Was, wenn sie nicht auf meine Anmache reagiert?

29. Oktober 2009

Energiesparlampen richtig entsorgenDie Berliner Stadtreinigung (BSR) ist bekannt für ihre witzige Werbung. Mit der neuesten Kampagne werben die “Men in Orange” dafür, durchgebrannte Energiesparlampen nicht in den Hausmüll zu werfen. Wenn “sie” auf die Anmache nicht mehr reagiert, muss sie zu einem der 15 Recyclinghöfe in Berlin oder einer anderen Sammelstelle gebracht werden. Das gilt natürlich auch in anderen Städten! Zu der BSR-Kampagne gibt es eine Website (www.energiesparlampen-richtig-entsorgen.de), Gratis-Postkarten und einen Flyer mit Foto-Love-Story.


Quecksilber: Energiesparlampe vs. Kohlestrom

30. September 2009

Inzwischen weiß es jeder und vor allem die Leuten die sich sonst kaum für Umweltschutz interessieren: Ja, in Energiesparlampen ist Quecksilber enthalten. Darum darf man sie nicht einfach in den Müll schmeißen, sondern muss sie recyceln lassen (Sammelstelle finden). Energiesparlampen sind vermutlich nur eine Übergangstechnologie und es ist gut, dass Lampenhersteller jetzt unter Druck stehen, energiesparende und quecksilberfreie Lampen weiterzuentwickeln. Wer sich jetzt eine gute Energiesparlampe mit langer Lebensdauer anschafft, braucht in 10 Jahren vielleicht keine neue mehr zu kaufen. Für manche Zwecke gibt es bereits jetzt LEDs oder Halogenstrahler, die viel weniger Energie als normale Glühbirnen benötigen.

Es ist aber auch klar, dass unser Strom nicht ohne Umweltschäden produziert wird. Wenn weniger Energie verbraucht wird, reduziert sich diese Umweltbelastung. Kernenergie verursacht Atommüll und Kohleverbrennung schadet nicht nur dem Klima, sondern dabei werden auch viele Gifte freigesetzt. Neben Quecksilber zählen dazu unter anderem Schwefeloxide, Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub, Kupfer, Blei, Arsen. Auch wer Ökostrom bezieht, hängt technisch am ganz normalen Stromnetz. Und Windräder, Wasserkraftwerke und Solarzellen sind auch ein Eingriff in die Natur.

Bisher habe ich es nur behauptet, jetzt mal nachgerechnet. Wird die Menge Quecksilber in Energiesparlampen wirklich durch die Energieeinsparung ausgeglichen?

Daten hierfür liefert das europäische Schadstoff-Register EPER. Demnach wurden im Jahr 2004 insgesamt 5,35 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen ausgestoßen. Darin sind allerdings nur Großkraftwerke enthalten. Einzelne Großkraftwerke sind alleine für mehrere hundert Kilogramm Quecksilber verantwortlich. In Jahr 2004 wurden insgesamt 615,3 TWh Strom erzeugt (XLS-Datei). Dies ergibt 0,0087 Milligramm Quecksilber pro Kilowattstunde (5.350.000.000 Milligramm / 615.300.000.000 kWh). Das Öko-Institut kommt gar auf 0,0147 mg.

Eine Energiesparlampe mit 20 Watt (0,02 kW) ist ungefähr so hell wie eine Glübhirne mit 100 Watt (0,1 kW). Die Energiesparlampe hat eine angegebene Brenndauer von etwa 6.000 Stunden und darf maximal 5 Milligramm Quecksilber enthalten. Man rechnet also:

Energiesparlampe:
5 mg Hg + 0,02 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 5 mg Hg + 1,04 mg Hg = 6,0 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 6.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh = 5,2 mg Hg

In diesem Vergleich schneiden die Energiesparlampe und die Glühlampe nach sechs Jahren etwa gleich ab. Bei der Stromerzeugung fallen neben Quecksilber aber noch andere Schadstoffe an, nicht zuletzt Atommüll. Und das Quecksilber in der Energiesparlampe ist nicht in der Umwelt verteilt, sondern kann recycelt werden. An den Quecksilberemissionen aus der Kohleverbrennung lässt sich kurzfristig wenig ändern. Gute Energiesparlampen halten nach meiner Erfahrung sogar länger als 6.000 Stunden. In einer Langzeituntersuchung von Stiftung Warentest haben Lampen von Osram, Philips, Megaman und GE über 19.000 Stunden ausgehalten. Auch der Grenzwert von 5 Milligramm Quecksilber wird von vielen Herstellern weit unterschritten. Die Osram Dulux EL Longlife enthält 2,5 mg, Megaman Energiesparlampen enthalten im Durchschnitt weniger als 2 Milligramm Quecksilber. Damit ergibt sich:

Energiesparlampe:
2 mg Hg + 0,02 kW * 10.000 h * 0,0087 mg Hg/kWh
= 2 mg Hg + 1,74 mg Hg = 3,7 mg Hg

Glühlampe:
0,1 kW * 10.000 h * 0,00869 mg Hg/kWh = 8,7 mg Hg

Eine gute Energiesparlampe verursacht also weniger als die Hälfte Quecksilber einer vergleichbaren Glühlampe!

CC-BY-NC: Wolfgang Staudt (flickr)
Foto CC-BY-NC: Wolfgang Staudt, flickr


Klimawandel wird schrecklich

31. August 2009

Die Schrecken des Klimawandels:

  • Dürren in Afrika
  • Orkane in den USA
  • Überschwemmungen in Asien
  • Abschmelzen der Gletscher und der Pole
  • Glühbirnenverbot in Europa

Creative Commons BY-NC-SA: burnt out Impurities

Ach ja, die Welt ist wirklich ungerecht. Damit die Trennung von der Glühbirne nicht so schwer fällt, hier einige Links mit guten Infos über Energiesparlampen und ihre fachgerechte Entsorgung:

Nabu: Gerüchte um die giftige Birne. Was Sie über Energiesparlampen wissen sollten

Stiftung Warentest: Energiesparlampen-Test 2006 (abruf kostenlos, neuerer Test erhältlich) Testsieger: Osram Dulux EL Longlife

Lichtzeichen: Energiesparlampen nutzen und richtig entsorgen (nicht wegwerfen, sondern beim Recyclinghof oder Händler abgeben)

Ökostrom: Atomausstieg selber machen (ob mit oder ohne Energiesparlampe)

Foto: burnt out Impurities (Creative Commons BY-NC-SA)


Wiedeking?

23. Juli 2009

Zu dem goldigen Porschechef Ex-Porschechef habe ich vor anderthalb Jahren eigentlich schon alles gesagt.


Symbolik (13) – der King of Pop

26. Juni 2009

Michael Jackson ist tot. Endlich möchte man sagen, denn die letzten Jahre waren alles andere als glücklich für den King of Pop: das schönheitsoperierte Gesicht zerfallen, Gerichtsverfahren wegen Pädophilie in der Öffentlichkeit ausgetragen, musikalisch war nichts neues zu erwarten. Jackson glich auf tragische Weise dem King of Rock, Elvis, dessen hüftschwingende Jugend von einem aufgequollenem, medikamentenabhängigen Alter überschattet wird. Wie glücklich erscheinen dagegen Kurt Cobain, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison und andere Mitglieder des Klub 27.

Doch in diesem Blog geht es nicht um Musik. Ihr ahnt wahrscheinlich schon was kommt. Die FAZ hat einen Nachruf auf Michael Jackson gedruckt, in dem steht:

Der große Filmregisseur Martin Scorsese, den Jackson für sein Video „Bad“ engagierte, erinnerte sich, wie beeindruckt er von Jacksons Meisterschaft des Tanzes und seiner Musik war: „Jeder seiner Schritte war absolut präzise und zugleich flüssig. Es war, als sähe man Quecksilber in Bewegung.“


Fluch oder Segen?

30. November 2008

Zum Abschluss noch ein kurzer Text von mir selber, der nicht fehlen darf:

Fluch oder Segen?
Der Streit um Quecksilber in der Medizin ist auch nach Jahrhunderten noch nicht entschieden

In einem sind sich die Mediziner des 21. Jahrhunderts einig: als Salbe gegen Syphilis bewirkt Quecksilber mehr Schaden als Nutzen. Noch vor 100 Jahren wurden Patienten großflächig mit dem Schwermetall eingerieben. Viele starben schneller an der Behandlung als an der Krankheit. Bei weiteren Anwendungsgebieten in der Medizin dauert der wissenschaftliche Streit an, berichtet FLORIAN NOTO vom DEUTSCHEN NATURSCHUTZRING (DNR).

Artikel als PDF lesen: Florian Noto: Quecksilber in der Medizin


Symbolik (12) – Miami und Iggy Pop

27. November 2008

Quecksilber ist mehr als ein schnödes Element mit der Ordnungszahl 80. Das flüssige Metall umgibt in mancher Hinsicht eine gradezu mystische Aura. Es wird für vielerlei Sinnbilder verwendet, häufig dann, wenn ein Vergleich besonders literarisch sein soll. Der Nachrichtensender CNN hat Iggy Pop gefragt, was er von der Stadt Miami / Florida hält und ob Ähnlichkeiten bestünden. Iggy antwortet:

Miami ist absolut nicht wie ich. Deshalb muss ich auch hier sein – sie ist genau das Gegenteil. Ich bin sehr praktisch wobei dieser Ort launisch ist. Ich bin vom Wesen her eher stur, wobei es hier einen gewissen Feinsinn gibt. Ausserdem bin ich in einer Art materialistisch wo Miami absolut spirituell ist – die Stadt hat etwas von Quecksilber.

(via news.ch)


“Öko”-Test irrt

13. Oktober 2008

Die Zeitschrift Ökotest hat in der Oktober-Ausgabe noch einmal alle Vorurteile über Energiesparlampen gesammelt und gemeint sie bestätigen zu müssen. Die Autorin stellt so wilde Thesen auf wie die, dass das “schlechte Licht” der Lampen Krebs verursache. Über Quecksilber lassen sie sich natürlich auch aus:

Emittiert die Glühbirne mehr Quecksilber als die Energiesparlampe?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst wissen, dass bei der Stromerzeugung in Steinkohlekraftwerken Quecksilber und Quecksilberverbindungen freigesetzt werden. Kritiker der Glühbirne rechnen hoch, dass diese Lampen ja mehr Strom verbrauchen als Energiesparlampen und dadurch mehr Quecksilber freisetzen.

Aufmerksame LeserInnen dieses Blogs wissen, dass das stimmt. Aber es ist nur die halbe Wahrheit, denn Braunkohle enthält natürlich auch Quecksilber! Der Gehalt in der Braunkohle ist nicht unbedingt niedriger als der in der Steinkohle, sondern es gibt bei beiden vor allem regional große Unterschiede. Ökotest aber rechnet munter mit 27 Prozent Steinkohle im deutschen Strommix vor, dass “zumindest ein Drittel der Energiesparlampen im Test deutlich mehr Quecksilber in die Umwelt ab[geben] als die Glühbirne”. So weit, so falsch. Zudem geht Öko-Test davon aus, dass alle Lampen nicht recycelt werden. Das ist zwar leider nah an der Wahrheit, doch aus Privathaushalten werden immerhin 10 Prozent der Lampen korrekt entsorgt, was in der Berechnung nicht berücksichtigt wurde. Geht man zudem hoffnungsvoll davon aus, dass die Recyclingquote in den nächsten Jahren steigt, muss man dies bei einer heute gekauften Lampe meines Erachtens auch berücksichtigen. Schließlich ist die Fragen doch: soll man heute eine Energiesparlampe kaufen? Meine Antwortet lautet eindeutig: ja (und wenn sie kaputt ist, natürlich auch recyceln)!


Frau Lembke

22. September 2008

Frau Lembke ist eine aufgeklärte Verbraucherin. Deswegen fragt sie beim Zahnarzt auch kritisch nach, als er ihr Amalgam in den Mund tun will. Als sie es schließlich verweigert, muss das bereits angerührte Amalgam (das eben noch in ihren Zahn gefüllt werden sollte) als gefährlicher Sondermüll entsorgt werden. “Frau Lembke will kein Amalgam” ist eine kurze Comic-Geschichte, die im schicken Siebdruck als “Flottes Heft” und in limitierter Auflage in der Edition Hammeraue bei Eigenhufe erschienen ist. In ganz wenigen Läden gibt es das zu kaufen, man kann es aber auch bestellen.

Und ganz vielleicht drucke ich die Hefte nach … Aber sicher kein Siebdruck, also greift besser zu bevor sie vergriffen sind.


Van Gogh und das Quecksilber

14. August 2008

Woran erkennt man ein echtes Van-Gogh-Gemälde? Am Quecksilber! Materialwissenschaftler aus Belgien und Deutschland haben unter dem Bild “Grasgrond” ein Portrait von einer Landfrau entdeckt. Welt der Physik berichtet:

Sogenannte Punktmessungen rastern das Bild ohne es zu beschädigen Punkt für Punkt ab. So wurden Art und Menge verschiedener Elemente analysiert, wodurch die Verteilung der Pigmente sichtbar wurde. Zwei chemische Elemente spielten dabei eine große Rolle: Antimon und Quecksilber. Obwohl nur in geringer Konzentration messbar, enthüllt die intensive Fluoreszenzlinie des Antimons die hellen Stellen von Nase oder Kinn. Quecksilberhaltiges Pigment wurde für die rötlichen Lippen und Wangen verwendet.

[Die Experten] identifizierten ein für Van Gogh typisches Pigment: Neapelgelb (Bleiantimonat). Bei der Quecksilberverbindung handelt es sich um Zinnoberrot bzw. Quecksilbersulfid. Diese Analysen führten zu einer detaillierten, farbigen Rekonstruktion des unterliegenden Bildes.

Bild: Vincent Van Gogh – Selbstbildnis (1887)


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