steht es um die Gesundheit der Verbraucher? Schließlich warnt die EU-Kommission offiziell davor zu viel Thunfisch zu essen, weil der mit Quecksilber belastet ist. Das der Atlantik etwas sauberer ist als die flache Nordsee oder das geschlossene Mittelmeer, davon kann man ausgehen. Aber dies ist keine Sicherheitsgarantie. Auch in diesem Ozean schwimmt noch genug Dreck, der von Flüssen und Nachbarmeeren stammt. Der Nordatlantik geht fließend in die Nordsee über, deswegen werden diese Meere auch häufig gemeinsam betrachtet. Einleitungen in die Ostsee landen früher oder später auch im Atlantik. Über den Weißen-Thun steht bei Wikipedia: „Er ist der Dosen-Thunfisch mit der höchsten Qualität. Allerdings hat man in ihm auch mehr Quecksilber beobachtet als bei allen anderen Thunfischarten. Es ist daher auch schon zu Rückrufen von Dosenfisch mit hohem Quecksilberanteil gekommen.“ Man kann an dieser Stelle nur hoffen und vertrauen, dass Fontaine regelmäßig kontrollen durchführt, ob der Fisch wirklich so unbedenklich ist wie ihre Theorie besagt.

Fazit: Nicht alles was im Bioladen steht muss auch umweltfreundlich oder gesund sein.

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4 Responses to Unbelasteter Thunfisch?

  1. Fischer sagt:

    Letztendlich gibt es keinen quecksilberfreien Thun mehr. Und bestandsschonend gefangenen schon mal gar nicht. Konsequenterweise deswegen: Finger weg.

    P.S.

    ;)

  2. quecksilber sagt:

    Yeah, das Bild ist super. Leider mit Copyright, sonst würde ich es hier posten.

  3. […] würde, dabei aber selten der Grenzwert überschritten wird. Es scheint ihn also noch zu geben, den “gesunden” Fisch aus dem großen Ozean. Von Ostsee, Nordsee und Mittelmeer darf man nicht viel erwarten, dort landet […]

  4. […] die starke Fischereilobby aus Spanien, Frankreich und Italien durchzusetzen. Der Öko-Fischhändler Fontaine hat mir leider immer noch nicht geantwortet, ob sie auf die Überfischung Rücksicht […]

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