Rheingold

Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär‚, ja dann möcht‘ ich so gern ein Fischlein sein …“ heißt es in einem alten Saufgesang. Hmm, ein Glas guten Riesling mag ich auch immer gerne, aber natürlich nicht im Büro. Jetzt geht’s hier auch ums Gold, nicht um Wein. Das gibt es nämlich tatsächlich im Rhein und wird seit anderthalb Jahren von einer Anlage bei Speyer gewonnen, wie Die Welt berichtet. Vermarktet wird es dann wohl an Japaner in Bayreuth mit dem Mythos des sagenhaften Nibelungenschatz und der Wagner-Oper „Rheingold“. Erfreulich ist folgendes:

„Die Anlage läuft komplett mechanisch, deshalb ist das Gold ökologisch unbedenklich.“ Eine Zentrifuge trennt die winzigen Goldpartikel, die meistens kleiner als ein halber Millimeter sind, auch von noch so feinen Kies- und Sandpartikeln. Der unterschiedlichen Dichte der Stoffe sei Dank. […] In Bergwerken wird Gold meist viel umweltschädlicher abgebaut: Flüssiges Quecksilber oder Cyanid lösen das Gold aus Gestein, Sand oder Schlamm.

Nicht nur in Bergwerken, auch in anderen Flüssen wird Gold mit Quecksilber gewonnen. Die Arbeitsbedingungen zum Beispiel am Amazonas sind katastrophal. Aus großen Kübeln wird flüssiges Quecksilber über Flusssand geschüttet und verbindet sich mit kleinen Goldpartikeln zu Amalgamklümpchen. Vieles geht daneben und vergiftet den Fluss. Das Amalgam wird dann über einer offenen Flamme erhitzt, wobei das Quecksilber verdampft und von den Goldsuchern eingeatmet wird. Einige Partnerorganisationen von meinem Verband Zero Mercury beschäftigen sich vor Ort mit dem Problem und versuchen den Goldsuchern andere Methoden beizubringen.

Advertisements

6 Responses to Rheingold

  1. Fischer sagt:

    Rein aus Interesse: Was sind das für Alternativmethoden? Ich hab vor ner von Kunststoffvliesen gehört, in denen die Partikel hängen bleiben (wird m.E. am Rhein auch praktiziert). Gibt’s sonst noch was?

  2. quecksilber sagt:

    Hallo Fischer,
    die schnellste und einfachste Maßnahme wäre einen Glaskolben über das Amalgam stülpen, damit beim Erhitzen nicht alles Quecksilber in die Umwelt verdampft, sondern wieder verwendet werden kann. Das ist sich keine endgültige Lösung und ziehmlich low-tech, bringt aber schon einige Einsparungen. Derzeit gibt es 100% Verlust. Aus „Tradition“ und weil Quecksilber so billig ist, haben manche Goldschürfer leider Vorbehalte dagegen. Das Gold würde nicht so schön glänzen.
    In dem Welt-Artikel ist die Technik vom Rhein ganz gut beschrieben. Es läuft so wie du meinst, zuerst durch eine Zentrifuge, hinterher über eine Art Teppich, an dem die feinen Goldflitter hängen bleiben. Dem Bericht zufolge wird es auch anderswo eingesetzt, zum Beispiel in Spanien.
    Viele Grüße, Florian

  3. […] hundersten Artikel hier groß zu feiern. Dieser ist jetzt der 105. Der hundertste müsste dann Rheingold gewesen sein, daher stimme ich zur Feier einfach noch mal an: Wenn das Wasser im Rhein […]

  4. quecksilber sagt:

    Ich habe noch einen interessanten Link zur ökologischen Goldgewinnung gefunden. Dort wird das low-tech „Retorten-Verfahren“ mit Hg-Rückgewinnung erwähnt, aber auch mechanische Methoden. Ganz simpel ist auch Recycling von Zähnen oder alten Schmuckstücken die nicht mehr so schmuck sind. Oder man verwendet das Gold, was heute nutzlos als Barren in irgendwelchen Geldspeichern lagert. Dann bräuchte man wahrscheinlich überhaupt nichts neues zu fördern.

  5. […] Gold kommt entweder aus dem Rhein, oder aus […]

  6. […] des giftigen Quecksilbers zurück hielten, anstatt alles in die Umwelt entweichen zu lassen. Und am Rhein wird Gold heute ganz ohne Chemikalien rein mechanisch […]

%d Bloggern gefällt das: