RoHS-Überarbeitung: Wie schädlich ist Quecksilber?

25. Februar 2008

RoHS heißt eine EU-Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Seit 2002 dürfen Blei, Cadmium, Quecksilber, sechswertiges Chrom und bromierte Flammschutzmittel in den meisten Elektrogeräten nur noch sehr eingeschränkt verwendet werden (für Bastler: das ist der Grund, warum es nur noch bleifreien Lötzinn gibt). Nun steht eine Überarbeitung an. Industrieverbände wollen RoHS am liebsten ganz abschaffen, Umwelt- und Gesundheitsverbände ausweiten (gemeinsame Position verschiedener Verbände, PDF).

Die EU-Kommission hat ein Gutachten erstellen lassen, dass die  Gefährlichkeit der bisher reglementierten Stoffe (PDF, 189 S.) beurteilt.  Dabei wurden verschiedene Kriterien berücksichtigt, etwa die Wirkung in bestimmten Umweltmedien (Wasser, Boden, Luft), über verschiedene Zeiträume und Reichweiten, auf Menschen und Natur. Ich erspare mir lange Tabellen, ein Ergebnis ist jedenfalls (S. 67 f.):

with regard to the different hazardous substances, it seems that Hg [=Quecksilber] has always the highest ecotoxicity potential, both for all the different environmental compartments, as for the different types of ecotoxicity (fresh water, sediment and terrestrial);

hinsichtlich der verschiedenen Schadstoffe scheint Quecksilber in jedem Fall das höchste Umweltschädlichkeits-Potential zu haben. Dies gilt für alle verschiedenen Umweltmedien, wie auch für verschiedene Typen der Umweltschädlichkeit (Frischwasser, Bodenablagerungen, weltweit)

Betrachtet man nur die Wirkung auf den Menschen, ist Quecksilber wiederum in drei Kategorien am gefährlichsten: im Süßwasser, im Meer und auf industriell genutzten Böden. In der Luft ist dagegen sechswertiges Chrom sehr viel gefährlicher als alles andere. Und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist Cadmium am schädlichsten für Menschen.


Shark Guardian Award für Quecksilbergegner

4. Februar 2008

Das SharkProjekt hat sich dem Schutz der Haie verschrieben. Jährlich verleihen sie die Titel Shark Enemy of the Year und Shark Guardian of the Year an die größten Hai-Feinde und Hai-Schützer des Jahres. Die Awards wurden in diesem Jahr auf der BOOT-Messe in Düsseldorf verliehen.

1. Shark Enemy of the Year 2008
Der Enemy-Award ging an Joan Clos, den spanischen Minister für Industrie, Tourismus und Handel. Er steht für den Zwiespalt des EU-Landes, das einerseits den Meerestourismus fördern möchte auf der anderen Seite zu den größten Haifängern der Welt gehört.

2. Shark Guardian of the Year 2008
Der Award bietet eine große Überraschung. Die beiden Kandidaten, Dirk Steffens und Achim Steiner von der UNEP haben bis auf wenige Stimmen ein identisches Ergebnis. Dies spiegelt so sehr auch die Arbeitsstrategie von SharkProject wieder, aufzuklären und die Themen Gesundheit und Ökologie zu forcieren, dass die Jury sich entschlossen hat, den Award zu teilen und beide Kandidaten als Shark Guardian des Jahres 2008 auszuzeichnen.

Dirk Steffens, Moderator, Filmer und Autor, hat durch seine Fernseh- und Film-Arbeit entscheidend zur positiven Veränderung des Hai-Images beigetragen. 

Achim Steiner hat als Generalsekretär der UNEP mit seiner Arbeit und der weltweiten Warnung der UNEP vor hochgiftigen organischen Quecksilber, das auch in Haifleisch enthalten ist, ein neues gewaltiges Argument für den Haischutz geschaffen. Dazu kommt der persönliche Einsatz des Generalsekretärs für den Schutz der Haie.


Herfa-Neurode

26. Januar 2008

Aus dem Bergwerk Herfa-Neurode in Nordhessen werden täglich 70.000 Tonnen Kalisalz gefördert, die beispielsweise als Düngemittel oder Rohstoff zur Chlorproduktion von Degussa und BASF verwendet werden. 600 Meter unter der Erde wurden so in den vergangenen 115 Jahren hunderte Kilometer Wege gebohrt. Auf dem Satellitenbild sieht man die riesige Abraumhalde Monte Kali.

Herfa-Neurode ist aber auch die größte unterirdische Mülldeponie der Welt. Schon 1981 berichtete der Spiegel über die “wichtigste Deponie für Giftmüll aus aller Welt”, die damals erst neun Jahre in Betrieb war. Heute lagern auf 18 Quadratkilometern zwei Millionen Tonnen “vom übelsten Dreck dieser Welt” (Welt), darunter 220.000 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle (meist kontaminierte Böden) und genügend Arsen um die ganze Menschheit umzubringen. Kein schöner Gedanke, auch wenn es 800 Meter unter der Erde liegt. Es ist “die Kehrseite der Konsumgesellschaft”, meint die Süddeutsche Zeitung.

Auch hier unten gibt es Mülltrennung, damit die Stoffe keinesfalls miteinander reagieren. Flüssiger und radioaktiver Abfall darf nicht eingelagert werden. Gefüllte Hallen werden zugemauert, aber von jeder Ladung sind Proben archiviert. Die Betreiber sind gründlich. Denn manchmal wird auch etwas wieder hervorgeholt wird, wenn der technische Fortschritt es wertvoll macht. So lässt sich dreifach Geld verdienen: mit Kalisalz, mit dem Einbringen von Sondermüll und mit dem bergen. Die Lagerung ist kostenlos – für Jahrtausende (Welt 24.7.07, SZ 20.10.06, Spiegel 27.4.81).

Die Packbehältnisse werden nur einige Jahrzehnte halten. Im Laufe der Jahrhunderte wird sich der Berg den Raum zurückholen, der ihm genommen wurde. Der Giftmüll ist dann komplett von Salz umschlossen. Geowissenschaftler gehen davon aus, dass 10.000 Jahre lang alles sicher eingeschlossen ist, ungefährlich für alles, was auf der Erdoberfläche lebt. Was nach 10.000 Jahren passiert, kann heute niemand vorhersehen.

Hier oder in einer anderen Salzmine könnten sie also enden, meine Millionen Quecksilber-Thermometer. Ganz wohl ist mir dabei nicht. Aber Quecksilber verschwindet auch nicht einfach aus der Welt, wenn man es nicht mehr haben will. Ich werde mich mit meinen Anti-Quecksilber-Kollegen beraten, was sie davon halten.


Wohin mit dem Quecksilber?

24. Januar 2008

Ich habe etwas vor. Ich will Thermometer einsammeln. Fieberthermometer, die Quecksilber enthalten. Wenn es gut läuft (wie, das verrate ich noch nicht), stehe ich am Ende mit einigen Tonnen von dem giftigen Schwermetall da. Und dann? Wohin mit dem Zeug? Ich habe schon rausgefunden, dass Sondermüll aus Österreich, Frankreich und Singapur, wahrscheinlich auch aus Italien, den Niederlanden und vielen weiteren Ländern nach Deutschland gebracht wird.

Wieviel Müll wird importiert?
18 Millionen Tonnen Abfall insgesamt (inkl. Stahlschrott), davon 5,6 Mt genehmigungspflichtig und davon wiederum 2,3 Mt “gefährlicher Müll” nach Definition des Basler Übereinkommens (unter anderem Quecksilber und andere Schwermetalle, Altöl, bestimmte Chemikalien …). Von diesen 2,3 Mt gefährlichen Mülls aus dem Ausland werden 300.000 im Jahr unterirdisch eingelagert (SZ, 22.1.).

Woher kommt der Müll?
Aus Italien wurden 2007 insgesamt eine Million Tonnen Abfall importiert (Welt 23.1.). Hauptlieferanten des genehmigungspflichtigen Mülls sind die Niederlande, Italien und Irland. 300.000 Tonnen wurden 2006 aus nicht-europäischen Staaten geliefert (SZ, 22.1.).

Müll in Neapel Bild: roger taylor 85 auf flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0

Wo landet der Müll?
Von den 5,6 Millionen Tonnen genehmigungspflichtigen Mülls kamen 2 Millionen Tonnen nach Nordrhein-Westfalen, 653.000 Tonnen nach Niedersachsen, 462.000 Tonnen nach Baden-Württemberg und 444.000 nach Sachsen. Insgesamt gebe es “mindestens 2000″ Genehmigungen zur Müllablagerung (SZ, 22.1.).

Im Jahr werden 300.000 Tonnen Müll in ehemaligen Stollen zur Stabilisierung oder in Salzgestein unterirdisch eingelagert. Einige Standorte: die Kali-Grube Herfa-Neurode in Hessen, die Deponien in Bad Friedrichshall und Heilbronn in Baden-Württemberg, die Untertagedeponie Zielitz in Sachsen-Anhalt oder das ehemalige Salzbergwerk Sondershausen in Thüringen (SZ, 22.1.).

Was ist das Bergwerk Herfa-Neurode?
Das steht im nächsten Beitrag …


“Neue Energie für Hessen”

22. Januar 2008

In Hessen ist die SPD in die Defensive geraten. Ein Gehaltsempfänger von RWE, der früher irgendwann auch mal irgendwas bei der SPD zu sagen hatte, warnt vor eben dieser Partei. Die “industrielle Substanz” des ganzen Landes sei gefährdet, meinte Wolfgang Clement. Nun wird auf ihn eingedroschen, weil er “seiner” Partei so in den Rücken fällt. Aber der falsche Eindruck, den RWE-Clement gesetzt hat, bleibt leider bestehen. Schade, denn Frau Ypsilanti und ihr designierter Umweltminister Hermann Scheer haben ein hervorragendes Energiekonzept für Hessen erstellt. Herr Scheer ist einer der profiliertesten Energie-Politiker der Welt. Er hat zahlreiche internationale Auszeichnungen bekommen und das Erneuerbare-Energien-Gesetz mitentwickelt – ein Polit-Exportschlager, der von vielen Staaten übernommen wurde. Warum also nicht in die Offensive gehen?

Der rüpelige Roland kämpfen gegen Fortschritt und Windräder. Energiegewinnung muss Luft und Klima verschmutzen und Atommüll hinterlassen, meinen Koch und Clement. Durch eine verfehlte Raumordnungspolitik dümpelt Hessen bei den erneuerbaren Energien ganz weit hinten auf der Liste der Bundesländer. Die grünen Roten wollen dagegen zukunftsträchtige Energien fördern. Die “Grundlinien eines Landesenergieprogramms für Hessen” (pdf) sind auf 44 Seiten detailliert (aber etwas langatmig) dargestellt. Einige Eckpunkte und Ideen:

  • Atomkraftwerke Biblis A und B wie geplant bis 2008 bzw. 2012 abschalten
  • keine neue fossile Groß-Kraftwerke auf Kohle oder Gasbasis (wie das geplante Kohlekraftwerk Staudinger)
  • Vorrang für Erneuerbaren Energien bei der Raumordnungspolitik
  • kombinierte Strom- und Wärmeversorgung (Kraft-Wärm-Kopplung)
  • Stärkung der Landwirtschaft durch mehr Bioenergie
  • Ersatz von älteren Windrädern durch leistungsfähigere Anlagen
  • Forschung und Bildung für Erneuerbare Energien
  • regionale Wirtschaftsförderung für Erneuerbare Energien
  • “Solarkredite” für Bürger
  • Solaranlagen auf Lärmschutzwänden installieren
  • statt Kraftwerken für Grund-, Mittel- und Spitzenlast soll es in Zukunft ein “integriertes Netzmanagement” geben, das Pumpspeicher- und Druckluftkraftwerke einbezieht
  • Vorbild für andere Bundesländer

Zudem greift das Programm auch die Energieriesen an. Die vier AKW-Betreiber (RWE, E.On, Vattenfall, EnBW) kontrollieren “80% der Stromproduktion und 100 % des Übertragungsnetzes”. Sie sind die Verursacher der Preissteigerungen im Strombereich. Scheer und Ypsilanti wollen durch eine neue Energiepolitik die Stromproduktion in mehr Hände legen, als sie jetzt sind. Mit marktwirtschaftlichen Mitteln soll so das Stromkartell entmachtet werden.

(Wer nicht in Hessen wohnt kann trotzdem wählen: www.atomausstieg-selber-machen.de)


Einmal gePOPt, nie mehr gestoppt

21. Januar 2008

Spanische Forscher haben nach sechs besonders gefährlichen Chemikalien gesucht und sind fündig geworden – im Körper von 387 Personen. Im Fettgewebe der erwachsenen Probanden fand sich jeweils mindestens eine der gesuchten langlebigen organischen Verbindungen (engl. persistent organic pollutants, POPs). Viele dieser Stoffe (DDT, HCB, Lindan und verschiedene PCB) sind mittlerweile verboten. Aus der Umwelt verschwinden sie deswegen noch lange nicht. Sie bleiben sie nicht nur bestehen, auch wenn die Produktion längst eingestellt ist, sondern breiten sich auch noch aus. Man findet sie in Meeren, Gebirgen, dem ewigen Eis der Antarktis, in 387 Spaniern und sicher auch in 82 Millionen Deutschen und 1,3 Milliarden Chinesen. Der Fisch-Blogger schreibt darüber:

Die Studie wirft wieder einmal Licht auf ein gravierendes Problem, das schon seit Jahrzehnten bekannt ist, aber allen Bemühungen einer Lösung widersteht.

[...] Diese Kontaminanten [reichern sich] in der Nahrungskette an, und da sie in Fett löslicher sind als in Wasser, scheiden wir derartige Verbindungen nur sehr langsam wieder aus. Deswegen und weil wir Menschen (abgesehen von Vegetariern) in der Nahrungskette sehr weit oben stehen, sammeln wir diese langlebigen Substanzen an. Entscheidend für die Menge an aufgenommenen Stoffen sind neben dem Alter auch Geschlecht und Ernährung: Frauen sind generell stärker betroffen, und wer tierische oder fettreiche Nahrung isst, nimmt mehr POPs auf. [...]

Viele dieser Verbindungen kommen nur in Mengen vor, die wesentlich geringer sind als diejenigen, bei denen nachgewiesene negative Effekte auftreten. Trotzdem besteht Grund zur Sorge, denn niemand weiß, welche Wirkungen diese geringen Mengen über sehr lange Zeiträume haben.

Mein “Lieblings-Schwermetall” verhält sich übrigend sehr ähnlich wie die POPs. Es verschwindet nicht, es breitet sich aus, es ist in (fast) jedem Menschen der Erde nachweisbar und sorgt schon in geringen Mengen für gesundheitliche Beeinträchtigungen.


“Echte Männer” leben auf großem Fuß

17. Januar 2008

Die skurrilsten Entdeckungen machen meist britische Forscher. Diese Meldung kommt aber aus Schweden. Eine “sehr kleine Gruppe” schwedischer Männer ist für den Löwenanteil an den Treibhausgasen des Landes verantwortlich. Dies geht aus einem 90-seitigen Bericht hervor, den das Außenministerium veröffentlicht hat. Die Studie über “Gender Equality as a Prerequisite for Sustainable Development” besagt, dass Frauen in Schweden und weltweit im Durchschnitt einen umweltverträglicheren Lebenstil führen als Männer, einen kleineren “ökologischen Fußabdruck” haben und in geringerem Maße zum Klimawandel beitragen.

Die Studie sieht auf den ersten Blick ganz ordentlich aus. Verhaltensweisen wie “dickes Auto fahren”, “richtig Gas geben” und “ordentlich Fleisch aufm Teller” sind der Umwelt nicht grade zuträglich und bei einigen Männern vermutlich weiter verbreitet als bei Frauen. Andererseits gilt “shoppen gehen” als eher weibliches Freizeitvergnüngen und ist in den meisten Fällen auch keine Verbesserung für die Umwelt.

Das Ergebnis ist jedenfalls: reiche Männer und reiche Frauen (dazu zählt global gesehen fast jedeR in der EU), müssen ihre Umweltauswirkungen reduzieren. Arme Männer und Frauen (mehrheitlich aus Asien, Afrika und Lateinamerika) dürfen sie noch etwas vergrößern.


So viel Müll

16. Januar 2008

Wisst ihr eigentlich wieviel Müll es gibt? Die Abfallverzeichnisverordnung listet 839 verschiedene Abfallarten nach Herkunft und Entstehungsprozess auf. Einige davon sind “gefährliche Abfälle” im Sinne von §41 des Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetzes. Das bedeutet, dass an ihre Entsorgung und Überwachung besondere Anforderungen gestellt werden. Einige Beispiele:

05 ist die Klasse für Abfalle aus der Erdölraffination, Erdgasreinigung und Kohlepyrolyse
05 07 steht für Abfälle aus Erdgasreinigung und -transport
05 07 01* sind quecksilberhaltige Abfälle. Und das Sternchen zeigt an, dass sie gefährlich sind. Alle quecksilberhaltigen Abfälle sind gefährlich und tragen ein Sternchen:

06 04 04* quecksilberhaltige Abfälle aus anorganisch-chemischen Prozessen
06 07 03* quecksilberhaltige Bariumsulfatschlämme aus Herstellung, Zubereitung, Vertrieb und Anwendung (HZVA) von Halogenen und aus der Halogenchemie
10 14 01* quecksilberhaltige Abfälle aus der Gasreinigung von Krematorien (sofern diese überhaupt gefiltert werden)
16 01 08* quecksilberhaltige Bestandteile von Altfahrzeugen
16 06 03* quecksilber enthaltende Batterien
17 09 01* Bau- und Abbruchabfälle, die Quecksilber enthalten
20 01 21* Leuchtstoffröhren und andere quecksilberhaltige Siedlungsabfälle

Gefährlich sind Stoffe die leicht entflammbar sind, giftig oder gesundheitsschädlich, ätzend, reizend, krebserregend, fortpflanzungsgefährdend oder erbgutschädigend. Die Begriffe sind in der EU-Richtlinie 91/689/EWG definiert. “Giftig” (Anhang III, H6) sind zum Beispiel Stoffe und Zubereitungen, die “bei Einatmung, Einnahme oder Hautdurchdringung schwere, akute oder chronische Gefahren oder sogar den Tod verursachen können”. Zudem gehört Quecksilber und Quecksilberverbindungen (Anhang II, C16) zu den Bestandteilen, die andere Abfälle zu gefährlichen Abfällen machen.

Zurück zum Abfallwirtschaftsgesetz. Was sind die “besondere Anforderungen”, die an die Entsorgung von gefährlichem Abfall gestellt werden? Art, Menge und Ursprung müssen registriert und die ordnungsgemäße Entsorgung nachgewiesen werden. Dies betrifft die “Erzeuger, Besitzer, Einsammler, Beförderer und Entsorger”. Die Entsorgung darf nur durch einen anerkannten Fachbetrieb vorgenommen werden. Diese Betriebe müssen Fachkenntnisse, persönliche Zuverlässigkeit, und eine ausreichende Haftpflichtversicherung vorweisen.

Im Anhang des AbfG steht, welche Beseitigungs- und Verwertungsverfahren angewandt werden können. Für Quecksilber kommt wahrscheinlich die Dauerlagerung (Anhang II A, D12) zum Beispiel in Bergwerken oder die Verwertung/Rückgewinnung von Metallen und Metallverbindungen (Anhang II B, R4) in Frage. Das Problem ist: ich will gar nicht, dass das Quecksilber wieder verwendet wird. Es gibt fast keine sinnvolle Verwendung mehr für das Schwermetall. Die existierenden Bestände müssen also irgendwie möglichst gefahrlos gelagert werden. Kommt das Problem jemandem bekannt vor? Genau, Atommüll ist auch nutzlos und gefährlich, eine Belastung für die Nachwelt. Nur – das Problem ist da und verschwindet nicht einfach. Ich versuche mich noch schlau zu machen, was der beste Umgang mit überschüssigem Quecksilber ist und was derzeit praktiziert wird.


Ecomafia – dreckige Geschäfte

10. Januar 2008

Ich habe grade mit einer Kollegin von Legambiente in Italien gemailt. Legambiente ist die größte Umweltorganisation in Italien. Sie kämpfen seit langem für eine Chlorproduktion ohne Quecksilber. In diesem Jahr wollen sie gemeinsam mit den Apotheken quecksilberhaltige Fieberthermometer einsammeln. Eine Aktion, die in Österreich bereits großen Erfolg hatte. Sondermüll korrekt zu entsorgen ist eine wichtige Sache – grade in Italien. Derzeit eskaliert die Situation in Neapel: Tausende Tonnen Hausmüll liegen auf der Straße und werden seit Dezember nicht abgeholt. Die Deponien sind überfüllt sind, Recycling- und Verbrennungsanlagen gibt es nicht, der Müll wird nicht getrennt. Katia meint dazu:Ecomafia

“All the world is looking at these problems and I am so frustrated about the bad situation there in Napoli, caused from years of bad administration, mafia and so on….”
(“Die ganze Welt schaut auf diese Probleme. Ich bin so frustriert über die Situation in Neapel, verursacht durch jahrelange schlechte Politik, Mafia und so weiter…”)

Auch Spiegel Online berichtet über die Müllgeschäfte der Mafia:

Vor allem aber bereicherten sich die Camorra-Clans mit einem zweiten Business, der mit der Hausmüllentsorgung nichts zu tun hat: mit hochgiftigem Industrie-Sondermüll, mit dioxin-, blei- oder quecksilberhaltigen Schlacken. Die entsorgen die Bosse zu Schnäppchenpreisen – indem sie sie einfach im Erdreich vergraben. Saviano weist darauf hin, dass die Bürger Kampaniens mittlerweile in einer großflächig verseuchten Region leben, dass die Rate bei Lungen- oder Leberkrebs ebenso wie bei Missbildungen nach der Geburt weit über Italiens Durchschnitt liegt.

Legambiente hat jetzt einen Bericht über die illegalen Geschäfte der Ecomafia erstellt.


Von der Kohle auf den Tisch

10. Januar 2008

Wie kommt das Quecksilber auf den Teller? Das Blue Ocean Institute hat dazu eine tolle Flash-Animation erstellt. Sie zeigt den Weg des Quecksilbers von der Quelle (Kohle- und Müllverbrennung, Chlorproduktion, Waldbrände …) über Mikroorganismen bis zu den Speisefischen: Mercury (not the planet).

Generell sollte man nur wenig große Fischarten wie Thunfisch, Schwertfisch oder Hai essen. Vor allem Kinder, stillende Mütter, Frauen die schwanger sind oder werden könnten (15-45) sollten besonders vorsichtig sein. Neben Amalgamfüllungen ist übermäßiger Fischkonsum die größte Ursache der Quecksilberbelastung im Körper.


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