132 Fragen zu Kohlekraftwerken

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat eine Kleine Anfrage über die Zukunft der Kohleverstromung an die Bundesregierung gestellt. “Klein” ist der Katalog nur dem Namen nach, immerhin enthält er 132 Fragen zu acht Themenfeldern, vom Bau neuer Kohlekraftwerke über Schadstoffe und Kohlendioxid, den Kohleabbau, Emissionshandel und Kohleverflüssigung. Mich interessieren natürlich am meisten die Fragen zu Quecksilber. Die Antworten wurden vom Ministerium für Wirtschafts- und Technologie erstellt.

Frage 9. Welche Gesamtfrachten an den Schadstoffen wie SO2, NOx, Staub, Schwermetallen, Dioxinen und weiteren organischen Verbindungen werden jährlich in Deutschland durch die Kohleverstromung emittiert?

Antwort: Die Kohlekraftwerke emittierten im Jahre 2006 jeweils ca. 235 000 t SO2, 211 000 t NOx, 10.600 t Staub, 2,18 t Quecksilber und 4 g PCDD/F.

Dem Europäischen Schadstoff-Emissionsregister (EPER) zufolge wurden in Deutschland im Jahr 2004 über 5,3 Tonnen Quecksilber aus Verbrennungsanlagen emittiert. Alleine die größten fünf Kohlekraftwerke geben über zwei Tonnen Quecksilber im Jahr an die Umwelt ab:

  1. Kohlekraftwerke Scholven (E.ON); 610 Kilogramm (2004)
  2. Kohlekraftwerke Weisweiler (RWE); 520 Kilogramm (2004)
  3. Kohlekraftwerke Schkopau (E.ON); 440 Kilogramm (2004)
  4. Kohlekraftwerke Boxberg (Vattenfall); 290 Kilogramm (2004)
  5. Kohlekraftwerke Lippendorf (Vattenfall); 290 Kilogramm (2004)

Die Emissionen von Dioxinen / Furanen (PCDD/PCDF) betragen laut EPER übrigens 43 Gramm, also mehr als das Zehnfache des angegebenen Wertes! Auch die recht lückenhafte “Trendtabelle für die Berichterstattung atmosphärischer Emissionen” für das “Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverschmutzung” (LRTAP) enthält höhere Werte als die Antwort des Wirtschaftsministeriums, nämlich 2,48 Tonnen Quecksilber im Jahr 2006

Frage 10. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung einführen, um die Quecksilber-Emissionen durch Kohlekraftwerke deutlich zu reduzieren (Kohlekraftwerke gehören zu den größten Emissionsquellen von Quecksilber)?

Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen durch Einführung eines Grenzwertes für Quecksilber (Hg) im Zuge der Novelle der 13. BImSchV (Verordnung über Großfeuerungs- und Gasturbinenanlagen) vom Juli 2004 ergriffen. Mit der Begrenzung der Hg-Emissionen gem. § 3 Abs. 1 Nr. 1 b und § 3 Abs. 4 ergibt sich für den Betreiber die Pflicht, die Emissionen an Quecksilber kontinuierlich zu ermitteln (§ 15 Abs. 1). Somit ist sicher gestellt, dass die anspruchsvollen Emissionsbegrenzungen jederzeit während des Betriebes beurteilt werden können und Überschreitungen auszuschließen sind.

Messen und Ermitteln ist gut. Reduzieren ist besser. Zwar sind die Grenzwerte für Kohlekraftwerke in Deutschland im internationalen Vergleich tatsächlich recht niedrig. Aber dieser Grenzwert gilt für alle Anlagen, auch für die bestehenden. Neu gebaute, “moderne” Kraftwerke sollten nur Genehmigungen für Emissionen deutlich unterhalb des Grenzwertes von 30 Mikrogramm Quecksilber pro Kubikmeter Abgas im Jahresmittel erhalten.

Frage 16. Welche aktuellen Studien sind der Bundesregierung bekannt, die die Umwelt- und Gesundheitsbelastung in der Nähe von Kohlekraftwerken untersucht haben?

Antwort: Der Bundesregierung sind keine aktuellen Studien bekannt.

Wer’s nicht weiß, braucht sich auch keine Sorgen zu machen …

About these ads

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: