Kein grünes Licht für niedrigere Lampenzölle

Die Idee begeistert Umweltschützer und Befürworter des Freihandels gleichermaßen. EU-Handelskommissar Peter Mandelson will alle Zölle für „grüne Waren“ senken, also für Importprodukte, die einen ökologischen Vorteil bieten. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt sich jetzt am Beispiel der Energiesparlampen. Seit sechs Jahren werden Importe aus China mit 60% Strafzoll belegt, um die Produktion in Europa vor vermeintlichen Dumping-Preisen zu schützen. Geholfen hat es wenig. China ist inzwischen Weltmarktführer und nur jede fünfte in Europa verkaufte Lampe wurde auch hier hergestellt. Niedrigere Zölle würden die Leuchten aus dem Land der aufgehenden Sonne in Europa günstiger machen, die Preisen insgesamt drücken und die Nachfrage erhöhen. Ein Gewinn für sparsame Verbraucher und für das Klima.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen, getrieben vom deutschen Lampenhersteller Osram, hatte jedoch Bedenken. Das Siemens-Tochterunternehmen behauptet, dass die chinesischen Lampen noch immer unter den tatsächlichen Herstellungskosten verkauft würden, außerdem mehr Quecksilber enthielten und eine kürzere Lebensdauer hätten. Andere Hersteller, allen voran der niederländische Konkurrent Philips, setzen sich für niedrigere Zölle ein. Die Argumente seien „protektionistisch“ und blockierten „die Umsetzung von Gesetz und gesundem Menschenverstand“. Die Wahrheit liegt vermutlich darin, dass Philips hauptsächlich in China produziert, Osram dagegen noch große Lampenfabriken in Europa besitzt.

Die EU-Kommission hat schließlich entschieden, die Zölle nicht für fünf, sondern nur noch für ein Jahr aufrecht zu erhalten. Der WWF kritisiert diese Entscheidung als „entäuschend, unfair und unvereinbar mit dem ambitionierten Zielen der EU, Energie effizienter zu nutzen und das Klima zu schützen.“

Fair sind Strafzölle sicher nicht, wenn man sie an der Welthandelspolitik der EU misst. Dennoch sollten zumindest Umweltschützer auch die Argumente von Osram ernst nehmen. Zwar gilt in der EU eine Obergrenze von 5mg Quecksilber pro Energiesparlampe, unabhängig vom Produktionsort. Aber wie sorgfältig in einer Fabrik gearbeitet wird und wie viel von dem giftigen Schwermetall im Prozess verloren geht, kann Brüssel keinem chinesischen Werk vorschreiben. Dass der Umgang mit Schwermetallen in Fernost häufig nicht den westlichen Standards entspricht, zeigen die jüngsten Skandale um bleibelastetes Kinderspielzeug. In China freigesetztes Quecksilber landet aber schließlich im Meer und über die Fischmahlzeit auch in Europa. Wahrhaft umweltfreundlich sind daher Lampen, die wenig Energie verbrauchen, dabei eine geringst mögliche Menge Quecksilber enthalten und eine lange Lebenszeit haben.

Philips: Streichung von Zöllen auf chinesische Energiesparlampen stärkt die europäische Wettbewerbsfähigkeit und nützt Verbrauchern und Umwelt (engl.)
WWF: EU hält an unfaire Marktbarrieren auf Energiesparlampen fest (engl.)

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2 Responses to Kein grünes Licht für niedrigere Lampenzölle

  1. […] Energiesparlampen mit harten Bandagen Der Kampf um Zölle auf Energiesparlampen geht in die nächste Runde. Vor einem Monat hat Osram Deutschland sich noch einmal durchsetzen können und die Zölle wurden […]

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