Chlorgas in Frankfurt – 70 Verletzte

Die Zahl der Verletzten beträgt nach Polizeiangaben nunmehr 70 Personen, von denen 27 im Krankenhaus behandelt wurde. Zwei Menschen, darunter vermutlich der Verursacher, wurden schwer verletzt, sind aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Zu dem Unfall war es gekommen, als Salzsäure aus einem Tanklastwagen abgepumpt werden sollte. Die Säure wurde fälschlicherweise in ein mit Chlorlauge gefülltes Behältnis geleitet. Plötzlich erfolgte eine heftige chemische Reaktion und es wurde eine Chlorgaswolke freigesetzt. Dem Personal, das mit der Entladung beschäftigt war, gelang es geistesgegenwärtig die Zuleitung der Säure durch Verschluss eines Schiebers zu unterbinden. Nur dadurch konnte ein noch größeres Unglück verhindert werden. Wegen der niedrigen Windstärke verwehte die Wolke nur langsam und blieb hochkonzentriert am Ort.

Die Frankfurter Rundschau sieht den Unfall gelassen. Davon „redet schon bald kein Mensch mehr“, meint der Kommentator. Ganz anders als bei einem großen Unfall 1993 bei der Hoechst AG, nach dem „gelber Niederschlag“ die Menschen „nachhaltig beschäftigte“. Bei den Verantwortlichen der chemischen Industrie habe sich dadurch die Erkenntnis durchgesetzt, „etwas zur Abwehr von Gefahren tun zu müssen. Damit die Menschen den mitunter gefährlichen Produktionen vor ihrer eigenen Haustür wieder vertrauensvoll begegnen.“

Sicherlich hat sich etwas verändert, seit 1993. Aber auch weiterhin sind Chemieunfälle eine Bedrohung. Viel gefährlicher als ein plötzlicher, unerwarteter Unfall ist indes häufig der langsame, fortwährende Ausstoß relativ geringer Mengen von Umweltgiften, die die Gesundheit der Anwohner belasten. Im Industriepark Höchst in Frankfurt steht beispielsweise das Chlorwerk mit den höchsten Quecksilberemissionen in Deutschland. In Planung ist hier außerdem eine Sondermüll-Verbrennungsanlage, gegen die es viel Widerstand gibt.

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