Quecksilber-Konferenz in Brüssel

16. Juni 2009

Juchu, ich darf mal wieder nach Brüssel fahren. Die Bahn hat leider die Nachtzugverbindung gestrichen, deswegen ist die Reise etwas anstrengend. Aber insgesamt bin ich doch gerne unterwegs, nicht nur wegen der guten belgischen Pralinen :-). Grund der Reise ist die Konferenz “EU Mercury phase out in measuring and control equipment“, bei der wir uns vor allem mit den Blutdruckmessgeräten beschäftigen werden. Am nächsten Tag gibt es ein Treffen von allen NGOs, die zu dem Thema arbeiten (siehe rechte Spalte bei “Zero Mercury Netzwerk”).


Recherche

28. Mai 2009

Kein Problem, nirgends. Bei allen Krankenhäusern mit denen ich telefoniert habe die selbe Auskunft: wir verwenden schon seit Jahren keine Quecksilber-Blutdruckmessgeräte mehr. Die Dinger sind unhandlich, können zerbrechen, müssen regelmäßig kalibriert werden und es gibt gute Alternativen. Die Umstellung erfolgte schon in den 1990ern, häufig wussten nur noch langjährige Mitarbeiter, dass überhaupt Mal Quecksilbergeräte verwendet wurden. Entweder nehmen die Schwestern und Pfleger heute aneroide Geräte oder elektronische, die noch zusätzliche Informationen liefern. Meine Kollegin in Frankreich hat ähnliche Erfahrungen gesammelt. Doch in anderen Ländern sind Quecksilber-Blutdruckmesser wohl noch immer gebräuchlich. Bin gespannt auf den Bericht und die Konferenz “EU Mercury phase out in measuring and control equipment” am 18. Juni in Brüssel.


Quecksilber in Blutdruckmessgeräten

17. April 2009
CreativeCommons BY-NC-SA Felix42 contra la censura, flickr.com

CreativeCommons BY-NC-SA Felix42 contra la censura, flickr.com

Der Verkauf von quecksilberhaltigen Fieberthermometern ist seit diesem Monat in der gesamten EU verboten. In Blutdruckmessgeräten (Sphygmomanometern) ist das giftige Schwermetall weiterhin erlaubt, wenn diese professionell eingesetzt werden. Ich recherchiere grade, ob und wenn ja warum solche Geräte noch in Krankenhäusern in Deutschland verwendet werden. Einige Kollegen führen die gleiche Recherche in Frankreich, Spanien, Italien, Tschechien und weiteren Ländern durch. Die Ergebnisse werden für einen Bericht an die EU-Kommission verwendet. Wer ein Krankenhaus kennt, in dem solche Geräte eingesetzt werden, bitte melden!


Schweden: Quecksilber “tot und beerdigt”

22. Januar 2009
Da freut sich der Elch

Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Ab 1. Juni wird es in Schweden ein nahezu vollständiges Verbot von Quecksilber geben. Quecksilber ist “tot und beerdigt” sagte Umweltminister Andreas Carlgren. Die schwedischen Pläne gehen weiter als die bisherigen Maßnahmen der EU. Statt einzelne Produkte oder Anwendungen zu verbieten, wird das skandinavische Land eine “Weiße Liste” für den zulässigen Einsatz von Quecksilber veröffentlichen. Ab 2013 dürfen dann Produkte, die nicht auf der Weißen Liste stehen, nicht mehr produziert oder verkauft werden. Bereits Anfang 2008 hatte Norwegen (das nicht zur EU gehört) ein weitreichendes Verbot von Quecksilber umgesetzt. Auch Dänemark und die Niederlande haben strengere Regeln erlassen, als von der EU gefordert.

Die Europäische Kommission hatte im Dezember eine Studie vorgestellt (PDF), wonach ein Verbot von quecksilberhaltigen Blutdruckmessgeräten im professionellen medizinischen Bereich keine höheren Kosten für Hersteller oder Kunden hätte. Bereits heute werden in den meisten Krankenhäusern zum größten Teil quecksilberfreie Alternativen verwendet. Die Autoren der Studie empfehlen zudem ein weitreichendes Verbot von quecksilberhaltigen Zahnfüllungen. Ein Amalgamverbot würde eine “signifikante Umweltverbesserung” bringen, allerdings auch höhere Kosten nach sich ziehen. Die Verwendung von Zahnamalgam ist neben der Produktion von Chlor die größte Quelle von ursächlich verwendetem Quecksilber in der Umwelt. In der Europäischen Union ist der Verkauf von quecksilberhaltigen Thermometern und anderen Messgeräten ab dem 3. April 2009 verboten.


Thermometertausch gestartet!!!

6. Oktober 2008

Ab heute, noch die ganze Woche, kann man in vielen Apotheken in ganz Deutschland sein Quecksilber-Thermometer abgeben und bekommt als Anreiz günstig ein digitales neues. Macht mit!


4000 Quecksilber-Thermometer weniger

29. April 2008

Erfreuliche Nachrichten aus der Region Nordrhein: in Düsseldorf, Mönchengladbach, Duisburg, Krefeld, Kleve und weiteren Städten haben 38 Apotheken innerhalb von zwei Wochen über 4000 Quecksilber-Thermometer gesammelt. Die Apotheken der Kooperation “Gesund ist bunt” Nordrhein boten ihren Kunden im Austausch für ein altes Quecksilber-Thermometer einen neuen digitalen Fiebermesser zum Preis von nur einem Euro an. Die beteiligten Apotheker zeigten sich “sehr zufrieden” mit der Aktion und ich bin es auch :)

Pressemitteilung: Gesund-ist-bunt-Apotheken tauschen in nur zwei Wochen über 4.000 alte Quecksilber-Fieberthermometer um


Sechs, setzen

21. April 2008

Das verschwundene Quecksilber in Essen ist wieder aufgetaucht. Die Polizei hat mehreren Schülern einen Besuch abgestattet und es bei einem 15-Jährigen im Badezimmerschrank gefunden. Junge, Junge, da biste grade noch mal glimpflich davon gekommen. Kommentar einer Mitschülerin:

Der Typ is bei mir inne Parallelklasse und der macht immer sowas der bastelt rauchbomben oder sprüht mit tränengras rum aber aufgeklärt werden wir erst in der 9.

Auch in München gab es Probleme mit Quecksilber in der Schule. Ein Putzmann am Donnerstag ein Quecksilber-Barometer versehentlich zerbrochen und die Reste einfach in den Mülleimer getan. Ein Lehrer hat den gefährlichen Sondermüll am Freitag Morgen vor dem Unterricht entdeckt und den betroffenen Physiksaal gesperrt. Die Feuerwehr hat alles erreichbare Quecksilber aufgenommen und als Sondermüll entsorgt. Eine Spezialfirma soll jetzt den Raum vollständig dekontaminieren. Viel schlimmer wäre es natürlich gewesen, wenn vielleicht erst Monate später jemand bemerkt hätte, dass das Barometer nicht mehr da ist …

Liebe Lehrer: sorgen Sie doch bitte dafür, dass in Ihrer Schule keine Quecksilber-Geräte mehr stehen oder auf jeden Fall für Lausbuben und Tolpatsche unerreichbar sind.


Symbolik (8) – Klimawandel-Barometer

10. April 2008

Quecksilber ist mehr als ein schnödes Element mit der Ordnungszahl 80. Das flüssige Metall umgibt in mancher Hinsicht eine gradezu mystische Aura. Es wird für vielerlei Sinnbilder verwendet, häufig dann, wenn ein Vergleich besonders literarisch sein soll. Pressetext Schweiz berichtet darüber, dass der Klimawandel indigene Völker (Ureinwohner) am stärksten trifft. Sie zitieren einen Wissenschaftler mit den Worten:

“Tatsächlich sehen sich auch die indigenen Völker selbst als das Quecksilber im Klimawandel-Barometer”

Aber Quecksilber-Barometer sind ja glücklicherweise in Zukunft verboten – ein kleiner Beitrag für die Reduzierung der globalen Quecksilber-Belastung und der Gesundheit (nicht nur) der indigenen Völker.


Gesucht: Quecksilber

25. Februar 2008

Die Polizei Berlin sucht drei Kilogramm Quecksilber, die den Berliner Wasserbetrieben (BWB) gestohlen wurden. Die beiden Spezialbehälter (Plomben) waren in einem verschlossenen Lagerraum gelagert und sollten jetzt sicher entsorgt werden. “Das Quecksilber war beim technisch bedingten Austausch von Druckmessern und Relais gesammelt und dann in die Plomben umgefüllt worden”, sagte BWB-Sprecher Stephan Natz der Berliner Morgenpost. Der Einsatz von Quecksilber in viele Elektrogeräten ist seit 2002 in der EU verboten. Die Polizei warnt die Bevölkerung dringend vor dem Ankauf oder dem Öffnen der sogenannten Plomben und bittet um sofortige Benachrichtigung, falls die Behälter aufgefunden werden.

Der Preis von Quecksilber auf dem Weltmarkt beträgt meines Wissens etwa 20 Dollar pro Kilogramm. Viel ist mit dem Schwermetall also nicht zu verdienen. Im Gegenteil: da es nur noch wenige Anwendungsbereiche gibt und die Nachfrage in der EU sinkt, fallen teure Entsorgungskosten an. Das beste für die Diebe ist wahrscheinlich das Zeug reumütig zurück zu bringen.


Herfa-Neurode

26. Januar 2008

Aus dem Bergwerk Herfa-Neurode in Nordhessen werden täglich 70.000 Tonnen Kalisalz gefördert, die beispielsweise als Düngemittel oder Rohstoff zur Chlorproduktion von Degussa und BASF verwendet werden. 600 Meter unter der Erde wurden so in den vergangenen 115 Jahren hunderte Kilometer Wege gebohrt. Auf dem Satellitenbild sieht man die riesige Abraumhalde Monte Kali.

Herfa-Neurode ist aber auch die größte unterirdische Mülldeponie der Welt. Schon 1981 berichtete der Spiegel über die “wichtigste Deponie für Giftmüll aus aller Welt”, die damals erst neun Jahre in Betrieb war. Heute lagern auf 18 Quadratkilometern zwei Millionen Tonnen “vom übelsten Dreck dieser Welt” (Welt), darunter 220.000 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle (meist kontaminierte Böden) und genügend Arsen um die ganze Menschheit umzubringen. Kein schöner Gedanke, auch wenn es 800 Meter unter der Erde liegt. Es ist “die Kehrseite der Konsumgesellschaft”, meint die Süddeutsche Zeitung.

Auch hier unten gibt es Mülltrennung, damit die Stoffe keinesfalls miteinander reagieren. Flüssiger und radioaktiver Abfall darf nicht eingelagert werden. Gefüllte Hallen werden zugemauert, aber von jeder Ladung sind Proben archiviert. Die Betreiber sind gründlich. Denn manchmal wird auch etwas wieder hervorgeholt wird, wenn der technische Fortschritt es wertvoll macht. So lässt sich dreifach Geld verdienen: mit Kalisalz, mit dem Einbringen von Sondermüll und mit dem bergen. Die Lagerung ist kostenlos – für Jahrtausende (Welt 24.7.07, SZ 20.10.06, Spiegel 27.4.81).

Die Packbehältnisse werden nur einige Jahrzehnte halten. Im Laufe der Jahrhunderte wird sich der Berg den Raum zurückholen, der ihm genommen wurde. Der Giftmüll ist dann komplett von Salz umschlossen. Geowissenschaftler gehen davon aus, dass 10.000 Jahre lang alles sicher eingeschlossen ist, ungefährlich für alles, was auf der Erdoberfläche lebt. Was nach 10.000 Jahren passiert, kann heute niemand vorhersehen.

Hier oder in einer anderen Salzmine könnten sie also enden, meine Millionen Quecksilber-Thermometer. Ganz wohl ist mir dabei nicht. Aber Quecksilber verschwindet auch nicht einfach aus der Welt, wenn man es nicht mehr haben will. Ich werde mich mit meinen Anti-Quecksilber-Kollegen beraten, was sie davon halten.


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