Bei der Chloralkali-Elektrolyse wird aus Salzwasser (NaCl + H2O) Chlorgas (Cl2), Wasserstoff (H2) und Natriumhydroxid (Ätznatron, NaOH) gewonnen. Hierfür gibt es drei Verfahren (Darstellungen: Eurochlor, Wikipedia). In den USA wird hauptsächlich ein Verfahren mit Asbest-Diaphragma angewandt, in Europa das Amalgamverfahren mit Quecksilber. Beide Techniken stammen aus dem 19. Jahrhundert. In Japan wird fast nur noch das modernere Membranverfahren verwendet, was heute als „Beste Verfügbare Technik“ gilt. Die EU empfielt die Umstellung alter Chlorwerke auf diese Technik, da hierbei kein Quecksilber angewendet und weniger Energie benötigt wird. Den Betreibern und Behörden bietet ein umfassendes Referenzdokument genaue Informationen über die beste verfügbare Technik (siehe unten).

Sogar die Industrie sieht diese Vorteile, will aber die (teuren) Investitionen so lange wie möglich aufschieben. Die Mitglieder von Eurochlor haben sich verpflichtet, die Anlagen erst bis 2020 auf Membrantechnik umzustellen. Ich setze mich dafür ein, dass es viel eher passiert. Zur Zeit laufen in Deutschland noch folgende Anlagen mit Quecksilbertechnik (Kartenansicht):
- Akzo Nobel, Ibbenbüren (NRW)
Produktionskapazität (2007): 125.276 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (PRTR 2007): 83 kg
Umstellung auf Membranverfahren oder Schließung geplant bis Mitte der nächsten Dekade - Bayer, Krefeld-Uerdingen (NRW)
Produktionskapazität (2007): 130.000 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (EPER 2004): 105 kg
Umstellung ungewiss - BASF, Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz)
Produktionskapazität (2007): 170.000 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (EPER 2004): 166 kg
keine Umstellung geplant! - Evonik Degussa, Niederkassel-Lülsdorf (NRW)
Produktionskapazität (2007): 135.951 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (EPER 2004): 114 kg
keine Umstellung geplant! - INEOS, Wilhelmshaven (Niedersachsen)
Produktionskapazität (2007): 148.828 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (PRTR 2007): 70 kg
Umstellung war im Rahmen einer Investition geplant, jetzt ungewiss - Akzo Nobel (ehem. LII Europe), Frankfurt am Main (Hessen)
Produktionskapazität (2005): 167.376 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (PRTR 2007): 158 kg
Umstellung auf Membranverfahren geplant - Vestolit, Marl (NRW)
Produktionskapazität (2006): 176.000 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (EPER 2004): 312 kg
Umstellung auf Membranverfahren im Juli 2007 abgeschlossen - Vinnolit, Burgkirchen-Gendorf (Bayern)
Produktionskapazität (2007): 82.355 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (PRTR 2007): 50 kg
Umstellung auf Membranverfahren 2009 abgeschlossen - Vinnolit, Hürth-Knapsack (NRW)
Produktionskapazität (2007): 160.000 Tonnen Chlor pro Jahr
Quecksilber-Ausstoß in die Luft (EPER 2004): 132 kg
Umstellung auf Membranverfahren 2009 abgeschlossen
Dokumente
- PARCOM Decisions 90/3 on Reducing Atmospheric Emissions from Existing Chlor-Alkali Plants (Word-Dokument)
Beurteilung der Umsetzung, Update 2004 - OSPAR-Bericht: „Mercury Losses from the Chlor-Alkali Industry in 2007„
- Selbstverpflichtung der EuroChlor-Mitglieder (Word-Dokument)
- Beste verfügbare Technik (Umweltbundesamt)
- Zusammenfassung BVT-Merkblatt Chlor-Alkali
Links
- Europäisches IPPC-Büro, das die BVT-Referenzdokumente erstellt
- Quecksilber-Strategie der EU-Kommission
- Quecksilber-Programm des UN-Umweltprogramms (UNEP)
- Informationen über Quecksilber von EuroChlor
- Position des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) zu Chlor





del.icio.us

1. Oktober 2007 um 17:08 |
[...] 2010 ohne Quecksilber arbeiten sollen. Zur Zeit laufen aber noch etwa 40 solcher Anlagen in Europa, in Deutschland sind es acht. Die Betreiber haben selber erklärt die Anlagen erst bis 2020 umzurüsten oder still zu legen. [...]
18. Oktober 2007 um 15:59 |
[...] ist Quecksilber gar nicht (etwa 20 $ pro kg) und es gibt eigentlich zu viel davon. In europäischen Chlorwerken lagern noch 12.000 Tonnen, das reicht für mindestens 2.400 Milliarden Energiesparlampen oder 120 [...]
22. Oktober 2007 um 15:34 |
[...] In Deutschland gibt es sogar noch acht Chlor-Werke mit Quecksilbertechnik. [...]
7. November 2007 um 17:36 |
[...] Chlorwerke lautet die BVT eindeutig: Membrantechnik. Acht Anlagen in Deutschland verwenden immer noch das [...]
13. Dezember 2007 um 20:14 |
[...] Chlor [...]
18. Dezember 2007 um 18:11 |
[...] Chlor [...]
26. Januar 2008 um 19:09 |
[...] Chlor [...]
27. Februar 2008 um 13:33 |
[...] Chlor [...]
27. Mai 2008 um 13:20 |
[...] Chlor [...]
31. Juli 2009 um 14:51 |
[...] Chlor [...]
31. August 2009 um 16:37 |
[...] Chlor [...]