Sind Festplatten Sonderabfall?

30. Oktober 2007

Ich kann ja sehen, mit welchen Suchbegriffen jemand auf dieser Seite landet. Der Titel der Überschrift führt hier her, aber die Informationen sind dann etwas verteilt. Deswegen hier noch mal eindeutig:sondermuell.gif

Aller Elektroschrott ist Sondermüll und muss als solcher entsorgt werden. Man erkennt es meistens an der durchgestrichenen Mülltonne auf der Packung. Dies gilt auch für Kleingeräte, wie iPods, Handys, Toaster, Föne, Rasierer, Fernseher, Energiesparlampen oder eben Festplatten und andere Computerteile. Bei Waschmaschinen, Kühlschränken und andere großen Geräten ist es selbstverständlich.

In einigen Gemeinden gibt es ein Schadstoff-Sammelmobil, bei dem man diese Dinge abgeben kann oder die es sogar bei Bedarf abholen. In anderen muss man sie zum Recyclinghof des städtischen Müllentsorgers bringen. Wenn es wirklich nur ein kleines Gerät ist, kann man vielleicht auch den Müllmann freundlich fragen, ob er es (für ein Lächeln und ein kleines Trinkgeld) mitnehmen kann. In Leipzig läuft ein Versuch mit einer „Gelben Tonne Plus„, in die man alle Kunststoffe, Metalle und Elektro-Kleingeräte entsorgen kann. Auch einige Händlern nehmen alte Elektrogeräte an, bei Batterien ist das sogar vorgeschrieben.

Weitere Dinge, die nicht im Hausmüll entsorgt werden dürfen sind: Altöl, Altreifen, Asbest, Chemikalien und Lösungsmittel, Batterien (Abgabe bei Verkaufsstellen) und Autobatterien, Quecksilber-Thermometer, -Barometer und -Blutdruckmesser (mit metallischer Flüssigkeit, nicht blau oder rot), flüssige Farbreste und Lacke, jede Art von Elektroschrott, behandeltes Holz, Medikamente (Abgabe bei Apotheken)

Außerdem gesammelt werden können: CDs, Baum- und Strauchschnitt (nicht verbrennen), Naturkork, Metalle, Holz, Altkleidung und natürlich Glas, Papier und Verpackungen.

Bei der Berliner Stadtreinigung gibt es eine gute Übersicht hierüber.

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Africans say NO to Mercury

29. Oktober 2007

„Afrika sagt NEIN zu Quecksilber.“ Letzte Woche hatten sich 85 Ärzte, Umweltschützer, Gewerkschaftsvertreter und Wissenschaftler in Johannesburg getroffen und die „Johannesburg Mercury in Health Care Declaration“ beschlossen. Angesichts der Umwelt- und Gesundheitsgefahren die von Quecksilber ausgehen, der Entwicklung in der EU und weltweit sowie der Befürchtung, dass Afrika die „Müllhalde“ für anderswo verbotene Messinstrumente wird, fordern die Unterzeichner eine quecksilberfreie Gesundheitsversorgung, sowie eine Infrastruktur für eine sichere Entsorgung von Quecksilber. Die Regierungen Afrikas sollen die Einführung von quecksilber-freien Alternativen unterstützen und sich für weltweite Übereinkommen einsetzen, die die Herstellung, den Verkauf und den Einsatz von Quecksilber reglementieren.

Die afrikanische Konferenz wurde von afrikanischen und internationalen Umweltgruppen und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) organisiert. Das nächste internationale Quecksilber-Treffen der UNEP ist am 12-16 November in Bangkok. Die „Johannesburg Mercury in Health Care Declaration“ sieht sehr formell aus. Am Anfang stehen die Voraussetzungen (In dem Bewusstsein, dass Quecksilber ein globaler Schadstoff ist …), dann die Beschlussformel und schließlich die Forderungen.

Johannesburg Declaration on Mercury-Free Health Care (25th October 2007)

Aware that Mercury is a bioaccumulative global toxicant and hence poses an acute threat to health care workers, patients, and ultimately a long-term persistent threat to the global environment;

Understanding that healthcare contributes to the global mercury problem through broken and discarded mercury containing medical devices;

Appreciating UNEP’s efforts to promote mercury-use reduction and that WHO has issued a policy promoting the elimination of mercury in the health care sector;

Noting that in the US and Europe mercury-based medical devices have been phased out; that the European Union is developing a mercury export ban; and that several health care systems in Asia and Latin America are phasing out mercury.

Noting further the existing successful local initiatives in the African region to phase out mercury containing devices.

Mindful of the challenge that the awareness level of decision makers, health workers and the general public, regarding the impacts of mercury on environment and human health is very low;

Worried that Africa may ultimately become a dumping ground of banned mercury containing devices; and

Comforted by the fact that affordable, effective and accurate mercury-free alternatives are available.

We, the participants in the First Southern Africa Conference on Promoting Alternatives to Mercury in the Health Care Sector, commit ourselves to

Raise awareness by providing information, education and training to decision makers, health care workers, and the community, focusing on the impacts of mercury and the need to replace it.

Advocate/lobby for appropriate regulation, legislation and enforcement of mercury–free health care (mercury use phase out) at the national, provincial and local levels.

In the short term promote/advocate for the planned and progressive replacement of mercury containing instruments and devices used by the health care sector; and for cleaning up mercury contaminated areas– starting from our work places, and moving up to the local, provincial and national levels.

Create National, Regional/Sub-Regional networks for mercury-free initiatives as well as platforms for sharing knowledge, experiences, technologies and expertise in mercury-free health care devices. Conduct monitoring and evaluation of progress on implementation.

Develop and offer courses on environmental and occupational health–with particular focus on mercury use–to practicing nurses, doctors, environmental health advocates and health care workers in general.

Advocate for the incorporation of environmental and occupational health — with particular focus to mercury use — into education curricula at all levels,

Promote mercury-free health care research and share results in order to achieve fast mercury elimination and its replacement with safer alternatives.

Promote the creation of infrastructure to adequately manage and dispose of mercury waste.

Strongly advocate for Extended Producer Responsibility for mercury-based medical devices.

Collaborate with industries that produce economically viable mercury-free health care devices.

Change purchasing patterns in health care institutions, by phasing-in mercury-free medical devices. Lobby governments to introduce tax incentives to promote mercury-free medical devices.

At Regional and Sub-Regional level, advocate and promote Government collaborative efforts to protect the region from turning into a dumping ground of mercury containing health care devices. In this aspect, sensitize the Africa/SADC Health and Environmental Ministers to take up this matter in their regular meetings as a matter of urgency.

At a global level, strongly advocate for an international legally binding instrument to regulate production, trade and use of mercury, and mercury containing products, as well as to promote the transfer of mercury-free technologies.

Urge African delegates to the forthcoming UNEP Ad-Hoc Open Ended Working Group meeting in Bangkok (12-16 November 2007) to have a common stand in favour of a legally binding instrument.


Mal gute Nachrichten von Apple

26. Oktober 2007

Schon bevor Greenpeace dieses neue Apple-Produkt auseinander nehmen kann steht fest: hier sind kein Quecksilber, Blei, Cadmium, bromierte Flamschutzmittel, PVC, Weichmacher oder andere umwelt- und gesundheitsschädigende Stoffe enthalten. Es ist ja auch Software, das neue Betriebssystem „Leopard“. Schön wäre es dann, wenn die Hardware, auf der das neue OS 10.5 laufen soll, demnächst genau so wenig Schadstoffe enthält. Genau wie bei Windows Vista müssen viele Anwender wohl aufrüsten, um den Leoparden richtig springen zu lassen. Meinem alten iBook G4 will ich es jedenfalls nicht zumuten, da schnurrt immer noch der Panther.


Wirtschaftskrimi

25. Oktober 2007

Eines der Chloralkali-Werke in Deutschland, das noch mit Quecksilbertechnik arbeitet, steht in Frankfurt. Es gehörte früher der Hoechst AG, bevor diese übernommen und zerschlagen wurde. Dem heutigen Eigentümer, der LII Europe GmbH ging es nicht anders, auch hier gab es mehrere Eigentümerwechsel. Dies hat dazu geführt, dass die schon seit 2002 geplante Umstellung auf das energiesparende und quecksilberfreie Membranverfahren immer wieder verschoben wurde.

Im Februar 2005 wurde LII Europe von dem Privatmann Maurice Dwek an die „Aubach Capital Ltd.“ verkauft. Deren Inhaber, Herr Rhodri Phillips, und Geschäftsführer Derek Ashley, hatten das Geld für die Übernahme aus einer Anschubfinanzierung für ein Bauunternehmen bekommen. Mit dem 11 Millionen Euro-Kredit haben sie LII gekauft und den Rest für private Zwecke verwendet, berichtete das Handelsblatt im August. Herr Phillips dubiose Geschäftspraktiken haben ihm mehrere Anzeigen und sogar Untersuchungshaft eingebracht. Dabei haben ihm Firmensitze in Großbritannien, Mauritius und den Virgin Islands nicht geholfen das deutsche Insolvenzrecht zu umgehen.

Was hat das mit Quecksilber zu tun? LII plant seit langem die Umstellung auf Membrantechnik. Bei derart verworrenen Eigentumsverhältnissen und kriminellen Eigentümern ist es schwierig, einen Kredit zu bekommen. Der Wille ist vorhanden, aber das Geld für die Investition fehlt. Nun ist das gelangt das Unternehmen langsam wieder in ruhigeres Fahrwasser und hofft, dass die Arbeiten im nächsten Jahr beginnen können.


Dorschpolitik

25. Oktober 2007

Nicht nur Thunfisch im Mittelmeer ist vom Aussterben bedroht, auch dem Dorsch in der Ostsee (= Kabeljau) geht es sehr schlecht. Obwohl Dorschleber häufig mit Schwermetallen belastet ist, obwohl einige Bestände als vom Aussterben bedroht gelten, obwohl die Fischer immer weniger in den Netzen haben und obwohl Wissenschaftler und Umweltschützer seit Jahren Fangverbote fordern, hat die EU-Kommission jetzt wieder zu hohe Quoten beschlossen. Greenpeace-Meeresexpertin Iris Menn spricht von einem „Versagen“  von Europas Fischereiministern. „Kein seriöses Unternehmen würde an einer Unternehmensführung festhalten, die ein derart armseliges Management abgeliefert hat. Wenn wir die Zukunft unserer Meere den Fischereiministern überlassen, ist die Katastrophe vorprogrammiert.“ Sogar die EU-Kommission hatte zuvor eine Absenkung von 23 bzw. 33 Prozent für bestimmte Bereiche in der Ostsee gefordert und sich dabei auf  den Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) berufen. Die Lobbyvertreter Fischereiminister haben sich nur auf eine Senkung um 5 bzw. 28 Prozent geeinigt. Vor allem Deutschland und Dänemark haben sich für hohe Quoten eingesetzt, Polens Kontrollbehörden halten sich ohnehin nicht an die Vorgaben aus Brüssel. Der WWF meint, die Minister hätten die Chance verspielt, Fischen und Fischern zugleich eine langfristige Perspektive zu sichern. „Das ist, als würde einem Schwerverletzten die Erste Hilfe versagt.“

Unter die Räder kommen nun vor allem kleine Fischer, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen. Für diese habe ich sogar Verständnis. Aber das kurzsichtige Gemecker der Fischereiverbände verschärft die Probleme seit Jahrzehnten jedes Jahr. Europas Fischereipolitik ist ein globaler Alptraum – und wahrscheinlich eines der wenigen Felder auf denen die USA eine bessere Umweltpolitik haben als die EU.


Fieberthermometer-Sammelaktion beendet

25. Oktober 2007

Über die Sammlung von quecksilberhaltigen Fieberthermometern in Apotheken in Österreich habe ich schon mehrfach berichtet. Heute geht sie zu Ende. Am Ende hat niemand mehr genau nachgezählt, aber es wurden wohl ungefähr 600.000 Thermometer abgegeben. Das macht ein Thermometer auf vierzehn Einwohner, umgerechnet auf Deutschland etwa sechs Millionen! Umweltminister Josef Pröll bezeichnete es als „die größte und erfolgreichste Umweltaktion im Abfallbereich“. Die Apothekerkammer geht von 500 kg Quecksilber aus, die aus dem Verkehr gezogen wurden. Einen kleinen Anreiz war, dass beim Umtausch ein Digitalthermometer für einen Euro (statt 6,30 Euro) abgegeben wurde – die wegen des großen Erfolgs allerdings erst noch nachproduziert werden müssen (Quelle: Kleine Zeitung).

Ökonomisch ist das sinnvoll, denn die Folgekosten von in die Umwelt freigesetztem Quecksilber können sehr viel höher sein. In Schweden, wo einige schwermetallverseuchte Gewässer auffwändig gereinigt werden mussten, hat die Regierung die Rückgabe eines Thermometers mit umgerechnet bis zu 7 US-$ belohnt. Zudem haben in Schulen und Universitäten abgerichtete Hunden nach Quecksilber gesucht und so einige Tonnen aus dem Verkehr gezogen. Auch auf EU-Ebene treibt Schweden die Politik gegen Quecksilber voran. Jag älskar Sverige!


SPD für/gegen Kohlekraftwerk

24. Oktober 2007

Die SPD ist einerseits die Partei der Kumpel und hängt in NRW und im Saarland wie niemand sonst an Subventionen für eine sterbende Bergbauindustrie. Andererseits hat sie ein ökologischeres Image als die CDU. In Krefeld-Uerdingen (NRW) stand das geplante Steinkohlekraftwerk schon auf der Kippe. Nun haben sich die Genossen vor Ort für das 800MW-Kohlekraftwerk ausgesprochen. „Umwelt“-Minister Gabriel war persönlich Anwesend um für das Vorhaben zu werben. Die CDU-Krefeld denkt derweil über kreativere und umweltfreundlichere Lösungen nach, etwa ein halb so großes Gaskraftwerk. Unterstützung erhält sie von zahlreichen Umweltschutzgruppen vor Ort – und den SPD-Verbänden der Nachbarstädte.

In Mecklenburg-Vorpommern denken die Genossen in eine andere Richtung. Dort sprach sich eine Arbeitsgruppe auf Landesebene gegen den Neubau eines 1.600 MW Braunkohlekraftwerks in Lubmin aus. Maximal halb so groß soll es werden. Ironischerweise ist auch hier der „Umwelt“minister Till Backhaus einer der wenigen Unterstützer des Bauvorhabens. Am 2./3. November berät der Landesvorstand der regierungsführenden SPD, am 6. November ebschäftigt sich die Landtagsfraktion mit den Argumenten von Beführwortern und Gegner des Projekts.

An welchem Standort auch immer, befürchten die Gegner neben den Folgen fürs Klima auch die unmittelbare Luftverschmutzung mit Schwefel, Schwermetallen, Staub und Stickoxiden.