Eine Holländerin greift durch

21. November 2007

Die Niederlande gelten ja als das Land des Konsenses. Beschlüsse sollen alle zufrieden machen, auch wenn dabei Widersprüche bestehen bleiben. Jetzt ist der Umweltministerin Jacqueline Cramer aber doch der Geduldsfaden gerissen. Sie droht Lampenherstellern und -importeuren mit Bußgeldern, sollten sie nicht innerhalb eines Monats anfangen Energiesparlampen und -röhren von Privathaushalten einzusammeln und zu recyceln. Diese Verpflichtung besteht durch die Europäische WEEE-Richtlinie auch in Deutschland und anderen EU-Staaten. Die angesprochenen Firmen im Industrieverband „Spaarlicht“ sind unter anderem Ikea, Aldi, Hornbach und Neckermann – die auch in Deutschland wenig Engagement zeigen den Bürgern die Sammlung zu erleichtern.

In Deutschland werden 90 Prozent der privat genutzten Energiesparlampen falsch entsorgt.  Bis zum 31.12. gibt es eine bundesweite Sammelaktion einiger Händler, bei denen jedoch viele namhafte Ketten fehlen. Positive Ausnahmen sind die Elektrogroßhändler FEGA & Schmitt, Hagemeyer, REXEL und Sonepar. Eine vollständige Liste der Annahmestellen steht hier und hier.


Berichte aus Bangkok

21. November 2007

Das International Institute for Sustainable Developement (IISD) hat ausführlich über die Quecksilber-Konferenz in Bangkok berichtet, in Wort und Bild. Einen Bericht gibt es beim Environment News Service und von meiner Kollegin Elena Lymberidi bei Zero Mercury.

Achim Steiner, Generalsekretär Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms sagte:

„There is no real reason to wait on many of the mercury fronts. Viable alternatives exist for virtually all products containing mercury and industrial processes using mercury“
(Es gibt keinen Grund beim Kampf gegen Quecksilber noch zu warten. Für fast alle quecksilberhaltige Produkte und industrielle Prozesse gibt es brauchbare Alternativen.)

Auf der Welt gebe keinen Menschen, der nicht mit Spuren von Quecksilber belastet sei, so Steiner. Bei der Konferenz wurden mehrere Entwürfe diskutiert. Die USA, Australien, Neuseeland, Argentinien und China treten für freiwillige Maßnahmen ein. Die EU, Japan und die meisten Staaten aus Osteuropa, Afrika und Lateinamerika, Asien-Pazifik und dem Nahen Osten wollen dagegen ein verbindliches internationales Abkommen, als Zusatz zum Stockholm-Konvention oder als eigentständigen Vertrag. Als Beschluss wurden hauptsächlich einige Fragen an das UN-Umweltprogramm formuliert, die bis zum nächsten Treffen geklärt werden sollen. Diese betreffen für die verschiedenen Maßnahmen (freiwillig / Stockholm-Konvention / neuer Vertrag / keine Einigung):

  • Finanzierungsmöglichkeiten
  • Umsetzungsmöglichkeiten und -wahrscheinlichkeit
  • Kontrollmöglichkeiten
  • Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung der gesundheitlichen, ökonomischen und sozialen Folgen

Layout geändert

21. November 2007

Ich habe mal das Layout geändert. Kubrick ist zwar sehr schön, aber sehr weit verbreitet und daher etwas langweilig. Die Hintergrund-Seiten sind nun auch auffälliger platziert. Ich hoffe es gefällt :)


Durchfallquote: 77 Prozent

21. November 2007

Staples, ein amerikanischer Händler für Bürobedarf, hat gefragt: „Recyceln Sie Elektrogeräte?“ Nur ein Viertel der Amerikaner konnte mit „ja“ antworten. Jetzt nimmt Staples erfreulicherweise als erster Händler in 1400 Filialen in den USA ausgediente Elektrogeräte aller Marken entgegen, um sie zu recyceln (allerdings gegen eine Gebühr von $10 für größere Geräte). Kate Krebs von der „National Recycling Coalition“ sagte dazu: „Täglich werden in den USA schätzungsweise 133.000 Computer ausrangiert und nicht recycelt oder weiterverwendet. Dadurch entstehen Berge von Müll und giftigem Abfall auf Deponien.“ Oder sie werden nach Indien gebracht


Symbolik (2)

21. November 2007

Quecksilber ist mehr als ein schnödes Element mit der Ordnungszahl 80. Das flüssige Metall umgibt in mancher Hinsicht eine gradezu mystische Aura. Es wird für vielerlei Sinnbilder verwendet, häufig dann, wenn ein Vergleich besonders literarisch sein soll. Martin Luther hat gesagt:

Des Menschen Herz ist wie Quecksilber, jetzt da, bald anderswo, heute so, morgen anders gesinnt.

Wolfgang Schäuble interpretierte dieses Zitat folgendermaßen (im April 2004):

So schnell, wie die Menschen Interessen für Themen entwickeln, so schnell verlieren sie diese auch wieder. Dabei geht die Fähigkeit verloren zu differenzieren, was wirklich wichtig ist. Eigenheimzulage, Emissionshandel und die Bedrohung der inneren Sicherheit bekommen so denselben Stellenwert – sowohl auf der Regierungsagenda als auch in der öffentlichen Berichterstattung.

Na mal gut, dass der Mann jetzt Innenminister ist und für uns alle entscheiden kann was wirklich wichtig ist.


Quecksilberherz

20. November 2007

Wer kennt sie nicht, die Knoff-Hoff Show? Bei Joachim Bublath, dem Tomas Gottschalk der Naturwissenschaften, haben die Experimente jedenfalls besser geklappt als bei meiner Physiklehrerin. Irgendwas war in der Schule immer kaputt. Und spannender als Telekolleg war Knoff-Hoff sowieso. Hier ist ein Zusammenschnitt von 1994, der auch gleich mit Quecksilber beginnt:

(via Fischblog)


Internationales Quecksilber-Verbot?

20. November 2007

In Bangkok (Thailand) ist am 16. November das erste Treffen der Arbeitsgruppe Quecksilber des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zu Ende gegangen. Meine Kollegin Elena Lymberidi vom EEB in Brüssel war dabei und meint: „Vertreter aller Regierungen haben die ersten Schritte unternommen um eine globale Lösung gegen Quecksilber-Ausbreitung zu finden.“ Lymberidi fordert „strenge und rechtlich verbindliche Festlegungen“, um den globalen Quecksilber-Ausstoß zu senken. Möglich wäre es Quecksilber als Erweiterung in das Stockholmer Übereinkommen aufzunehmen oder einen eigenständigen völkerrechtlichen Vertrag zur Bekämpfung des Schwermetalls abzuschließen. „Das Ergebnis des zweiten Treffens der Arbeitsgruppe Quecksilber wird den Rahmen für zukünftige globale Aktionen setzen“ sagte Ravi Agarwal von der NGO Toxics Link India.


Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk Trostberg

19. November 2007

In Trostberg im Chiemgau soll ein „Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk“ gebaut werden. Der Name hört sich jedenfalls viel schönerer an als Müllverbrennungsanlage. Ersatzbrennstoff ist eine bunte Mischung von „hochenergetischen Industrieabfällen“. Die Bürgerinitiative „Saubere Energie für Trostberg“ meint hierzu:

Denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Verbrennungsanlage bietet auch die Tallage Trostbergs. Durch den Ausstoß von Dioxinen, Schwermetallen, Feinstaub etc. bestehen gesundheitliche Gefahren, die von erhöhtem Krebsrisiko über Atemprobleme, Herzkrankheiten, Schädigungen des Immunsystems und allergischen Reaktionen bis hin zu angeborenen Anomalien reichen. Eine Müllverbrennungsanlage ist vergleichbar mit einem riesigen Reaktor, in dem zig-tausend unterschiedliche Chemikalien landen. Die Kontrolle aller entstehender Verbindungen ist technisch unmöglich! Aus dem ganzen Schadstoffcocktail werden nur ca. 15 Schadstoffe gemessen; für viele nachweislich schädliche Stoffe existieren keine Grenzwerte!

Die BI schlägt stattdessen Investitionen in erneuerbare Energien vor.


Illegale Mülldeponien

19. November 2007

Deutschland

Im Landkreis Northeim (Südniedersachsen) hat die Polizei in der vergangenen Woche „unsachgemäß gelagerte selbstentzündliche, brennbare und teilweise hoch giftige Stoffe“ entdeckt. In den ersten beiden Lagerhallen und unter freiem Himmel fanden die Beamten der Technischen Ermittlungsgruppe Umwelt (TEGU) aus Göttingen unter anderem hochkonzentrierte Schwefelsäure, Quecksilber, Formaldehyd, Essigsäure und Kalilauge. Die dritte Halle wird noch untersucht. Viele Gebinde waren nicht oder unzureichend beschriftet. Allein die Lagerung der schätzungsweise 300 Tonnen Sondermüll sei ein eklatanter Verstoß gegen das „Zusammenlagerungsverbot“ bestimmter Chemikalien und Abfälle, teilte die Polizei mit. Ob ein Teil der giftigen Substanzen auch ins Erdreich gelangt ist oder sich Schadstoffe in der Luft ausgebreitet haben, sei bisher noch unklar. Die Gebäude der Firma, der „Gesellschaft für Reststoff und Sonderabfallverwertung“ (GeReSo) aus Einbeck, wurden von der Polizei versiegelt und gegen den Geschäftsführer ein Strafverfahren eingeleitet. Eine Genehmigung zur Lagerung der Chemikalien an dem Ort gab es nicht. Die Hallen stehen in einem Wohngebiet, in 50 Metern Entfernung befindet sich ein Kindergarten. Unklar ist bisher auch, woher die Abfallstoffe stammen (Berichte: Neues Deutschland, PR-inside, Oberhessische Presse).

Kenia

Ungleich größer ist die Müllhalde von Kenias Hauptstadt Nairobi, berichtet die Baseler Zeitung. „Dandora“ wächst jeden Tag um 2000 Tonnen und bedeckt mittlerweile eine Fläche von 30 Hektar. Der Ort gehört zu den 30 schmutzigsten Plätzen der Welt. Die Gesundheit von hundertausenden Menschen ist beeinträchtigt. Auf der Deponie landet nicht nur Müll aus Kenia, sondern auch Elektroschrott aus Industrieländern, die Schwermetalle wie Blei und Quecksilber und viele andere Giftstoffe enthalten.

Kinder nehmen das Blei auf, indem sie die giftigen Dämpfe einatmen oder einfach Dinge vom Boden aufheben. Mit Sorge beobachten Umweltschützer, dass Elektroschrott aus den entwickelten Ländern nach Kenia und in andere afrikanische Länder «abgeschoben» wird – weil das billiger ist, als ihn zu verarbeiten. Richard Kiaka Dimba von der Umweltorganisation «Eco-Ethics International» kritisiert, dass Industriestaaten ihren Elektroschrott häufig sogar unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit entsorgten. Gebrauchte Computer würden als Spenden nach Afrika geschickt, bis zu 20 Prozent davon seien aber unbrauchbarer Schrott. (AFP)

Indien

Spiegel Online berichtete kürzlich über Elektroschrott in Indien, der als „Spende“ oder Gebrauchtware aus den USA und Europa illegal ins Land gebracht wird. Billige Arbeitskräfte zerlegen und verbrennen den Elektromüll, um wertvolle Metalle herauszulösen und bezahlen für einen Hungerlohn mit ihrer Gesundheit. Der internationale Handel von gefährlichen Abfällen ist durch die Baseler Konvention eigentlich verboten. Indien und die EU-Staaten haben das Übereinkommen ratifiziert, die USA noch nicht. SpOn schreibt:

Doch die Kontrolle ist sowieso schwierig. „Der Elektronikabfall kommt durch bewusst falsche Etikettierung ins Land“, sagt Priti Mahesh von Toxics Link. Die Organisation mit Sitz in Neu-Delhi kämpft seit zwölf Jahren gegen die PC-Entsorgung in Indien. Die defekten Computer würden als „neu“ deklariert, als „Gebrauchtware zum Weiterverkauf“ oder, besonders perfide, als Spenden an Hilfsorganisationen und Schulen geschickt, sagt Mahesh. Rund 200.000 Tonnen an Elektronikabfällen seien auf diese Weise im vergangenen Jahr nach Indien verschifft worden. „Mitarbeiter des Zolls haben uns erzählt, dass sie gar nicht die Kapazitäten haben, um die Tausende von Containern zu überprüfen, die täglich in den indischen Häfen ankommen.“

Meine Kontakte zu Toxics Link habe ich ja schon offen gelegt und Priti gleich mal angemailt. Sie schreibt, dass nach sehr groben Schätzungen etwa 30 Prozent des Elektroschrotts aus der EU kommen, 70 Prozent aus den USA. Als Rat für Verbraucher sagt sie:

I think the advice for the European consumers would be to dispose off their end of life equipments to authorised recyclers – regulators have to make sure that the waste collected by recyclers is accounted for and processed in proper way.

Also bitte: 1. nur Elektrogeräte kaufen die man wirklich braucht und 2. ausgediente Geräte zu einem Händler oder zur Stadtreinigung zum Recycling bringen. Und dann kann man nur hoffen, dass die Geräte nicht bei einem „authorisierten Recyler“ wie der GeReSo landen.


Goldsuche in Ecuador

19. November 2007

Wer eine Reise macht, der kann was erleben. „Michi & Stefan“ reisen ein Jahr lang durch Ecuador und haben erlebt, wie dort Gold gewonnen wird:

Der Blick ueber das Tal und die umliegenden Berge war wunderschoen. Umso staerker der Kontrast zu den kargen Holzhuetten, die sich windschief an den Hang pressen und deren Aufgabe es zu sein scheint vom Muell und Dreck in den Strasse und im Flusslauf abzulenken. Dabei kann man gar nicht von einem Flusslauf sprechen, da dieser von tausenden Goldwaschanlagen in kleinste Rinnsale getrennt wird. Diese sollen moeglichst viel vom kostbaren Rohstoff herausholen. Dabei wird auch nicht vor der Anwendung von Zyanid und Quecksilber zur Bindung oder zum Fangen des Goldes zurueckgeschreckt. Diese verschmutzen dann die Fluesse und sorgen fuer ein [un]gesundes Leben! [...]

Viele Menschen, vor allem die Maenner, die hier arbeiteten, kamen bei Grubenunfaellen ums Leben oder verliessen diese nicht schnell genug waehrend einer Sprengung. Deshalb gibt es im Ort viele Verstuemmelte und Krueppel. Ein schon krasser Eindruck einer anderen Welt. Und fuer mich gibt es nur noch Recyclegold…

Der letzte Satz ist wohl der wichtigste – darauf achten, dass man „sauberes“ Gold verwendet.