Fisch-Verbot im Elsass

Vor ein paar Tagen wurde in der Präfektur Colmar im Elsass (Frankreich) verboten, Fische aus den Flüssen Ill und Thur zu verkaufen. Sie sind mit mehr als 0,5 mg Quecksilber pro Kilogramm belastet und dürfen nicht mehr in den Handel gebracht werden. „Die Ursache ist unklar“, heißt es in allen deutschsprachigen Zeitungsmeldungen. Le Monde wird konkreter und macht ein Chlor-Werk verantwortlich. 2006 gab es bereits ähnliche Vorfälle.

Unerwartet und überraschend ist die Belastung von Thur und Ill jedenfalls nicht. Eine kurze Recherche hat mich auf eine Dissertation von 2004 geführt, von Veronique Wernert, Universität Karlsruhe, Lehrstuhl für Wasserchemie. Sie schreibt in der Zusammenfassung:

Im Elsaß sind der Fluss Ill und sein Nebenfluss, die Thur, stark mit Quecksilber belastet. Diese Belastung kommt im Wesentlichen von den Abwässern eines Chemiewerks, das mittels Quecksilberelektroden Chlor herstellte. Diese Flüsse tragen zur Anreicherung des Grundwassers der Rheinebene bei, das als Trinkwasserreservoir gilt.

[…] Die Emissionen von Hg in Elsaß kommen hauptsächlich aus der chemischen Industrie (86 g Hg/d) und der Behandlung der Abfälle. In den Gewässern der Thur und Ill liegen die Hg Konzentrationen zwischen 0,8 und 1718,4 pM, und die höchsten Konzentrationen wurden unterhalb der industriellen Einleitungen beobachtet. Alle Hg Konzentrationen liegen über der zulässigen Grenze für Trinkwasser (5 nM).

Eine gute Darstellung gibt es auch hier auf französisch (PDF). Das Chlor-Alkali-Werk gehört der Firma Albermal PPC. Im Produktionsverfahren wird Quecksilber bei der Elektrolyse eingesetzt. Dieses Verfahren ist seit dreißig Jahren veraltet und wird zum Beispiel in Japan überhaupt nicht mehr eingesetzt. Auch in Deutschland laufen noch einige Anlagen mit der Quecksilbertechnik. Die meisten sollen bis 2010 umgerüstet werden, einige aber noch länger laufen.

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