Kampf gegen Luftverschmutzung in Höchst

30. Juli 2007

Der Industriepark Höchst in Frankfurt am Main ist einer der größten der Welt. Hier stehen so viele Industrieanlagen, dass die Luftverschmutzung eindeutig über dem liegt, was in der EU zulässig ist – ab 2010. Solange jede einzelne Anlage die Grenzwerte einhält, müssen sich die Bürger nach Auffassung der örtlichen Genehmigungsbehöre so lange gedulden und dem Neubau weiterer Anlagen zuschauen.

Wenn wenigstens die bestehenden Grenzwerte eingehalten würden! Ein Chlor-Werk der Firma LII Europe stößt seit Jahren mehr Quecksilber aus, als zulässig ist. Seitdem Marl umgestellt ist, ist es das dreckigste Werk in Deutschland.

Zur Zeit engagieren sich die Schnüffler un´ Maagucker, die Bürgerinitiative Menschenrecht Gesunde Umwelt und engagierte Bürger gegen Aus- und Neubau von Müllverbrennungsanlagen im Industriepark. Die Frankfurter Rundschau berichtet:

Hauptargument der Anlagengegner sind die bei der Abfallverbrennung im Industriepark entstehenden Luftschadstoffe. In Staubproben von sechs Grundstücken in Sindlingen hatte das von der BI beauftragte Umweltlabor Arguk erst kürzlich hohe Konzentrationen von Arsen, Quecksilber, Cadmium und anderen Schwermetallen festgestellt. Laut Arguk sollen die Messwerte teils um mehr als das Zehnfache über der so genannten Auffälligkeitsgrenze liegen, deren Überschreitung eine Untersuchung über die Ursachen zwingend nötig mache.

Das Regierungspräsidium geht jedoch von anderen Voraussetzungen aus. Der „Gesamtstaub und dessen Inhaltstoffe (zum Beispiel Schwermetalle) im Einwirkungsbereich der Anlage erreicht keine bedenklichen Werte“, heißt es im Genehmigungsbescheid.

Für Pawlik eine „zynische Verharmlosung“. Die BI fordert eine Gesamtbelastungsstudie für die Region und die Stadtteile am den Höchster Industriepark als Voraussetzung für alle Genehmigungsverfahren. Dazu gehört auch die für das Jahr 2009 geplante umstrittene Ersatzbrennstoffanlage.


Kinder Umwelt Survey

30. Juli 2007

Ich habe erst vor ein paar Tagen über den Umwelt Survey 1998 berichtet, der Daten über die Belastung der erwachsenen Bevölkerung mit Schwermetallen, Pestiziden und anderen unschönen Dingen enthält. Jetzt haben das Robert-Koch-Institut und das Umweltbundesamt die Belastung von Kindern und Jugendlichen geprüft. Der Tagesspiegel schreibt dazu:

Die Ergebnisse sind nicht dramatisch, aber dennoch beunruhigend. Denn es gibt kaum eine giftige oder krebserregende Chemikalie, die nicht schon in Kinderkörpern gefunden werden könnte. Untersucht wurden Urin- und Blutproben.

Die Stoffgruppe mit der höchsten Relevanz dürften die Schwermetalle sein. Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen sind giftig und reichern sich im Körper an. Außerdem können diese Stoffe die Plazentaschranke überwinden, so dass schon Kinder im Mutterleib mit Schwermetallen belastet werden. Auffällig ist, dass bei dieser Stoffgruppe Jungen stärker belastet sind als Mädchen. Zwar hat die Gesamtbelastung mit Schwermetallen in den vergangenen Jahren abgenommen. Über den Konsum von Fisch und das Rauchen oder Passivrauchen werden sie aber immer noch in relevantem Umfang aufgenommen.


Es geht auch ohne: Chlor-Werk in Marl umgerüstet

26. Juli 2007

Ein Lob an Vestolit in Marl, die in ihrem Chlor-Werk kein Quecksilber mehr verwenden.

Ständig steigende Strompreise, hohe Fixkosten der „Altanlage“ und die damit verbundenen wirtschaftliche Konsequenzen für das Unternehmen liefern gute Gründe für eine rasche Umstellung. „Die Neuanlage wird bei gleicher Produktion erheblich weniger Strom benötigen“, so Dr. Träger. „Nach der Umrüstung steht eine um 20 % höhere Jahreskapazität zur Verfügung.“

Europaweit haben die Chlor-Hersteller sich selbst verpflichtet, bis 2020 die Quecksilberanlagen umzurüsten. Zur Zeit laufen in Deutschland noch sieben Anlagen mit Quecksilbertechnik.


Energiesparlampen

26. Juli 2007

Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, die Anti-Dumping Zölle gegen (chinesische) Energiesparlampen aufzuheben. Bisher werden die fernöstlichen Leuchten mit bis zu 66% des Produktpreises Importzoll belegt, um die heimischen Hersteller zu schützen. Diese sind jetzt zwiegespalten. Während die Siemens-Tochter Osram aus Deutschland die Zölle am liebsten noch erhöhen würde und dabei von der ach so klimafreundlichen Bundesregierung unterstützt wird, freut sich der holländische Hersteller Philips auf die Absenkung der Zölle – Philips hat schon Fabriken in China aufgebaut.

Der Vorschlag von Handelskommissar Peter Mandelson ist Teil einer Initiative, die Zölle für ökologisch vorteilhafte Produkte generell zu streichen. Auch der WWF unterstützt daher die Vorschläge. Der relativ hohe Einkaufspreis gilt als ein Hinderungsgrund, warum die sparsamen Lampen von einigen Menschen gemieden werden.

Für importierte Ware gilt natürlich auch die Obergrenze von 5mg Quecksilber pro Lampe. Und zum recyceln muss auch niemand nach China fahren, sondern weiterhin nur bis zur nächsten Sammelstelle.


Selen und Quecksilber

25. Juli 2007

Die Vitalstoff-Akademie beschäftigt sich mit „Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und andere Nichtnährstoffe“. Zum Beispiel mit Selen:

Bei chronischen Quecksilber– oder Bleivergiftungen unterstützt Selen die Entgiftung. Zudem ist es wichtig für die Bildung von Spermien und hat damit große Bedeutung für die Zeugungsfähigkeit. Das Spurenelement stimuliert das Immunsystem, und bei Tumorpatienten zeigt sich oft ein Selenmangel. Seefisch, Bierhefe und Sojabohnen enthalten nennenswerte Selenmengen. Da aber gerade Seefisch oftmals mit Umweltgiften belastet ist, kann die Gefahr höher als der Nutzen für die Selenversorgung sein.

Also dann doch besser Tofu als Schwertfisch essen (zu viel Bier ist ja auch nicht gesund). Wie sieht es eigentlich aus, mit der allgemeinen Quecksilberbelastung? Das Umweltbundesamt hat im Umwelt-Survey 1998 herausgefunden:

Die Hg-Belastung [Hg ist die chemische Abkürzung für Quecksilber] im Blut wird vor allem durch den kurzfristigen und langfristigen Fischkonsum, weniger durch die Zahl der Zähne mit Amalgam erklärt. Die Hg-Belastung im Urin kann dagegen überwiegend auf die Zahl der Zähne mit Amalgamfüllungen, den Kaugummikonsum bei Amalgamträgern und die Kreatininkonzentration, dagegen kaum auf den Fischkonsum zurückgeführt werden.

Die durchschnittliche Hg-Belastung liegt bei 0,58 Mikrogramm Quecksilber pro Liter Blut und 0,43 Mikrogramm pro Liter Morgenurin. Die oberen 2 Prozent hatten mehr als 3,3 im Blut und 5,1 im Urin. Im Vergleich zum Survey 1992 hat damit die Belastung im Blut zugenommen, im Urin aber abgenommen.


Kohlekraftwerk in Krefeld II

25. Juli 2007

‚Readers Edition‘ berichtete am Montag ausführlich über das geplante Kohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen, über das ich am 23. Juni geschrieben hatte. Die Westdeutschen Zeitung hat heute mehrere Artikel zu dem Thema veröffentlicht. Zum Protest gibt es auch verschiedene Internetseiten: www.uerdinger-kohlekraftwerk.de, www.nuv-online.de und www.bi-saubere-luft.de.

Am Wochenende gab es eine Demo mit 300 Teilnehmern. Die Grünen kritisieren unterdessen Bayer, die den Chemiepark Uerdingen betreiben und den Strom abnehmen würden und die Planungen fürs Kraftwerk ungehindert voran treiben. Natürlich beschäftigt sich dann auch die Coordination gegen Bayer-Gefahren mit diesem Thema.


Österreicher im Eis untersuchen Quecksilber in Fischen

25. Juli 2007

Forscher aus Österreich und Kanada sind heute zur Resolute Bay im äußersten Norden Kanadas aufgebrochen, um die Anreicherung von Schwermetallen in den arktischen Seen zu untersuchen. Der Standard aus Wien berichtet :

Dabei gilt das besondere Interesse der Forscher dem Quecksilber. Das hochgiftige Schwermetall gelangt über die Atmosphäre in die Seen. Mit fatalen Folgen: „Durch die Klimaerwärmung werden die Seen immer wärmer“, erklärt Günter Köck von der ÖAW [Österreichische Akademie der Wissenschaft]. „Dadurch erhöht sich die Stoffwechselrate der Fische, Schwermetalle reichern sich vermehrt an und gelangen über die Nahrungskette in die Körper der Menschen.“

In ihrer Presserklärung teilen die Forscher mit:

Heuer wird aus Anlass des Internationalen Polarjahres die Forschungsaktivität verstärkt. Bis 8. August 2007 werden zwei Teams gleichzeitig in rund zehn Seen in der Umgebung von Resolute Bay im äußersten Norden Kanadas Fische, Wasser, Sedimente sowie Plankton untersuchen.

Das Team um Klaus Gantner, DOC-Stipendiat der ÖAW an der University of Guelph, Ontario, widmet sich speziell der Quecksilberproblematik. Das zweite Team um Günter Köck setzt das 1997 begonnene Langzeitmonitoring von Schwermetallen sowie organischen Schadstoffen fort. Darüber hinaus werden Sedimentbohrungen durchgeführt, die Aufschluss über die Schadstoffbelastungen der letzten Jahrhunderte geben sollen.

Im Laufe des Sommers werden die Forscher auch aus Tiroler Hochgebirgsseen Proben entnehmen und ihre in der Arktis gewonnenen Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Schwermetallbelastung anwenden. Köck: „Hochgebirgsseen haben ein ähnliches Ökosystem wie arktische Seen und reagieren gleich sensibel auf Umweltveränderungen.“

Tolle Arbeit! Ich muss aber zugeben, dass es mir dort zu kalt wäre. Ich freu mich lieber wenn hier „das Quecksilber“ steigt. Symbolisch natürlich.