Vinnolit (Messtour 3)

Der Aufhänger für den Kölner Stadtanzeiger sind der Verlust von 40 Arbeitsplätzen, aber die Nachricht ist an sich sehr positiv. Die Firma Vinnolit wird ihre beiden Chlorwerke früher von Quecksilbertechnik auf umweltfreundliche Membrantechnik umstellen. Das Werk in Gendorf (Bayern) soll bis Ende nächsten Jahres fertig umgerüstet werden, Hürth / Knapsack bis 2009.

Damit ist dann auch der Betriebsrat einverstanden: die Investitionen sichern langfristig die Standorte, senken die Betriebskosten (Membrantechnik verbraucht weniger Energie als Quecksilbertechnik) – und es wird kein Quecksilber freigesetzt. Insgesamt empfiehlt auch die EU-Kommission allen Betreibern eine schnelle Umrüstung.

Zufällig war ich grade heute in Hürth und habe die Quecksilberwerte gemessen. Die Anlage sieht von außen etwas rostig aus und unsere Messbedingungen waren optimal (nah dran, im Wind). Dafür waren die Werte überraschend niedrig. An der Mauer zum Gelände, etwa 200 Meter vom Chlorwerk entfernt, war die Belastung maximal 0,05 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter Luft, meistens eher 0,01. Das ist auf Dauer so ungesund wie zwei kleine Amalgamfüllungen. Das Chlorwerk liegt im Süden des Chemieparks Knapsack, dort sind keine Wohnhäuser.

Hier noch die Zeitungsmeldung:

In Knapsack sollen bei Vinnolit bis zum Jahr 2009 Anlagen erneuert werden. Mit hohen Energiekosten begründet der PVC-Hersteller seine Modernisierungspläne. … Bei dem ehemals zum Hoechst-Konzern gehörenden Unternehmen wird unter anderem PVC in Granulatform für die Autoindustrie hergestellt. Dies geschieht bisher zum Teil noch im so genannten Amalgamverfahren unter Verwendung von Quecksilber …

Die Gesellschafterversammlung von Vinnolit hat nun beschlossen, insgesamt 55 Millionen Euro für die Umrüstung ihrer Anlagen im bayerischen Gendorf und in Knapsack auszugeben und damit gleichzeitig die Chlorproduktion – sie ist sehr energieintensiv – von derzeit 390 000 auf 430 000 Jahrestonnen zu erhöhen …

In einem ersten Schritt will Vinnolit bis Ende 2008 die Produktion in Gendorf auf das modernere Verfahren – die sogenannte Membranelektrolyse – umstellen … In einem zweiten, jetzt beschlossenen Schritt sollen bis Mitte 2009 – und damit anderthalb Jahre früher als geplant – die noch verbliebenen Alt-Anlagen in Knapsack stillgelegt und durch neue ersetzt werden …

Im November vergangenen Jahres hatte Vinnolit erklärt, der Arbeitsplatzabbau werde ohne betriebsbedingte Kündigungen von stattengehen. „Diese Aussage gilt auch weiterhin“, sagte Mieden. Auch der Betriebsrat der Vinnolit in Knapsack, Heinz Coltro, bestätigte damals diese Aussage: Die Investition in moderne, umweltfreundliche Anlagen sichere den Standort. (Kölner Stadtanzeiger, 08. August 2007)

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One Response to Vinnolit (Messtour 3)

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