Schweden: Quecksilber „tot und beerdigt“

22. Januar 2009
Da freut sich der Elch

Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Ab 1. Juni wird es in Schweden ein nahezu vollständiges Verbot von Quecksilber geben. Quecksilber ist „tot und beerdigt“ sagte Umweltminister Andreas Carlgren. Die schwedischen Pläne gehen weiter als die bisherigen Maßnahmen der EU. Statt einzelne Produkte oder Anwendungen zu verbieten, wird das skandinavische Land eine „Weiße Liste“ für den zulässigen Einsatz von Quecksilber veröffentlichen. Ab 2013 dürfen dann Produkte, die nicht auf der Weißen Liste stehen, nicht mehr produziert oder verkauft werden. Bereits Anfang 2008 hatte Norwegen (das nicht zur EU gehört) ein weitreichendes Verbot von Quecksilber umgesetzt. Auch Dänemark und die Niederlande haben strengere Regeln erlassen, als von der EU gefordert.

Die Europäische Kommission hatte im Dezember eine Studie vorgestellt (PDF), wonach ein Verbot von quecksilberhaltigen Blutdruckmessgeräten im professionellen medizinischen Bereich keine höheren Kosten für Hersteller oder Kunden hätte. Bereits heute werden in den meisten Krankenhäusern zum größten Teil quecksilberfreie Alternativen verwendet. Die Autoren der Studie empfehlen zudem ein weitreichendes Verbot von quecksilberhaltigen Zahnfüllungen. Ein Amalgamverbot würde eine „signifikante Umweltverbesserung“ bringen, allerdings auch höhere Kosten nach sich ziehen. Die Verwendung von Zahnamalgam ist neben der Produktion von Chlor die größte Quelle von ursächlich verwendetem Quecksilber in der Umwelt. In der Europäischen Union ist der Verkauf von quecksilberhaltigen Thermometern und anderen Messgeräten ab dem 3. April 2009 verboten.


Fluch oder Segen?

30. November 2008

Zum Abschluss noch ein kurzer Text von mir selber, der nicht fehlen darf:

Fluch oder Segen?
Der Streit um Quecksilber in der Medizin ist auch nach Jahrhunderten noch nicht entschieden

In einem sind sich die Mediziner des 21. Jahrhunderts einig: als Salbe gegen Syphilis bewirkt Quecksilber mehr Schaden als Nutzen. Noch vor 100 Jahren wurden Patienten großflächig mit dem Schwermetall eingerieben. Viele starben schneller an der Behandlung als an der Krankheit. Bei weiteren Anwendungsgebieten in der Medizin dauert der wissenschaftliche Streit an, berichtet FLORIAN NOTO vom DEUTSCHEN NATURSCHUTZRING (DNR).

Artikel als PDF lesen: Florian Noto: Quecksilber in der Medizin


Frau Lembke

22. September 2008

Frau Lembke ist eine aufgeklärte Verbraucherin. Deswegen fragt sie beim Zahnarzt auch kritisch nach, als er ihr Amalgam in den Mund tun will. Als sie es schließlich verweigert, muss das bereits angerührte Amalgam (das eben noch in ihren Zahn gefüllt werden sollte) als gefährlicher Sondermüll entsorgt werden. „Frau Lembke will kein Amalgam“ ist eine kurze Comic-Geschichte, die im schicken Siebdruck als „Flottes Heft“ und in limitierter Auflage in der Edition Hammeraue bei Eigenhufe erschienen ist. In ganz wenigen Läden gibt es das zu kaufen, man kann es aber auch bestellen.

Und ganz vielleicht drucke ich die Hefte nach … Aber sicher kein Siebdruck, also greift besser zu bevor sie vergriffen sind.


Amalgamstreit reloaded

18. September 2008

Über Amalgam als Zahnfüllung wird seit fast 200 Jahren leidenschaftlichen gestritten. „Am 4. April schien es für kurze Zeit so, als könnte ein Schlussstrich gezogen werden im Streit um die Gefahr von Amalgam“, schreibt der Stern in einem kürzlich veröffentlichten Artikel über den heißen Tanz um den hohlen Zahn. An diesem Tag wurde eine Großstudie veröffentlicht, die die Unbedenklichkeit von Quecksilber im Mund ein für alle Mal beweisen sollte. Dies wäre zumindest ein Beleg dafür, dass gesunder Menschenverstand und Wissenschaft nicht unbedingt zusammenpassen. Denn erstens sind Quecksilberdämpfe unbestritten hochgiftig und zweitens treten aus Amalgamfüllungen permanent Quecksilberdämpfe aus. Eins und zwei zusammengezählt wundert sich nicht nur Lieschen Müller, dass ausgerechnet die Dämpfe in ihrem Mund ungefährlich, bzw. unterhalb der Wirkungsgrenze sein sollen.

Nun gut, die jüngste Amalgamstudie und der Stern Artikel ziehen zwar genau diese Schlussfolgerung, aber der Artikel bietet auch einen guten Überblick über die Streitpunkte und Argumente beider seiten. Nicht beachtet wird in der Diskussion leider, dass Quecksilber in der Umwelt schädlich ist. Spätestens im Krematorien und erst recht auf dem Friedhof vergiften etliche Kilogramm Quecksilber die Böden und Gewässer. Einige skandinavische Länder haben mit dieser Begründung die Verwendung von Amalgam eingeschränkt.

Einer der größten Amalgamkritiker der Wissenschaft ist Joachim Mutter von der Uni Freiburg. Der Journalist Thorsten Engelbrecht hat ein langes Interviews mit ihm geführt, das in zwei Teilen veröffentlicht ist:
EU-Kommission erklärt Amalgam für gesundheitlich unbedenklich
, Teil 1 (PDF)
EU-Kommission erklärt Amalgam für gesundheitlich unbedenklich, Teil 2 (PDF)

Wer es kürzer mag, findet hier noch ein älteres Interview: Halbwertzeit von 18 Jahren (PDF)


Weniger „Karies-Erfahrung“

30. April 2008

ZähneIch war neulich seit Jahren mal wieder beim Zahnarzt meines Vertrauens. Ich hatte mich schon auf das schlimmste eingestellt. Aber – es war nichts! Und das tollste war seine Aussage, dass wenn ich mit meinen 30 Jahren so gute Zähne habe, ich wohl auch in Zukunft mit wenigen großen Problemen rechnen muss, sofern ich meine Gewohnheiten von Ernährung und Zahnhygiene nicht ändere. Das einzige, worauf ich aufpassen muss sei, dass ich mir nicht das Zahnfleisch wegschrubbe. Lieber eine weiche Zahnbürste mit kleinem Kopf nehmen, als einen großen, harten Schrubber.

Mit meinen guten Zähnen liege ich wohl im Trend. Die „Karies-Erfahrung“ in Deutschland nimmt ab. Der Deutschen Mundgesundheitsstudie 2006 zufolge hatte ein 40-jähriger im Durchschnitt „nur“ noch 2,7 Zähne verloren, während es 1996 noch 4,2 Zähne waren (via: ddp-direkt, die Werbung bitte ignorieren). Das freut mich dann nicht nur unmittelbar für meine Mitmenschen, sondern bedeutet hoffentlich auch, dass weniger Zahnfüllungen aus Quecksilber-Amalgam gelegt werden. Und weniger Quecksilber in den Zähnen und in der Umwelt ist immer gut :-)

Bild: pixelio.de


Neues von der Zahnputzfront

8. Januar 2008

Gesunde Zähne finde ich toll. Sie ersparen Schmerzen, Karies, Löcher, Arztbesuche und schließlich Füllungen die manchmal Quecksilber enhalten. Um Karies zu vermeiden ist neben einer gesunden (zuckerarmen) Ernährung auch gute Zahnpflege wichtig. Einweg-Elektrozahnbürsten sind sicher nicht das Beste, denn nach drei Monaten sind sie Elektroschrott und müssen aufwändig entsorgt werden. Noch blöder sind aber angebliche Wunderwaffen gegen Zahnbeläge, die gar nicht funktionieren. Der gewöhnlich bestens informierte Fischer hat jetzt ein solches 30-$-Instrument zerrissen. Nach Darstellung des Erfinders sollte damit offenbar die Zeit der chirurgische Kriegführung gegen Karius & Baktus eingeläutet werden. Zum Glück scheint das nicht zu funktionieren. Denn wenn es funktionieren würde, wäre der Effekt wohl etwa so, als würde man mit Domestos gurgeln. Also ich bleibe bei den bewährten Borsten und einem Glas Wasser oder zuckerfreien Kaugummis, wenn ich zwischendurch etwas esse.


Godt nytt år – Quecksilberverbot in Norwegen

8. Januar 2008

Godt nytt år ist der norwegische Neujahrsgruß. Und tatsächlich ist das Jahr in dem skandinavischen Land gut gestartet. Seit dem 1.1.2008 gilt ein umfassendes Verbot für Quecksilber! Betroffen ist die Herstellung, die Einfuhr und die Ausfuhr von Quecksilber, quecksilberhaltigen Verbindungen und Produkten, die Quecksilber enthalten – mehr geht nicht. Es gibt einige klar definierte Ausnahmen, etwa für den natürlichen Quecksilbergehalt in Kohle und Erzen, für einige Elektro-Produkte (Energiesparlampen, Fahrzeugbauteile), wissenschaftlich genutzte Thermometer und Thiomersal (Desinfektionsmittel in Medikamenten). Zahnamalgam dagegen ist von dem Verbot ausdrücklich erfasst (bis 2010 gelten gewissen Ausnahmen).

Bemerkenswert ist auch, dass das Gesetz wohl erst Mitte Dezember beschlossen wurden. In Norwegen scheint die Politik schneller als anderswo zu funktionieren. Doch warum unternimmt das Land, das nicht Mitglied der EU ist, grade jetzt so entschlossene Schritte gegen Kvikksølv? In einer Pressemitteilung macht der Umweltminister deutlich, dass der größte Teil des Schwermetalls, der die Umwelt in Norwegen belastet, in anderen Ländern frei gesetzt wird. Der schnelle Beschluss ist daher auch ein Zeichen an die EU und andere Länder, ähnlich strenge Regeln zu erlassen. „Miljøministeren“ Erik Solheim stellt klar:

„Det norske forbudet viser at vi gjør jobben hjemme. Det er et viktig signal til EU og andre land om at det finnes gode alternativer til kvikksølv“

„Das norwegische Verbot zeigt, dass wir Verantwortung übernehmen. Es ist ein wichtiges Signal an die EU und andere Länder, dass es Alternativen zu Quecksilber gibt.“

Das Gesetz als PDF (1 Seite)


Entfernen

5. Dezember 2007

Was es nicht alles gibt! Bei entfernen.net stehen Tipps, wie man allerlei Stoffe dort wegbekommt, wo sie nicht sein sollen: Sekundenkleber, Kerzenwachs, Autoaufkleber, Kaugummi, Tatoos und Amalgamfüllungen. Zumindest für letzteres sollte man die professionelle Hilfe eines Zahnarztes in Anspruch nehmen.

In Zukunft wird man hoffentlich erst gar kein Quecksilber mehr in Zahnlöcher stopfen. Das fordern und empfehlen auch Freiburger Umweltmediziner. Joachim Mutter und zwei britischen Kollegen sehen einen Zusammenhang zwischen Amalgam und Alzheimer, außerdem kindlichen Entwicklungsstörungen, Autismus, dem Quecksilbergehalt im Gehirn und einer erhöhten Suizidrate.

Dass trotz der zunehmenden Datenlage Amalgam immer noch in den Zähnen erlaubt und der Zusammenhang zwischen Amalgam und Alzheimer angezweifelt wird, liegt den Forschern zufolge auch an der mangelhaften Qualität vieler Studien: „Durch den nahezu universellen Einsatz von Amalgam gibt es keine größere Langzeitstudie, in der die Kontrollgruppe und deren Mütter wirklich nie Amalgamfüllungen hatten.“ Meist beruft man sich auf den aktuellen Amalgamstatus.

„Eine Studie, die den endgültigen Beweis erbringen würde, müsste mindestens 50 bis 70 Jahre dauern“, sagt Mutters Freiburger Kollege Johannes Naumann. „Aber wenn wir alle verfügbaren Daten betrachten, ist ein klarer Trend erkennbar, der auf einen Zusammenhang zwischen Quecksilber und Alzheimer-Erkrankung hinweist.“

Ich habe Herrn Mutter einmal auf einer Konferenz getroffen. Sein Vortrag auf Englisch war rhetorisch leider reichlich „bescheiden“, aber inhaltlich sehr interessant. Danach hat ein Amalgam-Befürworter von der Uni Regensburg gesprochen, der rhetorisch brilliant war und mich an Thank You for Smoking erinnert hat.


Müllentsorgung schwer gemacht

6. November 2007

Manche Dinge gehören verboten. Gesetzt drauf, zack, gibt’s nicht und die Welt hat ein Problem weniger. Einweg-Elektrogeräte zum Beispiel. Elektroschrott ist Sondermüll und muss von den Kunden sicher entsorgt, also in der Regel zum Recyclinghof gebracht werden. In der Praxis landen aber vor allem Kleingeräte häufig im Restmüll, weil das einfacher ist oder die Menschen gar nicht wissen, dass dies verboten ist. Rohstoffe gehen dabei verloren, Giftstoffe werden freigesetzt. So lange Hersteller lustige Einwegelektrogeräte verkaufen, ahnen aber viele Menschen sicher nicht, dass sie mit den ganzen Geräten in die Entsorgungsfalle tappen. Schließlich sind die Geräte für den einfachen Gebrauch angelegt, dann sollte die Entsorgung nicht so schwer sein.

Die Firma Oral B punktet jetzt mit einer Einweg-Elektrozahnbürste, die nach drei Monaten Schrott ist. „Die Batterie kann man zum Glück problemlos herausnehmen, in dem man das Gehäuse aufbricht“, schreibt der Shopblogger. Praktisch, praktisch, einfach aufbrechen … Und wie wird dann der Motor entsorgt? (via Planetenblog)


Amalgamabscheider

5. November 2007

Zahnärzte stopfen Quecksilber in löchrige Zähne und holen es auch wieder raus. Amalgamfüllungen bestehen etwa zur Hälfte aus Quecksilber und dünsten bei wollig-warmen 37°C im Mund ständig kleine Mengen des Schwermetalls aus. Ich habe es selber gemessen, die Emissionen lagen zwischen etwa 50 und 500 Nanogramm pro Kubikmeter Luft und damit mindestens 10-100 mal über normaler Stadtluft. Folgendes Video macht die Ausdünstungen sichtbar:

Dass Amalgamfüllungen gesundheitlich völlig undbedenklich sind ist so unglaubwürdig wie die jahrzehntelangen Lügen der Tabakindustrie, dass Zigaretten nichts mit Lungenkrebs zu tun hätten. Die Emissionen sind da und Quecksilberdampf ist schädlich, das bezweifelt niemand. Mitte der 1990er Jahre gab es eine Sammelklage von 1.500 Menschen gegen drei verantwortliche Manager des Amalgamherstellers Degussa. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen Zahlung von von 300.000 DM ein gestellt, die Verfügung liest sich jedoch wie ein vernichtendes Urteil gegen Amalgam.

Dennoch sollte man nicht in Panik geraten und sich gut überlegen, bevor man Amalgamfüllungen entfernen lässt. Die meisten Menschen mit einigen kleineren Amalgamfüllungen haben keine (offensichtlichen) Probleme. Die größten Emissionen entstehen erst beim Entfernen der Füllungen. Wer viele hat und sie alle auf einmal entfernen lassen will, bekommt eine große Ladung Quecksilber ab. Früher haben die Dentisten das Abwasser dann einfach ganz normal die Spüle hinunter geschickt. Damit war das Quecksilber in der Umwelt und hat Meere und Seen verseucht. Heute sind sie verpflichtet einen Amalgamabscheider hinterzuschalten. Wie verlässlich die ausgewechselten Exemplare bei Ebay sind, möchte ich lieber nicht spekulieren.