Mercury Rising

9. Februar 2009

Ban Toxics! (Philippinen)

Die Zero-Mercury-Partnerorganisationen Ban Toxics! und GAIA haben am 5. Februar in Manila / Philippinen zur Veröffentlichung einer Studie über Quecksilber diese kreative Aktion durchgeführt. Die Studie behandelt globale Quecksilberbelastung aus Müllverbrennung. Quecksilber ist in Elektroschrott, Energiesparlampen, medizinischen Produkten, Batterien und alten Messgeräten enthalten.

Studie: Mercury Rising. Reducing Global Emissions From Burning Mercury-added Products (PDF 6,2 MB).

Foto: (C) Lean John Pasion


„Da ist aber Quecksilber drin“

27. November 2008

Teil 4 des Quecksilber-Heftes

„Da ist aber Quecksilber drin“
Energiesparlampen sind wertvoll für den Klimaschutz und zu wertvoll für den Müll

Über Energiesparlampen existieren viele Vorurteile. Tatsächlich enthalten die kompakten Klimaschützer kleinere Mengen Quecksilber und dürfen daher nicht im Hausmüll entsorgt werden. Warum sie trotzdem gut für die Umwelt und das Klima sind verrät MARIA ELANDER von der DEUTSCHEN UMWELTHILFE (DUH).

Artikel als PDF lesen: Maria Elander: Quecksilber in Energiesparlampen


Ideen für den Mülleimer (3): die Einweg-DVD

28. Juli 2008

Manche Ideen sind einfach für den Mülleimer. Leider landen sie dort nicht als Entwurf, sondern als fertiges Produkt. So wie die Einweg-DVD, die sich 48 Stunden nach dem ersten ansehen selber zerstört. Klingt wie in einem schlechten Agentenfilm? Ist es auch. 3,99 Euro kostet der Quatsch, also wesentlich mehr als die übliche Leihgebühr in einer Videothek. Die Stifung Warentest urteilt:

Unter Umweltgesichtspunkten ist die Wegwerf-DVD sehr fragwürdig. Und die versprochene Haltbarkeit von 48 Stunden nach dem ersten Abspielen wird nicht eingehalten. Stattdessen ließen sich die DVDs schon nach weniger als einem Tag nicht mehr fehlerfrei abspielen.

Und die Süddeutsche Zeitung weiß:

Das Prinzip der Wegwerf-DVD ist nicht neu: Bereits Mitte der Neunziger Jahre konnten sich die Formate „Flexplay DVD“ und die „Time Limited DVD-ROM“ nicht auf dem Markt etablieren. 2004 bot der Medienkonzern Disney Einmal-DVDs an [...] Doch in den USA wollte keiner diese DVD mit Haltbarkeitsdatum kaufen.


Ideen für den Mülleimer (2): Wegwerfhandy

15. Juli 2008

Es gibt Doofe, Faule und Böse.“ schreibt Burkhard Strassmann in der ZEIT. „Darum, sagt sich der für seine Einwegfeuerzeuge bekannte Wegwerfspezialist BIC, gibt es auch einen Markt für Wegwerfhandys.“

Über dieses „praktische“ Gerät habe ich vor einiger Zeit schon mal berichtet. Jetzt hat BIC das Ding in Frankreich wirklich auf den Markt gebracht. Wie ich schon sagte: manche Ideen sind einfach für den Mülleimer. Leider landen sie dort nicht als Entwurf, sondern als fertiges Produkt. Herr Strassmann wird noch deutlicher: „Wenn das Bicphone in Frankreich ein Erfolg wird, soll sich die Pest über ganz Europa verbreiten. Ende 2008 wissen wir also Genaueres zur Frage, wie verbreitet sie hierzulande sind: die Doofen, die Faulen und die Bösen.“


Quecksilber zur Schädlingsbekämpfung

29. April 2008

Quecksilber ist hochgiftig. Das wusste man auch schon früher – und hat es zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Heute gibt es glücklicherweise sanftere und zielgerichtetere Produkte, doch die Nachwirkungen sind noch spürbar. Die Welt berichtet über Quecksilber, das vor 80 Jahren vergessenen wurde und jetzt auf unangenehme Weise zum Vorschein kam:

Bei Renovierungsarbeiten [...] tropfte plötzlich Quecksilber zwei Arbeitern auf Arme und Hände. Beide Männer kamen mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus. Feuerwehrleute holten etwa eineinhalb Kilo des giftigen, flüssigen Schwermetalls aus einer Gipsdecke. Vermutlich wurde laut Feuerwehr das Quecksilber in dem 1929 gebauten Haus zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Danach hatte man es offenbar einfach in der Decke vergessen.


Sechs, setzen

21. April 2008

Das verschwundene Quecksilber in Essen ist wieder aufgetaucht. Die Polizei hat mehreren Schülern einen Besuch abgestattet und es bei einem 15-Jährigen im Badezimmerschrank gefunden. Junge, Junge, da biste grade noch mal glimpflich davon gekommen. Kommentar einer Mitschülerin:

Der Typ is bei mir inne Parallelklasse und der macht immer sowas der bastelt rauchbomben oder sprüht mit tränengras rum aber aufgeklärt werden wir erst in der 9.

Auch in München gab es Probleme mit Quecksilber in der Schule. Ein Putzmann am Donnerstag ein Quecksilber-Barometer versehentlich zerbrochen und die Reste einfach in den Mülleimer getan. Ein Lehrer hat den gefährlichen Sondermüll am Freitag Morgen vor dem Unterricht entdeckt und den betroffenen Physiksaal gesperrt. Die Feuerwehr hat alles erreichbare Quecksilber aufgenommen und als Sondermüll entsorgt. Eine Spezialfirma soll jetzt den Raum vollständig dekontaminieren. Viel schlimmer wäre es natürlich gewesen, wenn vielleicht erst Monate später jemand bemerkt hätte, dass das Barometer nicht mehr da ist …

Liebe Lehrer: sorgen Sie doch bitte dafür, dass in Ihrer Schule keine Quecksilber-Geräte mehr stehen oder auf jeden Fall für Lausbuben und Tolpatsche unerreichbar sind.


Ideen für den Mülleimer (1): das Einweghandy

15. April 2008

Manche Ideen sind einfach für den Mülleimer. Leider landen sie dort nicht als Entwurf, sondern als fertiges Produkt. So wie das Einweghandy HOP1900, das nichts mehr taugt, sobald das Guthaben abtelefoniert ist. Eine brilliante Idee, um Rohstoffe in Müllberge zu verwandeln. (via: daburna)

Sehr empfehlen möchte ich an dieser Stelle The Story of Stuff, ein brilliantes 20-min-Video über Zeugs. Hier ein Trailer:


Neulich bei IKEA

14. April 2008

Ich hasse Ikea. Die Sachen sind praktisch, von guter Qualität, günstig, schön designt, auf Schadstoffe getestet, alles was man will. Was mich nervt ist der Das-habe-ich-auch-Effekt. Ivar, Billy, Expedit stehen in allen Wohnzimmern. Zu besuch bei Freunden steht plötzlich „mein“ Regal in ihrem Zimmer.

Neulich war ich wieder da, bei IKEA in Tempelhof. Ich geb’s zu, ich habe auch so ein Regal und wollte Zubehör kaufen (das lässt sich ja alles so toll kombinieren!). Das schwedische Möbelhaus sieht wahrscheinlich auch überall auf der Welt gleich aus, eine Beschreibung erspare ich mir. Ihr kennt ja die vielen tollen Dinge, von denen man erst weiß, dass man sie braucht, wenn sie einem plötzlich im Weg stehen. In den riesigen Hallen, die geschickt in kleine, gemütliche Wohn-, Arbeits-, Bad-, Küchenbereiche eingeteilt sind, verschwimmen Raum und Zeit. Jetzt geht es mir mit diesem Artikel schon wie bei einem Besuch bei Ikea, ich schweife vollkommen ab. Was ich eigentlich nur mitteilen wollte ist: dort werden alte Energiesparlampen gesammelt! Gute Sache das. Es ist ja Quecksilber drin, und sie dürfen nicht in den Hausmüll geworfen werden. Beim nächsten Besuch beim Schweden, nimmst du bitte deine ausgebrannten Sparlampen mit. Danke.


Heiligengrabe stoppt Müllverbrennung

6. Februar 2008

Auch Müllverbrennungsanlagen stoßen Quecksilber aus. Wenn Energiesparlampen, Leuchtröhren, alte Thermometer, Schalter, Elektrogeräte, herausgefallene Plomben oder gar größere Mengen Quecksilber aus Unternehmen illegal im Hausmüll landen, kann das Gift nur schwer wieder gefiltert werden. Zwar haben die MVAs in Deutschland so hohe Kapazitäten, dass sie Abfall aus ganz Europa importieren, das hindert windige Geschäftsleute aber nicht daran noch mehr Anlagen zu errichten.

In Heiligengrabe, im Nordwesten Brandenburgs, hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gegründet, die einen solchen Neubau verhindern will. Sie gehen von „25 Tonnen Staub, 75 kg Quecksilber und 120 kg Schwermetallen“ aus, die das „Ersatzbrennstoffkraftwerk“ im Jahr ausstoßen würde. Schon länger aktiv ist die „BI für gesunde Umwelt Schorfheide“ gegen eine Sondermüllverbrennung in Eberswalde (nordöstliches Brandenburg).

Märkische Allgemeine: Front gegen mögliches Kraftwerk


Herfa-Neurode

26. Januar 2008

Aus dem Bergwerk Herfa-Neurode in Nordhessen werden täglich 70.000 Tonnen Kalisalz gefördert, die beispielsweise als Düngemittel oder Rohstoff zur Chlorproduktion von Degussa und BASF verwendet werden. 600 Meter unter der Erde wurden so in den vergangenen 115 Jahren hunderte Kilometer Wege gebohrt. Auf dem Satellitenbild sieht man die riesige Abraumhalde Monte Kali.

Herfa-Neurode ist aber auch die größte unterirdische Mülldeponie der Welt. Schon 1981 berichtete der Spiegel über die „wichtigste Deponie für Giftmüll aus aller Welt“, die damals erst neun Jahre in Betrieb war. Heute lagern auf 18 Quadratkilometern zwei Millionen Tonnen „vom übelsten Dreck dieser Welt“ (Welt), darunter 220.000 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle (meist kontaminierte Böden) und genügend Arsen um die ganze Menschheit umzubringen. Kein schöner Gedanke, auch wenn es 800 Meter unter der Erde liegt. Es ist „die Kehrseite der Konsumgesellschaft“, meint die Süddeutsche Zeitung.

Auch hier unten gibt es Mülltrennung, damit die Stoffe keinesfalls miteinander reagieren. Flüssiger und radioaktiver Abfall darf nicht eingelagert werden. Gefüllte Hallen werden zugemauert, aber von jeder Ladung sind Proben archiviert. Die Betreiber sind gründlich. Denn manchmal wird auch etwas wieder hervorgeholt wird, wenn der technische Fortschritt es wertvoll macht. So lässt sich dreifach Geld verdienen: mit Kalisalz, mit dem Einbringen von Sondermüll und mit dem bergen. Die Lagerung ist kostenlos – für Jahrtausende (Welt 24.7.07, SZ 20.10.06, Spiegel 27.4.81).

Die Packbehältnisse werden nur einige Jahrzehnte halten. Im Laufe der Jahrhunderte wird sich der Berg den Raum zurückholen, der ihm genommen wurde. Der Giftmüll ist dann komplett von Salz umschlossen. Geowissenschaftler gehen davon aus, dass 10.000 Jahre lang alles sicher eingeschlossen ist, ungefährlich für alles, was auf der Erdoberfläche lebt. Was nach 10.000 Jahren passiert, kann heute niemand vorhersehen.

Hier oder in einer anderen Salzmine könnten sie also enden, meine Millionen Quecksilber-Thermometer. Ganz wohl ist mir dabei nicht. Aber Quecksilber verschwindet auch nicht einfach aus der Welt, wenn man es nicht mehr haben will. Ich werde mich mit meinen Anti-Quecksilber-Kollegen beraten, was sie davon halten.