Kohlekraftwerk in Krefeld II

‚Readers Edition‘ berichtete am Montag ausführlich über das geplante Kohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen, über das ich am 23. Juni geschrieben hatte. Die Westdeutschen Zeitung hat heute mehrere Artikel zu dem Thema veröffentlicht. Zum Protest gibt es auch verschiedene Internetseiten: www.uerdinger-kohlekraftwerk.de, www.nuv-online.de und www.bi-saubere-luft.de.

Am Wochenende gab es eine Demo mit 300 Teilnehmern. Die Grünen kritisieren unterdessen Bayer, die den Chemiepark Uerdingen betreiben und den Strom abnehmen würden und die Planungen fürs Kraftwerk ungehindert voran treiben. Natürlich beschäftigt sich dann auch die Coordination gegen Bayer-Gefahren mit diesem Thema.

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One Response to Kohlekraftwerk in Krefeld II

  1. Klaus Lippert sagt:

    Bayer und Trianel behaupten das das geplante Kohlekraftwerk benötigt wird um Bayer mit Prozesswärme und Strom zu versorgen. Wie kommt es dann das Bayer nur Ersatz für zwei alte Kohlekessel benötigt? Das heißt es werden nur 20 MWel Leistung und 240 MWth Prozesswärme benötigt. Die restliche Leistung und Prozesswärme wird weiterhin durch mehrere Gas- und Kohlekessel auf dem Bayer Gelände produziert. Es kann doch nicht sein das man deswegen ein Kraftwerk baut welches mehr als die 20fache Leistung produziert – also 850 MWel Brutto Leistung und 1.600 MWth Prozesswärme. Hier würde doch ein kleines Gas- und Dampfturbinenkraftwerk eine ideale Lösung darstellen. Bedingt dadurch das Bayer die Prozesswärme kontinuierlich über das ganze Jahr benötigt könnte man hier ein einzigartiges Vorbild-Kraftwerk bauen. Über 90% Wirkungsgrad gegenüber den aktuell geplanten 57% des Kohlekraftwerks wären möglich und stellen eine neue Richtlatte in der Kraftwerkstechnik dar. Trianel baute vor kurzem und betreibt selber ein modernes G&D-Kraftwerk so das die Blaupausen problemlos übernommen werden könnten und Erfahrungen vorliegen. Auch die Investitionen wären anstatt über 1 Mrd. € höchsten 150 – 200 Mio. € betragen. Durch den wesentlich höheren Wirkungsgrad spielen auch die vergleichsmäßig höheren Gaskosten gegenüber dem noch günstigen Kohlepreis keine Rolle. Das mögliche Krefelder G&D-Kraftwerk wäre sogar noch wesentlich wirtschaftlicher zu betreiben, als das aktuelle Trianel G&D-Kraftwerk, weil der Wirkungsgrad bedingt durch den Einsatz der Prozesswärme wesentlich höher ist. Wir brauchen also kein Großkraftwerk für Bayer !!!

    Trianel und Bayer argumentieren immer für ein Kohlekraftwerk weil die Kohle als Energieträger doch so günstig ist. Dieses ist aktuell richtig, aber der Trend ist ganz klar dahin das sich dieses ändern wird. Innerhalb von neun Jahren ist der Kohlepreis um 71% gestiegen. Es gibt mittlerweile drei Studien die zeigen das der Preis drastisch steigen wird und die Verfügbarkeit der Kohle ebenfalls sinkt. Ganz aktuell hat die Stadt München den Stadtwerken München nicht erlaubt sich an einem Kohlekraftwerk zu beteiligen weil die Aussichten für ein wirtschaftliches Betreiben eines Kohlekraftwerkes nicht mehr gegeben sind. Man rechnet damit das schon 2015 die Stromerzeugung mit regenerativen Energien gleich teuer sein wird wie die Verstromung mit fossilen Brennstoffen. Der Trend geht dann weiter zugunsten erneuerbarer Energien. Von 1990 – 2005 konnten die Produktionskosten für die Stromgewinnung mithilfe erneuerbarer Quellen halbiert werden. Eine weitere Reduzierung von 40% ist bis 2020 geplant. Im gleichen Zeitraum werden alle fossilen Brennstoffe drastisch beim Rohstoffpreis steigen. Wenn das Kohlekraftwerk 2013 fertig gestellt werden soll, würde es wohl noch rund 2 Jahre günstiger Strom produzieren um danach rund 50 Jahre lang nicht wettbewerbsfähigen Strom zu liefern. Daher kann und ist Kohle als Rohstoff für die Stromproduktion nicht mehr sinnvoll. Ein kleines G&D-Kraftwerk kann kurz und mittelfristig mit Erdgas und später mit dem bis dahin günstigeren Biogas betrieben werden.

    Ein Punkt welcher immer wieder für ein Kohlekraftwerk aufgeführt wird ist die Wirtschaftlichkeit. Damit wird aber immer nur die Wirtschaftlichkeit im Bezug auf Baukosten, Langzeitbetrieb und Rohstoffpreis gesehen. Es gibt Faktoren die bei einem Betrieb eines solchen geplanten Kohlekraftwerkes viel wesentlicher sind. Das deutsche Institut für Wirtschaftsförderung schätzt die Folgen der Umweltschäden für Deutschland auf rund 137Mrd. US$ pro Jahr (ab 2020). Diese Umweltschäden verursachen natürlich nicht alleine Kohlekraftwerke. Aber gerade im Bezug auf CO2-Ausstoss ist dieser Kraftwerkstyp mit verantwortlich für die Klimaerwärmung und deren Folgen. Die CO2-Schäden in Bezug auf weltweite Umweltschäden schätzt man bis 2050 auf 2.000 Mrd. US$ pro Jahr. Aber auch die zahlreichen Kriege weltweit werden unter anderem auch um die Rohstoffsicherheit geführt. Auch hier eine Zahl: Die US-Militärkosten für den Irak und Afghanistankrieg betragen bis 2017 rund 2.400 Mrd. US$. Es gibt aber auch Studien welche die Gesundheitskosten durch Luftschadstoffe in der EU bewerten. Das Ergebnis: Zwischen 200-600 Mrd. € pro Jahr müssen schon jetzt für aufgebracht werden. Dabei ist ein Jahr weniger Leben mit rund 65.000 € berechnet. Das ein Kohlekraftwerk nicht alleine dafür verantwortlich ist, ist ebenfalls klar. Aber ein Kohlekraftwerk ist einer der großen Luftverschmutzer bei industriellen Anlagen. Solarstrom, Windkraft, Biogas, Geothermie, usw. sorgen dafür das die ganzen Umwelt-, Klima und Gesundheitsschäden reduziert werden. Man weiß schon Heute das bei der Berücksichtigung aller versteckten Stromkosten eines Kohlekraftwerkes dieses nicht wirtschaftlich arbeit. Übrigens: Die versteckten Stromkosten zahlen wir in Form von Krankenkassenbeitrag, Militärkosten und sonstigen Steuern.
    Wenn beispielsweise der CO2-Ausstieg bis 2050 nicht um 60% reduziert wird erwartet man unter anderem folgende Schäden: 4 Millionen km² Küstenflächen sind von Überflutungen bedroht, somit 1/20 der Weltbevölkerung sind direkt betroffen. Rund 550 Mio. Menschen werden von schweren Hungersnöten heimgesucht. Wir müssen sofort die Notbremse ziehen. Das heißt: „kein Bau von neuen Kohlekraftwerken“. Ansonsten wird sich unser aller Leben in den nächsten Jahrzehnten drastisch ändern.

    Kohlekraftwerksbetreiber verweisen immer als Pro-Argument das der Brennstoff Kohle in ausreichenden Mengen vorhanden ist und somit entsprechend günstig bleibt. Dieses wurde auch über viele Jahrzehnte so vermittelt. Die Situation sieht ganz anders aus. Die USA mit 27% förderfähigen Kohlereserven benötigt die Kohle selber und importiert zusätzliche Kohle. Gleiches gilt für China und Indien die jeweils 12% der Kohlereserven haben und zusätzlich Kohle importieren. Somit stehen schon 50% der Kohlereserven nicht zur Verfügung sondern diese Länder importieren sogar große Mengen Kohle. Russland (16%), Europa (7%), Australien (7%) und 19% auf viele Länder verteilt sind die weiteren Kohlelieferanten. Sechs Staaten teilen sich 85% der Kohlereserven, wobei nur 16% der Kohlereserven überhaupt international gehandelt werden. Man rechnet das schon 2025 es zu einem Fördermaximum kommt. Dazu kommt noch das aktuell die weltweiten Kohlemengen drastisch nach unten korrigiert werden. Beispiel Deutschland: Von bisher 23 Mrd. Tonnen wurden die deutschen Kohlereserven um 99% auf 183 Mio. Tonnen runter bewertet. Dazu ist der Kohleverbrauch in den letzten fünf Jahren weltweit sehr viel deutlicher gewachsen als der von Öl und Gas. Berücksichtigt man all diese Faktoren kann sich jeder vorstellen das neben einer Verknappung der Kohle auch ein drastischer Kohlepreisanstieg zu befürchten ist. Als Fazit kann man nur eines sagen: Die Kohlekraftwerke haben keine Zukunft bedingt durch die geringe Kohleverfügbarkeit und den zu erwartenden Preisanstieg.

    Die Initiativen gegen den Bau des Kohlekraftwerkes wollen gerne alternativ ein G&D-Kraftwerk. Warum? Ein optimal auf die Bedürfnisse von Bayer angepasstes Kraftwerk kann nur ein G&D-Kraftwerk sein, weil die von Bayer benötigte Leistung: 240 MWth. und aktuell 20 MWel. Leistung mit der G&D-Technologie am Besten realsiert werden kann. Ein kleines G&D-Kraftwerk ist von der Investitionssumme wesentlich kleiner als ein großes Kohlekraftwerk. Da ja Bayer vor Kurzem in der Presse erwähnte das Sie 1 Mrd. € für die Umwelt ausgegeben wollen, gäbe es hier einen guten Ansatz ein Teil des Geldes zu investieren. Für eine saubere Umwelt und ein sauberes Bayer Image. Es spricht neben den geringen Investitionskosten auch das kleinere Risiko bei den zukünftigen CO2-Zertifikaten. Ein G&D-Kraftwerk produziert im Verhältnis zu einem Kohlekraftwerk weniger als die Hälfe an CO2. Somit halbiert sich hier auch das Risiko. Es sind in den letzten Jahren schon

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