OSPAR wird 15

Vor 15 Jahren, am 22. September 1992, wurde das OSPAR-Abkommen zum Schutz der Nordsee und des Nordost-Atlantiks geschlossen. Zuvor existierten das Oslo- und das Paris-Abkommen nebeneinander. Mittlerweile haben 15 Staaten und die EU den Vertrag unterzeichnet. Der WWF zieht eine kritische Bilanz. Zwei Drittel der Fischbestände seien gefährdet oder schon ausgebeutet. Betroffen sind zum Beispiel der Nordsee-Kabeljau, aber auch Tiefseefische wie Rotbarsch und Leng. Bodenschleppnetze der Fischtrawler zerstören Korallenriffe. Auch die Belastung des Meeres mit Umweltgiften ist trotz großer Fortschritte noch immer enorm. Toxische Chemikalien – zum Beispiel Flammschutzmittel aus Teppichen oder Computern –  gelangen regelmäßig in den Nordost-Atlantik.

„Die OSPAR-Staaten haben wichtige Erfolge erzielt, aber ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz ist in Nordsee und Nordost-Atlantik noch nicht in Sicht“, bilanziert WWF-Experte Stephan Lutter. Der WWF fordert Schutzgebiete auf See, geringere Fangquoten für bedrohte Fischbestände und ein Verbot aller gefährlichen Chemikalien. Dennoch gebe es auch Positives zu berichten. „Es gehört zum großen Verdienst dieser Abkommen, dass einige der schlimmsten Umweltsünden endlich verboten wurden“, so WWF-Sprecher Lutter. Industrieabfälle und Klärschlämme dürfen nicht mehr auf See verklappt und verbrannt, ausgediente Ölplattformen nicht mehr im Meer versenkt werden. Umweltgifte werden besser erfasst. Die Belastung mit Schwermetallen wie Quecksilber und einigen Pestiziden wie DDT geht zurück. Der WWF fordert, die OSPAR-Regelungen mit in die neue EU-Richtline zum Meeresschutz aufzunehmen. So würden sie mehr Durchschlagskraft erhalten.

Ein Ziel wird die OSPAR wohl nicht erreichen. Aus Zeiten des Vorgänger-Abkommens PARCOM stammt die Entscheidung 90/3, nach der alle Chlorwerke bis 2010 ohne Quecksilber arbeiten sollen. Zur Zeit laufen aber noch etwa 40 solcher Anlagen in Europa, in Deutschland sind es acht. Die Betreiber haben selber erklärt die Anlagen erst bis 2020 umzurüsten oder still zu legen. Jährlich veröffentlicht die OSPAR einen Bericht über Quecksilberemissionen der Chlorwerke.

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One Response to OSPAR wird 15

  1. […] Ich habe ja schon einige Jahrestage knapp verpasst (15 Jahre OSPAR, 20 Jahre Montreal-Protokoll), dieser hier war vor zehn Jahren und vier […]

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