Coordination gegen BAYER-Gefahren

21. August 2009

Coordination gegen BAYER-GefahrenDem Chemiekonzern Bayer kommt eine besondere „Ehre“ zuteil. Eine eigene Umweltorganisation beschäftigt sich nur mit den Missetaten dieses Konzerns. So viel Aufmerksamkeit dürften den wenigsten Konzernen zu Teil werden, auch wenn viele sicher nicht immer mit sauberen Mitteln ihr Geld verdienen. Die kleine Coordination gegen BAYER-Gefahren setzt den Weltkonzern seit nunmehr dreißig Jahren erfolgreich unter Druck und hakt nach, wo es etwas nachzuhaken gibt.

Da Bayer in Krefeld-Uerdingen auch ein Chlorwerk mit Quecksilbertechnik betreibt, schreibe ich einen Artikel für die Zeitschrift Stichwort Bayer.


Vinnolit steigt um

31. Juli 2009

Das mittelständische Chemieunternehmen Vinnolit betreibt zwei Chlor-Alkali-Werke, die bisher mit Quecksilber betrieben wurden. Jetzt ist die Umrüstung auf Membrantechnik abgeschlossen. Die Anlagen stehen in Gendorf (Bayern) und Hürth-Knapsack (NRW). Das Werk in Knapsack hatte ich 2007 besucht und Quecksilberwerte in der Umgebung gemessen, aber an diesem Tag keine Erhöhung festgestellt.

Die neue Membrantechnik kommt nicht nur völlig ohne Quecksilber aus, sondern spart auch noch viel Energie und gilt europaweit als „beste verfügbare Technik“. Die Chlorindustrie ist der größte Anwender von Quecksilber in Europa und hat den höchsten Energiebedarf der Chemiebranche. Jetzt gibt es noch sechs Chlor-Alkali-Werke mit Quecksilbertechnik in Deutschland. Diese gehören alle zu internationalen Konzernen: Akzo Nobel (2), Bayer, BASF, Evonik-Degussa und INEOS. Laut einem Abkommen zum Schutz der Nordsee sollen alle Anlagen bis 2010 ohne Quecksilber auskommen, doch die Konzerne wollen die komplette Umrüstung auf Membrantechnik erst 2020 abschließen.

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Akzo Nobel übernimmt LII Europe

17. Februar 2009

Die Meldung ist schon einige Tage alt und auch nicht so waaahnsinnig spannend, aber ich möchte sie trotzdem hier notieren: Akzo Nobel hat LII Europe übernommen. Was hat das zu bedeuten? Beides sind Chemieunternehmen, die in Deutschland jeweils ein Chlor-Alkali-Werk betreiben das mit veralteter Quecksilber-Technik arbeitet. LII will das Werk in Frankfurt am Main schon lange umrüsten, hatte bisher aber nicht das notwendige Kapital. Akzo Nobel ist ein multinationaler Konzern. Ihnen fehlt nicht das Geld sondern der Wille, die Anlage in Ibbenbüren zu erneuern. Die FAZ meldet nun, dass Akzo Nobel zumindest die Quecksilberschleuder von LII für 100 Millionen Euro umrüsten will. Vielleicht können sie sich dann ja auch schneller entscheiden, was mit der Fabrik in Ibbenbüren passieren soll.


Schweden: Quecksilber „tot und beerdigt“

22. Januar 2009
Da freut sich der Elch

Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Ab 1. Juni wird es in Schweden ein nahezu vollständiges Verbot von Quecksilber geben. Quecksilber ist „tot und beerdigt“ sagte Umweltminister Andreas Carlgren. Die schwedischen Pläne gehen weiter als die bisherigen Maßnahmen der EU. Statt einzelne Produkte oder Anwendungen zu verbieten, wird das skandinavische Land eine „Weiße Liste“ für den zulässigen Einsatz von Quecksilber veröffentlichen. Ab 2013 dürfen dann Produkte, die nicht auf der Weißen Liste stehen, nicht mehr produziert oder verkauft werden. Bereits Anfang 2008 hatte Norwegen (das nicht zur EU gehört) ein weitreichendes Verbot von Quecksilber umgesetzt. Auch Dänemark und die Niederlande haben strengere Regeln erlassen, als von der EU gefordert.

Die Europäische Kommission hatte im Dezember eine Studie vorgestellt (PDF), wonach ein Verbot von quecksilberhaltigen Blutdruckmessgeräten im professionellen medizinischen Bereich keine höheren Kosten für Hersteller oder Kunden hätte. Bereits heute werden in den meisten Krankenhäusern zum größten Teil quecksilberfreie Alternativen verwendet. Die Autoren der Studie empfehlen zudem ein weitreichendes Verbot von quecksilberhaltigen Zahnfüllungen. Ein Amalgamverbot würde eine „signifikante Umweltverbesserung“ bringen, allerdings auch höhere Kosten nach sich ziehen. Die Verwendung von Zahnamalgam ist neben der Produktion von Chlor die größte Quelle von ursächlich verwendetem Quecksilber in der Umwelt. In der Europäischen Union ist der Verkauf von quecksilberhaltigen Thermometern und anderen Messgeräten ab dem 3. April 2009 verboten.


Globales Problem – globale Lösung?

24. November 2008

Wie versprochen, hier die Texte des Quecksilber-Themenheftes. Es fängt an mit einem Hintergrundartikel, den ich selber verfasst habe.

Globales Problem – globale Lösung?
Menschliche Aktivitäten haben den weltweiten Quecksilberpool bereits verdreifacht

Quecksilber gelangt in die entlegensten Winkel der Welt, auch dorthin, wo das Gift nie freigesetzt wurde. Siebzig Prozent der durch Menschen verursachten Quecksilberemissionen stammen aus der Kohleverbrennung. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union fangen erst an, das Problem zu begreifen und zu bekämpfen berichtet FLORIAN NOTO vom DEUTSCHEN NATURSCHUTZRING (DNR).

Artikel als PDF lesen: Florian Noto: Quecksilber global


Lieber spät als nie

23. Juni 2008

Es war im September letzten Jahres, als das Blacksmith Institute und Green Cross Schweiz eine Liste der zehn schmutzigsten Orte der Welt veröffentlicht hat. Darunter befinden sich einige Orte in denen Chlorfabriken reichlich Quecksilber abgeben, deswegen habe ich ausführlich berichtet. GMX und WEB.de (was ja bekanntlich fast das selbe ist) haben die Liste jetzt noch mal mit einigen Grusel-Bildern versehen und neben skurrilen Geschichten über Baummänner und siamesische Zwillinge auf die Startseite gestellt. Ich finde es nach wie vor lesenswert.


Quecksilber in Pakistan

27. Mai 2008

Die acht deutschen Chlorwerke, die noch mit der veralteten Quecksilbertechnik arbeiten, gehören zu den größten Quellen des Schadstoffs in Deutschland. Sie geben etwa 100 bis 300 Kilogramm Quecksilber im Jahr an die Umwelt ab. Das ist viel, denn der Schadstoff wird weit verteilt und ist schon in sehr kleinen Mengen sehr schädlich. Wahrlich mit den Knie geschlottert habe ich aber, als ich über ein Chlorwerk in Pakistan gelesen habe. „Fabriken emittieren täglich Tonnen von Quecksilber“ lautet die Überschrift in der Daily Times aus Pakistan. Der Ingenieur eines Chlorwerks antwortet dem Journalisten, dass in seiner Fabrik täglich 50 Kilogramm Quecksilber eingesetzt werden. 50 Kilogramm – das wären 18 Tonnen im Jahr! Die Zahlen sind (hoffentlich) etwas übertrieben, aber das Problem ist unbestritten. Gewässer und Ackerland, Fische, Wasservögel und andere Tiere und natürlich Menschen sind vergiftet und gefährdet. Die pakistanische Umweltbehörde hat mit Hilfe der Vereinten Nationen zumindest Messgeräte angeschafft, um den Quecksilbergehalt in Luft und Wasser zu bestimmen. Ein Offizieller sagte:

“Mercury pollution is a very serious matter and should be dealt with on war footing.”

Die Zeitung erhebt schwere Vorwürfe gegen die Umweltbehörde. Der Behördenmitarbeiter meint, die teuren Geräte stehen verschlossen rum und würden nicht genutzt. Die Behörde habe auch den Auftrag, ein Fortbildungsprogramm für Fabrikbesitzer und Mitarbeiter zu entwickeln, nicht umgesetzt.


EuroChlor gegen Klimaschutz

17. Januar 2008

Ohne Genehmigung läuft gar nichts. Wer Klima-Gase ausstößt, braucht in Zukunft in der EU ein Zertifikat, dass ihm die entsprechende Menge zusteht. Wer weniger Zertifikate benötigt kann die überschüssigen verkaufen. Wer mehr braucht muss dazukaufen. Bisher hat jedes Unternehmen die Menge Zertifikate geschenkt bekommen, die es benötigt. „Das ergibt ja keinen Sinn“ mag man sich da denken. Und richtig: es ergibt auch keinen Sinn. Wenn alle genug Zertifikate haben und diese zudem noch verschenkt werden, gibt es keinen Anreiz irgendwo zu sparen. Der Preis für ein Zertifikat über eine Tonne CO2 liegt nahe Null, Umweltverschmutzung ist kostenlos. Das soll sich jetzt ändern. Die EU-Kommission fordert von den Staaten, dass sie einen Teil der Zertifikate versteigern. Das gefällt natürlich denen nicht, die vorher beschenkt wurden. Zwölf Industrieverbände fordern jetzt in einem offenen Brief an alle 27 EU-Kommissare, dass sie weiterhin kostenlose Zertifikaten erhalten.

Einer der größten Stromverschwender ist die Chlorindustrie. Die Hälfte der europäischen Chlorwerke arbeitet mit einer Technik aus dem 19. Jahrhundert, bei der Quecksilber freigesetzt und bis zu einem Drittel mehr Energie benötigt wird als bei neueren Verfahren. Wenn diese Werke schnell umgerüstet würden, könnte pro Tonne Chlor 700-1000 Kilowattstunden (kWh) Strom gespart werden. Und was macht der Dachverband EuroChlor? Rät er den Mitgliedern schnell umzustellen um Energiekosten zu sparen, die Umwelt zu schonen und weniger Klima-Zertifikate zu benötigen? Natürlich nicht. EuroChlor ist einer derjenigen Verbände die meinen: sparen kann man ja, aber bitte nicht bei uns.


Bayer schützt die Umwelt – vielleicht 2020

18. Dezember 2007

Bayer betreibt in Krefeld-Uerdingen eine von acht Anlagen in Deutschland, in denen Chlor mit Hilfe von Quecksilber gewonnen wird. Dieses Verfahren ist energieintensiver, teuerer und umweltschädlicher als andere Methoden. Außerdem werden von der Anlage pro Jahr über 100 kg Quecksilber freigesetzt. Die Genehmigung zur Umstellung auf das umweltfreundlichere Membranverfahren hat Bayer schon 2004 erhalten. Die Genehmigung ist jedoch unbefristet und so hat Bayer bis heute nicht erklärt, wann die Umbauten denn vorgenommen werden. Von dem Konzern selber ist telefonisch nichts zu erfahren, die zuständige Behörde konnte es mir nicht sagen, die ansonsten gut informierte Coordination gegen Bayer-Gefahren wusste es auch nicht. Und so entweicht weiterhin jeden Tag Quecksilber, wird weiterhin Energie verschwendet. Gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger hat Bayer sein „Klima-Formel“ bis 2020 preis gegeben:

Für die Kunststoff-Sparte Bayer Material Science (BMS) gab Vorstandschef Werner Wenning gestern sogar ein Einsparziel von 25 Prozent aus … BMS soll den Ausstoß an Treibhausgasen um ein Viertel pro Tonne Verkaufsprodukt senken. Und das wird einiges ausmachen, weil jedes Jahr über 4 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt werden. Zudem ist die Kunststoff-Produktion „unser mit Abstand energieintensivster Bereich“, erläuterte Wenning: Allein 40 Prozent seines Stroms braucht Bayer zum Beispiel für die Herstellung des Vorproduktes Chlor.

Mal nachrechnen: um eine Tonne Chlor mit dem Quecksilber-Verfahren herzustellen, benötigt man 3200 bis 3600 Kilowattstunden Strom. Mit dem Membranverfahren, das ohne Quecksilber auskommt, sind es nur 2500-2700 kWh. Die notwendigen Umbauten könnte Bayer innerhalb von zwei Jahren vornehmen und etwa 30 Prozent Energie sparen! Statt in den Umweltschutz zu investieren, soll in Krefeld aber erst mal ein neues Kohlekraftwerk gebaut werden. Immerhin, diese Pläne wurden im Rat der Stadt Krefeld jetzt von Grünen und CDU vorläufig verhindert. Glückwünsche an die BI Saubere Luft und Kein Steinkohlekraftwerk in Krefeld!


Wasserstoff

17. Dezember 2007

Aus Speisesalz (Natriumchlorid, NaCl) und Wasser (H2O) fällt bei der Herstellung von Chlor (Cl2) auch Wasserstoff (H2) und Natriumhydroxid (NaOH) an. Die schlechteste Möglichkeit dies zu tun, ist mit dem sogenannten Quecksilber- oder Amalgamverfahren. Dabei wird Quecksilber freigesetzt und unnötig viel Energie benötigt. Die unterschiedlichen Methoden sind bei Wikipedia und EuroChlor anschaulich erklärt.

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In Hürth, wo das Unternehmen Vinnolit ein Chlorwerk betreibt, soll der Wasserstoff jetzt genutzt werden um Stadtbusse fahren zu lassen. Allerdings ist der Wasserstoff keinesfalls ein Abfallprodukt, sondern wird ansonsten weiter verarbeitet. Ein Umweltnutzen besteht immerhin darin, dass Luftschadstoffe im Industriegebiet und nicht in der Innenstadt, wo die Busse lang fahren, freigesetzt werden.

Schon seit Jahren werben auch Autokonzerne damit, dass bald PKW serienmäßig mit Wasserstoff betrieben werden könnten. General Motors (Opel) rechnet mit Markteinführung in acht Jahren. Schnell vergessen wird dabei, dass Wasserstoff aufwändig produziert werden muss. Woher kommt also der Treibstoff? Rittmar von Helmolt (GM Europe Engineering) sagte dem Kurier aus Österreich: „Wenn wir nur 50 Prozent des jährlich europaweit bei der sogenannten Chlor-Alkali-Elektrolyse anfallenden Wasserstoffs nutzen, könnte rund eine Million Autos damit betrieben werden.“ Alleine in Deutschland gibt es 46,6 Millionen PKW.