RASFF-Meldungen im September

In der EU gibt es ein Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel mit dem unschönen Namen RASFF (eng. Rapid Alert System for Food and Feed). Die Idee ist aber gut: wenn bei Grenz- oder Markskontrollen illegale Substanzen im Essen oder Tierfutter gefunden werden, geben die jeweiligen nationalen Behörden schnell an alle EU-Mitgliedsländer weiter. So soll verhindert werden, dass ein Hersteller verseuchte Produkte einfach ins Nachbarland bringen kann und dort verscherbelt. Die Öffentlichkeit bekommt immerhin einen kleinen Überblick über die Funde, ohne das jedoch die Hersteller genannt werden.

Der zulässige Grenzwert liegt bei 1,0 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch bei vielen Arten (meist große Raubfische aus dem Meer), ansonsten bei 0,5 mg/kg. Insgesamt wurde 45 Mal überhöhte Quecksilberwerte gefunden! Wieviele Kontrollen durchgeführt wurden, verrät die Statistik leider nicht. Der höchste Wert lag bei 3 mg/kg. Bei knapp jeder Dritten Meldung ist die Menge angegeben, insgesamt über 11 Tonnen. Wenn dies repräsentativ ist, wurden im September 35 Tonnen stark belasteter Fisch gefunden!

Die meisten Meldungen kommen aus Italien, Spanien und Frankreich. Dies hängt sicher damit zusammen, dass diese drei Länder die größten Fangflotten haben, ist aber auch ein Zeichen dafür, dass hier die Kontrollen einigermaßen regelmäßig durchgeführt werden. Aus Dänemark, Deutschland, Griechenland, Portugal kamen nur 1-2 Meldungen bezüglich Quecksilber, aus allen anderen EU-Staaten gar keine. Wird hier kein Schwertfisch, Thun und Hai verkauft? Oder gibt es einfach keine Kontrollen?

Die Vielzahl der Funde und die Höhe mancher Werte lässt mich befürchten, dass vieles „durchs Netz geht“, also unentdeckt bleibt. Es kann nicht alles kontrolliert werden. In Spanien gibt es an einem Tag manchmal 5-6 Meldungen. An diesen Tagen sind sicher nicht plötzlich die Fische höher belastet, sondern einfach mehr Kontrollen durchgeführt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät kleinen Kindern und Frauen im gebährfähigen Alter keinen Fisch zu essen der am Ende der Nahrungskette steht (Thun, Schwertfisch, Hai, Hecht etc.). Greenpeace und WWF empfehlen bestimmte Fischarten zu meiden, die stark überfischt sind. Die Umweltschützer empfehlen stattdessen Karpfen, Hering, Seelachs, Fisch aus Biozucht oder mit MSC-Siegel. PETA meint fischen-tut-weh.de und rät (mit wissenschaftlich nicht immer ganz korrekten Argumenten) Vegetarier zu werden.

Die Details:

31.8. in Frankreich: Quecksilber in frischem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Vietnam. 450 kg, Quecksilbergehalt: 1,386 +/- 0,277 mg/kg

31.8. in Italien: Quecksilber in in geräucherten Schwertfisch-Filets (Xiphias gladius) aus Dänemark. 21,21 kg, Quecksilbergehalt: 3,0 +/- 0,4 mg/kg

3.9. in Dänemark und Faröer Inseln: Quecksilber in geräucherten Schwertfischfilets aus Dänemark.

5.9. in Italien: Quecksilber in vakuumverpackten Schwertfischfilets (Xiphias Gladius) aus Frankreich. 400 kg, Quecksilbergehalt: 2,06 mg/kg

5.9. in Italien: Quecksilber in gefrorenem Schwerfisch (Xiphias Gladius) aus Spanien. 648 kg, Quecksilbergehalt: 1,21 mg/kg

6.9. in Portugal: Überhöhte Quecksilbergehalte in gefrorenem Mora Moro (Atlantischer Tiefseedorsch) aus Panama. 267,5 kg, Quecksilbergehalt: 1,54 mg/kg

6.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in Makrelenhai (Isurus oxyrinchus) aus Uruguay. 2.295 kg, Quecksilbergehalt: 1,9 mg/kg

6.9. in Mauritius: Quecksilber in frischem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Mauritius.

7.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in tiefgefrorenen Schwertfischfilets und -scheiben (Xiphias gladius) aus Spanien.

10.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Spanien.

11.9. in Italien: Überhöhte Quecksilbergehalte in tiefgefrorenen Schwertfischfilets und -scheiben (Xiphias gladius) aus Spanien.

11.9. in Mauritius: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Mauritius.

11.9. in Sri Lanka: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischen gekühlten und vakuumverpackten Schwertfischfilets (Xiphias gladius) aus Sri Lanka (2 Meldungen).

11.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in Dornhai in Scheiben aus Spanien.

11.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in gefrorenem Schwertfisch aus Spanien.

12.9. in Dänemark und Faröer Inseln: Überhöhte Quecksilbergehalte in geräucherten Schwertfisch-Filets (Xiphia gladius) aus Dänemark.

12.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in gefrorenem Dornhai in Scheiben aus Spanien.

13.9. Frankreich einschl. Korsika: Überhöhte Quecksilbergehalte in gekühltem Schwertfisch (Xiphias Gladius) aus Brasilien. 181 kg, Quecksilbergehalt: 1,17 +/- 0,07 mg/kg.

14.9. in Italien: Überhöhte Quecksilbergehalte in gekühltem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Frankreich. 28 kg, Quecksilbergehalt: 2,8 +/- 0,1 mg/kg

14.9. in Frankreich einschl. Korsika: Überhöhte Quecksilbergehalte in gekühltem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Brasilien. 1.612 kg, Quecksilbergehalt: 1,448 +/- 0,290 mg/kg

17.9. in Italien: Quecksilber in Blauhai (Prionace glauca) aus Spanien. 2.465 kg, Quecksilbergehalt: 1,24 mg/kg

17.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Spanien (6 Meldungen!).

17.9. in Italien: Quecksilber in gefrorenem Schwertfisch (Xiphias gladius) aus China. 848 kg, Quecksilbergehalt: 1,7 mg/kg

19.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in gefrorenem Blauhai in Scheiben (Prionace glauca) aus Namibia.

18.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in Schwertfischscheiben aus Singapur via Spanien.

19.7. in Griechenland: Quecksilber in gefrorenem Blauhai (Prionace glauca) aus Japan via Spanien.

18.9. in Frankreich einschl. Korsika: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischem Hai aus Mauritius.

18.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischem Schwertfisch aus Spanien.

18.9. in Frankreich einschl. Korsika: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischem Zackenbarsch aus Tunesien. 302,9 kg, Quecksilbergehalte: 0,98 mg/kg / 0,76 mg/kg / 0,83 mg/kg (für Zackenbarsch gilt ein niedrigerer Grenzwert von 0,5 mg/kg).

18.9. in Frankreich: Quecksilber in Spanien (Xiphia Gladius) aus Singapur via Spanien.

18.9. in Italien: Quecksilber in gefrorenen Schwertfischfilets aus Spanien.

20.9. in Italien: Überhöhte Quecksilbergehalte in frischen Schwertfisch aus Frankreich. 200 kg, Quecksilbergehalt: 2,56 mg/kg

21.9. in Indonesien: Überhöhte Quecksilbergehalte in gefrorenen Barramundifilets (Lates calcarifer) aus Indonesien.

21.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in Schwertfisch aus Spanien (2 Meldungen!)

21.9. in Spanien: Überhöhte Quecksilbergehalte in Schwertfischfilets (Xiphias gladius) aus Spanien (3 Meldungen!).

24.9. in Deutschland: Überhöhte Quecksilbergehalte und Parasitenbefall in Schwertfisch (Xiphias gladius) aus Sri Lanka. 1.309,55 kg (davon 295,10 kg Schwertfisch), Quecksilbergehalt: 1,26 mg/kg / Parasiten

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2 Responses to RASFF-Meldungen im September

  1. […] um ordentlich viel Schwermetall aufzunehmen. Im September wurde in der EU beispielsweise 45 mal hoch belasteter Fisch gefunden. Das gleiche gilt für Delfin und Walfleisch, das natürlich kein Fisch ist und bei uns […]

  2. Anonymous sagt:

    […] wurden, verrt die Statistik leider nicht. Der hchste Wert lag bei 3 mg/kg. Quelle: RASFF-Meldungen im September Quecksilber? Nein Danke! Wenn Du Pech hast, erreichst Du die gleiche Menge mit 1kg Fisch aus dem Meer! Du hast aber mit […]

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