Münchhausensyndrom

30. Mai 2008

Kampusch, Fritzl … in letzter Zeit kommen aus Österreich einige skurrile Kriminalgeschichte. Im sogenannten „Quecksilberprozess“ wurde jetzt ein Mann wegen Verleumdung verurteilt. Er hatte sich selbst mit Quecksilber vergiftet, um es seiner Frau anzulasten, meldet der ORF. Die Ehe der beiden scheint nicht die Glücklichste gewesen zu sein.


4000 Quecksilber-Thermometer weniger

29. April 2008

Erfreuliche Nachrichten aus der Region Nordrhein: in Düsseldorf, Mönchengladbach, Duisburg, Krefeld, Kleve und weiteren Städten haben 38 Apotheken innerhalb von zwei Wochen über 4000 Quecksilber-Thermometer gesammelt. Die Apotheken der Kooperation „Gesund ist bunt“ Nordrhein boten ihren Kunden im Austausch für ein altes Quecksilber-Thermometer einen neuen digitalen Fiebermesser zum Preis von nur einem Euro an. Die beteiligten Apotheker zeigten sich „sehr zufrieden“ mit der Aktion und ich bin es auch :)

Pressemitteilung: Gesund-ist-bunt-Apotheken tauschen in nur zwei Wochen über 4.000 alte Quecksilber-Fieberthermometer um


Salzburg sieht Rot

26. Februar 2008

180px-le_brun.jpgIn der Salzburger Residenzgalerie wird ab 8. März die Ausstellung „Rot Red Rouge – Studien zu einer Farbe“ gezeigt. In der Ankündigung heißt es:

„Rot ist die auffälligste Farbe, die entwicklungsgeschichtlich schon sehr früh mit symbolischer Bedeutung und damit im archaischen Denken mit magischen Vorstellungen verknüpft wird. Die komplizierte Herstellung des roten Pigments Zinnoberrot (Quecksilbersulfid) aus Quecksilber und Schwefel war nicht nur den Künstlern vertraut, sondern stellte auch für die Alchimisten eine bedeutende rituelle Handlung dar. Rot ist in unserer Kultur und Wahrnehmung die Farbe des Lebens, der Freude, der Leidenschaft und der Liebe, aber ebenso der Aggression und damit verbunden der absoluten Demonstration von Macht. Die traditionelle europäische Malerei nutzt diese signifikante Vielschichtigkeit der Symbolik der Farbe Rot, die bereits in der Interpretation im klassischen Farbenkanon hin und her schwankt zwischen der Reduktion auf sinnlichen Reiz und reinen Dekor einerseits sowie komplexer ikonographischer Inhalte andererseits [...] In der Ausstellung werden barocke Gemälde Werken der Gegenwartskunst gegenübergestellt.“

Bild: Charles Lebrun im Selbstporträt


Österreich: 1000 kg Quecksilber gesammelt

8. November 2007

In Apotheken in Österreich wurden im Oktober eine Million quecksilberhaltige Fieberthermometer abgegeben. Die Sammelaktion wurde vom Umweltministerium („Lebensministerium“) unterstützt. Im Tausch für ein altes Thermometer bekamen Kunden ein neues, digitales Fiebermessgerät für den subventionierten Preis von einem Euro.

Etwa eine Tonne Quecksilber wurde mit der Aktion aus dem Verkehr gezogen. Umweltminister Proll sagte: „Österreich hat seine Vorreiterrolle im Umwelt- und Gesundheitsbereich wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“ Das Quecksilber könne nun ordnungsgemäß entsorgt werden. Der Präsident der Apothekerkammer Burggasser wertete den „großen Einsatz unserer ApothekerInnen“ als „wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Österreicher“. Die Initiatoren hatten zunächst mit nur 50.000 Thermometern gerechnet. Aufgrund der hohen Beteiligung an der Aktion fehlen weiterhin 200.000 digitale Wechselgeräte, die den Berechtigten bis Dezember ausgehändigt werden sollen. Der Verkauf von quecksilberhaltigen Messinstrumenten ist ab 2009 in der gesamten EU verboten.


Fieberthermometer-Sammelaktion beendet

25. Oktober 2007

Über die Sammlung von quecksilberhaltigen Fieberthermometern in Apotheken in Österreich habe ich schon mehrfach berichtet. Heute geht sie zu Ende. Am Ende hat niemand mehr genau nachgezählt, aber es wurden wohl ungefähr 600.000 Thermometer abgegeben. Das macht ein Thermometer auf vierzehn Einwohner, umgerechnet auf Deutschland etwa sechs Millionen! Umweltminister Josef Pröll bezeichnete es als „die größte und erfolgreichste Umweltaktion im Abfallbereich“. Die Apothekerkammer geht von 500 kg Quecksilber aus, die aus dem Verkehr gezogen wurden. Einen kleinen Anreiz war, dass beim Umtausch ein Digitalthermometer für einen Euro (statt 6,30 Euro) abgegeben wurde – die wegen des großen Erfolgs allerdings erst noch nachproduziert werden müssen (Quelle: Kleine Zeitung).

Ökonomisch ist das sinnvoll, denn die Folgekosten von in die Umwelt freigesetztem Quecksilber können sehr viel höher sein. In Schweden, wo einige schwermetallverseuchte Gewässer auffwändig gereinigt werden mussten, hat die Regierung die Rückgabe eines Thermometers mit umgerechnet bis zu 7 US-$ belohnt. Zudem haben in Schulen und Universitäten abgerichtete Hunden nach Quecksilber gesucht und so einige Tonnen aus dem Verkehr gezogen. Auch auf EU-Ebene treibt Schweden die Politik gegen Quecksilber voran. Jag älskar Sverige!


RoHS wirkt

24. Oktober 2007

Die „Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten“ (RoHS – Restriction of the use of certain hazardous substances in electrical and electronic equipment) ist ein EU-Gesetz, das den Einsatz bestimmter giftiger Substanzen in Elektro- und Elektronikgeräten verbietet. Hierzu zählen Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Cadmium), sechswertiges Chrom und bestimmte Brom-Verbindungen. Diese Stoffe werden in der Umwelt kaum abgebaut, sondern reichern sich an. Was heute davon freigesetzt wird, breitet sich zum Teil weltweit aus und wird noch vielen Generationen Probleme bereiten. Die Elektro-Hersteller müssen zum Teil erhebliche Änderungen in der Produktion vornehmen, um die RoHS-Vorschriften zu erfüllen.

Greenpeace hat nun 18 Laptops verschiedener Hersteller untersucht. Das Ergebnis ist zumindest bei den Metallen erfreulich. Nirgendwo fanden die Tester Blei, Quecksilber, Cadmium oder Chrom(VI)-Verbindungen. Na also, es geht doch! Größere Probleme bzw. geringer Bereitschaft zeigen die Computerhersteller dagegen bei der Vermeidung von Brom und bromierten Flammschutzmitteln, sowie Giftstoffen die nicht von RoHS erfasst sind. Nur Sony und Toshiba verwenden inzwischen bromfreie Hauptplatinen und stehen damit dem Ziel eines „grünen“ Computers am nächsten.

Alle Hersteller setzen noch PVC und Phtalate-Esther (Weichmacher) ein. Die schlechtesten Werte hatten Acer und HP. PVC ist an sich ungiftig, aber seine Entsorgung verursacht Probleme, da PVC Chlorverbindungen freiwerden lässt und seine Verwendung oft den Einsatz toxischer Phathalat-Esther erfordert. Aus Brom- und Chlorverbindungen können bei der Verbrennung giftige Dioxine und Furane entstehen.

Alle Testgeräte waren RoHS-konform, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb der EU gekauft wurden. Greenpeace sieht darin einen weitreichenden Erfolg von RoHS, dass sich tatsächlich globale Produktionsprozesse verändern. Allerdings sind viele Giftstoffe von dem Gesetz nicht erfasst. Diese Lücke müsse geschlossen werden, so die Forderung. (via: heise.de)

Nachtrag
Die Wiener Zeitung schreibt offenbar ganz ohne Ironie:

Man nehme Blei, Quecksilber und Cadmium, mische mit reichlich Bromiden, gebe tüchtig Chloridverbindungen und anderes Zeug dazu und stelle das fertige Gerät auf Schreibtische in Büros. Ungefähr nach dieser Formel entstanden lange Zeit Laptops. Seit einigen Jahren werden national und international Gesetze gegen Gift in der Elektronik erlassen. Jetzt bestätigt sogar Greenpeace, dass die Geräte langsam, aber sicher grüner werden.


Mail aus Argentinien

22. Oktober 2007

Die österreichischen Thermometer ziehen ihre Kreise … Jetzt habe ich eine Mail aus Argentinien bekommen. Jorge vom „Centro de Protección a la Naturaleza“ aus Santa Fe hat mir von einem Vorfall vor vier Jahren berichtet. Damals gab es in Santa Fe eine große Hochwasserkatastrophe von der ein Drittel der Stadt betroffen war und mehrere Menschen ums Leben kamen. Es kamen Spenden aus aller Welt, unter anderem hat das Deutsche Rote Kreuz Thermometer gebracht. Eine noble Geste! Noble Geste? Es waren 5.000 Thermometer mit Quecksilber, die sie wahrscheinlich los werden wollten. Sondermüll, der sonst teuer entsorgt werden müsste.

Manchmal ist es bei derartigen Katastrophen wichtig überhaupt irgendwelche Fieberthermometer zu haben, um Seuchen zu vermeiden oder eindämmen zu können. Aber 5000? Und alle mit Quecksilber? Das Problem geht auch noch viel weiter. Während in der EU ab 2009 Quecksilberthermometer verboten sind, ist der Export weiterhin erlaubt. Ein Exportverbot tritt frühestens 2010 in Kraft und noch streiten die Umweltminister der Staaten, die EU-Kommission und das Europa-Parlament darum, welche Quecksilber-Verbindungen und quecksilberhaltige Waren davon erfasst sind.

Mir macht diese Mail, genauso wie das Ende der Quecksilberthermometer in Indien noch einmal klar, dass solche Themen kein „Luxus“ sind, der nur die Industrieländer betrifft. Im Gegenteil: hier werden die Thermometer hergestellt (oder aussortiert), die in anderen Regionen Probleme verursachen.


Wo hin mit den Thermometern?

18. Oktober 2007

Die Quecksilberthermometer die in Österreich gesammelt werden, sollten ursprünglich in eine alte Mine nach Hessen gebracht werden. Die Saubermacher AG aus Graz ist für die fachgerechte Entsorgung zuständig. Sie schreiben:

Die österreichischen Apotheken nehmen kostenlos alte Quecksilber-Fieberthermometer zurück und bieten ein hochwertiges Digital- Fieberthermometer um nur 1,– Euro an. Es wird in der Apotheke in einem eigenen Behälter aufbewahrt und nach Ablauf der Aktion fachgerecht von der Firma Saubermacher entsorgt.

Fachgerechte Entsorgung heißt in diesem Fall, dass die Fieberthermometer in ein Sicherheitsgebinde gepackt werden. Auf diese Weise werden die Fieberthermometer auf den umweltschonenden Transport mittels Bahn nach Hessen, Deutschland, vorbereitet. In Hessen werden diese Sicherheitsgebinde in eine 800 m tiefe, nachsorgefreie Untertagedeponie gebracht, ein stillgelegter Bergbaubetrieb, dessen offene Hohlräume mit diesen Behältern aufgefüllt werden. Die Hohlräume sind wasserfrei und trocken. Aufgrund der konstanten Temperatur können die Behälter mit den Fieberthermometern jederzeit wieder zutage gebracht werden.

Mittlerweile wurden zehn Mal so viele Thermometer eingesammelt wie geplant. „In Apothekerkreisen“, heißt es in einer Agenturmeldung, „fragte man sich auch, was mit dem wertvollen Quecksilber im Endeffekt eigentlich geschehe.“ So wertvoll ist Quecksilber gar nicht (etwa 20 $ pro kg) und es gibt eigentlich zu viel davon. In europäischen Chlorwerken lagern noch 12.000 Tonnen, das reicht für mindestens 2.400 Milliarden Energiesparlampen oder 120 Milliarden Zahnfüllungen. Die Frage ist dennoch berechtigt. In den 500.000 Thermometern sind 100 bis 200 Kilogramm Quecksilber enthalten (150-500 Milligramm pro Stück). Auch wenn es sich lohnen würde die Thermometer aufzubrechen und das Quecksilber zu verkaufen – was sollte dann damit passieren? Bei der Goldgewinnung in Brasilien oder in russischen Chlorwerken will es hoffentlich niemand einsetzen. In Schweden wird eine Verfahren entwickelt, um Quecksilber wieder in die natürliche Verbindung mit Schwefel (Zinnober, HgS) zu bringen. In diesem Zustand kann es sicher über Jahrtausende gelagert werden.


Update Österreich – wo hin mit den Thermometern?

17. Oktober 2007

Die Sammlung von Quecksilber-Thermometer (Österreich macht’s vor, Thermometer vergriffen) in österreichischen Apotheken nimmt langsam bizarre Ausmaße an. Als erstes gingen die Digitalthermometer aus, die für einen Euro getauscht werden sollten. Die Kunden bekommen nun Gutscheine ausgehändigt oder werden in eine Warteliste eintragen. Zunächst hieß es, dass neue Thermometer produziert und im Dezember ausgeliefert würden. Nun soll der Lieferant in „ganz Europa“ nach Nachschub suchen. Jetzt gibt es Probleme mit der Sammlung. Einige Apotheker wissen mittlerweile nicht mehr wo hin mit den abgegebenen Messgeräten. „Wir haben eine einzige Kunststoffbox dafür bekommen. Da gehen gezählte 70 Thermometer hinein. Aber rund 500 haben wir schon“, sagte ein Apotheker. Die Organisatoren rechneten bundesweit mit 50.000 Fieberthermometern, jetzt sind es schon eine halbe Million. (Kleine Zeitung, Die Presse)

Ob sich da wohl ein paar ganz Schlaue noch kurz vor der Aktion mit Quecksilberthermometern eingedeckt haben, um günstig an Digitalthermometer zu kommen? Wohl kaum. 1. ist der Preisunterschied ziemlich gering. 2. wussten die Apotheker als erste von der Aktion. Wenn jemand im September eine größere Menge Tauschware kaufen wollte (sofern es die überhaupt noch gab), hätte jeder Apotheker gewusst was läuft. 3. bekommt man zwar im Internet Quecksilber-Thermometer, aber die Umtauschaktion scheint im ganzen Land gut zu laufen. Es sind also nicht einige wenige, die die Apotheken überrennen, sondern wirklich viele Menschen die ihren Medizinschrank aufräumen. 4. wird man in den nächsten Jahren mit Digital-Thermometern in Österreich wohl wenig Geld verdienen können. Jetzt sind ja alle versorgt.

Das es so ein großes Interesse am Umtausch gibt ist an sich ein gutes Zeichen. Viele Menschen wissen (spätestens jetzt), dass die Thermometer gefährlich sind und sind bereit sie abzugeben, haben sie aber glücklicherweise noch nicht im Hausmüll entsorgt. Was gefehlt hat ist eine Entsorgungsmöglichkeit und ein kleiner Anreiz. Einfache Aktion – überwältigende Reaktion.


Digital-Thermometer vergriffen

15. Oktober 2007

Vor nicht einmal einer Woche haben die Apotheken in Österreich eine Umtauschaktion von Quecksilber-Thermometern gestartet. Wer ein altes Messgerät abgibt, bekommt ein neues, digitales für nur einen Euro. Jetzt sind in vielen Apotheken die die digitalen Umtauschthermometer vergriffen, meldet der ORF. Die OÖNachrichten berichten gar, dass „nach nur wenigen Stunden die Apotheken leergekauft“ und 500.000 Digital-Fiebermesser ausgegeben waren. Wer ein Quecksilber-Thermometer abgibt kommt nun auf eine Warteliste oder erhält einen Gutschein. Umweltminister Pröll sagte der Zeitung Die Presse: „Die Konsumenten beseitigen damit eine gefährliche Quelle für Vergiftungen aus dem Haushalt“. Die Aktion dauert noch bis zum 25. Oktober.

Tolle Aktion! Ich werde versuchen auch in Deutschland so etwas anzuregen und habe schon Kontakt zum Apothekerverband aufgenommen. In Deutschland muss man die Quecksilber-Thermometer zur kommunalen Annahmestelle für Sondermüll bringen.